Motivklassiker: Palme mit Südsee-Girl

19.05.2018  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: Archiv TM
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Motivklassiker: Palme mit Südsee-Girl
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Das Palmenmotiv mit Südseeschönheit ist Sinnbild für die Sehnsucht der Menschen nach dem Paradies auf Erden. Beliebt vor allem bei US-Soldaten in den 1950er Jahren, die während des Zweiten Weltkriegs von Hawaii aus verschifft wurden und sich dieses Souvenir häufig tätowieren ließen.
Motivklassiker: Palme mit Südsee-Girl

Beschreibung: Ein schlanker, hoch aufragender Palmenstamm, an seiner Spitze wachsen ausladend grüne Blätterwedel. Im Schutz des Palmenschattens sitzt oder steht eine nur mit einem Baströckchen bekleidete junge Frau, ein Blumenkranz liegt um ihren Hals und verdeckt mal mehr, mal weniger ihre Brüste. Die Hübsche spielt wahlweise Ukulele, tanzt mit gewagtem Hüftschwung oder genießt den Sonnenuntergang am Meer.

Der barbusige Traum eines jeden Seemannes stammt von Wolfgang Tattoo, Sang Bleu (London)/Tintenstich (Bonn)

Der Ursprung: Von einem tätowierten Palmenmotiv auf dem Rücken eines Matrosen wird aus den 1770er-Jahren berichtet. Der Mann habe sich laut eines Berichts in der »Pall Mall Gazette« (05.12.1894) während der ersten Cook’schen Expedition auf Tahiti tätowieren lassen. Laut dieses Artikels zur Motivgeschichte des Hautstichs in England seien dem Seemann noch Tausende gefolgt, das Palmenmotiv sei eine regelrechte Mode gewesen.

Es kann angenommen werden, dass diese »erste Palme« im polynesischen Stil gestochen war, zumal die Palme als Tattoomotiv auf Tahiti bekannt war. In der Folge wurde es der westlichen Bildsprache angepasst und nicht wie im tribalen Stil der Südseeinsulaner abstrakt-dekorativ dargestellt, sondern nach europäischer und US-amerikanischer Manier gegenständlich.

Tattoo im Sailor-Jerry-Style von Sebastiaan, King of Kings (Swalmen, NL).

Vor allem aber war die Bedeutung eine ganz eigene: Die Palme wurde zum Sinnbild einer fernen und als friedvoll angesehenen Welt, eine Projektion des Wunsches, dass ein Ort existiert, der der Vorstellung vom Paradies nahekommt. Die Inseln in der Südsee schienen diesem Wunsch zu entsprechen. Als der Palme noch das hübsche, lediglich mit einem Bastrock bekleidete Mädchen beigestellt wurde, war die Südseeinsel auch noch Symbol der sexuellen Freizügigkeit. Wer wollte da nicht sein?

Der Tätowierer Sailor Jerry Swallow will das Motiv »Südseeschönheit unter Palme« bereits um 1900 in den Vorlagen des in Toronto arbeitenden Tätowierers Fred Baldwin gesehen haben. Der englische Tätowierer Les Skuse aus Bristol setzte es 1950 als Tattoo um, zahlreiche Variationen finden sich auf Flash-Sheets von Sailor Jerry Collins, in den Vorlagebüchern aus den 1920er und 1930er Jahren der beiden Hamburger Tätowierer Christian Warlich und Karl Finke ist es ebenfalls vertreten, Finke steckte jedoch die eher europäisch anmutende Dame ganz züchtig in einen Badeanzug.

Die Vorlage für diese Variante stammt von Christian Warlich, tätowiert wurde sie von Castor Raubadler von Sorry Mom (Braunschweig)

Verbreitung: Vor allem Seefahrer haben sich als Erinnerung an ihre exotische Reise dieses Motiv stechen lassen. Später auch all jene, die gerne einmal dort gewesen wären oder die mit diesem Motiv ihr Fernweh ausdrücken wollten. In den USA sehr populär wurde es während des Zweiten Weltkriegs, als von Hawaii aus Tausende US-Soldaten in den Krieg über den Pazifik geschickt wurden und sich vor der Einschiffung noch ein Hula-Girl mit Palme tätowieren ließen. Schaut man sich die Vorlagensets dieser Zeit an, war die Palme oft gar nicht mehr so wichtig.

Im Zuge der europäischen Rockabilly-Bewegung in den 80er Jahren mit dem einhergehenden Faible für Pin-up-Tattoos und den US-amerikanischen Lifestyle kam das Hula-Mädchen vor Palme auch bei uns wieder in Mode.
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Stand:26 September 2018 03:05:06/motive/motivklassiker+palme+mit+suedsee-girl_18411.html