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Special: So wird dein Tattoo individuell und einzigartig

22.03.2019  |  Text: Boris Glatthaar/Jula Reichard/Dirk-Boris Rödel  |   Bilder: Diverse
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Special: So wird dein Tattoo individuell und einzigartig
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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte? Ja, so etwas gibt es. Aber wer ein bedeutungsvolles Tattoo mit persönlicher Note haben möchte, muss ein bisschen mehr Vorarbeit leisten, als nur durch Instagram zu swipen
Früher war alles relativ einfach: Eine tätowierte Schlange, die sich um einen Dolch windet, stand für einen Racheschwur, ein Neptuntattoo verriet, dass der Träger als Seemann den Äquator überquert hatte – viele Tattoomotive hatten früher eine klare Bedeutung, die jeder dechiffrieren konnte, der sich mit diesen Zeichen auskannte. Heutzutage werden Motive wie Anker, Kompassrosen, Schwalben oder andere Klassiker als hübsche Nostalgietattoos gestochen, doch kaum einer, der einen Dreimaster auf der Brust trägt, ist jemals mit einem solchen Schiff zur See gefahren. Es ist nichts dagegen zu sagen, heute solche Motive allein ihrer Ästhetik wegen zu tragen. Doch viele Tattoofans wünschen sich bedeutungsvollere Motive – oft, um Erfahrungen und Erinnerungen zu bewahren.

Esel Charly war Hochzeitsgast und Vorbild für das Partnertattoo von Cassidy Roses und ihrem Ehemann Serge, gestochen von Dani Green
Esel Charly war Hochzeitsgast und Vorbild für das Partnertattoo von Cassidy Roses und ihrem Ehemann Serge, gestochen von Dani Green


Das Motiv: Ein Tattoo kann mehr sein als plakativ

Beispiel für eine Art häufig gestochener Tattoos von großer persönlicher Bedeutung sind solche, die aus einem Namen und zwei Daten bestehen: »Kurt, 12.05.1947–25.06.2016«. Jedem Betrachter ist klar, was dieses Tattoo bedeutet: Das sind Geburts- und Sterbedaten eines geliebten Menschen, dessen der Träger damit gedenken möchte. Solche Tattoos berühren. Aber: Sind die Daten wirklich das Wesentliche in der Erinnerung an die Person? Das, was sie ausgemacht hat? Oder gibt es womöglich eine persönlichere und individuellere Art, die Verbundenheit mit dem Verstorbenen in einem Tattoo festzuhalten? 


Custom-Tätowierer entwerfen Motive für ihre Kunden individuell. Entweder auf dem Tablet oder Computer, vielfach aber auch noch mit Stift und Zeichenpapier oder auf der Haut selbst
Custom-Tätowierer entwerfen Motive für ihre Kunden individuell. Entweder auf dem Tablet oder Computer, vielfach aber auch noch mit Stift und Zeichenpapier oder auf der Haut selbst

Da besteht beispielsweise die klassische Möglichkeit, sich ein Porträt stechen zu lassen, um stets ein Bild der Eltern oder Großeltern bei sich zu tragen. Immer mehr Tattoofans gehen inzwischen aber in eine ganz andere Richtung, wenn sie sich ein Tattoomotiv überlegen, das sie an einen Menschen erinnern soll. Sie suchen nach Motiven, die sie an gemeinsame Erlebnisse, liebenswerte Eigenarten oder Hobbys der betreffenden Person erinnern. Wer mit den Großeltern oft am Hafen spazieren ging und daran schöne Erinnerungen hat, könnte sich die entsprechende Hafenansicht tätowieren lassen. Wer vom Vater zum Angeln mitgenommen wurde, wählt eventuell eine Angelrute als Motiv. Und für die Mutter, die für ihr Leben gern Krimis gelesen hat, könnte man sich das Cover ihres Lieblingsbuches tätowieren lassen. Ein schöner Nebeneffekt solcher Motivüberlegungen ist, dass sie dazu zwingen, sich über den Verstorbenen und dessen Leben tatsächlich Gedanken zu machen. Darin offenbart sich übrigens nicht nur das Geheimnis wirklich persönlicher Gedenktattoos, sondern beispielhaft auch das aller anderen Tätowierungen mit extrem individueller Bedeutung: Bereits in der Phase der Ideenfindung und Motiventwicklung arbeitet zunächst der Kunde für sich, dann gemeinsam mit dem Tätowierer heraus, was die Geschichte und der Hintergrund eines Tattoos sein sollen – wie das funktioniert, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten. 
 

