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Bilder von Tätowierten Menschen sind schon lange nichts Neues mehr. Doch Fotograf Marcel Dykiert will sich davon lösen und seine eigene Sichtweise zeigen. Er versucht Tätowierungen am Träger szenisch in Pose zu setzen und dabei auf die Person wie auf das Tattoo im gleichen Maß einzugehen
Marcel Dykierts Fotos zeigen tätowierte Menschen, die mit einem, wie er selbst sagt, cremigen Graufilter überdeckt sind. Er setzt dabei die Tätowierung immer so in den Vordergrund, dass der Hintergrund und alle unwesentlichen Bildbestandteile außer Acht gelassen werden. Aus seiner Sicht störende Blickfänger wie Muttermale oder Leberflecken hat er wegretuschiert, um den ungestörten Blick auf die Tätowierung zu erhalten. Um den Fokus auf das Hautbild zu legen, positioniert der Berliner die Models so, dass das Tattoo gut zu sehen ist. Ob in der Ecke kauernd, in sich verschlungen oder an der Decke hängend: Der Fotograf lässt seine Models die verrücktesten Körperhaltungen einnehmen. Die so entehenden, teilweise seltsam anmutenden Platzierungen der Models im Bild erscheinen nicht immer nachvollziehbar, sind aber so gewollt. Bei der Anordnung ließ sich der Künstler nicht von bewussten Entscheidungen lenken, sondern von seiner Intuition: »Es schien mir zu ihr zu passen.«



Viele Models schrieben dem Fotografen in der Planungsphase, dass sie nur eine kleine Tätowierung haben, das aber hinderte Marcel Dykiert nicht daran, sie auszuwählen. »Tatsächlich fand ich es eher leichter, kleine Tätowierungen zu fotografieren«, sagt er. »Ein ganzer Rücken ist eine ziemliche Herausforderung. Es ist dann viel zu leicht, doch ein klassisches Porträt oder ein typisches Tattoofoto zu machen.« 



Für seine Bilderreihe »Ink: A Drug« schaltete er auf diversen Sozialmedia-Plattformen eine Anzeige. Er suche tätowierte Models für sein Projekt. Dabei war es ihm in erster Linie egal, ob sie viele, wenige, bunte oder schwarze Tattoos tragen. Auch die Größe und Platzierung war Nebensache. Marcel war sich anfangs ohnehin nicht so sicher, ob er überhaupt mit Resonanz rechnen konnte. Als er dann aber immer mehr Rückmeldungen auf seine Anzeige erhielt, fing er an, die Bewerber zu einem Gespräch einzuladen.



Er unterhielt sich mit ihnen lange über sie und ihren persönlichen Bezug zu Tätowierungen. Durch Fragen wie »Warum hast du dich tätowieren lassen?« oder »Wie bist du auf das Motiv gekommen?« kam Marcel mit seinen Freiwilligen ins Gespräch und lernte sie besser kennen. Er wollte die Backgrounds der Tätowierungen verstehen und warum sich die Models genau dieses Motiv stechen ließen. Diese persönlichen Hintergründe versuchte er dann in seine Fotografie mit einzubauen, um dadurch nicht nur die Person, sondern auch ihren Charakter und ihre Geschichte im Foto einzufangen – »soweit das in einem Bild möglich ist«, gibt Marcel Dykiert zu bedenken.



Die Gespräche waren für ihn sehr wichtig, um ein Gefühl für die Menschen zu bekommen. Zum Beispiel, als die Frage aufkam, »Würdest du dich denn teilweise oder ganz ausziehen?«. Er habe absichtlich unerfahrene Models ausgesucht, weil er diesen Punkt immer für eine Gratwanderung hielt. Tatsächlich ist es mehr als das: Damit ein solcher Schritt gegenüber unerfahrenen Menschen nicht übergriffig oder ausnutzend wirkt, ist eine Menge Fingerspitzengefühl notwendig. Die fotografierten Gesichtsausdrücke wirken tatsächlich entspannt, können letztlich aber auch nur einen Hinweis darauf geben, dass dem Fotografen dieser delikate Balanceakt gelungen ist.



Die Fotos an sich sind Marcel Dykiert gar nicht das Wichtigste. Vielmehr interessiert er sich für den Prozess des Fotografierens selbst. »Ich liebe es, Ideen für Fotos zu entwickeln, mit den Menschen zu arbeiten und aus den Rohdaten das Optimum herauszuholen. Speziell bei ›Ink: a Drug‹ sah ich gerne zu, wie die Reihe wuchs und die Vielfalt der Posen zunahm.« Bisher hatte er für seine Serie dreiundvierzig Models vor der Kamera. Die Gespräche, die er mit ihnen führte, will er nun in einem Buch zusammenfassen und veröffentlichen.

Sein nächstes Projekt ist schon in Planung. Marcel Dykiert will szenisch fotografieren, im Stil der alten Kinofilme aus dem Zeitalter der Weimarer Republik von 1918 bis 1933.


Kontakt:
Marcel Dykiert
E-Mail: dykiert@gmail.com  
Internetseite: www.dykiert.de
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Stand:24 April 2019 18:22:07/szene/marcel+dykierts+-+tinte_19325.html