Cover-up: Was du über die Tattoorettung wissen musst!

26.01.2018  |  Text: Heide Heim und Boris Glatthaar  |   Bilder: TM-Archiv
Cover-up: Was du über die Tattoorettung wissen musst! Cover-up: Was du über die Tattoorettung wissen musst! Cover-up: Was du über die Tattoorettung wissen musst! Cover-up: Was du über die Tattoorettung wissen musst! Cover-up: Was du über die Tattoorettung wissen musst! Cover-up: Was du über die Tattoorettung wissen musst! Cover-up: Was du über die Tattoorettung wissen musst! Cover-up: Was du über die Tattoorettung wissen musst! Cover-up: Was du über die Tattoorettung wissen musst!
Cover-up: Was du über die Tattoorettung wissen musst!
Alle Bilder »
Beim Cover-up, also dem Überdecken einer alten Tätowierung mit einer neuen, gibt es viele Möglichkeiten – die Methode hat aber auch Grenzen. Was geht, welche Alternativen es gibt und welche Überlegungen im Vorfeld gemacht werden sollten, erklären wir hier.
Warum soll das Tattoo weg?
Mal ehrlich: Vor allem, wenn man viele Tattoos hat, ist immer eines darunter, das nicht ganz dem Standard entspricht, den man heute an gute Tattoos anlegt. Und auch für den, der nur eines trägt, gilt: Ein Tattoo spiegelt immer den Stand der Tätowierkunst seiner Entstehungszeit wider. Muss es aber deshalb immer gleich weg? Ein Tattoo ist oft mehr als ein rein ästhetisches Körpermerkmal. Denke auf jeden Fall darüber nach, ob dein Bild in der Haut nicht doch noch einen ideellen Wert für dich hat oder eine Erinnerung daran hängt, die du mit einem Cover-up gleich mit überdecken würdest.
Vielleicht ist das Tattoo von einem besonders hervorragenden Tätowierer gestochen worden oder es ist mit einer persönlichen Geschichte verbunden. Viele Tattoos sind an Momente geknüpft, die es sich zu bewahren lohnt. Wer sein altes Tattoomotiv eigentlich noch mag, es aber nicht so gut gestochen ist und die Farben schon ziemlich ausgebleicht sind, der kann sich das Tattoo auch einfach auffrischen lassen. Es wird dafür nicht mit einem neuen Motiv überdeckt, sondern im bestehenden Design nachgestochen.  



Kann ich jedes Tattoo covern?
Ein klares Jein. Prinzipiell wird ein frisch gestochener schwarzer Panther oder ein Henkel dunkelblauer Trauben das alte Tattoo überdecken. Aber: Ein Cover-up funktioniert nicht so wie das Überstreichen einer Wohnzimmerwand, wo nach der dritten Schicht Weiß selbst die dunkelste Farbe darunter nicht mehr durchschimmert. Beim Cover-up werden die neuen Farbpigmente vielmehr in dieselbe Hautschicht gestochen wie die alten. Innerhalb dieser lagert neues Pigment zwar teilweise tatsächlich noch über dem alten und auch die Pigmentdichte eines frisch gestochenen Tattoos ist größer als die des alten, weil das schon dem zersetzenden Prozess durch UV-Sonnenlicht ausgesetzt war. Mit der Zeit sacken aber auch die neu eingebrachten Pigmente ab, die Farben verblassen und das alte Tattoo kann wieder durchscheinen. Am deutlichsten ist das an Stellen zu sehen, an denen nach dem Stechen des ersten Tattoos die Haut vernarbt ist, denn dort ist es sehr schwer, neue Farbpigmente einzubringen. Cover-ups fallen farblich insgesamt meist etwas dunkler aus als die Tattoos darunter. Dennoch wird ein guter Tätowierer versuchen, durch Form- und Farbgestaltung vom alten Motiv abzulenken. Je mehr untätowierte Haut der Cover-up-Tätowierer zur Verfügung hat, um so luftiger und freundlicher kann das neue Motiv schlussendlich ausfallen.