Der Stil: Ein Tattoomotiv, vielfältig ausgestaltet 


Wo früher gekaufte Flashes an der Wand hingen und in Alben auslagen, zeigen Tätowierer heute eigene Entwürfe. Wie hier für das Dead Fish Project der Jungs von Für Immer aus Berlin
Wo früher gekaufte Flashes an der Wand hingen und in Alben auslagen, zeigen Tätowierer heute eigene Entwürfe. Wie hier für das Dead Fish Project der Jungs von Für Immer aus Berlin. Die Vorgabe: Ein Fisch in tausendfacher Ausführung – von jedem Artist individuell interpretiert

Die schier unendlichen Möglichkeiten, ein Tattoo und dessen Botschaft durch kreative Ausgestaltung des Motives zu individualisieren, lassen sich über die verschiedenen Tattoostile noch potenzieren. Tätowierer können nämlich nahezu jede Aussage in ihren jeweiligen Kunstrichtungen umsetzen und die Verbildlichung ein und desselben Motivgedankens ist dabei in Realistic, Old School, Neotraditional, Black- oder Dotwork komplett anders. Wer sich den Hafenblick in realistischem Stil stechen lässt, erhält ein sehr detailgetreues Abbild mit feinen Linien, Farbnuancen und leichten Schattierungen. Dasselbe Motiv als Traditional hingegen kommt mit wenig Details aus, die Schatten sind hart oder gar nicht da, die Linien dick und die Farbflächen satt. Jede Technik bringt ihre eigenen Besonderheiten mit, die die Gesamterscheinung des Tattoos maßgeblich beeinflussen. Hier kann der Kunde wählen: Welcher Stil passt zu mir? Welcher am besten zu meiner Idee, zu meinem Wunschmotiv? Gibt es womöglich Stile, die unterstreichen, was ich aussagen möchte? Oder solche, die in hartem Kontrast zur Tattoobotschaft stehen und die Sache deshalb noch einmal besonders individuell und reizvoll machen? 
 

Die Aussage: Ein Tattoo als persönliche Chiffre 


Modern Tribal mit Message, die für den Träger sicher eine Bedeutung hat. Gestochen von Felix Seele vom Studio der Grimm in Berlin
Modern Tribal mit Message, die für den Träger sicher eine Bedeutung hat. Gestochen von Felix Seele vom Studio der Grimm in Berlin

Die Entwicklung zu immer mehr hintergründigen Tätowierungen folgt nicht nur dem Wunsch, ein wirklich einzigartiges Tattoo zu bekommen. Vielfach wollen Kunden heute auch, dass die Aussage ihres Tattoos zwar stark, aber nicht von jedem direkt lesbar ist. Zwar konnten auch früher nur jene Personen die plakativen Seemannstattoos entziffern, die in ihre Bedeutung eingeweiht waren. Heute aber geht die Verschlüsselung der Botschaft noch weiter, und zwar weg vom Code einer Gruppe hin zur ganz individuellen Chiffre, deren Schlüssel nur der Träger selbst kennt. Die Bedeutung des Tattoos ist für ihn allein, nach außen wirkt es als Schmuck.

Tätowierungen dieser Art können daher zwei Ebenen haben: die offensichtliche und die hintergründige. Ein Leuchtturm ist zunächst einfach ein schickes, klassisches Traditional-Tattoomotiv, kann aber für den Träger eine sehr emotionale Erinnerung an Kindheitsurlaube an der Nordsee mit den Eltern sein – der außenstehende Betrachter sieht das nicht. Ein Minnie-Maus-Motiv ist für sich genommen ein nettes Bild, doch wenn die Trägerin weiß, dass der Freund an derselben Stelle Mickey trägt, wird es zum bedeutungsvollen Partnertattoo. Und das braucht man im Gegensatz zu Namensschriftzügen auch dann nicht lasern oder überdecken zu lassen, wenn Mickey und Minnie eines Tages doch mal getrennte Wege gehen. 

