DJ Spy – Der tätowierte Tausendsassa

23.02.2018  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: Robin Brecht, DJ Spy
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DJ Spy – Der tätowierte Tausendsassa
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Thomas Neumann aka DJ Spy ist ein vielbeschäftigtes Multitalent, das sich mit Leidenschaft sowohl in der Rockabilly- als auch in der Tattooszene einen Namen gemacht hat. Wir trafen ihn auf Bratwurst und Bier auf dem Waldhof in Mannheim und plauderten.
»Viva Las Vegas!« heißt es für den Rock-’n’-Roll-DJ Thomas Neumann aka DJ Spy im April. Dann darf der in Mannheim lebende Musik- und Tattooenthusiast auf dem weltweit größten Rockabilly-Festival Viva Las Vegas auflegen, wo außerdem Rock-’n’-Roll-Legende Jerry Lee Lewis auftreten wird (ja, der macht’s noch) und The Stray Cats ihre Reunion feiern. »Ich habe mir extra die Poolpartys zuteilen lassen, weil die Leute dort am meisten Bock haben, ausgelassen zu feiern«, erzählt der DJ. Seine Vorfreude scheint riesig und das ist nicht verwunderlich. Für einen leidenschaftlichen Rockabilly, der sich früher nicht hätte träumen lassen, vom Auflegen leben zu können, ist das der Ritterschlag schlechthin. Der regionale Fernsehsender RNF wird über DJ Spy in den nächsten Wochen einen Film drehen – es wird darum gehen, wie aus einem Hobby ein lohnenswerter Beruf werden kann.
Dafür ist der Spion – so nennen ihn viele seiner Freunde und in der Szene ist er so ebenfalls unter diesem Namen bekannt – sicherlich ein Paradebeispiel. Aus einem spießigen IT-Job beim Softwarehersteller SAP wurde ein Leben zwischen Plattentellern und Tattooconventions.

DJ Spy in Aktion. Hier legt er im Berliner Schuppen Wild at Heart auf.

Geboren wurde Thomas Neumann 1968 in der DDR, 1983 siedelte er nach Westdeutschland über. Zwei Jahre später kam er erstmals mit der Rockabilly- und Psychobillyszene in Kontakt. »Ich habe damals schon Schallplatten gesammelt und war vor allem viel auf Partys unterwegs, wo ich recht schnell auch auflegte.« DJ Spys Freunde fingen später an, aus Partyspaß ein Business zu machen, und fungierten selbst als Veranstalter. »Die Leute, mit denen ich früher immer abgehangen habe, veranstalten irgendwann selbst Konzerte und haben mich dann immer gebucht. So bin ich da reingerutscht.« 
Zehn Jahre arbeitete Thomas beim IT-Konzern SAP. Den Job cancelte er aber und seit dem Jahr 2000 widmete er sich vollumfassend der Musik. Rund 2000 Platten besitzt der DJ, der stolz darauf ist, heute einer der wenigen zu sein, die nicht einfach nur einen USB-Stick in eine Anlage stecken. »Ich versuche, alles von Schallplatte zu machen. Ansonsten gibt es höchstens ein Back-up in Form eines CD-Köfferchens.« Seit ’85 sammelt er und kauft monatlich neue Platten. 

Logo von DJ Spy

Wöchentlich veröffentlicht DJ Spy einen Podcast – mit Musik aus seinem schier grenzenlosen Fundus feinster Rock-’n’-Roll- und Rockabilly-Stücke. »Ich versuche außerdem, jedes Wochenende aufzulegen. Denn ich muss ja mein Geld am Wochenende verdienen.« Das benötigt auf jeden Fall eine gehörige Portion Herzblut und Begeisterung für die Sache. Wenn es sich einrichten lässt, geht der Spion am Wochenende auch gerne mal auf den Waldhof, zu den Spielen des Fußballvereins SV Waldhof Mannheim 07. »Hier ist alles noch ein bisschen überschaubar, sehr authentisch. Es macht einfach Spaß mittags mal rauszukommen mit den Jungs. Mal was anderes zu sehen, ’ne Bratwurst zu essen.«

 So grimmig wie der DJ hier auf dem heiligen Rasen des SV Waldhof Mannheims guckt, ist er eigentlich gar nicht.

