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Tattoo-Platzierung: Welches Motiv ergibt wo Sinn?

22.02.2019  |  Text: Dirk-Boris Rödel  |   Bilder: Diverse
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Tattoo-Platzierung: Welches Motiv ergibt wo Sinn?
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Wer eine Tätowierung plant, sollte einige Dinge beachten, um lange Freude daran zu haben. Denn nicht jede Körperstelle ist für jeden Tätowierstil, jedes Motiv und jede Tattoogröße geeignet. Und auch ein paar andere Faktoren können die Freude am Hautbild trüben, wenn sie außer Acht gelassen werden
Tätowieren kann man heute nahezu alles, was sich visuell und zweidimensional darstellen lässt. Ganz egal ob eine Reproduktion eines Ölgemäldes, eines Holzstichs oder einer Aquarellzeichnung als Tattoo, egal ob die Vorlage ein Porträtfoto oder eine Computergrafik ist – man kann es tätowieren, technisch ist das machbar. Damit könnte man diesen Artikel eigentlich auch schon beschließen. Nur: Auch wenn man praktisch alles tätowieren kann, ergibt das auch alles an jeder Stelle Sinn?

In den letzten Jahren haben sich Kunden wie auch Tätowierer von den enormen Möglichkeiten, die die Tattootechnik inzwischen bietet, oft dazu hinreißen lassen, Dinge zu tätowieren, die auf den ersten Blick toll aussehen, auf den zweiten aber einfach keinen Sinn ergeben, da sie den Grundprinzipien einer guten Tätowierung zuwiderlaufen. Dazu muss man natürlich erst mal abstecken, was denn die Grundprinzipien eines guten Tattoos sind – oder sein sollten.

Tattoo-Platzierung: Welches Motiv ergibt wo Sinn?

Das wichtigste Merkmal eines Tattoos ist die Dauerhaftigkeit – es bleibt ein Leben lang. Korrekterweise müsste man aber sagen: Ein Tattoo bleibt zwar ein Leben lang sichtbar, aber nicht notwendigerweise in derselben Qualität, denn die kann im Laufe der Jahre durch verschiedene Faktoren deutlich ge-mindert werden. Denn verschiedene Bestandteile und Komponenten eines Tattoos halten unterschiedlich gut und lang. Am stabilsten sind schwarze Linien und Flächen, helle Farben und feine Schattierungen sind dagegen auf lange Sicht gesehen weniger stabil und können im Laufe der Zeit ausbleichen.

Neben dem Problem des Verblassens weisen Tattoos noch eine weitere Besonderheit im Gegensatz zu anderen Arten von Bildern auf, die man insbesondere an den Linien beobachten kann: Diese werden nämlich im Laufe der Zeit unweigerlich etwas breiter, sie erscheinen dann auch etwas weicher, weniger scharf und konturiert als direkt nach dem Stechen. Das liegt daran, dass ein Tattoo im Gegensatz zu einem Ölgemälde eben nicht auf einem unbelebten, statischen, sondern auf einem lebendigen Untergrund angebracht ist, der Haut, die sich im Laufe der Jahre verändert.

Tattoo-Platzierung: Welches Motiv ergibt wo Sinn?

Ein weiteres Grundprinzip von Tätowierungen ist, dass sie idealerweise mit dem Körper, auf den sie gestochen werden, in Beziehung stehen sollten. Das bedeutet, dass sie nicht nur mit der Körperform, den Muskeln, Gelenken, Flächen oder Wölbungen des Körpers harmonieren sollten, sondern auch mit dessen Bewegungen, denn der menschliche Körper ist ja keine starre Marmor-skulptur. Auch die Größe des Tattoos sollte der zur Verfügung stehenden Körperfläche angepasst sein und diese gut ausfüllen, um nicht verloren zu wirken (Bild links).

Die Faktoren, die zur Veränderung von Tattoos führen, sind relativ rasch aufgezählt. Vor allem ist es die natürliche Alterung der Haut, zum zweiten der Einfluss von UV-Einstrahlung durch Sonne oder Solarium. Denn UV-Licht trägt einerseits zum Verblassen der Farben bei und verringert durch die Bräunung der Haut zudem den Kontrast zwischen Haut und Tattoo. Während sich die Hautalterung kaum aufhalten lässt, kann man natürlich den zweiten Faktor relativ einfach beeinflussen – schlichtweg indem man Sonnenbäder einschränkt und auf ausreichenden Sonnenschutz achtet.

Tattoo-Platzierung: Welches Motiv ergibt wo Sinn?

