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Tattoos – vollkommen Mainstream?

16.11.2017  |  Text: Red  |   Bilder: pixabay.com (DigitalArtWork/Licel)
Tattoos – vollkommen Mainstream? Tattoos – vollkommen Mainstream?
Tattoos – vollkommen Mainstream?
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Tattoos gibt es schon seit Jahrhunderten, ja Jahrtausenden. Im Westen haben sie allerdings besonders in der Neuzeit an Bedeutung gewonnen. Mittlerweile sieht man sie immer häufiger auf den Körpern von Männern und Frauen. Sie sind von einer subkulturellen Erscheinung zum Mainstream geworden.

Die europäische Entwicklung des Tattoos in der Moderne


Um diese These zu begründen oder zu widerlegen, ist allerdings ein näherer Blick notwendig. Und zwar dahingehend, ob Tätowierungen früher tatsächlich als Zeichen der Zugehörigkeit zu einer Subkultur galten. Tatsächlich sind in den Zeiten der Industrialisierung vor allem Angehörige von sozial benachteiligten Klassen diejenigen gewesen, die Tattoos trugen. Aus Übersee brachten Seeleute sie zunächst an die europäischen Häfen. Von dort aus verbreiteten sie sich schnell, wurden von Soldaten und fahrenden Handwerkern getragen, die auf diese Weise gegenüber anderen Klassen ein Distinktionsmerkmal erhielten – eine willkommene Abgrenzung. Leider passierte es auch schnell, dass sozial benachteiligten Klassen von wohlhabenderen Gruppen schnell zugeschrieben wurde, Verbrecher zu sein. Daher ist das Vorurteil, vor allem Verbrecher würden Tatöwierungen tragen, schon auf das Ende des 19. Jahrhunderts zu datieren.

Quelle: pixabay.com © DigitalArtWorkHRO (CC0 Public Domain)


In anderen Kulturkreisen gelten Tätowierungen hingegen tatsächlich als anrüchig, weil sie  überwiegend von Verbrechern getragen wurden. Dass das Klischee nicht auf jeden Tattooträger übertragbar ist, wird schon durch den Umstand bewiesen, dass unter anderem König George der Fünfte von England und Kaiserin Sissi Tätowierungen trugen.

Ansonsten hat gerade in Deutschland das Tattoo eine ziemlich dunkle Geschichte. Während es bei der SS üblich war, den Angehörigen die Blutgruppe zu tätowieren, nutzte man die Technik auch, um KZ-Häftlinge numerisch zu markieren – ein gutes Beispiel dafür, wie eine Kunstform pervertiert werden kann. Erst nach der Niederlage des Regimes ging es dann richtig los mit dem Siegeszug des Tattoos in der Populärkultur: Die Alliierten brachten im Westen aus Amerika viele kulturelle Eigenheiten mit – und damit auch die Rockkultur. Teil dieser Rockkultur ist neben dem Rauchen von Zigaretten und dem Tragen von Lederjacken auch das Tragen von Tätowierungen. Zusätzlich ist das Motorrad für diese Subkultur die weniger bürgerliche Fortbewegungsart – und die Tätowierung das künstlerische Pendant für die Abkehr vom bürgerlichen Habitus und die Suche nach dem eigenen Ausdruck.

Wie sehr sind Tätowierungen schon Mainstream?

Eine Frage, die mit der historischen Entwicklung relativ eng zusammenhängt, ist die, ob das Tattoo als Kunstform schon Mainstream ist. Dies würde im Umkehrschluss bedeuten, dass sie andererseits die Ablehnung der bürgerlichen Gesellschaftsnorm überwunden und Affirmation erreicht hat. Nach wie vor sind es allerdings nur 15 Prozent der Gesamtbevölkerung, die tätowiert sind – bei einer Zahl von über achtzig Millionen Einwohnern ist dies allerdings auch nicht allzu wenig.

Ja was nun? Zahlen hin oder her, man kann nicht leugnen, dass Tattoos eine nie dagewesene Salonfähigkeit erlangt haben. Heute ist es keine Seltenheit mehr, dass man Punkband-Shirts in großen Modeketten findet. Genauso sind Chucks, die früher oft von Angehörigen einer Subkultur getragen wurden, längst weit verbreitete Allerwelts-Sneaker. Solche früheren Signale sind durch den Mainstream aufgesaugt worden – mit Tattoos ist es ähnlich, wenngleich diese Entscheidung weitreichender ist als sich ein Shirt zuzulegen.

Das liegt aber auch daran, dass viele der subkulturellen Bewegungen etwas von ihrer Aura verloren haben. Ein Bild unter harten Kerlen sieht heute gerne mal wie folgt aus: Hatten sie früher noch echte Kippen im Mundwinkel, gehören sie heute wohl eher zu den Dampfern die süßliche Vanille-Rauchwaden ausstoßen. Das ist zwar möglicherweise gesünder, wirkt aber gleichzeitig deutlich weniger rebellisch. Vielleicht ist sogar das Bier, das sie heute trinken, alkoholfrei. Auch das ist ein Zeichen der Zeit: Die ganz krassen Provokationen, die man in Subkulturen für sich beansprucht, fallen allmählich weg.

Quelle: pixabay.com © licel (CC0 Public Domain)
 

Wie »schlimm« ist der Mainstream?

Besonders für Menschen, die sich gerne als alternativ ansehen, bekommt »Mainstream zu sein« einen negativen Beigeschmack. Dieser ist allerdings gar nicht unbedingt nötig. Denn der Siegeszug des Tattoos hat auch Vorteile. Noch immer gibt es zwar bestimmte Arbeitgeber, die sichtbare Tattoos am Arbeitsplatz alles andere als adäquat finden, doch ist die Zeit der gesellschaftlichen Stigmatisierung weitgehend vorbei. Zwar verliert das Tattoo damit einen gewissen Reiz, die Verlockung des Verbotenen sozusagen, die Auslebung der Freude am Tattoo ist aber besser möglich denn je. Als Kunstform profitieren Tätowierungen ganz klar vom Ankommen im Mainstream. Denn je mehr Menschen sich dafür interessieren, umso gefragter werden Tätowierer und desto anspruchsvoller wird der Wettbewerb.

Tattoos im Mainstream bedeutet also eine Aufhebung des Provokationspotenzials. Insgesamt ist es also ein bittersüßes Phänomen. Den eigenen Körper als Kunstwerk zu sehen, bleibt aber im Zweifelsfall eine Lebenseinstellung – egal, ob die Gesellschaft Tattoos gerade befürwortet oder nicht.
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Stand:23 March 2019 17:30:21/blog/tattoo+-+vollkommen+mainstream_171116.html