Der Weg zum ersten Tattoo

20.04.2018  |  Text: Redaktion  |   Bilder: TM-Archiv
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Der Weg zum ersten Tattoo
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Hier erfährst du, wie du vom Motivwunsch über den passenden Stil und einen guten Tätowierer zum perfekten Tattoo kommst, an dem du lange Freude hast. Sei mit diesem Ratgeber bestens Vorbereitet für deinen Tattoo-Termin!
Wer sich unter Tätowierten umhört, erfährt auffällig oft, ihr erstes Tattoo sei ein Schnellschuss gewesen, den sie sich rückblickend lieber verkniffen hätten. Doch weil sie »damals« schnell ein Tattoo gewollt, aber weder Kohle noch Ahnung gehabt hätten, sei diese Jugendsünde eben entstanden. Das muss nicht sein: Wer schlimme Tattoo-Fails am eigenen Körper vermeiden will, befolgt eine Grundregel und ein paar ganz praktische Tipps. Die Grundregel hier vorab: Eine richtig gute Tätowierung bekommst du nicht schnell, billig und an jeder Ecke – und dein perfektes Motiv findest du nicht bei Pinterest. Die praktischen Tipps erfährst du auf den folgenden Seiten. 



Der Faktor Zeit
Setze dich nicht unter Druck und lasse dich auch von Vorbildern und deinem Umfeld nicht unter Druck setzen. Denn nur, wenn du dir Zeit nimmst, wirst du mit einem Tattoo lange glücklich sein. Apropos Zeit: Gute Tätowierer – wie hier Realistic-Guru Andy Engel – haben häufig einen vollen Terminkalender, Wartezeiten von mehreren Wochen, Monaten oder sogar Jahren. Auch das solltest du bei deiner Planung berücksichtigen.

Realistic-Guru Andy Engel

Tattoo-Motiv und Stil
Viele Tattooneulinge haben zwar einen recht konkreten Motivwunsch, aber keine Vorstellung davon, in welchem Stil der umgesetzt werden soll. Unter dieser Voraussetzung den richtigen Tätowierer zu finden, ist schwierig. Denn: So, wie die Maler Picasso dem Kubismus und Franz Marc dem Expressionismus zugerechnet werden und ihre gemalten Pferde daher völlig unterschiedlich aussehen, so unterscheiden sich Tätowierer heutzutage auch nach Stil ihrer Werke und nicht nach Motiv. Qualitativ mittelmäßige bis solide Allrounder, wie sie vor Jahren noch üblich waren, gibt es immer weniger, an ihre Stelle treten mehr und mehr großartige Experten. Deshalb solltest du als Tattooneuling allem voran die Stilfrage beantworten. Möchtest du beispielsweise ein realistisches Katzenporträt, eine Katze im Traditional- oder gar im grafischen Stil? Einen Guide mit sechs wichtigen Styles findest du auf den folgenden Seiten.

Katzenmotive in unterschiedlichen Stilrichtungen umgesetzt: Als Dotwork von Wojtek Przychodzki, Inkdependent Tattoo (Edinburg, UK)

Das Motiv selbst erstellt der Tätowierer in seinem eigenen Stil dann individuell für dich. Nur noch selten werden Motive wie früher nach »Katalog«, den sogenannten »Flashes«, gestochen. Unter angesehenen Tätowierern ist das Abpausen ebenso verpönt wie das dreiste und auch verbotene Kopieren der Tattoos anderer Künstler. Mit dem Foto eines Tattoos, das man bei anderen gesehen hat, zum Tätowierer zu gehen und es genau so haben zu wollen, ist daher eine schlechte Idee: Tätowierer, die etwas auf sich halten, werden diesen Wunsch empört zurückweisen und auch du solltest es dir wert sein, ein individuelles Motiv zu tragen. Es ist kein Problem, wenn dir ein fremdes Tattoo gefällt, aber nutze es gemeinsam mit dem Tätowierer als Inspiration und entwickle es für dich passend weiter.

