Dirk-Boris Rödel über Hygieneschweine unter den Tätowierern

24.08.2018  |  Text: Dirk-Boris Rödel  |   Bilder: Tobias Kirchner
Dirk-Boris Rödel über Hygieneschweine unter den Tätowierern
Dirk-Boris Rödel über Hygieneschweine unter den Tätowierern
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Kein Verständnis hat Dirk-Boris Rödel für Tätowierer, die auf Conventions und in offiziellen Studios die gründlichsten Hygienestandars missachten. Warum die Arbeit solcher »Hygieneschweine« inakzeptabel ist, erfährst du in seiner Kolumne »Gestochen scharf«.
Wollt ihr mich eigentlich verarschen? Wir schreiben das verdammte Jahr 2018 und ich sehe heute noch Tätowierer auf Conventions und in offiziellen Studios, deren Hygienestandards denen von Knasttätowierern in russischen Straflagern der 70er Jahre entsprechen. Ja, man sieht zwar heute keine Tätowierer mehr, die ohne Einmalhandschuhe arbeiten, aber welchen Sinn diese Handschuhe haben, ist (zu) vielen offenbar überhaupt nicht klar. Tätowierer, die mit benutzten Handschuhen alles Mögliche angrapschen – Brille, Kopfhörer, Hebel am Arbeitsstuhl – sind keine Seltenheit. Wenn diese Gegenstände nicht mit Folie eingepackt sind, werden sie dadurch mit Keimen kontaminiert, die dem nächsten Kunden, wenn der Tätowierer diese Gegenständen erneut anfasst, in die offene Wunde gerieben werden. Wie man solche Kreuzkontaminationen vermeidet, muss das Allererste sein, was man als Tätowierer lernt! Ein verpfuschtes Tattoo ist ärgerlich, aber eine Infektion mit Hepatitis C kann lebensbedrohend sein! Trotzdem gibt es auch heute noch genug Tätowierer, die sich einen Scheiß um so etwas kümmern und nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch die ihrer Kunden aufs Spiel setzen. Nächstes Beispiel, woran man sieht, dass ein Tätowierer keine Ahnung von Hygiene hat: Das Tattoo ist fertig, der Tätowierer hatte auch Handschuhe an, und alles, was er anfasste, war entweder Einweg oder abgeklebt. So weit, so gut. Dann räumt der Tätowierer auf, sprüht am Schluss noch mal darüber und wischt das Tattoo mit einem Zewa ab, ohne Handschuhe. Sieht man auf jeder Convention dutzendfach, beobachtet einfach mal die Tätowierer, die vor den Contests noch mal die Tattoos ihrer Kunden saubermachen. Stellen wir uns vor, der Kunde hat Hepatitis und der Tätowierer irgendwo einen kleinen Kratzer an der Hand – das reicht schon für eine Infektion. Der Tätowierer hat jedenfalls – so gut kann er gar nicht aufpassen – die Schmiere aus Wischwasser, Farbe und Blut an den Händen und fasst damit wieder Dinge an, die er kontaminiert, schüttelt anderen die Hand und so weiter. Ganz schön ekelhaft, oder? Von den Drecksäuen (ja, Drecksäue!), die auf Conventions nach dem Tätowieren die Wasser-Farbe-Blut-Brühe ins Waschbecken der öffentlichen Toilette kippen, wo sich andere die Hände waschen, oder dort sogar ihre Griffstücke abschrubben und dabei den gesamten Bereich kontaminieren, will ich gar nicht erst reden. Auch nicht von denen, die die Spitze der Farbflasche in bereits benutzte Farbtöpfchen tunken, selbst das habe ich schon gesehen. Das ist einfach nur grob fahrlässig. Ich bin fassungslos, wie niedrig teilweise der Level an Hygiene manchmal in Tattoostudios und auf Conventions ist. An unbelehrbare Tätowierer zu appellieren, die auch den Ruf eines ganzen Berufsstandes diskreditieren, ist wahrscheinlich vergebliche Liebesmüh – daher liegt es an den Kunden: Wenn euer Tätowierer nicht absolut hygienisch einwandfrei arbeitet, geht woanders hin, und wenn ihr solche Hygieneschweine auf Conventions seht, informiert den Veranstalter! Man kann vieles durchgehen lassen, aber bei mangelnder Hygiene hört der Spaß auf. 

Erfahre hier worauf du achten musst: Die Do’s & Dont’s zur Hygiene im Tattoostudio!
 
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Stand:13 December 2018 18:32:22/szene/dirk-boris+roedel+ueber+hygieneschweine+unter+den+taetowierern_18716.html