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Dr. Mark Benecke

19.01.2008  |  Text: Dirk-Boris  |   Bilder: Volker Rost, Mark Benecke
Dr. Mark Benecke
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Eigentlich könnte man sich schon fragen, wann Deutschlands bekanntester Kriminalbiologe überhaupt noch dazu kommt seiner Arbeit nachzugehen. Dr. Mark Benecke, ist im Fernsehen zusammen mit Aiman Abdallah bei Galileo Mystery geheimnisvollen Phänomen auf der Spur, plaudert mit Johannes B. Kerner oder schwingt mit Tim Mälzer den Kochlöffel.
Eigentlich könnte man sich schon fragen, wann Deutschlands bekanntester Kriminalbiologe überhaupt noch dazu kommt seiner Arbeit nachzugehen. Dr. Mark Benecke ist im Fernsehen zusammen mit Aiman Abdallah bei Galileo Mystery geheimnisvollen Phänomen auf der Spur, plaudert mit Johannes B. Kerner oder schwingt mit Tim Mälzer den Kochlöffel. Er hält Seminare, Vorträge, hat unlängst ein neues Buch herausgegeben (Mordspuren) und hat trotzdem noch genug Zeit seinem Hobby nachzugehen, nämlich Tattoos sammeln. Dass eine schillernde Persönlichkeit wie Dr. Mark Benecke sich dabei nicht mit Standard-Motiven abgibt, dürfte einleuchten. Wir konnten einen Blick auf seine Sammlung werfen und unterhielten uns mit dem Herrn der Fliegen über chinesische Girl-Bands, Kannibalen und Tattoos.

Dr. Mark Benecke - der tätowierte Kriminalbiologe
Deutschlands bekanntester Kriminalbiologe: Dr. Mark Benecke


TM: Ich hatte mich sehr gefreut meinen Namen in der Danksagung deines neuen Buches zu lesen. Du schreibst, dass mein Hinweis auf die japanische Kriminalgeschichte »Rashomon« zur Inspiration für dein Buch beigetragen hat. Die Freude relativierte sich allerdings nachdem ich die ersten Seiten gelesen hatte, wo penibelst der authentische Fall eines Kannibalen beschrieben wird, der seine Freundin ermordet und verspeist … mein Schinkenbrötchen konnte ich danach nicht mehr aufessen …
Dr. Mark Benecke: Der rote Faden in dem Buch ist eben der, dass es zu den Geschichten und Kriminalfällen darin oft keine Auflösung gibt, dass man oft nicht mehr sagen kann, was ist Wahrheit oder Lüge, so eben wie in der Geschichte »Rashomon« auch nicht geklärt wird, wie der darin beschriebene Mord wirklich passiert ist. Ich hatte keine Lust, wieder etwas zu schreiben wo immer die Auflösung mitgeliefert wird. Es gibt einfach Fälle, die sind unlösbar, selbst wenn man weiß wer der Täter ist oder selbst wenn man die Wahrheit kennt.

Benecke im Tatau Obscur
Dr. Benecke besucht eine Ausstellung von Zeichnungen mißgebildeter Embryonen im Berliner Studio »Tatau Obscur«.


TM: So in etwa wie man ganz genau weiß, was dieser Kannibale aus Japan angerichtet hat – weil er es selbst später beschrieben hat – aber es keine wirkliche adäquate Lösung zu der Tat gibt: anstatt dass der Mörder und Kannibale im Gefängnis sitzt, geniesst er seine Freiheit und schreibt Kritiken für eine Feinschmecker-Zeitschrift. Man hat also eine Tat von maximaler Grausamkeit, die eigentlich gesellschaftlich völlig geächtet ist – und dann übt der Mann als Gastro-Kritiker eine Tätigkeit aus, die von hoher gesellschaftlicher Anerkennung geprägt ist …
Dr. Mark Benecke: … und zudem thematisch noch so nah an der Tat ist. Aber das ist es auch, was viele nicht sehen können oder wollen, dass gerade solche monströsen Taten oft eben nur einen sehr kleinen Teil im Leben solcher Menschen ausmachen und dass deren Leben zum größten Teil völlig normal und harmlos verläuft. Wir hatten ja vorher auch über organisierte Kriminalität gesprochen: Solche Leute haben ja auch nicht 24 Stunden am Tag damit zu tun, andere Leute zu verprügeln, zu erpressen und Drogen zu verkaufen. Die machen ja auch ganz normale Sachen, fahren mit der Familie zum Picknick usw.

Vampirzahlen Tattoos
Vampirzahlen, Unterschriften chinesischer Girl-Band Mitglieder … Beneckes Tattoos sind scheinbar wild zusammengewürfelt.


TM: Das ist zwar ein Bild von Tätern, das wahrscheinlich näher an der Realität ist als das vom Monster, aber das ist eben auch oft schwer zu vermitteln, denn viele wollen entweder Schwarz oder Weiß haben, während die Realität eben oft grau ist …
Dr. Mark Benecke: … und im Grau ist es ja auch gar nicht so schlimm. Wenn man sich eine Meinung bilden will muss man eben auch mal dahin gehen, wo es neblig und unklar ist.

TM: Das Buch hat ja sicher einige Zeit in Anspruch genommen, dazu kommen noch deine zahlreichen TV-Auftritte … wann kommst du eigentlich zum Arbeiten?
Dr. Mark Benecke: Also wenn ich nen Kurs halte, für Polizisten oder so, das mache ich in der Wohnung nebenan, da sind die Wege kurz. Und wenn der Kurs zehn Stunden dauert, dann arbeite ich bei mir zuhause vorher zwei Stunden und danach noch fünf Stunden. Ich schlaf dann in der Zeit auch kaum. Bei den Fernsehauftritten ist das ähnlich, das zählt ja nicht als Arbeit. Da arbeite ich dann im Zug und später im Hotel. Also ich beute mich da halt selbst aus … meine Assistentin macht das genauso, die schreibt gerade ihre Doktorarbeit und ihre Erwerbsarbeit macht sie bei mir. Und ihren Kram bei mir muss sie halt erledigen – wie sie mit ihrer Doktorarbeit klar kommt, ist mir dann halt egal, das ist nicht mein Problem. Das ist halt so wenn man frei arbeitet …

Benecke lässt sich tätowieren
Der Doktor findet immer noch Zeit zum inken. Hier lässt er sich von Ewa aus Berlin bearbeiten.


TM: Aber das mit den Fernsehauftritten hat schon ziemlich zugenommen in letzter Zeit?
Dr. Mark Benecke: Vieles sind ja auch Wiederholungen, wie die ganzen Folgen von »Medical Detectives«. Und hier in Köln gibts ja auch einfach viele Produktionsfirmen. Und den Tim Mälzer hab ich kennen gelernt, das ist halt auch ein lockerer Typ, mit dem man sich mit ner Bierflasche ins Eck setzen kann … und der will halt nur Leute in seiner Sendung haben, die ihn interessieren und so kam das eben. Wir haben da auch ne Menge Sachen gemacht, die man in der Sendung nicht zeigen kann, Mord-Szenen mit Hühnchen nachgestellt und so … Also, das sind halt oft private Kontakte und Bekanntschaften und oft ist das reiner Zufall, dass da dann Fernsehsendungen draus werden, genau so wie da wo ich beim Kerner war mit diesem Puppenspieler, den ich gut kenne.

Das vollständige Interview findet ihr im TätowierMagazin 2/2008


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