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Südostasien: Tief rein in die Subkultur

06.02.2019  |  Text: Judith Rohel  |   Bilder: Felix Bundschuh
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Südostasien: Tief rein in die Subkultur
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Für ihr Projekt »A Global Mess« sind die Journalistin Diana Ringelsiep und Musikmanager Felix Bundschuh in hierzulande unbekannte Szenen Südostasiens eingetaucht. Was sie erlebt und erfahren haben, wollen sie nun mit einem Buch, einem Film und einem Vinyl-Sampler veröffentlichen. Im Interview verraten die beiden Ruhrpottler mehr über das Projekt – und TM-Autorin Judith kommentiert, warum sie das Projekt so spannend findet.
Interview

Diana, Felix: Worum geht es bei »A Global Mess«?


Diana: Es geht um Subkulturen und den Blick über den eigenen Tellerrand. Wir sind beide tief in der Punkrockszene verwurzelt und uns ist aufgefallen, dass es hierzulande bloß wenig Überschneidungen der einzelnen Bewegungen gibt. Punks interessieren sich beispielsweise nicht für Hip Hop, ein Großteil der Rap-Fans kann hingegen nicht viel mit politischem Aktivismus anfangen und die Hardcore- und Straight-Edge-Szene macht sowieso ihr eigenes Ding. Zudem sind all diese Blasen sehr westlich geprägt – von Gleichgesinnten aus anderen Teilen der Erde bekommen wir nichts mit. Daher haben wir uns gefragt, ob Subkulturen vielleicht bloß ein Luxus-Phänomen der Ersten Welt sind und wie der Alltag junger Menschen in anderen Ländern aussieht.


 
Warum habt ihr das Projekt verwirklicht?

Felix: Neben unserem persönlichen Interesse an dem Thema hat es uns auch aus beruflicher Sicht gereizt, denn Diana ist Journalistin und ich bin Musikmanager. Hinzu kommt, dass ich seit einiger Zeit im Bereich Straßenfotografie unterwegs bin und zuvor bereits hin und wieder mit dem Gedanken spielte, einen Bildband herauszubringen. Diana hingegen wollte schon immer ein Buch schreiben. So kam eins zum anderen. Ein gemeinsamer Freund von Concrete Jungle Records schlug dann vor, dass wir unterwegs auch Songs lizensieren und einen Asien-Sampler herausbringen könnten. Und schließlich dachten wir: Dann können wir auch gleich einen Film machen.
 

»Subkulturen sind längst kein Phänomen des Westens mehr«
 

Wie liefen Vorbereitung und Reise ab?

Diana: Zunächst haben wir uns auf die Länder geeinigt, die wir zusammen bereisen wollten. Unsere Wahl fiel auf Singapur, Malaysia und Thailand. Das hatte den Vorteil, dass wir mit dem Bus reisen konnten. Außerdem war dabei vom reichen Stadtstaat bis zum Schwellenland mit Militärdiktatur alles abgedeckt, wovon wir uns unterschiedlichste Einblicke versprachen. Felix brach bereits vor mir auf und reiste von Hongkong über die Philippinen nach Indonesien. Für ihn war es ein Sprung ins kalte Wasser, denn er war gerade umgezogen und hatte nicht viel Zeit für Vorbereitungen. Ich hingegen recherchierte im Vorfeld einige Bands und stellte erste Kontakte her, die uns später als Türöffner dienten. Dann ließ ich mir ein paar Impfungen verpassen und es ging los.
 
Wie habt ihr vorher und vor Ort recherchiert?

Felix: Natürlich haben wir vorab versucht, online herauszufinden, was uns im Underground der verschiedenen Länder erwartet. Doch dabei kratzten wir bloß an der Oberfläche. Logisch, denn die wirklich authentischen Orte stehen eben in keinem Reiseführer oder Forum. War der erste Kontakt in einer Stadt jedoch erst mal hergestellt, standen uns alle Türen offen. Alle wollten einen kleinen Teil zu unserem Projekt beitragen. Irgendwer kannte immer irgendwen, den wir in der nächsten Stadt unbedingt treffen sollten. So hangelten wir uns die gesamte Reise über von Kontakt zu Kontakt und gelangten an Orte, die zum Teil nicht mal die Locals kannten.
 


Was waren die besonderen Herausforderungen?

Diana: Natürlich gab es auch Stationen, an denen niemand auf uns wartete, und Google spuckt in der Regel bloß Touristenbars aus. Das konnte frustrierend sein. Aber auch davon ab war das ganze Unterfangen wahnsinnig anstrengend. Wir werden oft um unseren spannenden »Urlaub« beneidet, tatsächlich war es jedoch das komplette Gegenteil. Jeden einzelnen Tag haben wir investigativ recherchiert, Protokoll geschrieben, Material archiviert und Interviews an sonderbaren Orten geführt – ob wir gut drauf waren oder nicht. Wir haben uns ausschließlich in tropisch heißen Großstädten bewegt und hingen über Wochen 24 Stunden täglich aufeinander. Eine spannende Erfahrung, aber Urlaub sieht anders aus.
 
