Laser-Entfernung nur noch mit Arzt?

06.08.2018  |  Text: Boris »Bobs« Glatthaar  |   Bilder: Archiv TätowierMagazin/Robin Brecht
Laser-Entfernung nur noch mit Arzt? Laser-Entfernung nur noch mit Arzt?
Laser-Entfernung nur noch mit Arzt?
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Tattoo-Entfernungen per Laser sollen ab 2019 nur noch in Verantwortung eines Facharztes erlaubt sein. Der Bundesverband Tattoo hatte Änderungen an dem Verordnungsentwurf angemahnt.
Tattooentfernung nur noch durch Ärzte: Das auch für den Strahlenschutz zuständige Bundesumweltministerium (BMU) will das Lasern unter anderem von Tätowierungen begrenzen. Doch was in diesen Tagen wieder durch die Presse geistert, ist tatsächlich kein neues Thema: Mehrfach schon hat das TätowierMagazin über entsprechende Pläne auf Bundesebene berichtet, der derzeitige Hype um die Nachricht geht tatsächlich auf einen Verordnungsentwurf des Bundesumweltministeriums vom 30. Mai 2018 zurück – er ist also bereits mehr als zwei Monate alt. Neues gibt es eigentlich nicht. Das Thema ist dennoch spannend.
 
Um die derzeitige Diskussion auch in der Szene und Branche zu versachlichen, hier die Facts dazu:
 
Tatsächlich sieht ein »Referentenentwurf« der »Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen« (NiSV) in § 5 Absatz 2 vor, dass nur noch Fachärzte für Hautkrankheiten, ästhetische oder plastische Chirurgie oder fachkundiges Personal unter unmittelbarer Aufsicht und Verantwortung eines solchen Arztes Laserbehandlungen an Tattoos, Permanent-Make-up und so weiter vornehmen dürfen.

Der Grund: »Auch wenn die Laseranwendung aus kosmetischen Gründen erfolgt, ist bei der Durchführung fachärztliche Expertise erforderlich«, so eine Sprecherin des BMU. »Das Gefährdungspotential von Laseranwendungen am Menschen hat die Strahlenschutzkommission (SSK), die das BMU berät, untersucht und in ihrer Empfehlung ›Gefährdungspotential bei der Anwendung von Lasern und anderen optischen Strahlungsquellen an der menschlichen Haut‹ beschrieben.«
 
In der Praxis bedeutet die geplante Neuregelung, dass bei kosmetischen Laserbehandlungen auf Tattoos künftig immer ein Fachmediziner zumindest anwesend sein und die Verantwortung tragen muss. Für alle, die das Aufhellen oder Entfernen alter Tattoos neben dem Studiobetrieb anbieten oder es als eigenes Unternehmen betreiben, dürfte die Verordnung das Ende ihres Geschäftsmodells bedeuten – zumindest, wenn sie keinen Facharzt hinzustellen.
 
Solche Tattooentfernungen sind künftig nur noch mit Arzt möglich – so will es das Bundesumweltministerium

Betroffen von einer Neuregelung wären zwar auch Kosmetiker. Denn sie sollen eine Schulung zur Anwendung von Hochfrequenzgeräten mit 40 bzw. 120 Lerneinheiten zu Kosten von etwa 1200 bzw. 3600 Euro absolvieren. Tätowierer aber träfe es ungleich härter: Wer keine Kosmetikerausbildung oder weniger als fünf Jahre Berufserfahrung im Kosmetikgewerbe hat, muss demnach zusätzlich an der Schulung »Grundlagen der Haut und deren Anhangsgebilde« über 80 Lerneinheiten teilnehmen – Kosten laut Ministerium: etwa 2400 Euro. Außerdem ist für das Kosmetikgewerbe eine Übergangsfrist von drei Jahren vorgesehen, für Tätowierer und andere gewerbliche Laseranwender am Menschen würde die Verordnung hingegen sofort gelten.

Noch im Rahmen der der Anhörung zum Entwurf hat der Bundesverband Tattoo e. V. (BVT) am 2. Juli 2018 Kritik an dieser Regelung geäußert und Änderungsvorschläge unterbreitet. Aus Sicht des Verbandes sollen auch Tätowierer mit Fachkundeausbildung die Laserbehandlung durchführen dürfen – und zwar ohne ärztliche Aufsicht. Auch sonstiges Fachpersonal soll dem BVT-Vorschlag zufolge entsprechende Behandlungen auch ohne unmittelbare Aufsicht eines Facharztes weiterhin ausführen dürfen. Bislang sind diese Anregungen des BVT nicht in den Entwurf eingeflossen.
 
Der Verordnungsentwurf, der anders als ein Gesetz auch ohne parlamentarische Beteiligung allein durch Verkündung in Kraft tritt, ist derzeit noch in der »Ressortabstimmung«. Das bedeutet, es wird noch zwischen den Ministerien besprochen. Wenn sich dabei weder Widerstand gegen die NiSV regt, noch Änderungen an § 5 ausgehandelt werden, könnte es außerhalb von Kosmetikstudios schon zum 31. Dezember 2018 heißen: Keine Laserbehandlung mehr ohne Facharzt.
 
Links zum Thema:
Referentenentwurf der Verordnung
Stellungnahme des BVT
Empfehlung der Stahlenschutzkommission
 
 
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Stand:17 October 2018 03:02:53/blog/laser-entfernung+nur+noch+mit+arzt_18806.html