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BMXnet Seminar 2007

19.01.2008  |  Text: Heiko  |   Bilder: Trust Mannheim
BMXnet Seminar 2007
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Geballte Informationen für Tätowierer und Piercer! Vom 9. bis zum 11. November hatten die Initiatoren des BMXnet (Body Modification Exchange Network) zu ihrem ersten internationalen Seminar für Tätowierer und Piercer geladen.
Der Seminarplan – ein bunt gemischtes Programm aus sachlich trockenen Themen (Validierung von Dampfsterilisatoren, Qualitätsmanagment bei der Instrumentenaufbereitung und rechtlich relevanten Neuerungen für Tätowierer und Piercer), informativen Vorträgen (Die Geschichte des modernen Piercings, japanische Tätowierungen oder Piercing- und Tattoo-Anthropologie), Diskussionsrunden, Vorstellung verschiedener Vereine/Verbände und deren Arbeit, sowie Suspension-Shows und praktische Workshops (Tattoomaschinen-Bau, Piercing Techniken oder Internet-Marketing plus digitales Bildmanagement). Kurz gesagt – eine Agenda, die es gewaltig in sich hatte und die teilnehmenden Piercer und Tätowierer zurück auf die Schulbank schicken würde.

Suspension Workshop
Suspension – Nichts für jeden! Im Workshop konnte man erste Erfahrungen sammeln.

Samstag Morgen ab neun füllte sich das »Unperfekthaus« mit motivierten und wissensdurstigen Szene-Vertretern. Erstmals offenbarte auch die Location ihre Vorzüge: Nicht nur das ausgewogene Frühstück, sondern auch ein umfangreiches Angebot an Getränken stand an mehreren Stellen im Haus bereit und konnte via Selbstbedienung unkompliziert, ohne lästiges Warten oder Bezahlen (war im Seminarpreis enthalten) konsumiert werden.

Piercer Party
Ausgelassene Stimmung trotz massiver Info-Flut.

Gleich zu Beginn stand neben weiteren, parallel ablaufenden Vorträgen und Workshops das momentan viel diskutierte Validieren beim Arbeiten mit Dampfsterilisatoren und Qualitätsmanagement bei der Instrumentenaufarbeitung auf dem (Lehr-)Plan. Der Hamburger Tätowierer Totto Jeratsch und der Medizintechniker R. Behrendt hatten sich gut auf das Seminar vorbereitet und waren bis an die Zähne mit sachlichen Grafiken bewaffnet. Trotz der trockenen Materie und der frühen Morgenstunde war der Kursraum gefüllt mit Tätowierern und Piercern, die das Geschehen interessiert verfolgten, fleißig mitschrieben und ihr Interesse durch Nachfragen und dem Diskutieren unklarer Punkte bekundeten. Die Meinungen, der nach dem insgesamt zweistündigem Vortragsblock befragten Kursteilnehmern, waren trotz der massiven Informationsflut durch die Bank weg positiv. »Klar waren das jetzt viele Infos, aber ich muss das ja wissen um auf der sicheren Seite zu sein« oder »es war sehr interessant zu sehen, wie andere Studios das machen«, waren Feedbacks der Tätowierer.

BodMods unter sich
Der schöne und das Biest!?

