Geister, Füchse, Löwenhunde – die Bedeutung japanischen Tattoomotive

23.02.2018  |  Text: Dirk-Boris Rödel  |   Bilder: Archiv TM
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Geister, Füchse, Löwenhunde – die Bedeutung japanischen Tattoomotive
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Unter den fernöstlichen Tattoos gibt es einige Klassiker. Doch neben Drachen, Karpfen und Geisha bietet die japanische Tätowierkunst viele weitere sagenumwobene Motive. Sie schmücken den Körper nicht nur, sondern erzählen ganze Geschichten.

Kitsune

Gottheiten wurden in vielen Kulturkreisen oft gemeinsam mit Tieren oder tierischen Boten dargestellt, so etwa die germanische Göttin Freya mit Katzen oder die griechische Göttin Athene mit einer Eule. Der Fuchs ist in der japanischen Shintô-Religion ein Begleiter der Göttin Inari. Oft wird auch sie selbst als Fuchs gezeigt. In Japan wird der Fuchs – anders als in Korea und China – zum größten Teil positiv gesehen und verehrt. Er gilt als Hengeyôkai, als Gestaltwandler, der jedes beliebige Aussehen annehmen kann. Am liebsten verwandeln sich Füchse der Mythologie zufolge aber in schöne junge Frauen, die sogar mit Menschen Familien gründen können. Bemerkt ein Mann jedoch, dass seine Frau in Wirklichkeit ein Fuchs ist, verschwindet sie für immer. Dieser Mythos von einem Tier, das sich in ein schönes Mädchen verwandelt und mit Menschen zusammenlebt, erinnert stark an die schottischen Selkies – Seehunde, denen ähnliche Eigenschaften zugesprochen werden. Die japanischen Füchse verfügen über magische Fähigkeiten, und je mehr Fuchsschwänze sie besitzen, umso stärker sind diese ausgeprägt. Die mächtigsten Füchse haben neun Schwänze. Als Begleiter der Reisgöttin Inari werden die Füchse unter anderem mit Fruchtbarkeit in Verbindung gebraucht.

Füchse werden in der japanischen Shintô-Religion besonders verehrt. Tattoo von Jan, Für Immer (Berlin).


Die sieben Glücksgötter

Die sieben Glücksgötter sind relativ junge Götterfiguren, sie lassen sich frühestens ab dem 14. oder 15. Jahrhundert nachweisen. Die Ursprünge der Gottheiten leiten sich aus unterschiedlichen Religionen ab; teilweise aus der japanischen Naturreligion des Shintô, teils aus dem chinesischen Maoismus, teils aus dem Buddhismus – obwohl dieser strenggenommen keine Götter kennt – und sogar aus dem Hinduismus. Entscheidet man sich für dieses Thema als Tattoomotiv, sollten alle sieben Götter im Tattoo repräsentiert sein: Daikoku für Wohlstand, Ebisu für Fischerei und Handel, Benten für Kunst und Musik, Bishamon für Kampf, Fukurokuju für Weisheit, Jurôjin für langes Leben und Hotei für Zufriedenheit. 
Missverständnisse gibt es häufig um die Figur des Hotei, der oft als »lachender Buddha« bezeichnet wird. Tatsächlich stellt er aber nicht den historischen Buddha dar, sondern den Mönch Keishi, den man nach seinem Tod als Inkarnation des Maitreya-Buddha verehrte, des Buddhas der Zukunft. In Japan wurde die ursprünglich buddhistisch geprägte Gestalt bald auch in Shintô-Schreinen verehrt und vollzog so quasi einen Religionswechsel von einer buddhistischen Heiligenfigur zu einem Shintô-Gott.

Ebisu, einer der sieben Glücksgötter, ist für Fischfang und guten Handel zuständig. Tattoo von Marco Bratt (Noordwijk, NL).


