»Why I Love Tattoos« – Foto-Ausstellung in Heppenheim

08.05.2018  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: Ralf Mitsch
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»Why I Love Tattoos« – Foto-Ausstellung in Heppenheim
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Mannshohe Fotografien tätowierter Menschen und die Geschichten hinter den Tätowierungen zeigt die Ausstellung »Why I Love Tattoos«, die von Freitag den 11. Mai bis 8. Juni im Kunstverein Heppenheim gezeigt wird. Die Fotos stammen vom Fotografen Ralf Mitsch, der in Amsterdam lebt und eine Auswahl aus dieser Porträtserie in seiner Heimatstadt Heppenheim ausstellt.
»Why I Love Tattoos« – Antworten geben Tätowierte, die der Fotograf Ralf Mitsch mit seiner Kamera in Szene setzte. In seiner Heimatstadt Heppenheim zeigt der Wahlamsterdamer einen Teil der Bildserie von stark tätowierten Menschen, die er im Bildband »Why I Love Tattoos« vor vier Jahren veröffentlichte.
 
»Why I Love Tattoos«, Fotografien von Ralf Mitsch.

Die Spannung der Ausstellung entwickelt sich vor allem aus dem Gegensatz zwischen den sehr sachlich wirkenden Porträtfotografien, bei denen die Menschen wie Objekte gut ausgeleuchtet vor einem hellgrauem Hintergrund inszeniert sind, und ihren sehr persönlichen Erklärungen, warum sie sich haben tätowieren lassen. Die Konfrontation des Betrachters mit dem »Inhalt«, den Tätowierungen, wird zum einen durch die Größe der Bilder verstärkt, aber auch durch die reduzierte Mimik, Gestik und Haltung der Tätowierten.  

Die Vernissage eröffnet am 11. Mai um 19 Uhr, Ralf Mitsch wird vor Ort sein.
Kunstverein Heppenheim
Bahnhofstraße 1
64646 Heppenheim
www-kunstverein-heppenheim.de

 
»Why I Love Tattoos«, Fotografien von Ralf Mitsch.

Die Hintergründe für die Porträtserie erklärte und Ralf Mitsch im Interview

Hallo Ralf. Die Ausstellung findet ja in deiner Heimatstadt Heppenheim statt, jetzt wohnst du in Amsterdam. Wie verlief dieser Weg?
Ich wollte eigentlich schon immer weg aus Heppenheim. Die leeren Straßen empfand ich schon als Teenager als niederdrückend. Nach meinem Designstudium in Saarbrücken und einem Stipendium in Bremerhaven bin ich durch meine damalige Freundin in Amsterdam gelandet. Das ist jetzt über zwanzig Jahre her.

Woher kommt dein Interesse, Menschen mit ihren Tätowierungen in den Fokus zu stellen? Du selbst trägst ja keine Tätowierungen.
Ich war seit meiner Teenager Zeit von Tattoos fasziniert und war auch eine Zeit lang auf der Suche nach einem Motiv für meine erste Tattoo. Selbst nach langem Suchen konnte ich mich jedoch noch immer nicht entscheiden, welches Motiv ich mir für die Ewigkeit auf meinen Körper stechen lasse. Damals, während meines Praktikums in San Francisco, bin ich durch sämtliche Tattoostudios getingelt – alle hatten die diese typischen Ordner, in denen in Plastikhüllen die Zeichnungen der Motive waren. Meist waren es die Klassiker wie Schwalben, Totenköpfe, Blüten und so weiter. Irgendwann habe ich dann dem Thema Tattoos keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt.
Auf einer Party sah ich Holger. Es war Winter, aber unter seinem Hemd ragten ein paar Tattoos heraus. Das hat meine Faszination für Tattoos wieder erwachen lassen. Ich fragte ihn, ob ich ihn fotografieren darf. Eine Woche später stand er in in meinem Fotostudio. Nachdem ich Holger und eine Freundin für die Serie fotografiert hatte, habe ich den Kontakt zu einem Tattoostudio bei mir um die Ecke gesucht. Und ich habe ich auch viele Leute über Facebook kontaktiert.
Das war die Geburt der Fotoserie. Sie bekam viel Aufmerksamkeit in der Presse und auf Blogs. Erst dann, nachdem ich ungefähr die Hälfte der Leute, die im Buch stehen, fotografiert hatte, entschied ich mich, ein Buch daraus zu machen.