Für die meisten Piercer waren die vorgestellten Arbeitsabläufe längst Routine, weshalb man aus ihren Reihen Statements wie: »Für mich war das nur eine Auffrischung« oder »Ich arbeite schon seit zwei Jahren auf diesem Standard!« vernehmen konnte. Es blieb auch weiterhin anspruchsvoll. Richter Hans-Werner Röhlig gewährte interessante Einblicke in juristischen Fragen in der Tattoo- Piercing- und BodyMod-Welt. Der rechtliche Aspekt tauchte immer wieder auf, so auch im Bereich Tattoofarben. Ralf Michel (Deep Colours) klärte über die neue, sogenannte »Tätowiermittel-Verordnung« auf, die mit aller Wahrscheinlichkeit im Frühjahr 2008 in Kraft treten wird und mit der die Inhaltsstoffe und die Kennzeichnung von Tattoofarben geregelt werden soll – bleibt zu hoffen, dass diese eindeutige Regelung endlich das Aus für das absurde Autolack-Tattoofarben Märchen bedeutet, welches ständig durch die Medien geistert. Bei so viel Paragrafen-Gewirr waren die Vorträge über »Tätowierungen als Mittel zur Gruppenbildung, Abgrenzung und Ausgrenzung an Beispielen verschiedener Tätowierungsformen in Japan«, gehalten von TM-Chefredakteur Dirk-Boris oder über Piercing- und Tattoo-Anthropologie von Prof. Palmisan aus Italien eine willkommene Abwechslung. Natürlich waren die Teilnehmer nicht ausschließlich zum Pauken theoretischer, Hygiene- oder Rechts-Neuerungen angereist, auch die praktischen Workshops waren hoch frequentiert. Die Tätowierer freuten sich über den Workshop »Tattoo-Maschinen und ihre Geheimnisse«, welcher von den »Godoy Brüdern« (Art und Steve) aus den USA und Kanada durchgeführt wurden, deren Firma DHD Manufacturing hochwertige Tattoo-Maschinen herstellt. Die Brüder demonstrierten nicht nur, wie man sich seine eigene Tattoomaschine baut, sondern auch, wie man Maschinen pflegt, repariert und tuned.

Steve Haworth mit magnetic implant
Steve Haworth beim Einstzen eines Magnetic-Implants. Da er selbst einen Magnet in seinem Finger hat, wird das Implantat angezogen.

Auch für die Piercer gab es viel Neues und Wissenswertes. Steve Haworth, Pionier in Sachen BodyMod, der zahlreiche Prozeduren von Implants, Transdermals bis hin zu verschiedenen Arten des Brandings entwickelt oder mit geprägt hat, war erstmals aus den USA angereist, um sein Wissen an seine europäischen Kollegen weiter zu geben. Und auch Paul King und Luis Garcia, die sonst auf der APP in Las Vegas Vorträge halten, waren aus den USA angereist. Die Workshops und Vorträge liefen parallel ab, tauchten meist aber zwei mal im Seminar-Plan auf, so dass man die Chance hatte, jeden Kurs zu belegen. Nach zwei anstrengenden, vor Input strotzenden Seminartagen, waren einige der Teilnehmer zwar mental ausgepowert, die allgemeine Stimmung ließ jedoch keinen Zweifel am positiven Effekt der Veranstaltung. Aus allen Gesichtern war deutlich die Message »es hat sich gelohnt!« abzulesen.

Das nächste Seminar dieser Art wird vom 25. bis zum 27. Juli 2008 stattfinden. Der Veranstaltungsort ist momentan noch unbekannt, da nach dem Erfolg der letzten Veranstaltung mit einem Zuwachs an Teilnehmern zu rechnen ist und das Unperfekthaus bereits mit 150 Besuchern bei der ersten Veranstaltung an seine Grenzen stieß. Infos rund ums BMXnet auf: www.bmxnet.org

BMXnet – was ist das eigentlich?
Zusammenfassung eines Interviews mit Marcus Strohner (Trust, Mannheim)

Die Idee des BMXnet bestand schon seit Jahren und ist aus den Pro-Piercer Treffen entstanden, bei denen anfangs acht bis zehn professionelle Piercer zusammen kamen, um sich unabhängig von irgendwelchen Organisationen auszutauschen. Und genau darum geht es beim BMXnet, unabhängiger Informationsaustausch in allen Bereichen der Bodymodification (Tätowieren, Piercen, Suspension Scarification, usw. …). Der Verein ist eine »non profit Organisation«, alle Mitarbeiter des BMXnet beteiligen sich ehrenamtlich. Wir wollen frei von vorgegebenen Arbeitsweisen und Richtlinien Informationen bereit stellen und versuchen, Leute und Verbände zusammen zu schließen, um einen gemeinsamen Standpunkt zu finden und notfalls gemeinsam gegen unsinnige Verordnungen oder Gesetzesänderungen einwirken zu können. Wenn es kein gemeinsames Handeln gibt, sitzen wir am Ende alle da und müssen unter Gesetzen leiden, die wir vielleicht hätten beeinflussen können.

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Stand:23 April 2019 06:51:18/szene/bmxnet+seminar+2007_081.html