Krankenschwestern

24.09.2010  |  Text: Heide  |   Bilder: TM-Archiv
Krankenschwestern
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Tattoos von Krankenschwestern haben eine lange Tradition. Schon um die Jahrhundertwende huldigten Seefahrer den adretten Damen mit sexy Motiven. Heute tragen auch Krankenpflegerinnen gern die Hommage an ihren Beruf auf der Haut.
 


Sexy Krankenschwester von Fabian Nitz, Outback Tattoo.

Zu allem bereit. Krankenschwester von Fabian Nitz, Outback Tattoo.

Die oberen Knöpfe des Schwesternkittels hat die üppige Brust abgesprengt. Das Häubchen mit dem roten Kreuz sitzt keck auf dem Kopf und die langen, in Netzstockings gehüllten Beine enden in hochhackigen Pumps – so sieht er aus, der Männer-Traum von einer Krankenschwester.
Und sicherlich der Albtraum der Mutter aller Krankenschwestern, der Britin Florence Nightingale. Der Anblick solch einer sexy Schwester hätte sie wohl selbst zum Pflegefall gemacht. Und auch ihr Leitfaden zum Krankenschwester-Beruf, »Notes on Nursing« (1862), hätte wohl umgeschrieben werden müssen: »Jede Frau ist eine Krankenschwester«, schrieb Nightingale, denn Frauen seien zur Krankenpflege per Geschlecht automatisch qualifiziert.

Hilfsbereite Lady aus der Nadel von JayJay, Bluebird Tattoo, Västeras.

Hilfsbereite Lady aus der Nadel von JayJay, Bluebird Tattoo, Västeras.


Für das gerade beschriebene Pin-up scheint dieser Beruf eher nicht »das ideale Medium weiblicher Verwirklichung« zu sein, und auch von Seiten der Patienten hätte sie eher Erwartungen geweckt, die sich nicht auf Bettpfanne unterschieben und Verbandswechsel beschränkt hätten. Aber zwischen dem Frauenbild der Florence Nightingale und der aufreizend leicht bekleideten Krankenschwester liegen auch rund 180 Jahre.
Das Berufsbild der Krankenschwester entstand Mitte des 19. Jahrhundert, als Auslöser gilt der Krimkrieg (1853 – 1856). Bei diesem ersten so genannten Stellungskrieg war die Zahl der Verletzten extrem hoch und die Versorgung in den Lazaretten katastrophal. Die Folge war eine Reform des britischen Lazarettwesens, an der die bereits erwähnte Florence Nightingale federführend mitwirkte.
Die Entwicklung des Berufsbilds »Krankenschwester« ist somit den Zuständen in den Kriegs-Lazaretten geschuldet. Krankenschwestern sorgten sich um die Männer, die mit schweren Verletzungen auf Heilung hofften oder im schlimmsten Fall auf die endgültige Erlösung von ihren  Schmerzen.
Ob die kleine Schwester der Alraune noch helfen kann? (Stotker Tattoo, London)

Ob die kleine Schwester der Alraune noch helfen kann? (Stotker Tattoo, London).


Krankenschwestern pflegten nicht nur, sondern gaben den Männern Trost und Zuspruch. Sie waren ein Symbol für Menschlichkeit; ein Wert, der auf dem Schlachtfeld und auch in den Lazaretten abhanden gekommen war. Und sie waren es, die die Männer mit den Morphiumspritzen zumindest für ein paar Stunden in einen traumlosen und schmerzfreien Dämmerzustand versetzten. Für manche waren sie vielleicht wie die eigene Mutter, denn sie spendeten Trost und Mitgefühl. Krankenschwester-Tattoos wurden so schnell zum Ausdruck der Dankbarkeit und eine ewige Erinnerung an das Erlebte.
Entsprechende Tattoo-Motive findet man daher bereits nach dem 1. Weltkrieg in den Motivvorlagen der Tätowierer. Etwas züchtiger als das eingangs erwähnte Pin-up sahen diese Zeichnungen allerdings schon aus. In Schwesterntracht mit Schleier erinnerten sie eher an Nonnen, die sich ja bekanntermaßen ebenfalls mit der Pflege von Kranken beschäftigten. Dabei wurden die Damen stets recht attraktiv dargestellt.  
Schon im ersten Lehrbuch der Krankenpflege (1679) steht schließlich, dass die Pflegerin nicht zu alt sein solle, um die Kranken nicht zu »verdrießen«. Schönheit war also durchaus erwünscht. Zu viel Aufmerksamkeit hingegen sollten die Schwestern auch nicht auf sich ziehen. Zum Schutz mussten sie eine Art Uniform tragen und natürlich das Häubchen auf dem Kopf – quasi ein Symbol, dass sie bereits »unter der Haube« sind und demzufolge auch keinen Partner suchen. Kittel und Häubchen sind heute das unverkennbare Zeichen dieses Berufes.


Den vollständigen Artikel und alle Bilder findet ihr in der Oktober-Ausgabe 2010

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