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So ne Sauerei! Das schöne Tattoomotiv Schwein

28.02.2014  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: Archiv TätowierMagazin
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So ne Sauerei! Das schöne Tattoomotiv Schwein
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Dreckig, dumm und faul sind die Adjektive, die der Sau oft vorangestellt werden. Trotz 9000 Jahre der Verbundenheit ist das Verhältnis des Menschen zum Schwein nicht ganz so harmonisch, wie man das bei den sympathischen Glücksbringern eigentlich vermuten müsste.


Fein rausgeputztes Schweinchen von Dea Vectorink aus dem Studio The Rusty Anchor in Gerolstein.

Sie sind berühmt, teuer und sorgten vor einigen Jahren für viel Aufsehen: die tätowierten Schweine des belgischen Künstlers Wim Delvoye. Von Tierschützern wurde das Projekt der unter Betäubung tätowierten Schweine zwar kritisiert, von der Kunstwelt jedoch üppig honoriert: bis zu 140.000 Euro erzielte der Design-Porn-Künstler mit den aufgehübschten Tieren. Im Vergleich zum Pop-Art-Künstler Damien Hirst ist Delvoye jedoch ein armes Schwein. Bei einer Auktion im Jahr 2008 spülte die Tier-Installation »Pigs Might Fly« 541.250 Pfund ins Sparschwein des Künstlers, umgerechnet circa 650.000 Euro.

Ein Tribut-Tattoo an die säuische Krankenschwester, gestochen von Imme aus dem Studio The Sinner And The Saint in Aachen.

Dreckig, dumm und faul

Schweinedarstellungen in der Kunst haben eine steinalte Tradition, genauer gesagt gehen sie auf die Altsteinzeit zurück. In der spanischen Höhle Altamira sind die ältesten bekannten Malereien von Schweinen zu sehen. Neben Pferden, Hirschkühen und Bisons sind auch die Vorfahren unserer Hausschweine in fein abgestuften Ockertönen an den Felswänden abgebildet. Erst in der Jungsteinzeit, also vor 9000 Jahren, wurden aus den Wildschweinen zahme Hauschweine.

So süüüß! Ferkel von Günna, Rockland Tattoos aus Witten.
 
Die Domestizierung ging einher mit der Sesshaftwerdung der Menschen. Als Nomade kann man Schafe und Ziegen mitführen, Schweine hingegen wandern nicht gerne. Sie suhlen sich lieber im Schlamm. Lebenswichtig für die Tiere, die keine Schweißdrüsen haben und so ihre Körpertemperatur regeln und sich vor Parasiten schützen. Die Beschimpfung »Du siehst aus wie ein Schwein« ist daher unzutreffend, denn Schweine sind eigentlich sehr reinlich. Dass sie sich in ihren eigenen Exkrementen suhlen ist die Folge falscher Haltung. Wenn die Tiere ausreichend Platz haben, würden sie sich niemals in ihrem Kot und Urin wälzen.

Im Gegenteil, Schweine halten Wohn- und Sanitärbereich bei entsprechendem Angebot strikt voneinander getrennt; auch die Gewöhnung an Katzentoiletten ist anscheinend kein Problem. Denn lernfähig sind die Tiere mit der Steckdosennase auch, zudem haben sie ein gut funktionierendes Langzeitgedächtnis  Die Schimpfworte »Dumme Sau« sind genauso unangebracht wie »Faules Schwein«, denn Schweine, die sich mangels artgerechter Haltung nicht sinnvoll beschäftigen können, zeigen sogar aggressives Verhalten.

Dea Vectorink aus dem Studio The Rusty Anchor in Gerolstein verpasste dem freundlichen Blechschwein noch eine Schleife.

Fruchtbarkeit und Wollust

Die Haltung von Schweinen brachte den Menschen eine planbare Versorgung mit Fleisch. Ihre Haltung war relativ einfach, die Schwein versorgten sich als Allesfresser im Wald und auf der Wiese weitestgehend selbst, darüber hinaus verwerteten sie Küchenabfälle.

Es gibt keine Tierart von gleicher Größe, die auch nur annähernd so fruchtbar wie das Schwein ist. Sauen werden mit sechs Monaten geschlechtsreif, werfen zweimal im Jahr und bringen pro Wurf 8-14 Ferkel zur Welt. Das machte die Schweine zum Symbol für Fruchtbarkeit, Reichtum und Glück. Der im Mittelalter geprägte Ausdruck »Schwein haben«, der für unverhofftes Glück steht, bezieht sich auf diese Vermehrungsfreudigkeit. Wenn einer ein Schwein hatte, dann konnte er von Glück reden, da es ein Zeichen für Wohlstand war. 

Hausschweine entwickelten sich wahrscheinlich aus Wildschweinen, die die Nähe zu den Menschen und Nahrung suchten. Der fette Eber stammt von Calina Hain, Rabenschwarz Tattoo, Nürnberg.

Diesem pragmatischen Ansatz gegenüber steht die negative Auslegung dieser Fertilität. Schweine wurden zur Allegorie für Gier und sexuelle Lasterhaftigkeit. Bereits im 5. Jahrhundert wurden in der christlichen Theologie zwei der sieben Todsünden, die Völlerei und die Wollust, in bildlichen Darstellungen mit einem Schwein symbolisiert. Dieses negative Ansehen klingt bis heute nach. Vor allem Karikaturisten stellen häufig den sich gierig bereichernden Industriellen und zur Verschwendung neigende Kleriker oder Politiker mit der Physiognomie eines Schweines dar.

Ist doch Bio! Schweine-Schmaus von Daniel Hofer aus dem italienischen Meran.

Die große Schweinerei

Die Übertragung all dieser negativen menschlichen Charaktereigenschaften auf das Schwein wirkt vor dem Hintergrund der industrialisierten Massentierhaltung wie eine Verhöhnung der Tiere. So leben in Deutschland 99 Prozent aller Mastschweine in Intensivbetrieben, in denen den natürlichen Gewohnheiten der Tiere nicht oder nur in geringem Maße Rechnung getragen wird. Eine artgerechte Tierhaltung kostet Geld und die Verbraucher schauen beim Einkauf vor allem auf den Preis.

Perfekte Tarnung! Schwein im Wolfspelz von Imme, The Sinner And The Saint in Aachen.

So sind heute die Preise für Schweinefleisch immer noch so niedrig wie Ende der 1990er Jahre. Zwar ist der Verbrauch von Schweinefleisch in den letzten Jahren leicht gesunken, mit knapp 38 Kilogramm je Kopf der Bevölkerung aber immer noch auf einem hohen Niveau. Als Schnitzel oder Frikadelle zubereitet, fällt es den Menschen leichter, nicht an Piggeldy und Frederick, 
an Winnie Pooh und Schweinchen Babe, an Wilbur und Charlotte oder Rudy Rüssel, das Rennschwein, zu denken, den literarischen Freunden unserer Kindheit.

Doch das Image der Schweine scheint sich zum Positiven zu wandeln, und nicht nur in der etablierten Kunst. Schweinemotive finden sich immer häufiger auf der Haut. Und das ist doch mal saugut!

Schweineglück von Henrik Meszaros, Crazy Snake Tattoo in Ludwigshafen: frische Luft, ausreichend Auslauf und Wasser!

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Stand:25 April 2019 04:30:14/motive/alles+schweine%21_142.html