Classics Bonsai Nursery: Der tätowierte Gärtner Yusuke Hamamoto

19.10.2018  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: AnnaG.Photography
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Classics Bonsai Nursery: Der tätowierte Gärtner Yusuke Hamamoto
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Sein erstes Tattoo bekam der Japaner Yusuke Hamamoto mit 18 Jahren in L.A. In seiner Heimat musste er sich deswegen bei der Berufswahl etwas einfallen lassen und wurde Gärtner. Wie das zueinanderpasst und was der Shootingstar, der einen regelrechten Bonsai-Boom auslöste, jetzt in Deutschland macht, lest ihr hier.
Denkt man an Bottrop, kommen einem nicht unbedingt Bilder von Bonsais in den Sinn, den malerischen Zierbäumen aus Japan, die auf eine jahrhundertealte Tradition fernöstlicher Gartenkunst zurückweisen. Aktuell jedoch ist in der Ruhrgebietsstadt einer der Bonsai-Shootingstars zu Gast, um eine Baumschule aufzubauen. Yusuke Hamamoto heißt der Bonsai-Künstler, der im Netz über 28 000 Follower mit seiner Arbeit begeistert. Er hat für eine regelrechte Renaissance in der Bonsai-Kultur gesorgt, denn dem Hobby, das bislang eher etwas für ein konservativeres, betagteres Klientel war, sind heute sehr viele junge Menschen zugetan. Auch wenn sich der 39-Jährige nicht gerne als Vorreiter eines neuen Bonsai-Booms sehen möchte, so ist ihm dieser zweifelsohne zu weiten Teilen zuzuschreiben. Bonsais, das sind kleine Sträucher und Bäume, die in kleinen Gefäßen zur Wuchsbegrenzung gezogen werden. Später werden sie durch Drähte ästhetisch geformt und gestaltet. Bonsais, die gerade mal fünfzig Zentimeter in der Höhe messen, sind dabei schon einige Jahre alt. Bei der kunstvollen Gestaltung gibt es durchaus Regeln und diese kann man zum Beispiel von Yusuke lernen.

Sie kommen aus verschiedenen Welten und haben doch sehr viel gemeinsam: Michael Perrech aus Bottrop und Yusuke Hamamoto aus Japan. Die beiden teilen die Liebe zu Tattoos und zur Bonsai-Kunst. Michael hat den Bonsai-Shootingstar jetzt nach Deutschland geholt.

Mit Sicherheit trägt auch Yusukes Äußeres und sein frisches, gar westliches Auftreten zum Hype um seine Person bei, denn er ist stark tätowiert und das ist so in Japan überhaupt nicht üblich. Sichtbare Tattoos gelten als verpönt, sind teilweise sogar verboten. Yusuke verbrachte in seiner Kindheit viel Zeit mit seinem Großvater, reiste mit ihm durch Japan und entdeckte die Natur. Seine Begeisterung für Bäume und Pflanzen hat darin seinen Ursprung, doch sie war nicht allein ausschlaggebend dafür, dass Yusuke sich mit zwanzig Jahren dazu entschloss, den Beruf des Gärtners zu erlernen. Tatsächlich war seine wenige Jahre zuvor entdeckte Liebe zu Tattoos entscheidend: Da er bereits Tätowierungen besaß, sah sich Yusuke gezwungen, eine Lehre auszuwählen, bei der er immer lange Kleidung tragen konnte, die seine bunte Haut bedeckte. So kam er auf die Idee, eine Lehre als Gärtner anzufangen. Sein Meister Yamazaki Satsuki En hat innerhalb der neunjährigen Lehrzeit keine einzige Tätowierung von Yusuke entdeckt. Hätte er es getan, wäre die Ausbildung sofort beendet worden.

Um Reaktionen auf seine Tattoos kümmert sich Yusuke nicht. Es existieren nur er und der Bonsai vor seinen Augen

Nach neun Jahren harter, traditioneller Ausbildung gründete Yusuke dann seine eigene Firma Hamamoto Houshou-En. Er ist nun sein eigener Chef und das sieht man – die Tattoos wären heute nur mühsam unter Kleidung zu verstecken. Seine Gärtnertätigkeiten reichen von der Errichtung und Pflege japanischer Gärten bis zur Bonsai-Gestaltung und -Pflege. An Letzterem lässt er die Welt auf seinem Instagram-Account @yusukehamamoto teilhaben. Hier schreibt er lässig »Ich mache Bonsais, ich esse Burger und Pommes, ich trinke Coke. Und das weltweit.«

Wie bei Tattoos geht es bei Bonsais um Tradition. Deshalb ist Yusuke beiden Welten so zugetan
 