Ein chiffriertes Partnertattoo ist oft auch dann noch schön, wenn die Beziehung zerbricht. Tattoo von Jakob Grabner, Krova Tattoo in Dorbirn, AT
Ein chiffriertes Partnertattoo ist oft auch dann noch schön, wenn die Beziehung zerbricht. Tattoo von Jakob Grabner, Krova Tattoo in Dorbirn, AT

Gewiss wird man auch das ganz klassische fotorealistische Porträt einer wichtigen Person nie bereuen, ebenso wenig wie die tätowierten Geburts- und Sterbedaten, die ein Leben einrahmen. Aber vielleicht will man gerade solche sehr privaten Erinnerungen auch nicht ständig nach außen tragen. Hier liegt der Vorteil individualisierter Motive und ihrem »Doppelleben«: Für die, die es nichts angeht, sind es einfach hübsche Bildchen. Und wenn man mal jemandem begegnet, dem man gern mehr erzählen will, kann man das tun – und zwar dann, wenn man es selbst für richtig hält.  
 

Die Motive: Selbst erdacht bis nachgemacht


Es gibt vier wesentliche Wege auf dem Weg zum Motiv auf der Haut: 
Die Maßanfertigung nach Kundenwunsch, das vorgefertigte Einzelstückdesign, das individualisierte Massentattoo und die Standardtätowierung nach Vorlage. Alle das hat seine Berechtigung. Die fünfte Tattoo-Art nicht, sie ist nur eine billige Kopie.

Tätowierer Frank Danisch zeichnet bei einer Kundin ein Motiv auf. Dabei achtet er darauf, dass es zur Körperlinie passtTätowierer Frank Danisch zeichnet bei einer Kundin ein Motiv auf. Dabei achtet er darauf, dass es zur Körperlinie passt

Drei Feststellungen sind wichtig: Erstens trägt man ein Tattoo in der Regel fürs ganze Leben am Körper, das hat sich auch in Zeiten immer besser werdender Lasertechnologie und des zunehmenden Trends zu Cover-ups nicht geändert. Zweitens ist der Tätowierprozess von vorn bis hinten unvergleichbar intim: So nah wie sonst nur Menschen in großer Zuneigung kommen sich Tätowierer und Kunde manchmal zwangsläufig über Stunden, während der Künstler die schützende Haut verletzt und sie für immer verändert. Und drittens ist allein schon der Tattoowunsch selbst oft mit großen Emotionen verbunden – mit Ängsten, Vorfreude, einem Glücksgefühl und der Frage, was im Leben sich nach dem Termin ändern wird. Es ließe sich noch ein Viertens, Fünftens und Sechstens anführen, aber allein die ersten drei Punkte genügen, um aufzuzeigen, wie höchstpersönlich ein Tattoo ist. Dementsprechend sollte man bei der Auswahl des Tattoomotivs nicht verfahren wie beim Kauf eines Motto-Shirts – ganz lustig, schön billig und wenn ich es morgen scheiße finde, kaufe ich eben ein neues.

Maßanfertigung vom Designer: Das Custom-Tattoo


Sicher haben die meisten von uns schon einmal einen Anzug oder ein Kleid für den Abend gekauft: Wir gehen ins Kaufhaus oder zum Ausstatter, greifen ein Teil von der Stange, und wenn es nicht ganz passt, nimmt der Änderungsschneider ein paar Handgriffe vor. Würde die Modebranche sich an dem orientieren, was Tätowierer heute auf breiter Front ihren Kunden bieten, wäre die Beschaffung der Abendgarderobe für uns schon lange ein individuelles Erlebnis: Wir würden zu einem der zahlreichen hervorragenden Fashiondesigner gehen, die in ihren Studios überall im Land in unterschiedlichsten Stilen entwerfen, und ließen uns dort ein Einzelstück zaubern: Wir erzählten von unserer Idee, der Meister selbst zeichnete einen Entwurf, gestaltete ein Unikat aus Farben und Form, Größe und Details, gemeinsam prüften wir dann die Skizze, änderten eventuell Kleinigkeiten, schließlich passte der Designer alles haargenau an unseren Körper an und nähte mit eigener Hand, bis das Einzelstück perfekt säße. Es wäre unser Kleidungsstück ganz allein, exakt auf den Körper geschneidert, aber nicht nur im Schnitt ganz nach individuellem Maß, sondern auch im Design unvergleichbar mit jedem anderen auf der Welt. 

