Carey Hart: Hart entspannt und zugehackt

20.07.2018  |  Text: Benjamin Bauer   |   Bilder: Kati Dalek
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Carey Hart: Hart entspannt und zugehackt
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Motocross-Profi und Pink-Ehemann Carey Hart kam zur Promotour für die Motorradmarke Indian nach Deutschland – und erzählt von seiner Tattoogeschichte, die tatsächlich aus Rebellion begann
Es ist einiges los an diesem Samstagmorgen in der »Bike Schmiede Süd« in Esslingen bei Stuttgart. Draußen im Hof reihen sich schwere Indian-Maschinen aneinander, drinnen im Verkaufsbereich herrscht ein einziges Gewusel. Mittendrin: Carey Hart. Der 42-Jährige bekommt in einem Nebenraum gerade ein Blast-over verpasst. »Ein Tattoo am Morgen ist besser als Kaffee. Macht dich wacher«, witzelt er. Carey ist super entspannt – und das, obwohl er schlecht geschlafen hat und ständig irgendwelche Menschen mit oder ohne Kamera um ihn herumwuseln und etwas von ihm wollen. An seinem Handgelenk arbeitet konzentriert Danny vom Cactus Tattoo in Stuttgart. Er sticht Carey das Logo der Marke Indian, Amerikas ältestem Motorradhersteller, in die Haut.

Carey Hart im Gespräch mit TM-Reporter Benjamin


Früh übt sich

Wenn man sich den guten Mister Hart so anschaut, fragt man sich zwangsläufig, ob er denn überhaupt noch irgendwo einen Flecken nackter Haut hat. »Ja, ich habe mich schon früh zuhacken lassen«, erzählt Carey. Mit fünfundzwanzig hatte er beide Arme, den Bauch und den Rücken tätowiert. In den folgenden Jahren kam fast der ganze Rest des Körpers dazu – bis auf eine ganz bestimmte Stelle: »Mein linkes Bein wird frei bleiben«, sagt Carey. »Meine Frau möchte, dass zumindest noch an einer Stelle meines Körpers untätowierte Haut zu sehen ist«, sagt er und schmunzelt. Und mal ganz ehrlich: Wer könnte  Sängerin Pink diesen Wunsch schon abschlagen? Auch der Kopf ist noch jungfräulich, was Tattoos angeht. »Das wird mein nächstes Projekt«, so Carey.

An sein allererstes Tattoo kann er sich noch gut erinnern: »Ich habe es an meinem achtzehnten Geburtstag bekommen.« Früher wäre keine Option gewesen. »Mein alter Herr meinte damals, wenn ich mich vor meinem Achtzehnten tätowieren lasse, schneidet er es mir direkt selbst raus.« Also: Volljährig geworden und – zack! Gestochen hat es ihm ein Freund seines Vaters, klassisch am Küchentisch. »Es war meine damalige Startnummer mit Schädeln und Flammen«, so der Motocross-Profi. Mittlerweile hat er es covern lassen.


Carey Harts bevorzugter Tattoostil ist Black-and-Grey, das letzte größere Tattoo, das er sich stechen ließ, ist das La-Catrina-Porträt auf seinem Oberschenkel. Gestochen hat es Franco Vescovi

Tattoos als Zeichen der Rebellion

Früher sei er stets von tätowierten Freunden seines Vaters umgeben gewesen und habe in der Schule selbst viel gezeichnet. »Als ich dann in den Neunzigern anfing, mich tätowieren zu lassen, war es noch ein Statement, sich beispielsweise zwei Sleeves machen zu lassen«, erinnert er sich. Für ihn und seine Kumpel waren Tattoos ein Zeichen der Rebellion. »Wir waren wilde Jungs.«

Careys linker Arm ist komplett seiner Heimatstadt Las Vegas gewidmet, wo er die ersten fünfunddreißig Jahre seines Lebens verbracht hat. Die Spielerstadt ist mit dem Stratosphere Tower, Würfeln, dem berühmten Ortsschild und verschiedenen Hotels verewigt. »Manche von denen gibt es schon gar nicht mehr«, sagt Carey und lacht.

Carey Harts bevorzugter Tattoostil ist Black-and-Grey, das letzte größere Tattoo, das er sich stechen ließ, ist das La-Catrina-Porträt auf seinem Oberschenkel. Gestochen hat es Franco Vescovi

Mister Cartoon und seine Kumpel

Bei so vielen Tattoos hat Carey auch allerhand witzige Geschichten erlebt. »Als ich mich von Mister Cartoon in Los Angeles habe tätowieren lassen, das war definitiv eine solche«, sagt er. »Downtown L.A., wo Cartoon arbeitete, war damals eine raue Gegend. Während des Tätowierens kamen immer wieder Kumpel von ihm rein, die allesamt ziemlich krasse Typen waren. Das war schon ein bisschen einschüchternd. Nach zwei Tattoosessions à acht Stunden gab mir Cartoon dann auch noch eine Tour durch Skid Row (Blocks in L.A., in denen viele Obdachlose und Drogenabhängige leben; Anm. d. Red.). Anfang der 2000er Jahre war das noch gefährlich.«

Carey Harts bevorzugter Tattoostil ist Black-and-Grey, das letzte größere Tattoo, das er sich stechen ließ, ist das La-Catrina-Porträt auf seinem Oberschenkel. Gestochen hat es Franco Vescovi

Vögelnde Garnele

Auch am anderen Ende der Tattoomaschine saß Carey bereits. Jason Ellis, ein Profiskater und Careys Freund seit über zwanzig  Jahren, lud ihn einmal in seine TV-Show ein. Konzept der Sendung: Zwei Typen machen sich mit allerlei Stunts ordentlich zum Horst. Ergebnis: Carey stach seinem Kumpel eine Garnele, die eine Barbiepuppe vögelt. »Es hat riesigen Spaß gemacht, aber das Tattoo ist schrecklich geworden.«

Careys Ehefrau Pink ist Tattoos bekanntlich auch nicht abgeneigt. »Als wir anfingen zu daten, haben wir uns Partnertattoos stechen lassen«, erzählt Carey. Beide haben ein Banner mit den Worten »True Love« und den Namen des jeweils anderen tätowiert.

Hart steht auf Black-and-Grey

Wenn es darum geht, welchen Stil er bei Tattoos bevorzugt, braucht man sich Herrn Hart nur genauer anzuschauen und es wird klar: »Ich habe zwar auch etwas Farbe, aber eigentlich stehe ich mehr auf Black-and-Grey.« Das letzte Tattoo hat ihm Franco Vescovi – der Eigentümer von Bishop Rotary – gestochen. Es ist eine Catrina am Bein.

In Zukunft will er besser auswählen. »Ich möchte mir alte Sachen weglasern lassen und Platz für Neues schaffen«, so Carey. »Tattooing ist mittlerweile auf so einem guten Level und es gibt so viele unglaublich gute Künstler, dass ich mir davon noch was mitnehmen will.« Eine Künstlerin, die er im Moment sehr feiert, ist Latisha Wood, die bei Vatican Studios in Orange County, Kalifornien, arbeitet.

Seit mehr als vierundzwanzig Jahren lässt sich Carey tätowieren – da gibt es viel zu erzählen
                    
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Stand:13 December 2018 18:44:04/szene/carey+hart+hart+entspannt+und+zugehackt_18613.html