Die Deutschpunks Donots über ihre Tattoos

18.05.2018  |  Text: Boris Horn  |   Bilder: Andreas Bradt
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Die Deutschpunks Donots über ihre Tattoos
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Die Donots aus Ibbenbüren gehören seit nun fast fünfundzwanzig Jahren und elf Alben zu den Veteranen des Punkrocks aus Deutschland. Im Interview verraten sie Hintergründe ihrer außergewöhnlichen Tattoomotive, witzige Tätowiergeschichten und warum sie sich das Gesicht ihres Tontechnikers stechen lassen wollen.
Vor sechs Jahren haben wir zuletzt mit euch gesprochen und waren beim Tattootermin in Osnabrück dabei. Damals war die Überschrift »Bei uns gibt’s keinen Band-Hitler«. Ist das immer noch so oder hat sich daran was geändert?
Ingo (lacht): Nein, wir sind immer noch genauso basisdemokratisch wie damals. Wir sind durch unser Studio und unser Label und Management sogar noch fokussierter und noch mehr zum Team geworden. Bis jetzt hat auch keiner ein kleines Bärtchen bekommen.

Guido und Ingo mit ihrer Tourlektüre, dem TätowierMagazin

Ingo, du bist viel im Jugendstil tätowiert, bei unserem Termin vor sechs Jahren hast du eine Absinth-Dame erhalten, was kam denn seitdem dazu?
Ingo: Das war damals schon relativ fertig, hinzu kam der Anker, die alte Ibbenbürer-Postleitzahl – das ist so eine schöne Kindheitserinnerung – und ein bisschen Kleinkram. Das hat alles derselbe Tätowierer (Pimo von Scratch the Surface aus Ibbenbüren; Anm. d. Red.) gestochen. Neu ist auch das Hansaringtattoo auf meinen Zehen, das habe ich in Münster am Tag des Videodrehs zu dem Song »Hansaring« im Studio »Tätowiersucht« stechen lassen. War lustig da, alles sehr spontan und es gab auch noch Schnaps (lacht). Mein letztes Tattoo ist übrigens das Papierschiff am Hals, das steht für meine zweijährige Tochter. Es sollte was Niedliches sein und ich wollte nicht so etwas Abgedroschenes wie einfach nur den Namen. Das hat auch Pimo gestochen. Ich bin einfach gerne bei ihm, das hat so was von Ritual und ist auch einfach so ein Freundschaftsding. Außerdem hat er immer eine gute Musikplaylist laufen, mit allem, was ich auch gerne mag. Rancid und so.

Ingo ist großer Jugendstil-Fan. Alles gestochen von Pimo, Scratch the Surface in Osnabrück

Jugendstil wird sehr selten gestochen, was fasziniert dich daran?
Ingo: Ich hab ein Faible für Antiquitäten und Jugendstil hat so was Edles, Delikates, außerdem mag ich den Detailreichtum darin und es ist natürlich kein Standard wie Schriftzüge, Tribals und so weiter.

Habt ihr euch mal ein Tourtattoo stechen lassen?
Guido: Wir haben da was vor (lacht). Und zwar das Gesicht unseres Monitormischers Carsten. Wenn alle mitmachen, wären wir sieben Leute, die das dann tragen würden. Das ist so ein bisschen ein Running Gag mit ihm als Donots-Maskottchen. Wir haben ihn auch mal als riesigen Backdrop bei unserer tausendsten Show heruntergelassen und auf eine Sieben-Zoll-Vinyl-Single gedruckt. Er ist ein sehr schüchterner Typ und er sagt dann immer Dinge wie: »Das könnt ihr doch nicht machen« (lacht).
Guido, dein erstes Tattoo war mit siebzehn, euer Bandname auf dem Bein. Existiert das Tattoo noch oder ist das einem Cover-up zum Opfer gefallen?
Guido: Das hab ich natürlich noch. Eine lustige Geschichte. Meine Eltern waren damals im Urlaub und haben mir Geld zum Essen dagelassen, ich hab es aber lieber in das Tattoo investiert und mich bei einem Kumpel mit Essen durchgeschnorrt. Vor meinem Vater habe ich das auch immer geheim gehalten, weil meine Mutter Bedenken hatte, dass er das gar nicht witzig finden könnte. Viel später hat er es dann bei einem Konzertbesuch entdeckt und es war okay. Das Tattoo wird auch nicht gecovert, ich hatte Glück,  dass ich durch Zufall einen ordentlichen Tätowierer erwischt habe, obwohl ich keine Ahnung hatte.