Namakubi

Namakubi, Bilder von abgetrennten Köpfen, dürften zu den frühesten Motiven in der japanischen Tätowierkunst gezählt haben. Als sich zur Mitte der Edo-Zeit (1603–1868) die ersten Japaner in der Art tätowieren ließen, wie es im chinesischen Heldenroman »Die Rebellen vom Liang-Schan-Moor« beschrieben wurde, der damals in Japan sehr populär war, gab es noch keine große Auswahl an Tattoovorlagen. Angehende Tätowierer waren daher stets auf der Suche nach neuen Motiven. Dazu eigneten sich unter anderem auch Illustrationen aus weit verbreiteten »Groschenheftchen«, die man überall erhielt, die oft von sehr blutrünstigen Geschichten handelten und in denen auch Bilder abgetrennter Köpfe zu finden waren. Das Besondere am Namakubi ist, dass es nicht lediglich der leblose Kopf eines Toten ist. In der Darstellung muss sich widerspiegeln, dass die Person eben gerade erst zu Tode kam und sich im Übergang vom Leben zum Tode befindet; so, als ob noch ein letzter Hauch von Leben in dem Kopf zu finden wäre. Messer im Schädel sollen zeigen, dass der Verstorbene besonders verhasst war und noch nach dem Köpfen ein zweites Mal getötet wurde.

Oft stecken in den »Namakubi«, den abgetrennten Köpfen, noch Messer, Haarnadeln oder Kurzschwerter. Alina Bushman, Golden Eagle Tattoo Parlor (Essen).
 

Yamamoto Kansuke

Historische Krieger und Heldengestalten nehmen in der japanischen Tätowiertradition einen großen Stellenwert ein. Die Auswahl an heldenhaften Samurai, die sich in den zahllosen Kriegen und Schlachten der japanischen Geschichte durch besonderen Mut hervorgetan haben, ist nahezu endlos. Aus diesem Grund ist es für japanische Tätowiermeister auch so wichtig, sich mit allen Facetten der eigenen Geschichte auszukennen, denn oft kommt es bei der Umsetzung solcher Heldengestalten darauf an, sie in dem entscheidenden Moment darzustellen, der zur Legendenbildung führte, oder auch Attribute und Merkmale im Bild unterzubringen, die für den jeweiligen Krieger besonders typisch sind. 
Der Held auf diesem Bild ist Yamamoto Kansuke, der Chefstratege des Fürsten Takeda Shingen, der 1561 in der berühmten Schlacht von Kawanakajima den Sieg gegen den Fürsten Uesugi Kenshin errang. Yamamoto soll gehinkt haben, weshalb er, wie hier zu sehen, meist mit einer Lanze abgebildet wird, auf die er sich stützt. Das Tattoo zeigt Yamamoto Kansuke, von Pfeilen getroffen, während der Schlacht. Fatalerweise glaubte der ge-niale Feldherr im Kampfgetümmel zu Unrecht, seine Strategie sei fehlgeschlagen, und nahm sich noch auf dem Schlachtfeld das Leben, konnte also nicht mehr den Sieg über Uesugi Kenshin miterleben. Solch tragische Schicksale sind in Japan die beste Grundlage für Heldenmythen. 

Tätowierer Marco Bratt (Noordwijk, NL)stellt hier den Feldherren Yamamoto Kansuke in seiner Schicksalsschlacht dar.
 

Daruma

Die Gestalt des Bodhidharma spielt bei traditionellen Ganzkörpertätowierungen kaum eine Rolle, da es jedoch ein japanisches Motiv ist, das oft tätowiert wird, wird es hier mitbe-sprochen. 
Bodhidharma, der in Japan abgekürzt einfach Daruma genannt wird (das u wird nicht gesprochen), war ein Mönch, der ursprünglich aus Indien kam und um 500 n. Chr. lebte. In China verbreitete er die Strömung des Buddhismus, die heute als Zen-Buddhismus bekannt ist. Besonderen Stellenwert hat in dieser Auslegung des Buddhismus die regungslose Meditation, die zur Erleuchtung führen soll. Von Bodhidharma wird erzählt, dass er neun Jahre lang regungslos vor einer Wand meditierte. Da er seine Arme und Beine nicht brauchte, seien sie abgefallen, weswegen er oft als eine Art eiförmiges Männchen dargestellt wird. Seine Augenlider soll er sich ausgerissen haben, um nicht einzuschlafen. 
Bei den heute verbreiteten Darstellungen des heiligen Mönches sind zunächst beide Augen leer; wenn man einen Wunsch hat, malt man dem Daruma ein Auge aus. Wenn der Wunsch in Erfüllung geht, bekommt die Figur das zweite Auge ausgemalt – oder eben tätowiert.