Ein dunkles Tattoo, wie den Himmelskörper auf dem Foto links, kann man nicht einfach unter hellen Farben unsichtbar machen. Lou Bragg von A Fine Tattoo Establishment in Stratford-upon-Avon, UK, hat daher wiederum mit Schwarz gearbeitet und Teile der alten Tätowierung als Schatteneffekt von Zeiger und Uhrwerk verwendet. Andere Bereiche des alten Tattoos hat sie komplett in neuem Schwarz verschwinden lassen.

Soll ich lasern?
Die Entfernung von Tattoos mit dem Laser erscheint oft als Alternative zu einem Cover-up. Und: Wer das Pigment in der Haut bestmöglich loswerden will, ist mit dieser Entfernungsmethode wohl derzeit am besten beraten. Allerdings sollte man seine Erwartungen nicht zu hoch ansetzen: Auch der Laser vollbringt keine Wunder und spurlos verschwunden sind schlechte Tattoos damit auch nach vielen Sitzungen oft nicht. Dazu kommt: Die Laserentfernung ist häufig langwierig. Oftmals stellt sich das tatsächliche Resultat erst nach Monaten ein, nämlich dann, wenn die durch den Laser aufgebrochenen Pigmente vom körpereigenen Immunsystem abgebaut wurden.

Tattoo nach einer Laserbehandlung: Häufig bleiben Reste schemenhaft sichtbar. Dennoch ist die Laserbehandlung die derzeit beste Entfernungsmethode.

Was mache ich bei sehr dunklen Tattoos?
Liegt dem Cover-up eine dunkle Tätowierung zugrunde, sind beim Überstechen enge Grenzen gesetzt. Es gilt: Je dunkler das alte Tattoo, desto geringer ist der Handlungsspielraum. Da schlägt die Stunde des Lasers. Gerade zum Aufhellen alter Tätowierungen ist dessen Einsatz eine gute Wahl. Die einzelne Lasersitzung verläuft dabei relativ schnell, was sich hinzieht, sind die Zeiträume zwischen den Sitzungen. Das bringt, um den optimalen Wirkungsgrad der Behandlung zu erzielen, in der Regel Laserpausen von mehreren Monaten mit sich. Wie weit man das Tattoo aufhellt –
wie vielen Behandlungen man sich also unterzieht –, sollte in Rücksprache mit dem Tätowierer, der das Cover-up machen wird, sowie mit dem Laserexperten geschehen.
 
Hanzo von Old Salt Tattoo in Freilassing hat ein Schultertribal mit einem Asia-Motiv überstochen. Weil das alte Tattoo per Laser aufgehellt wurde, konnte er auch hellere Farben als Schwarz verwenden.

Wie finde ich den Tätowierer für mein Cover-up?
Der mit am häufigsten genannte Grund, warum Tattoos gecovert werden sollen, ist der, dass das alte Tattoo einfach zu schlecht gestochen ist. Diesen Fehler sollte man nicht noch mal machen. Aber wie findet man einen guten Tätowierer, der Zeit und Lust hat, ein Cover-up zu stechen? Da hilft es nur, bei vielen Tätowierern direkt anzufragen. Wichtig, die Arbeiten des Tätowierers müssen einem generell gefallen, und ein guter Tätowierer kann in der Regel auch Cover-ups stechen, selbst wenn er nicht damit wirbt, ein Cover-up-Spezialist zu sein. Leider lieben es aber nicht alle Tätowierer, grottige Tattoos auszubessern, wobei sie hierbei echte Meisterschaft beweisen können, vor allem beim Entwurf des Designs. Bei E-Mail-Anfragen ist es sinnvoll, ein ordentliches Foto vom zu covernden Tattoo zu machen, wobei auf dem Bild auch die Körperstelle gut zu sehen sein sollte. Close-ups braucht der Tätowierer nicht, sondern er muss wissen, wie viel Platz und Spielraum er für das Cover-up hat. Die meisten Tätowierer werden vor dem Tätowiertermin allerdings sicher das alte Tattoo in Augenschein nehmen wollen – auch um zu sehen, wie sie das neue Design gestalten müssen. Hilfreich ist ein persönlicher Termin auch, weil der Tätowierer so das neue Design direkt auf die Hautstelle skizzieren kann.

Randy Engelhard, der auch an der TV-Doku Horror Tattoos mitwirkte, hat viel Verständnis für Leute, die schlechte Tattoos covern lassen wollen. Das ist nicht bei jedem Tätowierer der Fall.