Katzenmotive in unterschiedlichen Stilrichtungen umgesetzt: Als realistisches Tattoo in Black-and-Grey von Mitch, Black Rainbow Tattoo Theatre (Zwickau)

Der richtige Tätowierer
Wenn du weißt, in welchem Stil dein Tattoo umgesetzt werden soll, kannst du gezielt einen Tätowierer finden. Sei dabei sorgfältig und vertraue nicht auf die erste Meinung. Oft ist der beste Freund nicht automatisch die beste Beratungsstelle. Hier helfen Fachpublikationen wie das TätowierMagazin und dessen digitale Ratgeber, Online-Porträts sowie Service-Angebote auf www.taetowiermagazin.de weiter. Auch in Social-Media-Gruppen und unter zum Stil passenden Hashtags – etwa #realistictattoo – findest du im Netz viel Inspiration. Außerdem geben die Tätowierer selbst auf ihren Instagramprofilen und Facebookseiten viele Beispiele ihrer Arbeiten – aber, Vorsicht! Bei solchen Fotos werden häufig Photoshop und Effektefilter eingesetzt, die ein Tattoo besonders knallig erscheinen lassen. Und weil ein Tattoo zudem mit dem Abheilen tatsächlich an Sättigung und Kontrast verliert, versuche auch, dir ältere Arbeiten des Künstlers anzusehen. So erscheint zum Beispiel weißes Farbpigment auf Fotos, die meist unmittelbar nach dem Tätowieren gepostet werden, strahlend hell. Es verblasst aber oft schon innerhalb kurzer Zeit und ist nach Jahren zuweilen gar nicht mehr zu erkennen. Achtet also auf Details: Sind die Linien sauber gestochen? Verlaufen Farben an Stellen ineinander, wo sie das offensichtlich nicht sollen? Sind symmetrische Motive auch wirklich symmetrisch? Stimmen die Perspektiven im Motiv? Immer solltet ihr dabei aber die Besonderheiten des künstlerischen Stiles berücksichtigen – Traditionals beispielsweise sollen bewusst flach und perspektivisch nicht realitätsgetreu wirken. 

Bei deiner Entscheidung für einen Tätowierer solltest du dich also nicht allein auf dessen gepostete Fotos verlassen, sondern auf Conventions oder im Studio die Tattoos bestenfalls live ansehen. Im Gespräch mit dem Künstler vis-á-vis können auch erste Unklarheiten geklärt werden und du spürst, ob ihr einander sympathisch seid. Ein Faktor, der nicht zu unterschätzen ist. Denn: Je besser Tätowierer und Kunde harmonieren, desto reibungsloser kann das neue Tattoo geplant werden. Außerdem gestaltet sich so der Tattootermin selbst auch wesentlich angenehmer. 


Klare Vorstellung: ja
Beratungsresistenz: nein

Es ist gut, wenn du klare Vorstellungen von deinem Tattoo hast. Sei aber bitte nicht beratungsresistent. Oft können Motive in qualitativ hochwertiger Form nicht genau so umgesetzt werden, wie es der Laie im Sinn hat. Wenn ein Tattoo beispielsweise hinsichtlich der Linienstärke oder der verwendeten Kontraste gar nicht lange halten und wirken kann, rät ein guter Tätowierer von dieser Umsetzung ab. Auch zur Größe eines Motivs haben Tätowierer und Kunden oft unterschiedliche Vorstellungen: Zu viele Details in einem winzigen Tattoo werden über die Jahre bis zur Unkenntlichkeit verlaufen, weshalb viele Künstler so etwas ablehnen. Auch, wie ein Tattoo insgesamt am Körper wirkt, spielt für den Tätowierer eine Rolle, während der Laie das oft nicht im Blick hat. Zuletzt setzen unterschiedliche Hautstrukturen auch dem geübten Tätowierer Grenzen, die er beachten muss – nicht jedes Tattoo ist an jeder Körperstelle umsetzbar.


