Harte Hunde: Tätowierte für den Tierschutz

25.01.2019  |  Text: Boris »Bobs« Glatthaar  |   Bilder: Dr-Photoperformance
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Harte Hunde: Tätowierte für den Tierschutz
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Die Tattooszene ist reich an Menschen, die sich für den Tierschutz einsetzen. Ein Beispiel: Eine Gruppe um den Ex-Boxer Ralf Seeger. Ihr Engagement berührt nicht nur TV-Zuschauer, sondern hilft auch vielen Tierheimen langfristig
An diesem Tag geht's ums Grobe, die Kettensäge ist das wichtigste Arbeitsgerät. Ralf Seeger setzt das schreiende Elektrowerkzeug an der Wand einer alten Gartenhütte an, schneidet mitten rein, zweimal quer, zweimal hoch, komplett durch, bis nach draußen. Es rieselt Styroporflocken aus der Zwischendämmung, dann fallen die Bretter, und was bisher nach Pi mal Daumen aussah, entpuppt sich als akkurater Ausschnitt für ein neues Fenster. Minuten später sind der Rahmen eingesetzt und der Rand ausgeschäumt, nicht einmal Zollstock und Wasserwaage lassen Zweifel an der Qualität der Arbeit. Hier wird angepackt, nicht lange gefackelt.



Die Szene im Tierheim von Passau an einem diesigen Wintertag offenbart nicht allein, dass die »Harten Hunde« um den ehemaligen Profiboxer Ralf Seeger tatkräftig arbeiten, wenn sie mal wieder einem Tierheim in Not helfen. Sie zeigt vielmehr auch, dass es dem Team um echte Hilfe geht, nicht nur um ihre gleichnamige Sendung auf VOX. Denn als die Kettensäge eindrucksvoll durch die Hüttenwand schneidet, dreht das Kamerateam gerade an anderer Stelle. Trotzdem erwägt niemand auch nur kurz, die dringende Arbeit wegen guter Bilder aufzuschieben. Es ist nicht viel Zeit. In dieser Woche soll das Gartenhaus zu einer Quarantänestation für Hunde umgebaut werden. Dafür müssen die »Harten Hunde« einen neuen Boden samt Fliesen legen, Wände hochziehen und Räume bauen. Anderswo auf dem Gelände wollen sie in einem Hundehaus auch noch Estrich gießen, aber dafür müssen erst die Schlafboxen raus. Weil sie zu groß für die Türen sind, wollen zwei der Helfer sie zunächst zerlegen. Unwägbarkeiten und spontane Lösungen gehören dazu, wenn das Team anrückt und neben Arbeitskraft auch noch Material mitbringt.



Den meist personell unterbesetzten und finanziell klammen Tierschutzvereinen, die die Auffangeinrichtungen ehrenamtlich mit viel Herzblut und wenig staatlicher Unterstützung am Leben erhalten, ist das eine große Hilfe.  Pro Tierheim sind die »Harten Hunde« oft mehrfach über mehrere Tage vor Ort, bei VOX wird das komprimiert ausgestrahlt: ein Tierheim je Folge je Woche. Was früher als kleines Doku-Format innerhalb der Sendung »hundkatzemaus« zu sehen war, ist inzwischen eine eigene Serie: »Harte Hunde – Ralf Seeger greift ein«. Der schwertätowierte Hüne betreibt privat einen Gnadenhof, ist seit dreißig Jahren Tierschützer und hat den Verein »Helden für Tiere e.V.« mitbegründet. Um ihn herum hat sich im Laufe der Jahre ein Freundeskreis gebildet, das Team der »Harten Hunde«: frühere Kriminelle und Verurteilte, Kraft- oder Kampfsportler mit Hang zu Milieus, sonstwie Gestrauchelte, aber auch einfach Menschen, die helfen wollen. Sie alle eint, dass sie nicht zur Oberschicht der Gesellschaft gehören, dem Vorurteil zufolge alternativ sind, sogar gefährlich sein könnten oder das tatsächlich auch einmal waren. Bei den »Harten Hunden« aber gilt: Es gibt weder Gewalt noch Fleisch, Intoleranz ist ein Tabu, stattdessen stehen Achtsamkeit und Gemeinsinn im Zentrum des gemeinsamen Handelns. Die tatkräftige Tierhilfe gilt als so sinnstiftend und resozialisierend, dass Seegers Initiative bis in Sozialhilfe und Justiz einen guten Ruf genießt: Richter schicken ihm längst schon Straftäter zur Bewährung. Und dass Ralf und seine Freunde Neuankömmlinge nach dem Konzept der harten Ansagen bei gleichzeitig herzlicher Fürsorge integrieren, entspricht womöglich nicht der Lehrpädagogik, hat aber schon so manchen »harten Hund« auf die richtige Spur gebracht.



Die Mischung aus rauem Ton und klarer Linie einerseits und Zuneigung und Spaß andererseits ist auch bei der Arbeit im Tierheim deutlich zu merken. Es gibt keinen Zweifel daran, wer was wie bis wann zu erledigen hat. Über Blödsinn wird nicht diskutiert, zugleich treffen gute Ideen immer auf offene Ohren. Und als die »Harten Hunde« in der Wandverkleidung der Gartenhütte ein angeschlossenes Autoradio finden, wird die eingesteckte Kassette gleich angeschmissen. Zu Mireille Mathieus »Walzer der Liebe« sägt,  bohrt und schraubt es sich mit bester Laune gleich doppelt so gut, obwohl die meisten auf der winterlich kalten Baustelle aussehen, als würden sie zu Rammstein Leute verprügeln. Klischee! Das tun sie natürlich nicht.



»Harte Hunde«: Der Name der Crew mit Herz spielt nicht nur mit der Vergangenheit ihrer Mitglieder, sondern auch mit deren Äußerlichkeiten, was nicht allein die Muskeln meint. Weil viele aus der Subkultur stammen, spielen Tattoos für die Jungs und eine Frau der Gruppe eine große Rolle: Während manche Tätowierungen von der Straße tragen, wie sie vor zwanzig Jahren noch in Rockerschuppen gestochen wurden, haben andere die große Tattookunst der Gegenwart für sich entdeckt. So haben Autolackiererin Sina, Baumaschinenführer Henno, Ex-Fallschirmspringer Steve, der ehemalige Kunststudent Alex, Kraftsportler Jörg und Tierschützer Popeye jeweils einen ganz eigenen Zugang zu Körperkunst. Auf Tattooconventions verbinden sie diese Leidenschaft immer wieder mit ihrem ehrenamtlichen Engagement, indem sie für den Tierschutz oder um Spenden für ihren Verein werben. Mit Erfolg: Offenbar ist die Szene sehr tierlieb.
Kontakt:
Sendetermine
»Harte Hunde – Ralf Seeger greift ein« ist samstags um 19.10 auf VOX zu sehen. Die Episode 15 aus dem Tierheim Passau läuft am 26.01.19, es folgen die Episoden 13 und 14 aus dem Katzengnadenhof Rosenau (02.02.19) und Tierheim Eisenhüttenstadt (09.02.19). Im Online-Stream sind auch ältere Folgen zu sehen. Außerdem dreht das Team 2019 weitere Episoden und beabsichtigt, größere Projekte anzugehen.

Spendenkonto »Helden für Tiere«: Volksbank Kleverland eG
BIC: GENODED1GDL
IBAN: DE56 3206 1384 0019 4850 13

 
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Stand:16 February 2019 08:20:45/szene/harte+hunde+taetowierte+fuer+den+tierschutz_19121.html