 
»Why I Love Tattoos«, Fotografien von Ralf Mitsch.


Hat sich durch die Arbeit am Projekt dein Blick auf Tätowierungen beziehungsweise ihre Träger verändert?
Das kann ich garnicht genau sagen, da Tätowierte so unterschiedlich sind wie nicht-Tätowierte. Ich war aber schon positiv überrascht, dass sich so viele gerne fotografieren und interviewen ließen. Tattoos finde ich auch immer noch so faszinierend wie davor. Manchmal ertappe ich mich dabei, wenn ich mich mit Bekannten unterhalte, dass ich sie oder ihn frage, ob ich mir mal eben die Tattoos anschauen darf. Das bringt mir manchmal fragende Blicke ein. Mir wurde während des Projektes aber erst bewusst, wie groß die Tattooszene eigentlich ist, auch mit den vielen viele Conventions.

Die Interviews wurden ja erst nach den Shootings gemacht? Was hat dich zu dieser Entscheidung bewegt?
Ich wollte die Fotoserie irgendwie abschließen, ansonsten hätte ich das bis in alle Ewigkeit weitermachen können. Ein Buch schien mir das richtige Medium zu sein.
Ich wollte mich auch irgendwann auf ein anderen Thema stürzen, was wiederum zu einem Buch geführt hat, nämlich in »Why I Love Sex«. Es geht über Frauen und Männer, die gerne ihren Unterhalt mit Sexarbeit verdienen. Ein Stigma das ich mit dieser Arbeit klären wollte.

Die Darstellung der Tätowierten ist ja eine sehr sachliche, die in Gegensatz zu den persönlichen Aussagen steht. War diese Objektivierung bewusst gewählt?
Mit meiner Darstellung der Tätowierten wollte ich weg von der gegenwärtigen Tattoofotografie mit meist schwarzem Hintergrund. Ich wollte die Menschen genauso zeigen, wie sie sind und dabei hilft meiner Meinung nach die Sachlichkeit. Wahrscheinlich bin ich dabei auch von der sachlichen Produktfotografie, die ich häufig während meines Studiums machte, beeinflusst.

Hättest du schon von Anfang an gewusst, dass du deine Fotografien mit Statements der Porträtierten kombinierst, hättest du womöglich ein anderes fotografisches Konzept gewählt?
Nein, das Fotokonzept hätte ich auch dann genauso ausgewählt. Die Fotos stehen für mich bei diesem Projekt auch ganz klar im Vordergrund.

 
»Why I Love Tattoos«, Fotografien von Ralf Mitsch.


Welche Aussagen zu Tätowierungen haben dich persönlich am meisten überrascht?
Früher dachte ich, dass sich eine Bedeutung hinter ihren Tattoos verbirgt. Bei vielen, die ich fotografiert habe, war das keinesfalls so, im Gegenteil: Bei den meisten Tattoos ging um Körperdekoration, was ich aber keinesfalls abwertend meine.

Hast du jetzt selbst Pläne, dich tätowieren zu lassen, oder hast du für dich eine andere Form gefunden, deine Geschichte zu erzählen?
Meinen früheren Wunsch, mir ein Tattoo stechen zu lassen, habe ich mit dem Buch verarbeitet. Wie bereits erwähnt, faszinieren mich Tattoos noch immer.

Ralf Mitsch
www.ralfmitsch.com

Ralf Mitsch: Why I Love Tattoos (2014)
Das Buch ist im Eigenverlag erschienen und die gebundene Ausgabe kostet 39,90 Euro.
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