Heimatliebe in Tattoos – Teil 3

22.06.2018  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: TM-Archiv
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Heimatliebe in Tattoos – Teil 3
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Vertrautheit, Liebe, Sicherheit … Es gibt viele Gefühle, die man mit der Heimat verbindet, dem Ort, wo man aufgewachsen ist, wo die Familie und die alten Freunde leben, wo man die Landschaft und den Menschenschlag mit seinen Eigenheiten kennt und versteht. Es gibt also gute Gründe, sich ein entsprechendes Tattoo stechen zu lassen. Heimatliebe: Tattoos von Hiddensee bis München, von Bliesmengen-Bolchen bis Berlin.
Norddeutschland
Im Norden Deutschlands grüßen sich die Menschen mit der einfachen Formel »Moin« und wenn sie besonders geschwätzig sind, sogar mit der Verdoppelung, mit einem »Moin, Moin«. Besonders im Süden führt diese auch am Abend geäußerte Grußformel zu Irritationen, erinnert das Wort doch stark an »Morgen« im Sinne von Tagesanfang und provoziert geradezu die Frage, ob der so Grüßende erst spät aufgestanden oder etwas wirr im Kopf sei. Im Plattdeutschen bedeutet »moin« jedoch »schön« und in der verkürzten Übersetzung von »‚Ä’n mooien Dag wünsch ik di« (»einen schönen Tag wünsche ich dir«) wurde die knappe Formel »Moin«. 
Die Wortherkunft ist indes nicht eindeutig geklärt, womöglich hat sich der Universalgruß in unterschiedlichen Regionen und auch Ländern parallel entwickelt. Der Duden hat sich der These angeschlossen, dass er aus dem Ostfriesischen und Mittelniederdeutschen kommt. Tattoo von Harry Hafensänger, Hamburg.



Hiddensee
»Das Tattoo soll meine grenzenlose Liebe zu meiner Heimat, der Insel Hiddensee ausdrücken, die ich vor siebzehn Jahren wegen eines Jobs verlassen habe. Der Leuchtturm, das Leuchtfeuer Dornbusch, ist das Wahrzeichen der Insel. Sein Licht strahlt für mich Sicherheit aus und weist mir auch den Weg zurück in meine Heimat. Die Möwe gehört zur Küste und steht für mich als Sinnbild für Freiheit. Der vom Wind gebeugte Baum, ein sogenannter Windflüchter, ist ebenfalls typisch für die Nordseeinsel und steht für das raue Klima des Nordens. Die Hausmarke mit den Koordinaten verweist auf mein Elternhaus und meine Liebe zu ihnen hin. Ungewöhnlich ist vielleicht der Wikingerschmuck, doch der wurde auf der Insel gefunden. Mich faszinieren die Nordmänner und ich denke, dass in meinen Adern auch ein wenig Wikingerblut fließt«, erklärt Peter Podschun sein Heimattattoo. Gestochen wurde es von Sylvie Poppet, Voodoo Doll Tattoo, Emmingen.



Bliesmengen-Bolchen
Liebe, Neid, Hass, zwei Tode und eine Seele, die keine Ruhe findet, sind die Zutaten in der saarländischen Sage vom Höllengässchen. Nach dieser warben zwei Brüder um die Hand der Jungfrau von der Frauenburg, der Ältere gewann ihr Herz für sich, voller Neid und Hass erschlug der Verschmähte ihn und kam anschließend durch ein Missgeschick im Himmelsgässchen selbst zu Tode. Seitdem heißt der Weg zwischen den saarländischen Gemeinden Habkirchen und Bliesmengen-Bolchen Höllengässchen. Wegen seiner frevlerischen Tat fand die Seele des Mörders keine Ruhe und erscheint bis heute in Gestalt eines buckligen Männchens, das dem nächtlichen Wanderer auf die Schulter springt und sich von ihm tragen lässt. Das Tattoo ist nach einer Illustration des saarländischen Comiczeichners Bernd Kissel von By Poupou (Spicheren, FR) umgesetzt.



Berlin
Mehr als nur Sightseeing-Klischees! Für den Träger dieses Berlintattoos ist seine Stadt nicht nur Fernsehturm und Brandenburger Tor, sondern auch ein Ort mit einer aktiven Graffitiszene und anscheinend auch zahlreichen Kiffern. Die freie Interpretation einer Frakturschrift bildet den Umriss, das Innere des Letterings ist sowohl mit den architektonischen Wahrzeichen als auch mit Spraydose und Cannabisblatt gestaltet. Entwurf und Tattoo dieser Kombination aus Lettering und Realistic in Black-and-Grey stammen von Marshall Griffin, Zum frischen Lutz, Berlin. 



Schwarzwald
Der Strohhut mit den vierzehn Bollen aus Wolle wurde neben der Kuckucksuhr zum Symbol des Schwarzwaldes, und das obwohl die Kopfbedeckung der Frauen nur regional begrenzt zur Tracht gehört. Ursache dafür waren wohl vor allem die Heimatfilme der 1950er und 1960er Jahre. Die Bollen in Rot tragen übrigens nur die unverheirateten Frauen, bei den verheirateten sind sie schwarz. Die beiden Schwarzwaldmädchen als 8-Bit-Design wurden von Jonas Bieg (Hayd Tattoo, Schramberg) nach einem Entwurf von Artwood tätowiert. 



Bayern
Mit Sprüchen wie »heit kinna's mi olle moi schee gern ham« und »ge, scheiß di doch ned auf« hat der Volksschauspieler Gustl Bayrhammer (1922-1993) in der Kinderserie »Meister Eder und sein Pumuckl« auch die Herzen der erwachsenen Zuschauer erobert. Und mit keiner Filmfigur verbindet man ihn mehr als mit der des Schreinermeisters Eder, mit der er Anfang der 1980er Jahre den grantelnden Urbayern mimte, der den nur für ihn sichtbaren Kobold Pumuckl gleichermaßen liebt wie erzieht. Darüber hinaus war Bayrhammer auch als Theaterschauspieler sehr erfolgreich tätig. Tätowiert wurde das Porträt von Herzna, Hoftätowiererei Giesing, München.




Wir möchten eure Heimatliebe-Tattoos zeigen!
Egal, ob ihr Hesse seid und ’nen Handkäs’ mit Musik tätowiert habt, als Pfälzer ’ne Elwetritsche oder als Brandenburger ’ner Spreewaldgurke … schickt uns Fotos eurer Heimatliebe-Tätowierungen! Bitte in der Mail euren Namen, um welches Motiv es sich handelt und den Namen des Tätowierers und Studios vermerken. Handyfotos sind in Ordnung, die Bilder bitte in der höchsten Auflösung schicken. Am besten ihr fotografiert bei Tageslicht und achtet darauf, dass der Hintergrund nicht ganz so wirr ist. Wir freuen uns auf eure Einsendung, natürlich können auch Tätowierer, die ihre entsprechenden Arbeiten zeigen möchten, schicken. Einfach mailen an: h.heim@huber-verlag.de. Betreff: Heimatliebe-Tattoo
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Stand:26 September 2018 03:24:50/motive/heimatliebe+in+tattoos+-+teil+3_18515.html