Gut, wenn die Chemie stimmt. Schließlich ist eine Tätowierung kein Spaziergang und ihr liegt da eine ganze Weile unter der Nadel. Hier zu sehen Tätowierer Teotribe mit seinem Kunden auf der Frankfurter Tattooconvention


Hygiene im Tattoostudio
Renommierte Tätowierer legen auf die Sauberkeit und den Gesundheitsschutz bei der Arbeit heute ebenso viel Wert wie auf das Tattoo selbst. Mangelnde Hygiene sollte für dich also ein sofortiges Ausschlusskriterium bei der Tätowiererwahl sein. Zwar ist es für den Laien nicht immer einfach zu erkennen, ob tatsächlich alle hygienischen Standards eingehalten werden. Einige deutliche Warnsignale gibt es aber trotzdem. Beispielsweise wechseln verantwortungsbewusste Tätowierer die Einmalhandschuhe jedes Mal, wenn sie das Tätowieren unterbrechen und etwas anderes tun. Vaseline, Cremes und Farben kommen niemals mit den Vorratsbehältern direkt in Kontakt mit der verletzten Kundenhaut, sondern werden portionsweise zur Einmalverwendung auf dem Arbeitstisch vorgehalten. Dieser wird stets rein gehalten und ist niemals zugleich Ablage für Butterbrote oder Kaffeebecher. Für die Nadeln gilt: Nur steril sind sie zum Tätowieren geeignet, fällt etwas auf den Boden, ist es unbrauchbar. Insgesamt sollte dir die Sauberkeit im Studio einen Hinweis darauf geben, wie ernst es der Tätowierer mit der Hygiene meint.


Und das sagen die TM-Leser:
Hata Marie:
»Hör nicht auf deine Freunde, mach dir selbst ein Bild. Ich kenne so viele, die zum Gurkenbauer nebenan gegangen sind, weil da ihre Freunde hingehen und dann kreuzunglücklich mit dem Ergebnis waren. Heute ist's so einfach, sich die Arbeiten von Tätowierern anzuschauen und sich ein eigenes Bild zu machen. Und natürlich: Kopiert nicht! Die ›Tattoo-Vorlagen‹ von Pinterest sind keine Vorlagen, das sind die Tattoos von anderen Leuten ...«

Matthias:
»Auf jeden Fall sollte man sich Zeit nehmen und nicht ein Leben lang mit einer Gurke rumlaufen, nur weil man schnell ein Tattoo wollte. Ich geh hauptsächlich zu Marshmillo. Ich habe ein paar Sachen auf Instagram gesehen und dann angefangen, mich mit seiner Arbeit zu beschäftigen. Die Zeit, die er sich für seine Kunden nimmt, und die Arbeit, die er in Skizzen investiert, ist enorm.«

Nina:
»Meinen Tätowierer habe ich durch Empfehlungen seiner Kunden gefunden. Studio anschauen, vorbeigehen und gucken, ob man sich sympathisch ist. Denn der Tätowierer kann noch so gut sein – wenn du dich nicht mit ihm verstehst, fühlen sich vier Stunden Schmerz wie zwanzig Stunden an.  Das Tattoo habe ich mir vorher gut überlegt und die Idee mit meinem Tätowierer aufs Blatt gebracht und etwas verändert, sodass es mir auch zu hundert Prozent gefällt. Neulinge sollten sich auf jeden Fall verschiedene Meinungen einholen. Ganz wichtig: Hygiene ist das A und O! Geht nicht nach der Devise ›Ich will jetzt Farbe unter der Haut haben, mach mal‹, sondern lasst euch Zeit und findet jemanden, der eure Ideen gut umsetzen kann, eventuell schon sicher im gewünschten Stil ist und euch sympathisch ist. Irgendjemand muss euch ja eure Nervosität nehmen.«
 

Tattoo-Stile im Überblick


Im Web auf www.taetowiermagazin.de findet ihr unter Motive zahlreiche Tattoo-Stile vorgestellt


Tattoo-Stil-Finder
Finde hier online unter dem Suchbegriff »Tattoo-Stil« sämtliche Styles erklärt und mit Bilderbeispielen dargestellt, sodass du dir einen besseren Eindruck der Stilvielfalt im Tattoobereich machen kannst.
 
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Stand:23 June 2018 20:01:41/szene/der+weg+zum+ersten+tattoo_18412.html