Wenn man nun die Grundprinzipien einer Tätowierung mit den Faktoren abgleicht, die zur Veränderung von Tattoos führen, ergibt sich relativ klar, welche Arten von Tattoos an welcher Körperstelle Sinn ergeben und welche eher nicht. Denn die Körperstellen, die unvermeidbar am stärksten dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, sind Hände, Unterarme, Hals und Gesicht. Hier besonders feine Tattoos zu tragen, deren Wirkung vor allem auf bunten Farben, feinen Details und Schattierungen beruht, beispielsweise Farbrealismus oder Watercolour, muss nicht unbedingt eine besonders gute Idee sein. Solche Hautbilder sind besser an Körperstellen aufgehoben, die im Alltag durch Kleidung vor Sonneneinstrahlung geschützt sind.

Widerstandsfähiger und dauerhafter sind an solchen Stellen Tattoos aus Stilrichtungen, die auf stabile Outlines, satte Farbflächen und deutliche Kontraste setzen. Diese Kriterien erfüllen vor allem die klassischen Stile wie der japanische Tattoostil, Western Traditionals sowie traditionelle Tribal-Stile. Dadurch, dass diese  in ihrer Wirkung nicht auf feine Details angewiesen sind und auch dann noch ästhetisch aussehen, wenn Linien nach einigen Jahren etwas weicher und Farben weniger knallig erscheinen, bleibt ihre Wirkung über lange Zeit erhalten. Insbesondere die traditionelle japanische Tätowierkunst setzt geradezu auf diesen Effekt der Alterung.

Tattoo-Platzierung: Welches Motiv ergibt wo Sinn?

Oft hört man von japanischen Tätowiermeistern, dass ein klassisches japanisches Ganzkörpertattoo seinen schönsten Effekt erst nach einigen Jahren erreicht. Die klassischen Western Traditionals, die früher von Seeleuten getragen wurden, deren Haut jahraus, jahrein von der Sonne gegerbt wurde, waren mit fetten Outlines, schweren Schattierungen und flächigen, deutlichen Farben ebenfalls von Anfang an auf Stabilität ausgelegt, ebenso wie die schwarzen und kontrastreichen Stammestätowierungen der Ureinwohner der polynesischen Inseln. Aber es gibt aber auch moderne Stile wie New Black oder Mandala-Tattoos, die diesen Anforderungen an Stabilität durchaus genügen.

Wenn man nun nochmals auf die Grundprinzipien einer guten Tätowierung schaut, wird man erkennen, dass man hier bei zwei der klassischen Stile, nämlich Tribal und Japanese, auch noch bei der Harmonie von Tattoo und Körper ein Häkchen setzen kann. Diese Stile wurden traditionell direkt auf dem Körper entwickelt und bilden idealerweise eine Einheit mit diesem, sie erwecken den Eindruck einer organischen Einheit mit dem Träger. Western Traditionals können in dieser Hinsicht weniger gut punkten, die ganz klassischen Traditionalmotive der Seefahrer erwecken oft eher den Eindruck von Aufklebern, die ohne Anpassung auf Ober- oder Unterarm angebracht wurden.

Tattoo-Platzierung: Welches Motiv ergibt wo Sinn?

Hier muss man jedoch den Traditionals zugutehalten, dass zum einen die Einbindung der Körperform schon von Beginn an keine Rolle bei der Entwicklung und der eher rustikalen Ästhetik dieses Tattoo-Stils spielte, und dass zum anderen inzwischen viele Traditionaltätowierer auch durchaus in der Lage sind, ihren Spezialstil um dieses Kriterium zu erweitern. Und gerade die Fläche des Handrückens kann mit traditionellen Motiven wie zum Beispiel der Kompassrose oder einer Schwalbe sehr gut gefüllt werden.

Die Größe des Tattoos ist ein weiterer Faktor, der mit den oben genannten Bedingungen in Zusammenhang steht, zu oft aber außer Acht gelassen wird. Die Größe eines Tattoos sollte in Verbindung zur Körperstelle stehen, aber auch die Faktoren der unvermeidlichen Veränderung eines Tattoos sollten hier berücksichtigt werden. Ein Paradebeispiel dafür, wie Ersteres berücksichtigt, das Zweite aber ignoriert werden kann, sind bestimmte Tattoos an Fingern: Das Löwen-Porträt, das Supermodel Cara Delevigne am Finger trägt, passt zwar größenmäßig gut auf diese kleine Fläche, völlig ignoriert wurde hier aber, dass das sehr detaillierte Tattoo an dieser Stelle zum einen in besonderem Maße der UV-Einstrahlung ausgesetzt ist.

Tattoo-Platzierung: Welches Motiv ergibt wo Sinn?