Gemeinsam entwickeln Steve aus dem »Lausbub Tattoo Kollektiv« und seine Kundin das Tattoomotiv. Der Tätowierer entwirft auf dem Tablet, häufig wird aber auch heute noch auf Papier gezeichnetGemeinsam entwickeln Steve aus dem »Lausbub Tattoo Kollektiv« und seine Kundin das Tattoomotiv. Der Tätowierer entwirft auf dem Tablet, häufig wird aber auch heute noch auf Papier gezeichnet


Nicht nur Kreativ: Tätowierer entwerfen Motive auch mit Blick auf deren technische Haltbarkeit

Genau so geht es inzwischen in aller Regel zu, wenn Tattookunden ein Tattoo erhalten. Sie kommen mit einer Idee zum Tätowierer und der entwickelt aus dem Vorgespräch heraus ein Motiv. Oft inzwischen mit Hilfe von Tablet und Grafikprogramm, häufig aber auch noch traditionell von Hand, entwirft der Künstler ein Tattoo, in das er Ideen und Gedanken des Kunden einfließen lässt. Dieser kommt selten mit einer komplett fertigen Motivvorstellung, sondern liefert dem Fachmann Stichworte: Was möchte ich ausdrücken? Gibt es Bildelemente, die auf jeden Fall im Tattoo vorkommen sollen? Welche Farben favorisiere ich? Der Tätowierer lässt schließlich noch viele eigene Ideen einfließen und berät den Kunden intensiv. Dazu gehört auch, Wünsche auszuschlagen, wenn sich diese nicht sinnvoll, nicht handwerklich sauber oder nicht langlebig umsetzen lassen. Klassischerweise gehören eine zu große Kleinteiligkeit im Motiv oder schlicht eine zu geringe Größe zu den typischen Tattoowünschen, die Tätowierer regelmäßig ablehnen müssen, um die Qualität ihrer Arbeit garantieren zu können.

Die für ein Tattoo vorgesehene Körperstelle entscheidet bei Dea Vectorink mit darüber, wie sie das Motiv ausgestaltet. Bei diesem Fuß hat sie eine Komposition gewählt, die länglich, nicht aber besonders breit ist
Die für ein Tattoo vorgesehene Körperstelle entscheidet bei Dea Vectorink mit darüber, wie sie das Motiv ausgestaltet. Bei diesem Fuß hat sie eine Komposition gewählt, die länglich, nicht aber besonders breit ist

Auch falsche Vorstellungen von geeigneter Platzierung eines Tattoos am Körper führen immer wieder dazu, dass Tätowierer den Vorstellungen ihrer Kunden nicht folgen können. Solche sich auf das handwerkliche Können und die Berufserfahrung von Tätowierern beziehenden Beratungsprozesse gehören zum Custom-Tattoo ebenso dazu wie die Kreativleistung eines individuellen Entwurfs und das risikoarme In-die-Haut-Bringen des Pigments.

Für wen ist diese Art von Motiv geeignet? 
Das Custom-Tattoo ist ideal für Menschen, die ein Tattoo als Unikat tragen möchten, das zu ihrer Persönlichkeit und ihrem Körper passt.

Wie verläuft der Wegzum Motiv? 
Einfach mit Tätowierern der Wahl Kontakt aufnehmen, die Vorgespräche werden unterschiedlich gehandhabt. Manche Tätowierer laden zu festen Terminen ein, andere legen das Vorgespräch regulär in den Arbeitstag, immer mehr Tätowierer bitten ihre Kunden aber auch darum, Ideen und Informationen zum Wunschmotiv telefonisch, per E-Mail oder über Messenger auszutauschen.