Dieser Daruma muss noch einen Wunsch erfüllen. Tattoo von Knuckle, Synchronicity (Okinawa, JP)



Komainu/ Karashishi

Das mythologische Tier, das in vielen japanischen Tätowierungen auftaucht, ist eine Symbiose aus der Figur des chinesischen Löwen (Karashishi) und einem koreanischen Hund (Komainu). Dass das Wesen nur wenig Ähnlichkeit mit einem echten Löwen aufweist, kommt daher, dass es in China wie auch in Japan nie Löwen gab. Das Aussehen dieser Wächterlöwen, die man in China vor Tempeln, aber auch Palästen hoher Beamter aufstellte, war dementsprechend vor allem der Fantasie der jeweiligen Künstler geschuldet. Die Flecken, mit denen die Tiere oft dargestellt werden, könnten beispielsweise vom Schneeleoparden beeinflusst worden sein, den man im Himalaya im Süden Chinas finden kann. Aufgrund der Ähnlichkeit zu koreanischen Hunden wurden die mythologischen Tiere die man ab dem 8. Jahrhundert auch in Japan übernahm, später auch als ebensolche bezeichnet; auf japanisch Komainu. Idealerweise stellt man diese Tiere paarweise dar, wobei ein Löwenhund das Maul geöffnet, der andere geschlossen hat; dies symbolisiert die Laute »A« und »Um«, das Ein- und Ausatmen während der Meditation und, zusammengenommen, das Sanskrit-Wort »Om«, den transzendenten Urklang aller Dinge und des Universums.

Meist werden die Löwenhunde paarweise dargestellt, hier hat Tätowierer Oli Lonien aus Trier das Motiv als zentrales Rückentattoo gewählt.


Sumô-Ringer

Der japanische Ringkampf ist uralt und wird bereits in den Ursprungsmythen der japanischen Inseln beschrieben. Es wird darin erzählt, dass bereits die Götter untereinander Ringkämpfe austrugen. Dementsprechend ist dieser Kampfsport, der sehr von Ritualen und Zeremonien geprägt ist, auch eng mit der japanischen Naturreligion, dem Shintô (Weg der Götter), verbunden. Früher war es nicht unüblich, dass zeremonielle Kämpfe erst durch den Tod eines Ringers beendet wurden, inzwischen gilt, dass der Kampf entschieden ist, wenn ein Ringer den Boden mit einem anderen Körperteil als den Füßen berührt. In der Edo-Zeit (1603–1868) trugen Ringer ihre Kämpfe oft auf offener Straße aus, was teilweise in wilde Prügeleien ausartete. Sumo-Ringer galten später – wie auch Feuerwehrmänner oder Angehörige anderer »Männerberufe« – als harte Kerle und schmückten sich teilweise mit Tätowierungen, um dieses Image noch zu unterstützen. Heute ist das sowohl bei Feuerwehrleuten als auch bei Sumo-Kämpfern jedoch völlig verpönt. 



 

Oni

Die gehörnten Kreaturen mit oft struppigem, rotem Fell und großen Reißzähnen werden zumeist als Teufel bezeichnet, was aber nicht ganz treffend ist. Die meisten Oni sind zwar böse und viele haben dadurch Berühmtheit erlangt, dass sie Jungfrauen verschleppen und auffressen oder Menschen auf andere Art und Weise terrorisieren. Aber oft waren diese Wesen früher selbst Menschen, die sich durch negative Gefühle wie Hass, Neid, Eifersucht oder Zorn in diese Monster verwandelt haben. Dementsprechend ist es auch möglich, dass sie durch Einsicht wieder erlöst werden, beispielsweise indem sie der Lehre der vier Wahrheiten und des achtfachen Weges des Buddhismus folgen. Der Mönch Ryôgen soll sich nach seinem Tod willentlich in einen Oni verwandelt haben, um in dieser Gestalt seinen Tempel bewachen zu können, den Enryaku-Ji bei Kyoto. Der buddhistische Höllenwächter Fudo Myôô war zunächst ein Oni und behielt seine Dämonengestalt bei, als er sich dazu entschloss, seine Kraft in die Dienste des Buddhismus zu stellen. Hannya stellen eine Unterart der Oni dar, sie waren zumeist im früheren Leben Frauen, die sich durch Eifersucht, Neid oder Rachsucht in diese Monster verwandelten.

Ein typischer Oni mit rotem, struppigem Fell und Hörnern von Lars, Blue Moon Tattoo (Berlin).

