Pedaling Forward: Der tätowierte BMXer Felix Prangenberg

21.09.2018  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: Tobias Kircher
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Pedaling Forward: Der tätowierte BMXer Felix Prangenberg
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Der BMX-Street-Fahrer Felix Prangenberg gilt aktuell als einer der besten deutschen Street-Fahrer im BMX-Sport. Der erst Zwanzigjährige fällt aber nicht nur wegen seiner Tricks und seines Styles auf dem Rad auf, sondern auch wegen seiner Tattoos.
Zahlreiche seiner Tätowierungen haben einen Bezug zum BMX-fahren. Der Löwe steht jedoch für seinen Bruder.

Der Händedruck ist rau. »Geht doch gerade, im Moment hab ich doch gar nicht so viel Hornhaut«, wundert sich Felix Prangenberg und knibbelt an den Handballen herum, wo sich die Hornhaut in feinen Fetzen ablöst. Drei Tage vor unserem Treffen ist er auf dem BMX COLOGNE 2018, dem weltgrößten Freestyle BMX Event in der Disziplin »Pro Street« auf den ersten Platz gefahren. Das Lettering »PMA« für »Positiv Mental Attitude« auf dem Daumenballen hat durch den Kontakt mit den Lenkergriffen gelitten. »Ich hab mir das Tattoo vor meiner Knieoperation im Sommer letzten Jahres stechen lassen. Es sollte mich motivieren, damit ich in der Reha-Zeit nicht den Mut und die Hoffnung verliere, wieder gesund zu werden und aufs Rad steigen zu können.« 

Wenn Felix die Tricks locker ’rausschnickt, sieht das immer sehr stylish aus!

Nicht beim Fahren hat er sich die Knorpelverletzung am Knie eingehandelt, sondern er ist auf einem Parkplatz in ein Schlagloch getreten – bei Felix ist Gehen die Risikosportart. Es dauerte ein knappes halbes Jahr, bis er nach dem Unfall wieder schmerzfrei fahren konnte. Bei den »freedombmx Awards« in München, wo er im Januar zum »Streetfahrer des Jahres 2017« ausgezeichnet wurde, schlackerte die Hose noch um das rechte Bein, die Muskulatur war noch nicht wieder aufgebaut. Anfang Februar bei der »Simple Session« in Tallinn, einer der weltweit größten Indoor-Veranstaltungen, schaffte er es zumindest auf den achten Platz, Ende März lief es in den USA schon wieder richtig gut: Platz zwei bei den BMX Street Invitationals in Kalifornien und trotz Verletzung an der Hand erreichte er noch einen sechsten Platz bei den diesjährigen »X Games Minneapolis« Mitte Juli. Viele seiner Tätowierungen haben einen Bezug zum BMX-Fahren, schon das Motiv seines ersten Tattoos, das er sich kurz vor seinem achtzehnten Geburtstag hat stechen lassen: Ein Globus mit Kettenblatt und dem Spruch »Pedaling Forward«. BMX-Fahren und Reisen sind die beiden Leidenschaften, die er mittlerweile bestens miteinander verbinden kann. 

Seit seinem zweiten Lebensjahr fährt er Rad, erst MTB, und als er acht war, stand ein BMX-Rad unter dem Weihnachtsbaum und Felix hatte das passende Gerät, um das zu tun, was er am liebsten tat: tricksen und springen. Als Fünfzehnjähriger startete er bei den »X Games Los Angeles« beim »Red Bull Phenom«-Contest für Nachwuchsfahrer, bei dem der kleine blonde Junge aus Roßbach an der Wied seine Heroes in der Jury überzeugte und diesen Wettbewerb gewann. Der Name Felix Prangenberg war in der BMX-Welt angekommen, er und Bruno Hoffmann sind heute die beiden Fahrer aus Deutschland, die auch zu internationalen Pro-Contests in der Disziplin Street eingeladen werden.

Städte sind der Spielplatz für Felix Prangenberg. Wohin er auch kommt, schaut er zuerst nach geeigneten Spots.

Auch für jemanden, für den es nichts Besseres im Leben gibt, als seine Zeit auf »einem Kinderrad« zu verbringen, sind Tricks immer auch eine Herausforderung. Neben der ganzen Euphorie, die er beim Fahren empfindet, kennt auch er das Gefühl von Angst. Sein Knöcheltattoo auf beiden Händen, »OVER« und »COME«, steht dafür. »Manchmal hab ich schon Schiss, einen Trick zu springen, aber die Angst muss man überwinden«, erklärt er. 