Apropos Wochenende. Wer aufgepasst hat, der könnte dem Spion schon mal über den Weg gelaufen zu sein. Und dafür muss man nicht zwingend auf Record-Hops oder Rockabilly-Weekendern unterwegs gewesen sein. DJ Spy fühlt sich auch in der Tattooszene wohl und moderierte unter anderem schon viele Male die Mannheimer Convention vor der eigenen Haustür. In die Quadratestadt kam er übrigens durch die Liebe. Mit seiner Frau ist er auch heute noch glücklich verheiratet. In ihr fand er eine Partnerin, die seinen Lifestyle unterstützt.
Wer seit siebzehn Jahren an den Plattendecks  steht, könnte Gefahr laufen, der Musik überdrüssig zu werden. DJ Spy geht es da ein bisschen anders: »Nach so vielen Jahren in der Szene kannst du dir schon aussuchen, wo du hingehst und was du mal auslässt. Da hast du ja schon alles gesehen und erlebt. Aber Livemusik supporte ich immer und das finde ich auch wichtig.« Flugmeilen sammelt der Spion bei seinen Engagements reichlich und kommt mit seinem Plattenkoffer ordentlich rum. Sei es in England, Mexiko, New York oder LA. Der DJ möchte sich in keine Schublade stecken lassen, auch wenn seine Passion dem Rock ’n’ Roll gilt. »Ich sehe mich als Dienstleister und habe auch schon ganz bizarre Sachen gemacht, etwa bei der Formel 1 oder für Uschi Glas.« 

DJ Spy auf dem Walk of Fame beim Stern von Johnny Cash. Der Man in Black ist sein großer Held.

Doch der Erfolg des DJs liegt nicht allein in seinem kunden-orientierten Arbeitsverständnis begründet. Thomas ist vor allem kompetent und dabei grundsympathisch. Er ist einer von der Sorte, die einfach gut mit Menschen kann – ob er sie nun lange kennt oder sie gerade zum ersten Mal sieht. Wenn er abends an der Hotelbar Geschichten auspackt, hängt man ihm gerne an den Lippen. Der Spion weiß viel und vor allem weiß er, wie man entertaint.

Bei der Langen Nacht der Museen in Mannheim legte der Spion in den Turley Barracks auf.Mitte: »Das war vor 30 Jahren« – mehr fiel DJ Spy auf Anhieb nicht ein. Reicht ja aber auch.

Das macht ihn eben auch zu einer guten Wahl für die Convention-Moderation. Auch auf der Tattoo Ink Explosion in Mönchengladbach ist er auf der Bühne zu sehen. In die Tattooszene ist er übrigens auch durch die Musik gerutscht. »Rock-’n’-Roll-Musik und Tattoos gehören irgendwie zusammen. Obwohl man sich in den 50ern nicht so zugehackt hat wie heute, assoziiert man die beiden Begriffe heute ja doch miteinander.« 

Auf dem Walldorf Weekender ist der DJ und Moderator nicht wegzudenken. Hier interviewt er gerade das Partyvolk bei den legendären Poolpartys.

Als DJ Spy von einem Bekannten aus der Musikszene für die Moderation einer Tattooconvention vorgeschlagen wurde, wollte er zunächst ablehnen. »Da steht man ja noch mal ganz anders auf dem Präsentierteller und das wollte ich ja gar nicht. Aber die gute Seele hat sich halt doch breitschlagen lassen.«  

DJ Spys Stammplatz im Stadion

Und seit neun Jahren moderiert die gute Seele nun diverse Conventions. Als richtigen Tattoofanatiker oder gar Experten würde sich der Spion niemals bezeichnen. »Klar, über die vielen Jahre schnappt man einiges an Know-how mit auf. Aber ich könnte mich zum Beispiel nie in eine Jury setzen. Ich sehe mich ganz einfach als Convention-Moderator und -DJ.«  Der ist auch selbst tätowiert: Viele seiner Motive stehen im Zusammenhang mit seiner Musikleidenschaft, etwa die Schallplatte um seinen Ellenbogen und indirekt auch die Tiki-Figur am Oberarm – ein Motiv, auf das viele Rockabillys stehen.
Das erste Tattoo, das sich der Spion stechen ließ, war übrigens sein Ehering: »Ich habe ja selbst sehr spät angefangen, erst 2000, als ich geheiratet habe. Das zweite Tattoo widmete ich auch meiner Frau: ein flammendes Herz in der Armbeuge.« Ein sehr passendes, für den Künstler aber ungewöhnliches Tattoo stach DJ Spys guter Freund Marcuse von Smilin’ Demon Tattoos, der 2013 verstarb. »Er machte mir ein Marcuse-untypisches Tattoo, nämlich einen Rock-’n’-Roll-Schriftzug, einen Notenschlüssel und einen North Star.«


Shortcuts
 
DJ Spys erste Platte? 
»Das war Highway To Hell von AC/DC, damals noch in der DDR. Ich hab das Sparschwein geknackt und mich um 6 Uhr morgens angestellt.«

Sein Rausschmeißer-Song? 
»Three Cool Cats von The Coasters.«

Wie viele Platten?
»Rund 2000 LPs und Singles.«


DJ SPY
Sein Voodoo Lounge Podcast erscheint wöchentlich. Mehr dazu unter www.spyrocknroll.de

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