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Hasen-Tattoos sind nichts für Hasenfüße!

28.03.2014  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: TM-Archiv
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Hasen-Tattoos sind nichts für Hasenfüße!
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Sex, Drogen und Auferstehung sind drei Themen, mit denen Meister Langohr in Verbindung gebracht wird. Nicht schlecht für einen kleinen puscheligen Nager, der so unschuldig aussieht, als wisse er nicht, wie der Hase läuft.


Hase im Kindchenschema von Cira Las Vegas vom Holy Diver Tattoo.

Lange Flauschohren, kleines Stummelschwänzchen und die knuffige Schnuffelnase – Häschen muss man lieben. Und weil sie so süß sind, werden sie auch ordentlich durch den Merchandisingwolf gedreht und der Zielgruppe »Kinder im Vorschulalter« vorgeworfen. Am auffälligsten ist dieses Phänomen bei Kinderbüchern. Hasen als Hauptfiguren sind so inflationär, wie die Buchtitel an den Hasenohren herbeigezogen sind: Der kluge kleine Hase, Der kleine große Hase, Armer Hase, Der Schlechte-Laune-Hase, Der Bücherhase und über allem thront der unsägliche Felix der Hase, der auch auf Bettwäsche, Koffer und Kinderrucksack für Umsatz sorgt. Früher beschränkte sich das literarische Angebot auf Die Häschenschule von 1924. Der pädagogische Ratgeber für die richtige Kindererziehung lässt Waldorflehrer ob der darin zu lesenden Reime ihren Namen rückwärts tanzen: »Lasst nichts in der Schule liegen! Auf dem Heimweg still geschwiegen!«

Fotorealistisches Porträt vom heimischen Couch-Karnickel von Cira Las Vegas vom Studio Holy Diver Tattoo aus Essen.

Was geht?

Doch Hasen haben ein viel größeres Potential, als den Kleinen in kitschigen Bilderbüchern vorgegaukelt wird. Aus Kindertagen kennen wir noch die Zeichentrickfigur Bugs Bunny. Ein lässiger und frecher Hase, der mit seinen Scherzen seine Gegenspieler in den Wahnsinn treibt. Ob Schweinchen Dick, Elmer Fudd der Hasenjäger oder Yosemite Sam – die ständig an einer Mohrrübe knabbernde Cartoonfigur trickste alle souverän aus. What’s up, Doc? war im amerikanischen Original die Standardbegrüßung von Bugs Bunny. Die einzige Antwort kann nur lauten: Bei Hasen geht ’ne Menge!

Flächiger Grafic-Style-Hase von Sebo vom Studio Mystery Touch im österreichischen Gleisdorf.

»The White Rabbit«

Ein ständig auf die Uhr schauendes weißes Kaninchen ist eine zentrale Figur in einer der bekanntesten Geschichten für Heranwachsende: Alice im Wunderland. Es lockte Alice in den Bau, den Eingang in ein fantastisches Wunderland. Einer Traumwelt, in der alle Regeln und Gesetze aufgehoben sind und das Absurde zur Normalität wird. Das weiße Kaninchen aus dem Kinderbuch von Lewis Carroll wurde vor allem durch die Verfilmung von Tim Burton (2010) zu einem der berühmtesten Hasen überhaupt und ist heute ein beliebtes Tattoomotiv.

Beim Hasen von Nick vom Bläck Fisk Studio aus Berlin ist es mal wieder Zeit für eine Tasse Tee.

Bewusstseinserweiterung

Das Leitthema der Alice-im-Wunderland-Geschichte, die Suche nach dem richtigen Weg, nach dem Sinn und dem eigenen Selbst, inspirierte auch andere Kreative. Ein Zitat aus dem Buch ist beispielsweise die Anweisung »Follow the White Rabbit«, die der Hacker Neo im Science-Fiction-Klassiker Matrix bekommt. In diesem Fall geht der Protagonist jedoch den umgekehrten Weg: aus der künstlich geschaffenen Matrix hinaus in die wirkliche Welt.
 