Das Wanna-Do-Tattoo: Eine Gute Wahl für Spontan-entschlossene

Beim Wanna-do (zu Deutsch: »Ich will das tun!«) ist das Tattoo ist nicht individuell für den Kunden entworfen worden und hat höchstens zufällig für ihn eine inhaltliche Bedeutung, aber der Künstler hat sich in der Regel sehr viel Mühe beim Entwurf des Motivs gegeben. Es ist ihm eine Herzensangelegenheit, deshalb hat er es gezeichnet und will es stechen. Ein Wanna-do  ist in der Regel einzigartig und wird vom Künstler nur einmal tätowiert. Aber Vorsicht: Mittlerweile gibt es vereinzelt unseriöse Tätowierer, die Zeichnungen aus Vorlagenbüchern oder sogar abgepauste Motive von Pinterest als »Wanna-dos« auslegen, ohne darauf zu verweisen, dass es sich nicht um eigene Werke handelt (vgl. »Copycats«). Lasst euch nicht hereinlegen und versichert euch, dass es sich um eigene Entwürfe handelt. Künstler, die etwas auf sich halten, die nicht nur das schnelle Geld machen wollen und die weder sich noch den Kunden in Schwierigkeiten bringen möchten, entwerfen ihre Wanna-dos ausschließlich selbst.

Wanna-do von Pengi aus dem Tigerstyle in Hamburg: das Bob Walross. Sein eigener Stil ist im Entwurf deutlich erkennbar
Wanna-do von Pengi aus dem Tigerstyle in Hamburg: das Bob Walross. Sein eigener Stil ist im Entwurf deutlich erkennbar

Für wen ist diese Artvon Motiv geeignet? 
Das Wanna-do eignet sich für alle, die ein kreatives Tattoo haben wollen, ohne den Anspruch, dass es eine persönliche Botschaft beinhalten muss.

Wie verläuft der Wegzum Motiv?
Wanna-do-Designs veröffentlichen Tätowierer auf ihren Social-Media-Accounts oder legen sie auf Conventions aus. Weil es sich um fertige Entwürfe handelt und der Künstler ein großes Interesse an der Umsetzung hat, sind Termine häufig recht kurzfristig zu bekommen. Wer von seinem Lieblingstätowierer ein Wanna-do ergattern möchte, sollte dessen Instagram-Profil im Auge behalten und schnell sein: Oft geht das Motiv an denjenigen Kunden, der zuerst sein Interesse erklärt. Bei auf Tattoomessen ausgelegten Wanna-dos kann der Interessent einfach direkt zuschlagen. Sie sind in Größe und Ausgestaltung meist so gehalten, dass sie während der Convention kurzfristig gestochen werden können.
 

Konfektionsware aus der Änderungs-schneiderei: Das individualisierte Massen-Tattoo

Unendlichkeitsfeder von Julia Bauer, Tempel Tattoo (München)
Unendlichkeitsfeder von Julia Bauer, Tempel Tattoo (München)

Früher war es das zu Unrecht als »Arschgeweih« verspottete Steißbein-Tribal, dann kamen Unendlichkeitsschleifen mit Namen und Geburtsdaten, schließlich gab es Pusteblumen und Vogelschwärme in verschiedenen Kompositionen, kürzlich waren es es Underboobs: Tattoomotive, die im Trend liegen, und deshalb massenhaft gestochen werden. Sie sind immer ähnlich, aber selten identisch, in vielen Studios gelten sie als »Brot-und-Butter«-Tattoos, die man niemals bei Instagram zeigen würde, mit denen die Tätowierer aber ihre Miete zahlen. All diese Motive verlangen dem geübten Tattoodienstleister nicht viel kreative Eingebung ab, allenfalls werden Namen und Daten geändert, die Platzierung und Größe angepasst, die einzelnen Elemente variiert. Handwerklich hat der Tätowierer all das schon so drin, dass er nicht nur den Entwurf, sondern auch die Tätowierung aus dem Ärmel schüttelt und letztlich im Blindflug erledigen könnte. Tut er aber nicht, weil er weiß, dass gerade ein solches Tattoo dem Träger enorm viel bedeutet. Das liegt nicht nur daran, dass diese Tattoos oft mit einer – wenngleich plakativen – persönlichen Aussage verbunden sind, sondern auch daran, dass Trend-Tattoos häufig die erste und damit eine besonders intensive Tattoo-Erfahrung für den Kunden darstellen.

