Motivklassiker: Schmetterling

26.01.2018  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: TM-Archiv
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Motivklassiker: Schmetterling
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Schmetterlinge als Tattoo sind ein altes und weit verbreitertes Motiv. Sie stehen als Symbol der Verwandlung, Freiheit und wurde in der Geschichte des Tätowierens auch als Symbol der Diebe angesehen. Eines waren sie jedoch nie: ein Tattoomotiv für Frauen.

Tattoo von Filip Henningsson, Umea

Das Motiv

Das Schmetterlingsmotiv zeigt den Falter im Stadium eines erwachsenen Tieres (Imagines), meist von oben mit ausgebreiteten Flügeln oder aber leicht geöffneten Flügeln von der Seite, gerade so, als befände sich das Insekt im Flug. Im Fokus der Darstellung stehen natürlich die bunten Muster auf den Flügeln, deren Ausgestaltung ganz der Kreativität des Tätowierers überlassen ist, denn auch in der Natur haben die Schmetterlinge aufgrund zahlreicher Fressfeinde zur Tarnung, Täuschung und Warnung sehr unterschiedliche Muster ausgebildet. Eine besondere Variante des Motivs ist die Schmetterlingsfrau, die einen schmetterlingsbeflügelten Frauenkopf oder -körper zeigt.

Tattoo von Cionka, Forever St Pauli, Hamburg

Der Ursprung

Die Faszination des Menschen für Schmetterlinge beruht neben der dekorativen Wirkung auch auf den Verwandlungsphasen (Metamorphose), die er durchläuft: vom Ei über die Raupe zur Puppe und schließlich zum Schmetterling. Dieser Lebenszyklus machte sie schon in der Antike zum Symbol der Verwandlung, von den Christen adaptiert wurde er als Zeichen für die Auferstehung Christi gedeutet. Aber auch weniger Bibelfeste gewinnen dem Schmetterlingsmotiv einiges ab: Es steht für Leichtigkeit, Freiheit und Verwandlung. 

Schmetterlings-Tattoo von Kid Kros, Split

Verbreitung

Frühe Quellen zur Verbreitung finden sich in militäranthropologischen Beiträgen wie dem des Militärarztes Alexandre Lacassagne (»Les tatouages«, 1881), der tätowierte Schmetterlingsmotive auf Soldaten eines französischen Strafbataillons dokumentierte. Ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert stammen die Fotografien von tätowierten Sträflingen aus der Zeit von 1890–1930 von Jérôme Pierrat und Eric Guillon (»Mauvais garcons«), nach deren Auszählung fünfundzwanzig Prozent der Männer Schmetterlingstattoos trugen. Pierrat und Guillon beschreiben das Schmetterlingstattoo als Symbol der Diebe, da sie gelegentlich mit dem Text »Comme lui je vole« kombiniert wurden. Ein Spiel mit der Doppeldeutigkeit des französischen Wortes »voler«: Der Satz kann verstanden werden als »Ich fliege wie er« oder »Ich stehle wie er«. 

Tattoo von Anna, Scratchline-Tattoo, London

Schmetterlingsmotive waren im 19. Jahrhundert in der westlichen Tattoowelt anscheinend weit verbreitet. Und das sowohl bei der Herren- als auch der Damenwelt und nicht nur bei solchen, die mit dem Gesetz in Konflikt kamen. Der Hamburger Tätowierer Karl Rodemich (der schon in den 1870er Jahren in Hamburg arbeitete) hatte sie genauso im Repertoire wie der Brite George Burchett (1872–1953) und der US-Amerikaner Cap Coleman (1884–1973). Während der Jahrhundertwende waren auch zahlreiche Postkarten im Umlauf, die schmetterlingsbeflügelte Frauenköpfe zeigten.

Tattoo von Goran, Bloody Ink, Hamburg

Eine Variante, die ins Repertoire der Tätowierer einfloss und die der Volkskundler Adolf Spamer im Jahr 1933 als ein »Symbol der weiblichen Flatterhaftigkeit und Unbeständigkeit« ansah. Tatsächlich eine erotische Komponente zeigten Schmetterlinge Mitte der 1950er Jahre. Zahlreiche Fotografien zeigten Frauen mit Schmetterlingen auf dem Venushügel und auch der Vulva. Bis heute sind Schmetterlinge beliebte Tattoomotive und entgegen der immer wieder zu lesenden Meinung, dass es sich dabei um ein Frauenmotiv handelt, waren sie das wahrscheinlich nie.

Tattoo von Nick Knatterton, Noble Tattoo, Schwetzingen

Am Rande

Das berühmteste Schmetterlingstattoo trägt Papillon (franz.: Schmetterling) auf der Brust und ist beschrieben im gleichnamigen Roman von Henrie Charrière aus dem Jahr 1933, der 1973 mit Steve McQueen verfilmt wurde. Ein Manifest für die Freiheit! 
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