Die Erlebnisse von Alice schlugen sich auch musikalisch nieder. Die Psychodelic-Rockband Jefferson Airplane hatte Mitte der 1970er Jahre mit dem Song »White Rabbit« einen ihrer größten Hits. Darin deuten sie Alices Abenteuer als Drogenexperiment. Die Kekse, Pillen und Pilze, die Alice isst, werden allesamt als Drogen interpretiert. Es wundert also kaum, dass der Song im Drogenkultfilm »Fear and Loathing in Las Vegas« im Kassettenrekorder leiert, während Rechtsanwalt Dr. Gonzo in der Badewanne gerade einen Horrortrip erlebt.

Nicht unschuldig ist die Kindergeschichte auch daran, dass sich in den USA der Spruch »Follow the White Rabbit« zum Synonym für Bewusstseinserweiterung etabliert hat, wobei er nicht zwingend auf den Gebrauch von Drogen abzielt, sondern auch andere Wege wie beispielsweise Hypnose und Meditation mit einschließt. Es geht um das Erweitern der Einsichts- oder Wahrnehmungsfähigkeit, das stete Infragestellen von Standpunkten und das Sichöffnen für Neues.

Tee-Hase von Mausi vom Straubinger Studio Needles of Pain.

Superstar Osterhase

Der größte Star in der Welt der Hasen ist aber mit Abstand der Osterhase. Welches Kind ist so bibelfest und weiß, dass an Karfreitag Jesus von den Römern gekreuzigt wurde und am dritten Tag von den Toten auferstand? Kinder bringen das Osterfest zuerst mit bunten Ostereiern und Schokohasen in Verbindung.

Über den Brauch, dass der Osterhase Eier bringt – die Fruchtbarkeitssymbolik zum Beginn des Frühlings ist offensichtlich –, wird erstmals Ende des 17. Jahrhunderts aus dem Elsass berichtet. Ein Heidelberger Arzt warnte vor dem übermäßigen Eierkonsum an Ostern. In anderen Regionen gab es tierische Konkurrenz: Auch Fuchs und Kuckuck, Storch oder Ostervogel erledigten mancherorts den Eierjob.

Sein Monopol bekam der Hase erst im 19. Jahrhundert und verdankt es der Spielzeug- und Zuckerindustrie, die ein saisonales Produkt entwickelten, das sich gut vermarkten ließ. Dass dies ausgerechnet ein Hase war, kann ein Zufallsprodukt sein. Möglicherweise spielte bei der Wahl des richtigen Tieres auch die christliche Symbolik eine Rolle.

Kurzohriges Kaninchen von Kristin Schubert vom Holy Diver Tattoo aus Essen.

Auferstehung und Sinneslust

Der Hase wird im Christentum als Auferstehungssymbol gehandelt. Aufgrund der Annahme, er schlafe mit offenen Augen, zog man eine Parallele zu Jesus: Jesus starb am Kreuz und ist doch nicht im Tod geblieben. Weitaus weniger um die Ecke gedacht ist eine weitere Bedeutung, für die der Hase steht: die Fruchtbarkeit. Hasen gehören nicht nur zu den ersten Tieren, die im Frühling Nachwuchs bekommen, sondern werfen sogar mehrmals im Jahr bis zu 15 Junge. Nicht immer wurde das positiv gewertet, je nach zeitlich-kulturellem Hintergrund wurde die Reproduktion mit sexueller Begierde und sündhafter Sinneslust in Verbindung gebracht.

Diese Ambivalenz im Ansehen des Hasen hat sich übrigens bis heute gehalten. Und vielleicht liegt genau darin der Reiz eines Hasenmotivs: Auf der einen Seite das süß-schnuckelige Häschen zum Kuscheln, und auf der anderen der potente, allzeit bereite Rammler, der zu allem Übel am liebsten Gemüse frisst, das die Form eines Phallus hat. Bei Hasen geht halt ’ne Menge!

Furchtloser Hase von Imme Boehme, The Sinner and the Saint, Aachen.

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Stand:26 April 2019 06:29:53/motive/hasen-motive_143.html