Welche sind die besonderen Erkenntnisse, die ihr unterwegs gewonnen habt?

Felix: Um die Frage vom Anfang zu beantworten: Subkulturen sind längst kein Phänomen des Westens mehr. Im Gegenteil, wir haben sehr aktive Untergrund-Szenen in Südostasien vorgefunden und der Blick über den Tellerrand hat sich definitiv gelohnt. Dabei gab es zwei Dinge, die uns immer wieder überrascht haben. Zum einen war das die Qualität, denn egal, ob Musik, Shops oder Events – alles war von einem hohen Maß an Professionalität geprägt. Zum anderen sind die verschiedenen Bewegungen vernetzter als bei uns. Es ist zum Beispiel nicht ungewöhnlich, dass bei einer Punk-Show auch Rapper auftreten. Der Zusammenhalt untereinander ist größer.
 
Wie geht es jetzt weiter?

Diana: Seit unserer Rückkehr arbeiten wir an der Aufarbeitung unserer Recherche. Konkret heißt das, wir schreiben das Buch, schneiden den Film und kümmern uns um die Lizensierung der Songs für den Sampler. Das frisst natürlich unfassbar viel Zeit und Geld, denn neben den Reisekosten haben wir durch die zeitintensive Nachbearbeitung auch mit großen Verdienstausfällen zu kämpfen. Um die anstehenden Produktionskosten der einzelnen Releases stemmen zu können, haben wir daher ein Crowdfunding gestartet, bei dem Buch, Film und Vinyl-Sampler bereits vorbestellt werden können. Und wenn alles läuft wie geplant, können wir im Frühjahr bereits mit den fertigen Produkten im Gepäck auf eine deutschlandweite Film-Screening- und Lesereise gehen.

Infos:

Hier geht es zum Crowdfunding für »A Global Mess«

Mehr zu »A Global Mess« im Web, auf Facebook und Instagram.


Kommentar zu »A Global Mess«:

Über den Telerrand gehen statt sehen

Von Judith Rohel

JudithZusammengefasst: »A Global Mess« ist ein Buch-, Film- und Musikprojekt von Diana Ringelsiep, die auch für das TM arbeitet, und dem Musikmanager Felix Bundschuh. Spannend ist der Grund, aus dem heraus sich die beiden Produzenten mit dem Thema beschäftigt haben: Ihnen fiel auf, dass sie, selbst in einer westlichen Subkultur beheimatet, von Subkulturen auf anderen Erdteilen nichts mitbekommen. Sie erkannten also eine eingeschränkte Sicht und wollten das ändern. Statt einfach nur über den Tellerrand zu blicken, gingen sie aktiv darüber hinaus. Dass Diana schon immer ein Buch schreiben und Felix einen Bildband herausbringen wollte, passte perfekt zu der Idee. Das Vorhaben, unterwegs Songs zu lizensieren und einen Asien-Sampler herauszubringen, später dann die Planung, auch einen Film zu machen, lag beim Thema Subkultur nahe. Respektabel ist das Projekt aber gerade deshalb, weil die Reisenden auf ihrer Tour ins Neue doch zugleich an Fotos, Bewegtbildern, Interviews und Musik denken mussten.

Dass Diana vorher noch von zu Hause aus im Internet recherchiert hat, zeigt die Bereitschaft, sich intensiv mit der Materie zu beschäftigen. Tatsächlich jedoch Kontakte vor Ort zu knüpfen und sich gemeinsam mit Haut und Haar in unbekannte Subkulturen in auch noch völlig fremden Ländern zu bewegen, zeigt ihre Entschlossenheit, sich wirklich auf andere Menschen und deren Leben einzulassen.

Während der wochenlangen Arbeit unter erschwerten Bedingungen wie tropisches Klima durchzuhalten, war absolut notwendig, um spannende Inhalte für das Projekt zu finden und zu dokumentieren. Dieses Durchhaltevermögen ist Schlüsselelement beim Gelingen von »A Global Mess«. Doch die beiden Reisenden können noch nicht aufatmen, auch zurück daheim müssen sie weiter Biss und einen langen Atem beweisen: Es steht nicht nur an, das Material nachzubearbeiten und mitreißende Werke zu schaffen, sondern es ist auch die große Aufgabe zu meistern, die Finanzierung zu sichern.

Dafür haben Diana und Felix eine Crowdfunding-Kampagne angestoßen. Wer sie unterstützt, kann neben dem vielversprechend erscheinenden Buch, dem Film und einem Vinyl-Sampler auch exklusive Prämien erhalten – da sind für Neugierige im Bereich Subkultur so einige Highlights dabei.

Aber auch jenseits dieser Zugaben lohnt sich das Mitmachen. Ich hoffe, dass das Projekt ein Erfolg wird, damit wir alle demnächst Diana und Felix auf ihre wahrhafte Reise in südostasiatische Subkulturen folgen können.



 
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Stand:26 April 2019 05:44:52/blog/suedostasien+tief+rein+in+die+subkultur_19206.html