Sein Leben hat Yusuke ganz den beiden Leidenschaften vermacht: Bonsai und Tattoos. Er sieht durchaus Parallelen bei beidem. »Der Grund, wieso ich Bonsais mag, ist die Tradition, die dahintersteckt. Der Grund weshalb ich Tattoos mag, liegt auch in der Tradition begründet, die ihnen innewohnt. Für mich ist es ein und dieselbe Sache.« So wie Yusuke die Bäume gestaltet, so tut er es durch die Tattoos auch mit seinem Körper. Seine Begeisterung dafür geht heute sogar so weit, dass er Flash-Sets mit Bonsai-Thematiken zeichnet, die an Tattoomotive erinnern. Auch plant er, das Tätowieren zu lernen. Ob Yusuke Reaktionen der japanischen Bonsai-Community auf seine Tätowierungen wahrnimmt? »Das kann ich nicht sagen, alles, was ich sehe, ist der Bonsai vor meinen Augen. Das ist mein Job. So simpel das klingt.«  

Um Reaktionen auf seine Tattoos kümmert sich Yusuke nicht. Es existieren nur er und der Bonsai vor seinen Augen

Aktuell hat es den Japaner aber nach Deutschland verschlagen. Deshalb gedeihen von ihm gestaltete Bonsais zurzeit in Bottrop. Wie das geschah? Vor einiger Zeit wurde Michael Perrech, der sich für das Bonsai-Thema schon viele Jahre interessiert, aus eben jener Stadt im Ruhrgebiet auf Yusuke aufmerksam. Und wieder waren es die Tattoos, die das ermöglichten. »Ich habe ihn über Instagram entdeckt, wir haben die gleichen Freunde, Tätowierer, Künstler. Also habe ich ihm geschrieben. Im Mai habe ich ihn dann in Japan besucht, habe einen Crashkurs bei ihm gemacht und ihn nach Aachen zur Kaiserstadt Tattoo Expo eingeladen, die ich mitveranstalte.«

Um Reaktionen auf seine Tattoos kümmert sich Yusuke nicht. Es existieren nur er und der Bonsai vor seinen Augen

Geplant war, dass Yusuke also im September zur Expo nach Deutschland reist, seine Bäume dort verkauft und noch Workshops über die Gestaltung und Pflege der Bonsais gibt. Doch daraus wurde mehr. Mittlerweile haben Yusuke und Michael eine gemeinsame Firma gegründet und auf den Namen Classics Bonsai Nursery getauft. »Ich liebe es, um die Welt zu reisen und meine Leidenschaft für Bonsais mit allen Menschen zu teilen«, erzählt Yusuke. Die ersten Workshops sind bereits erfolgreich gelaufen.

Im Frühjahr werden die hier gezogenen Bonsais verkauft. Dazu gibt es einen Nachweis über Herkunft, Entstehungsdatum und so weiter. Michael ist stolz, Yusuke an Bord zu haben und mit ihm gemeinsam seinem Hobby zu frönen. »Wenn du dir von Yusuke einen Bonsai abholst, dann ist das in etwa so, wie wenn du ein Tattoo von Scott Sylvia bekommst« – einer Legende in der amerikanischen Tattooszene.

Flash-Sheet der Classics Bonsai Nursery

Classics Bonsai Nursery

Die von Yusuke und Michael gegründete Firma Classics Bonsai Nursery bringt die Bonsais des japanischen Stars nun nach Deutschland. Yusuke ist seit September in Bottrop und gestaltet mit Michael zusammen diverse Bäume. Diese sollen ab Frühjahr 2019 verkauft werden. Dann haben sie schon einen Winter hinter sich und sind robuster. Es gibt zwar eine Pflegeanleitung dazu, in der Regel seien die Bäume aber pflegeleicht, meint Michael. Preislich beginnt es bei 150 Euro pro Baum, die größeren und älteren sind auch schon mal 4.000 Euro wert. »Es gibt auch Bäume für eine halbe Million Euro, die haben allerdings auch gute 1000 Jahre auf dem Buckel.«
So exklusiv wollen die beiden hier in Deutschland gar nicht starten, vielmehr wollen sie ihr liebstes Hobby etablieren und vielen zugänglich machen. Michael sagt, so ein Bonsai sei sehr beruhigend. Der heute 48-Jährige hat sich schon mit achtzehn Jahren für die fernöstliche Baumkunst interessiert und ist bis heute nie wirklich davon losgekommen. »Ich habe sogar Kurse besucht, das Gestalterische reizt mich ungemein. Es ist ein sehr sauberes, traditionsreiches Hobby«.
Regeln gibt es auch, doch die seien nicht allzu streng – Bonsais zu gestalten, könne jeder lernen.
Von der Classics Bonsai Nursery gibt es außerdem Merchandise, das von Yusuke gestaltet wurde. Es gibt Jacken mit Rückenprints, Flash-Sheets mit tollen Zeichnungen und Stoffbeutel. Die Accessoires passen ganz zu Yusukes Image, das viel poppiger und moderner ist, als es weite Teile der eher biederen Bonsai-Community sind.

Mehr zur Classics Bonsai Nursery unter

www.classics-bonsai.com

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Stand:19 November 2018 10:44:22/szene/classics+bonsai+nursery+_181011.html