Und dann steht da noch »Live Your Dream« auf seinem Unterarm. Keine Plattitüde, sondern er hat alles auf eine Karte gesetzt, sogar seine Berufsausbildung abgebrochen, um nur noch fürs und vom BMX-Fahren zu leben. »Profi zu sein, war schon immer mein Traum, ich hab die Chance bekommen und sie ergriffen«, erklärt er seine Entscheidung. Die war sicherlich genauso schwierig wie seine Absage des Angebotes, im Kader des Deutschen Olympiateams zu fahren – bei den nächsten Olympischen Spielen in Tokio wird »BMX Freestyle Park« erstmals olympisch. Er habe sich das gut überlegt, erklärt er, aber sich dagegen entschieden, seine persönliche Freiheit würde durch die Meldepflicht in Dopingkontrollen und die Trainingszeiten eingeschränkt, das widerspräche dem Grundgedanken des BMX-Fahrens. 

Spielen verboten: Wenig Anklang findet spontane Street Session bei Angestelten des Ordnungsamts und der Wachdienste.

Seit 2015 ist er der einzige deutsche Fahrer im internationalen Pro-Team des Fahrradherstellers »Wethepeople Bike Company« aus Köln. Den Namen der Firma hat er sich nicht tätowieren lassen, aber es steht »Pathfinder« auf seiner linken Handkante. Das ist die Bezeichnung des Felix-Prangenberg-Signature-Rahmens, den der Kölner Hersteller nach seinen Konstruktionsvorgaben gebaut hat und den es seit letztem Jahr zu kaufen gibt. »Der Rahmen ist etwas größer, als sie heute normalerweise gebaut werden. Und auch das Lenkkopflager ist etwas steiler. Damit rotiert das Rad viel einfacher, es ist agiler.« Eineinhalbfache oder zweifache Rotationen um die eigene Achse gehören zu den Tricks, die seinen Stil prägen, insbesondere wenn sie »fakie« gefahren sind, also rückwärts. Der Kerl fährt besser und schneller gegen die Fahrtrichtung als die meisten vorwärts. Ein anderer von ihm geliebter Move ist es, den Sprung über das Vorderrad abzudrücken, während das Hinterrad in der Luft ist. Klingt komisch und ist es auch, insbesondere, wenn sich nach dem Absprung eine 540-Grad-Drehung anschließt – also anderthalb Mal um die eigene Achse.

Pathfinder mitzuentwickeln war nicht nur eine Ehre, sondern das Rad kommt damit auch seinem Fahrstil sehr entgegen. Auch die Materialverstärkung an Tretlager und Kettenstreben. Tricks wie der Pedal-Crankarm-Grind, bei dem er schräg auf Pedal, Kurbel und Tretlager auf einer Kante rutscht, sind materialmordend. Der neue Rahmen sollte länger halten. 

Eine von zahlreichen Motivgeschichten: »Ich liebe es, mit seinem Bus in die Natur zu fahren, in die Berge oder ans Meer, um dort zu übernachten.«

Auffällig ist aber nicht nur sein Fahrstil, sondern auch die Menge an Tätowierungen, die er bereits trägt. In nur zwei Jahren hat er sich mächtig zuballern lassen. Viele seiner Kollegen sind tätowiert und »viele würden auch gerne mehr Tattoos tragen …«, wenn da nicht die Kosten wären. Felix hat Glück. Mit Jörg Heumann, dem Inhaber des Studios Heimwärts Tattoo Collective in Linz, verbindet ihn sowohl die Leidenschaft für BMX als auch für Tattoos. Jörg und die Stammtätowierer Janis Seebald und Rique Corner und auch viele der Gasttätowierer wie Mitchell »Sneaky Mitch« Allenden und vor allem sein Berliner Kumpel, der Tätowierer Stefan Pauli vom Tätowierhaus Karlemann unterstützen ihn mit kostenlosen Tattoos. Hinzu kommen noch solche, die er sich auf seinen Reisen tätowieren lässt. »Wenn ich zum Filmen oder für eine Fotoproduktion reise, dann schaue ich schon, ob es einen coolen Tätowierer gibt und mache Termine.« Die Ideen gehen ihm nicht aus, mehr als einen Motivimpuls gibt er den Tätowierern aber nicht vor. »Das hat ja einen Grund, warum ich mir den Tätowierer aussuche. So bekomme ich Tattoos, die kein anderer trägt.« 

Kontakt
Felix Prangenberg

Nach Felix Prangenbergs Vorgaben hat der Fahrradhersteller »Wethepeople Bike Company« aus Köln den Felix-Prangenberg-Signature-Rahmen gebaut, den »Pathfinder« und trägt den Namen des Rades jetzt auf der Handkante.
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Stand:17 October 2018 03:07:21/szene/pedaling+forward+der+taetowierte+bmxer+felix+prangenberg_18914.html