 

Geister/Yurei

Die japanische Geisterwelt ist nahezu unüberschaubar, es gibt unendlich viele Erzählungen von Geistergestalten, viele davon sind auf bestimmte Regionen lokal begrenzt, andere haben es zu landesweitem Ruhm gebracht. Die Erzählungen von den Gefallenen der Seeschlacht bei Dan-no-Ura im Jahr 1185, deren Geister bis heute in den Krebsen in dieser Gegend weiterleben, kennt in Japan jedes Kind, ebenso wie die Geschichte vom Tellergeist Okiku, einem Dienstmädchen, das zu Unrecht des Diebstahls eines Tellers bezichtigt wurde, sich das Leben nahm und seither keine Ruhe mehr findet. Viele Geister sind bösartig und es sind eben diese negativen Gefühle, die sie daran hindern, Frieden zu finden. Oft ist in diesen Geschichten ein buddhistischer Mönch in der Lage, dem Geist aus seiner Verstrickung in Rachegedanken herauszuhelfen, sodass er endlich zur Ruhe kommen kann. Interessant ist, dass in Japan auch Dinge zu Geistern werden können: Sobald etwas älter ist als einhundert Jahre, kann es sich in einen Geist verwandeln. Das können die banalsten Dinge sein – beispielsweise ein Wagen oder ein Regenschirm.

Ein  Schirmgespenst von Andreas Hentschel, Ewig und drei Tage (Dortmund).

 

Kirschblüten und Ahornblätter

Japanische Ganzkörpertattoos erzählen immer eine Geschichte, sei es eine, die religiöse Inhalte hat, eine, die auf historischen Begebenheiten beruht, oder auch eine fiktive Erzählung. Um das zentrale Motiv, das sich stets auf dem Rücken befindet, werden auf Armen, Beinen, Brust und Bauch weitere Details aus der jeweiligen Erzählung hinzugefügt. Oft verwendet man auch bestimmte Pflanzen, um anzuzeigen, zu welcher Jahreszeit die dargestellte Geschichte spielt: Die Kirschblüten markieren dabei den Frühling, fallende Ahornblätter den Herbst. Auch bei Tieren, die in einem Tattoo dargestellt werden, muss man darauf achten, ob sie in der jeweiligen Jahreszeit aktiv sind. Kirschblüten und Herbstlaub haben aber neben der Aufgabe, die Jahreszeit anzuzeigen, noch eine weitere Symbolik: Die sich vom Baum lösenden Blüten und Blätter stehen für den Tod. Da es in Japan jedoch eine ausgeprägte, vom Buddhismus geprägte Todesästhetik gibt, wird mit diesen Attributen der Tod nicht als angsteinflößend, sondern als etwas Schönes und Ästhetisches dargestellt.

Die Kirschblüte, die nur sehr kurz blüht, gilt in Japan als Symbol der Vergänglichkeit. Tattoo von Pino Cafaro, The White Fox Gallery (Braunschweig).

 

Fûjin und Raijin 

Fûjin und Raijin, die Götter des Windes und des Donners, werden meist zusammen dargestellt, obwohl sie unterschiedlichen Mythen entstammen. Der Windgott Fûjin, der in seinem großen Sack die Winde und Stürme beherrscht, soll bereits vor der Entstehung der Erde existiert haben, der Gott des Donners mit seiner typischen Trommel soll erst später aus dem Leichnam der Urgöttin entstanden sein. Beide werden oft in der Gestalt von Oni dargestellt, mit Hörnern, struppigem Fell und Lendenschurzen aus Tigerfell. Das ist insofern ungewöhnlich, als Oni meistens weltliche Wesen sind, keine Götter, es zeigt aber auch, dass die Gestalt des Oni sehr vielschichtig und facettenreich ist. Ihr wildes Aussehen unterstreicht die Tatsache, dass beide Götter ein gewaltiges Potenzial an Kraft und Zerstörung haben. In der japanischen Religion des Shintô, in der besondere Naturphänomene, aber auch Berge, Flüsse oder Bäume als Gottheiten verehrt werden, nehmen diese beiden Götter einen besonders hohen Rang ein.

Raijin und Fûjin, die Götter des Donners und des Windes, tätowiert von Jan, Für Immer (Berlin).
 