Ingo ist großer Jugendstil-Fan. Alles gestochen von Pimo, Scratch the Surface in Osnabrück

Was kam dann noch hinzu?
Guido: Das Erwähnenswerteste ist wahrscheinlich der Pottwal auf dem Bauch. Da habe ich auch lange überlegt wegen der Stelle, eigentlich wollte ich es zuerst auf die Rippen, hab es mir dann aber doch anders überlegt. Dann habe ich mir den Namen meiner Tochter aufs Handgelenk stechen lassen. Später ist mir ein Teller zerbrochen und jetzt ist genau da eine Narbe. Irgendwie sieht das aus wie ein gewollter Effekt.

Welche deiner Tätowierungen würdest du als dein Lieblingstattoo bezeichnen?
Guido: Auf jeden Fall das Donots-Backpiece und den Hulk, der knallt so richtig schön, obwohl der echt schon uralt ist.

Auch bei Guido stammen die meisten Tattoos von Pimo (Scratch the Surface). Der Hulk rechts oben ist von Igor (Tätowiersucht)

Wie wertet ihr die Entwicklung, dass Tattoos mittlerweile so normal geworden sind?
Ingo: In erster Linie ist das eine schöne und positive Entwicklung, wenn man bedenkt, wie reglementiert das Leben unserer Eltern und Großeltern war. In deren Generationen war es ja undenkbar, sich zum Beispiel auch nur die T-Shirt-Ärmel abzuschneiden. Aber auch allein in den letzten fünf Jahre war die Entwicklung bei Tattoos enorm – sowohl von der Qualität als auch in der öffentlichen Wahrnehmung.
Guido: Da ich das nur für mich mache, ist mir das ziemlich egal.
Ingo: Bedenklich finde ich einfach, wenn da eine Siebzehnjährige ins Studio kommt, weil sie eine Woche später achtzehn wird und den Namen ihres Freundes tätowiert haben möchte. Da sind die Tätowierer gefragt, die Erziehungsarbeit zu leisten.

Auch bei Guido stammen die meisten Tattoos von Pimo (Scratch the Surface). Der Hulk rechts oben ist von Igor (Tätowiersucht)

Wie sehen eure Tattoopläne aus?
Ingo: Ich will als passionierter Gamer auf jeden Fall noch ein Gamertattoo und ich hab noch eine Idee für mein Bein. Da würde ich gern ein »Danke für die Musik«-Thema tätowieren lassen – eine Art Mix aus all meinen Lieblingsalbum-Covers. Aber das ist bisher nur eine grobe Idee.
Guido: Unter anderem will ich auf den Hals noch eine Gitarre tätowiert haben, das wäre dann schon die vierte, aber das ist egal. Selbst wenn ich sechzig Gitarren tätowiert hätte, wäre es für mich immer noch geil. Gitarren sind einfach mein Leben, ich hab kein Auto und keinen Führerschein, deshalb kann ich mein ganzes Geld in Gitarren stecken (lacht).



Butter bei die Fische, ihr habt bestimmt Tattoos, die ihr bereut, oder?
Ingo: Da ich erst mit Mitte, Ende zwanzig damit angefangen habe, hatte ich viel Zeit, mir alles genau zu überlegen, und ich bin heute sehr glücklich damit, wie alles geworden ist.
Guido: Ich bin da ein bisschen stumpfer reingerannt (lacht). Bereuen wäre übertrieben, aber ich würde vielleicht einiges anders machen, weil ich durch Fehlplanung auch viel kostbare Fläche verschwendet habe, gerade auf beiden Armen.

Das elfte Studioalbum der Donots ist im Januar 2018 erschienen undist ihr zweites in deutscher Sprache.

www.donots.com/de
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Stand:26 September 2018 02:36:10/szene/die+deutschpunks+donots+ueber+ihre+tattoos_18515.html