Underboob  von Wojtek Przychodzki, Inkdependent (Edinburgh, UK)
Underboob  von Wojtek Przychodzki, Inkdependent (Edinburgh, UK)

Für wen ist diese Art von Motiv geeignet? 
Trend-Tattoos sind oft Einsteiger-Tätowierungen – gerade für Menschen, die mit etwas Kleinem beginnen und nicht direkt vollends gegen den Strom schwimmen wollen.

Wie verläuft der Weg zum Motiv?
Wer nicht gerade in einem Tattookünstler-Atelier anklopft, wird in den meisten Studios ein kleines Motiv bekommen, das gerade im Trend liegt. Vor allem aber sogenannte Streetshops, die mit leuchtender Tattooreklame um Kundschaft werben, setzen meist schnell ein solides Massentattoo mit individueller Note um. Auf Conventions ist dafür in der Regel ebenfalls problemlos spontan ein Tätowierer zu finden.

Konfektionsware von der Stange: Das Vorlagen-Tattoo


Viele Jahrzehnte lang und teilweise noch bis in die 1990er Jahre wurden Tattoos nach Standardvorlagen gestochen. Die sogenannten Flashes mit traditionellen Dolchen, Tigern, Herzen, Totenköpfen und zahlreichen weiteren Motiven hingen auf großen Bogen in den Tattoostudios oder lagen in Vorlagenbüchern auf den Tischen aus. Diese Flashes gab es für Tätowierer zu kaufen, damit sich deren Kunden wiederum ihr Tattoo wie aus dem Warenhauskatalog aussuchen konnten. Dass andere dasselbe Motiv trugen, spielte keine Rolle. Hintergrund dieser Standards war, dass noch vor zwei Jahrzehnten die wenigsten Tätowierer echte Künstler waren, sondern vor allem Handwerker, die die schweren Tätowiermaschinen auch über viele Stunden bedienen und solide Eins-zu-eins-Kopien der noch traditionellen Tätowierungen mit fetten Outlines und flächigen Farben in die Haut bringen konnten. Mit dem Einstieg immer weiterer kreativer Tattookünstler in die Szene, der Entwicklung leichterer und einfacherer Maschinen, besserer Arbeitstechniken und -mittel, einer immer breiteren stilistischen Vielfalt sowie einem stetig wachsenden Individulisierungsanspruch der Tattookundschaft spielten Tätowierungen nach Massenvorlage immer weniger eine Rolle. Heute kommen sie in den meisten Studios gar nicht mehr vor, fast ausschließlich aus Nostalgie werden Designs aus historischen Vorlagenalben von Szeneinsidern ab und zu noch gestochen. Achtung, Verwechslungsgefahr: Zwar stechen gerade Oldschooler und Traditional-Künstler noch immer traditionelle Motive nach alter Machart. Sie zeichnen diese aber zuvor meist individuell für den Kunden, an dessen Körper sie angepasst werden. Diese Werke gehören daher zu den Custom-Tattoos. 

Bücher mit Flashes gab es früher zum Eins-zu-eins-Kopieren. Manche Tätowierer erstellen solche Bände inzwischen auch zur Inspiration ihrer Kollegen, aber nicht mehr als bloße Kopiervorlage. Außerdem liegen auf Conventions heutzutage auch Wanna-dos in persönlichen Alben aus – auch sie dienen nicht der Kopie
Bücher mit Flashes gab es früher zum Eins-zu-eins-Kopieren. Manche Tätowierer erstellen solche Bände inzwischen auch zur Inspiration ihrer Kollegen, aber nicht mehr als bloße Kopiervorlage. Außerdem liegen auf Conventions heutzutage auch Wanna-dos in persönlichen Alben aus – auch sie dienen nicht der Kopie

Für wen ist diese Art von Motiv geeignet?
Heute eigentlich für niemanden mehr – außer für Nostalgiker, die historische Vorlagen lieben.

Wie verläuft der Weg zum Motiv?
Wer ein Motiv von der Studiowand aussuchen und eins zu eins gestochen haben möchte, reist am besten zurück ins Jahr 1960. Alternativ findet er vielleicht einen Tätowierer, der Spaß daran hat, so etwas Altes noch einmal zu machen – einfach fragen.
 