In welchem Tattoostil kann gecovert werden?
Es heißt, für das Cover-up eine Stilrichtung zu finden, die gefällt. Aber, Obacht: Die Auswahl ist nicht so groß wie bei einem Tattoo auf blanker Haut, denn nicht jeder Stil eignet sich als »Abdecker«. Filigrane Stile, in denen es auf kleine Details oder einen starken Kontrast zu untätowierter Haut ankommt (z. B. bei Linework, Grafik, Dotwork etc.), sind in aller Regel ebenso als Cover-up ungeeignet wie pastellige Watercolor-Tattoos. Gut für das Überdecken eignen sich hingegen Traditionals, Neo-traditionals, Biomechanik, Asia-Style und so weiter – also solche Stile, die plakativ sind und bei denen flächig mit Farbe und Schwarz gearbeitet wird. 

Danny Brink vom Signed and Sealed Tattoo Parlour in Recklinghausen hat ein altes Tattoo unter einem Asia verschwinden lassen. Durch starke Linien und plakative Farbgestaltung ist unter anderem dieser Stil als Cover-up gut geeignet.

Wie groß muss ein Cover-up sein?
Die Faustregel ist: Das Cover-up wird wohl deutlich größer werden als das zu covernde Tattoo darunter. Denn der Tätowierer muss das alte Motiv oder dessen gelaserte Überreste in das neue Tattoo sinnvoll einbinden können. Entweder muss er das bestehende Motiv also stark ausschmücken oder das neue Motiv so groß anlegen, dass die alte Tätowierung komplett in einer Farbfläche verschwindet. Häufig wird der Trick angewandt, dass der Fokus des Cover-up-Motivs auf einer bislang weniger oder bisher gar untätowierten Stelle liegt und der Bereich, der tatsächlich überdeckt werden soll, im Randbereich des neuen Tattoos. So kann beispielsweise bei einem Porträt die Gesichtspartie auf einer noch untätowierten Körperstelle platziert werden und »der alte Kram« in den dunkel tätowierten Haaren verschwinden. In jedem Fall braucht der Künstler Platz, 
um seine Kreativität entfalten und ein neues Motiv entwickeln zu können – wenn er nicht einfach alles schwarz machen soll. 

Um ein altes Tattoo sinnvoll in ein Cover-up einbinden zu können, muss der Künstler dieses in der Regel wesentlich größer anlegen. Hier ein Cover-up von Danny Brink vom Signed and Sealed Tattoo Parlour, Recklinghausen.

Ist ein Blast-over eine gute Alternative zum Cover-up?
Alternativ zum Cover-up gibt es noch die Möglichkeit eines Blast-overs. Bei dieser Cover-up-Variante wird ein neues Tattoo über das alte gestochen, ohne dieses völlig zu verdecken. Meist in Schwarz gehalten, liegt die neue Tätowierung mehr oder weniger stimmig über den verblichenen Farb- und Formresten der alten. Dass dieses nach wie vor zu sehen ist, ist ein gewünschter Effekt.

Ein Blast-over bedeckt das alte Tattoo nur teilweise. Diese Frau von  Dirtyhands von Roma Classic Tattooing in Rom sieht aus, als sei sie selbst tätowiert.

Kann ich nicht einfach alles schwarz machen?
Klar! Der einfachste Weg, ein altes Tattoo verschwinden zu lassen, ist tatsächlich, das alte einfach mit Schwarz zu überstechen. Eine großflächig in Schwarz gehaltene Fläche ist ein ganz schöner Knaller und immer mehr stark tätowierte Menschen lassen sich tatsächlich große Körperstellen schwärzen. Ob der Träger langfristig damit glücklich wird, ist aber eine andere Frage. Immerhin: Schwarze Flächen lassen sich auch in ein Gesamtkonzept integrieren, indem sie mit Endlosmustern und Dotwork kombiniert und so zu einer Neo-Tribal-Tätowierung werden. 

Dieses Blackwork stammt von Karl aus dem Kreuzstich in Berlin. Derzeit werden viele alte Tattoos in dieser massiven Art gecovert.
  Teilen
Topseller im Shop
Stand:13 December 2018 18:33:00/szene/cover-up+was+du+ueber+die+tattoorettung+wissen+musst_18117.html