Baku

Der elefantenähnliche Baku zählt zu den Yôkai, den Monstern, auch wenn Baku sehr freundliche Wesen sind. Ihren Ursprung dürften Baku teils in den Elefanten Indiens, teils in asiatischen Tapiren gehabt haben. In der Darstellung vermischen sich Merkmale von Elefant, aber auch von Löwe und Schneeleopard. Am bekanntesten sind Baku dafür, dass sie Alpträume fressen; dazu muss man vor dem Zubettgehen dreimal »Baku, kurai!« sprechen – »Baku, friss!«. Ein Bild von einem Baku unterm Kopfkissen soll einen ruhigen, traumlosen Schlaf bescheren – die japanische Version des Dreamcatchers, sozusagen. Eine weitere Funktion des Baku ist es, Krankheiten zu bekämpfen. Ein Talisman in Form einer Kalligrafie mit dem Namen des Monsterwesens vertreibt Krankheit und Seuchen aus dem Haus. Auch Japans erster Shogun (hoher militärischer Anführer der Samurai), Tokugawa Ieyasu, vertraute auf die Schutzwirkung der Baku und ließ mehrere der Fabeltiere in seinem reich verzierten Mausoleum anbringen. 

Der Baku frisst Alpträume – doch wenn er nicht genug davon bekommt, kann er auch die Hoffnungen und Sehnsüchte des Träumers fressen. Ade, Nine Tattoo (Brighton, UK).
 


Drache

Während in unserem Kulturkreis der Drache oft mit dem Teufel und dämonischen Kräften gleichgesetzt wird und ganz klar negativ besetzt ist, gilt er in ganz Asien als positives Wesen. Im Gegensatz zum europäischen Feuerdrachen ist der asiatische Drache ein Wasserbewohner: Er lebt in Wolken, in Seen und Flüssen und ist für den Regen verantwortlich. Für ein Volk, das vom Reis-anbau lebte, war dieses Symbolwesen von zentraler Bedeutung. Harmlos ist der Drache in Japan aber dennoch nicht – dass er mit Regen in Verbindung gebracht wird, bedeutet nämlich auch, dass er in der Lage ist, Naturkatastrophen heraufzubeschwören, weshalb man stets bemüht ist, die Drachen der jeweiligen Region milde zu stimmen. 

Der japanische Drache: glücksbringend, aber nicht harmlos! Tattoo von Oli Lonien (Trier).

 

Geisha

Obwohl bei uns relativ weit verbreitet, spielt die Geisha in der traditionellen japanischen Tätowierkunst kaum eine Rolle. Westliche Tätowierer, die in den 50er und 60er Jahren japanische Motive übernahmen, hielten oft weibliche Figuren wie die Bodhisattva Kannon oder buddhistische Himmelsgestalten wie die Tennyo für Geishas. Den westlichen Tätowierern war dabei nicht klar, dass es sich bei den Tattoomotiven nicht um Unterhaltungskünstlerinnen, sondern um religiöse Figuren handelte. In klassischen japanischen Tattoos würde man eine Geisha nur dann thematisieren, wenn man eine ganz bestimmte Person mit ihrer individuellen Geschichte darstellen möchte.  

In der traditionellen japanischen Tätowierkunst eher unüblich: die Geisha. Tattoo von Philippe Fernandez, AKA (Berlin)

 

Koi

Karpfen gelten in Japan als Inbegriff von Kraft und Potenz. Dass Fische als Phallussymbole angesehen werden, ist auf der ganzen Welt universell. Umso mehr gilt das für den Karpfen, der gegen die Strömung schwimmend nochmals zusätzliche Kraft beweist. Auch dass der Karpfen die Mühsal dieser Wanderung zum Zweck der Fortpflanzung auf sich nimmt, unterstreicht zusätzlich die sexuelle Bedeutung des Motivs. 

Der Koi ist ein Symbol für Kraft und auch für Potenz. Tattoo von Oli Lonien (Trier).
 

Hannya

Hannya sind weibliche Dämonen, sozusagen eine Unterart der bereits beschriebenen Oni. Eine Frau kann durch negative Emotionen wie Hass, Neid oder Eifersucht zum Dämon werden. Die bekannteste Geschichte einer Hannya ist die von der Wirtstocher Kyohime: Als ein Mönch, in den sie sich verliebt hatte, ihre Liebe nicht erwiderte, verwandelte sie sich aus Zorn über die Zurückweisung in einen grässlichen Dämon mit Schlangenleib und abscheulichem Haupt, mit struppigem Haar und langen Hörnern. Der Mönch versuchte, sich vor ihr unter einer Bronzeglocke zu verstecken, doch Kyohimes Feueratem schmolz die Glocke, sodass der Mönch in der geschmolzenen Bronze eines grauenhaften Todes starb. 

Die Wirtstochter Kyohime, die sich in eine Hannya verwandelte: Tattoo von Michael Lorber (Trier).
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Stand:23 June 2018 20:02:10/szene/geister+fuechse+loewenhunde+-+die+bedeutung+japanischen+tattoomotive_18216.html