Die freche Tattoo-Kopie alias »Copycat«: 
Verboten, respektlosund Erbärmlich

Dieser Rückentattoo-Entwurf von Tätowierer Friedrich Übler war
dreist kopiert worden. Der Tätowierer kommentierte das auf einer Convention zynisch mit dem Hinweis »feel free to copy«
Dieser Rückentattoo-Entwurf von Tätowierer Friedrich Übler war dreist kopiert worden. Der Tätowierer kommentierte das auf einer Convention zynisch mit dem Hinweis »feel free to copy«

Schöpferischer Einfall, plötzliche Erkenntnis, erhellende Idee – das ist es, was der Duden unter dem Wort »Inspiration« vermerkt. Was nicht da steht: Designdiebstahl, Bilderklau, Motivkopie. Und doch meinen immer wieder ahnungslose oder freche Kunden einerseits und schlichtweg unseriöse Tätowierer andererseits, dass es okay sei, Motive fremder Künstler nicht nur als Denkansatz für die Entwicklung eigener, ganz anderer Entwürfe zu nehmen, sondern sie ähnlich oder sogar eins zu eins nachzuzeichnen und nachzutätowieren. Nein, fremde Werke zu kopieren, das ist nicht okay, sondern schlichtweg verboten. Wer eine Kopie oder ein Motiv von deutlicher Ähnlichkeit und mit wenig kreativem Eigenanteil erstellt, ohne vom Urheber dafür die Erlaubnis zu haben, kann als Krimineller strafrechtlich verfolgt und zur Zahlung von Schadenersatz verklagt werden, womöglich ist auch Schmerzensgeld fällig. Die deutsche Rechtslage aber ist nicht der Hauptgrund, weshalb »Copycats«, also nachgemachte Tattoos, in der Szene verachtet werden und Tätowierer, die so etwas machen, regelmäßig den Zorn der Community bis zum Shitstorm spüren. Vielmehr haben angesehene Tätowierer, die sich Ruf und Kundenkreis hart erarbeitet haben, einfach kein Verständnis dafür, wenn sich ein paar schwarze Schafe in der Branche mit fremden Federn schmücken und mit der Leistung anderer frech Kasse machen. Auch der Schutz der Kunden spielt aus Sicht seriöser Tätowierer im Kampf gegen Plagiate eine große Rolle: Immerhin hat nicht nur derjenige, für den die Tätowierung ursprünglich ganz individuell entworfen wurde, einen Anspruch darauf, dass er tatsächlich der Einzige bleibt, der das Einzelstück auf dem Körper trägt. Auch der Kunde, der die Kopie bekommt, hat eigentlich Besseres verdient als den billigen Abklatsch eines Motives, das einem anderen Menschen gehört. Übrigens ist nicht nur das Kopieren fertiger Tätowierungen eine ebenso verbotene wie verachtete Handlung, sondern auch der Diebstahl von Entwürfen und Zeichnungen, etwa von Wanna-do-Designs. Wenn ihr euch also das nächste Mal bei Instagram, Pinterest oder auf Conventions umschaut, denkt daran: Sich Denkanreize zu holen, das ist Inspiration und okay. Zu kopieren hingegen ist verboten, respektlos und armselig.

Dreister geht es wirklich nicht: Das Frauenporträt im Original links von Christin Gloriousink, rechts die billige, missratene Kopie. Bei einem Copycat gibt es immer mehr als einen Verlierer!
Dreister geht es wirklich nicht: Das Frauenporträt im Original links von Christin Gloriousink, rechts die billige, missratene Kopie. Bei einem Copycat gibt es immer mehr als einen Verlierer!

Für wen ist diese Art von Motiv geeignet? 
Für alle Kunden, die sich kein individuelles Motiv wert sind, lebenslang das Tattoo eines fremden Menschen tragen möchten, das Werk anderer nicht respektieren, unseriösen Tätowierern Geld in den Rachen schmeißen und selbst Gefahr laufen wollen, im Internet und auf der Straße verspottet zu werden. 

Wie verläuft der Weg zum Motiv?
Zu einem Tätowierer gehen, nach einem billigen Plagiat fragen, möglicherweise ein selbst geklautes Motiv mitbringen und hoffen, nicht umgehend rausgeschmissen zu werden –
das machen seriöse Tätowierer in einem solchen Fall nämlich.

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