Herzenssache: Tätowiererin Cory Capelli und ihr Red-List-Projekt

24.12.2017  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: Cory Capelli
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Herzenssache: Tätowiererin Cory Capelli und ihr Red-List-Projekt
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Tätowiererin Cory Capelli (38) macht mit ihrem Red-List-Tattooprojekt 
auf vom Aussterben bedrohte Tierarten aufmerksam. Wer sich ein Tiertattoo 
aus ihrer Reihe stechen lässt, spendet den Erlös direkt an eine Organisation, 
die der jeweiligen Tierart zugutekommt.
Die Rote Liste – was bereits aus dem Zusammenhang gerissen unheilvoll klingt, ist tatsächlich beunruhigend. Die Rote Liste ist ein von der Weltnaturschutzunion IUCN ins Leben gerufenes Verzeichnis, das Aufschluss über den Bestand aller bekannten Tier- und Pflanzenarten gibt. Die Liste basiert auf strengen wissenschaftlichen Kriterien und gilt deshalb als verlässlichste und renommierteste Quelle zum Zustand der Artenvielfalt. Sie wird alle fünf bis spätestens zehn Jahre aktualisiert und die letzte Bestandsanalyse wurde 2016 veröffentlicht. Die Entwicklungen sind alarmierend. 

In Zahlen ausgedrückt heißt das: 23 928 Tier- und Pflanzenarten sind gefährdet und rund ein Drittel der 82 945 von der IUCN erfassten Tier- und Pflanzenarten gilt als bedroht. Ist eine Tierart mal ausgestorben, bedeutet das ihr Ende. Kettenreaktionen, die sich auf unser gesamtes ökologisches System auswirken, sind die Folge. Die Liste der Todeskandidaten wird immer länger, die Gründe sind vielschichtig, doch meist steckt der Mensch dahinter.



Die Tätowiererin Cory Capelli engagiert sich mit einer besonderen Tattooaktion bereits seit Herbst 2016 dafür, auf die Rote Liste und ihre Bedeutung aufmerksam zu machen. »Die Liebe zur Natur und ein respektvoller Umgang damit ist in unserer Familie ein großes Thema, damit bin ich aufgewachsen und es hat mich maßgeblich in der Auswahl meines Studiums beeinflusst. Daher war es auch keine große Überraschung, dass Tiere in meinem Tätowiererleben eine zentrale Rolle spielen«, erzählt Cory, die Forstwissenschaft studierte.

»Es fing mit Haien an, weil ich sie besonders liebe und mir das sinnlose Abschlachten dieser so wunderschönen und wichtigen Tiere echt wehtut. Finanziell unterstütze ich privat die Projekte von Rob Stewart, der leider Anfang des Jahres bei einem Tauchunfall verstarb. Sein unendlicher Wille, den Menschen die Augen zu öffnen und die Haie vorm Aussterben zu retten, hat mich inspiriert, selbst aktiv zu werden. Mein Red-List-Projekt begann im Herbst 2016. Ich habe mir gezielt Tierarten der IUCN Red List ausgesucht, bei denen man durch gute Schutzprogramme die Erhaltung der Art gewährleisten kann. Für mein Projekt brauchte ich extrem viel Zeit für Recherchen. Die IUCN Red List ist megakomplex. Alle bedrohten Arten (Pflanzen und Tiere) sind mit wissenschaftlichen Namen gelistet, es gibt keine Bilder dazu. Ich habe mich bewusst für Tiere entschieden, die als ›vulnerable‹ eingestuft sind und auch da muss man genau nachlesen, warum das so ist. Ich habe bisher sechs Tiere gezeichnet, die tätowiert werden können und sie auf Facebook und Instagram hochgeladen. Hierzu gibt es immer eine kleine Erklärung, um welches Tier es sich handelt, wo es vorkommt und warum es gefährdet ist. Dazu suche ich Organisationen, die vertrauenswürdig sind und vor Ort gute Arbeit leisten. Bei der Auswahl der Tiere spielen auch verschiedene Regionen der Welt eine Rolle – ich möchte mich nicht nur auf einen Kontinent beschränken. Das Problem ist global.«

Der komplette Erlös aus dem Tattoo des jeweiligen Tieres geht direkt in ein Hilfsprojekt vor Ort. Die zukünftigen Besitzer des Tattoos dürfen aber mitentscheiden, was die Spendenempfänger betrifft. Corys Ziel ist zum einen, Menschen die Augen zu öffnen. »Wir sind aktiv oder passiv an vielen Zerstörungen unseres Planeten beteiligt. Zum anderen liegt es mir am Herzen, den Menschen zu zeigen, dass jedes kleinste Lebewesen auf dieser Welt einen Sinn für das Ökosystem hat. Fehlt ein Teil der Nahrungskette, kippt alles.«

Zur Person



Cory Capelli
Die Berliner Tätowiererin studierte Forstwissenschaft, wollte aber keine Beamtenlaufbahn einschlagen. Sie landete als Quereinsteiger bei Lufthansa. Später bekam Cory die Chance, als Tattoolehrling von Jan und Fide im Studio »Für Immer« anzufangen. 2012 wurde sie im TM-Nachwuchscontest unter die besten Nachwuchstätowierer gewählt. 
cory@corycapelli.com 
IG: @minagreyhound
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Stand:18 August 2018 14:40:38/szene/herzenssache+taetowiererin+cory+capelli+und+ihr+red-list-projekt_171123.html