Zum anderen ist es auch zu fein und kleinteilig, um noch zu wirken, wenn die Linien des Tattoos auch nur ein wenig in die Breite gehen. Vor allem dieses zweite Problem betrifft auch die momentan sehr beliebten Schriften auf den Fingerseiten: Da hier Linien besonders gern in die Breite gehen, sind feine Schriftzüge oft schon nach wenigen Jahren so aufgegangen, dass sie komplett unleserlich sind und nur noch als bläuliche Schmierer erscheinen. Einzelne Buchstaben oder simple Symbole auf dem Fingerrücken, am besten einfach in Schwarz, sind hier die geeignetere Alternative.

Ein weiterer Fehler besteht darin, große Flächen mit zu kleinen Tattoos zu verderben. Wer sich für ein handflächengroßes Tattoo auf dem Schulterblatt entscheidet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Rückenfläche damit für weitere Tattooprojekte erledigt ist. Man sollte sich also zuvor ernsthaft fragen, ob man die große Rückenfläche nicht auch wirklich für ein großes Projekt nutzen möchte und kleinerformatige Bilder besser an anderen Stellen aufgehoben sind. Längliche Körperpartien wie Unterarm oder Schienbein bieten sich an für ebenso geformte Motive, also beispielsweise Dolche oder Leuchttürme.

Tattoo-Platzierung: Welches Motiv ergibt wo Sinn?

Eine Stelle, die immer wieder für Tattoo-experimente herangezogen wird, ist die Handinnenfläche. Hier ist jedoch der Name irreführend, denn eine wirkliche Fläche und damit ein geeigneter Untergrund für ein Tattoo ergibt sich hier schon von vornherein allein durch die zahlreichen Linien und Falten nicht. Außerdem ist die Hornhaut der Innenhand schwer zu tätowieren, oft brechen ganze Stücke des Bildes beim Abheilen wieder heraus. Und selbst wenn es gelingt, ein einfaches Bild halbwegs komplett in der Handfläche anzubringen, ist auch hier der Effekt des Verlaufens der Linien besonders ausgeprägt, was im Laufe der Zeit jede Tätowierung an dieser Stelle unansehnlich werden lässt und am Ende einfach nur den Effekt erzeugt, als habe man sich nach dem Ölwechsel nicht die Hände gewaschen.

Neben den bereits besprochenen Punkten gibt es aber auch noch eine weitere Möglichkeit, ein Tattoo an einer bestimmten Stelle unansehnlich wirken zu lassen, selbst dann, wenn man zunächst einmal prinzipiell alles richtig gemacht hat. Nämlich dadurch, dass man einfach des Guten zu viel tut. Ein Tattoo ist zunächst einfach mal ein Bild, und sofern es sich nicht von vornherein um ein Ganzkörperkonzept handelt, tut es jedem Bild gut, für sich wahrgenommen zu werden. Doch da Tattoos den Effekt haben, »süchtig« zu machen, fällt vielen genau die Selbstbeschränkung schwer, die gut wäre, um einzelne Tattoos für sich wirken zu lassen. Denn auch ein bereits bestehendes Tattoo, bei dem man hinsichtlich Platzierung, Größe und Anpassung an den Körper alles richtig gemacht hat, kann erheblich an Wirkung verlieren, wenn weitere Tattoos darum herum platziert werden, die ebenfalls um die Aufmerksamkeit des Betrachters buhlen.

Tattoo-Platzierung: Welches Motiv ergibt wo Sinn?

Das gilt ganz besonders für Tattoos am Hals oder im Gesicht. Wer hier ein Tattoo plant, sollte noch mehr Bedacht, Planung und Voraussicht einfließen lassen, als es ohnehin für Tattooprojekte sinnvoll und nötig ist. Wer ein Tattoo am Hals, eins an der Schläfe, noch einen Schriftzug überm Auge und was Kleines hinterm Ohr hat, verdirbt sich die Wirkung jedes einzelnen dieser Bilder. Was allein und für sich genommen ein eindrucksvolles und durchaus ästhetisches Statement sein kann, verkommt zur Dutzendware aus der Wühlkiste, wenn es inflationär und in Massen auftritt.

Die enorme Vielfalt an Stilen und die nahezu unbeschränkt erscheinenden Möglichkeiten in der heutigen Tätowierkunst wie auch die Tatsache, dass man sich heute Körperstellen wie Hals und Hände tätowieren lassen kann, ohne sofort im gesellschaftlichen Abseits zu stehen, all dies sind natürlich große Fortschritte. Dennoch sollte man grundsätzlich bei jedem Tattooprojekt gründlich prüfen, ob die Grundbedingungen erfüllt sind, die gewährleisten, dass das Tattoo optimal zur Wirkung kommt und auch über möglichst lange Zeit nichts von seiner Attraktivität einbüßt.

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Stand:24 April 2019 17:55:33/motive/tattoo-platzierung+welches+motiv+ergibt+wo+sinn_19219.html