Ink Anger Management: die Kolumne gegen Tattoofrust

25.08.2018  |  Text: Victoria Hiebsch  |   Bilder: Archiv
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Ink Anger Management: die Kolumne gegen Tattoofrust
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Unsere Autorin Victoria gibt in ihrer Kolumne «Ink Anger Management« Tätowierern Raum und Möglichkeit, sich mal ordentlich Luft zu machen. Leser werden möglicherweise danach zu besseren Kunden und Künslter schlafen wieder besser. Ink Anger Management darf mit einem Augenzwinkern gelesen werden. Victoria stellt den Kummerkasten für all jene auf, die sich von den Fusseln an ihren Mündern schon einen Schal filzen können oder eine starke Schulter brauchen.

Eine Kolumne die Tätowierern aus der Seele spricht


Ja Leute, the struggle is real. Im Jahr 2018 wo Tattoos salonfähig sind, geht man nicht mehr einfach so in eine Tätowierstube, sucht sich von einem Flashset ein Motiv aus und bekommt das so unter die Haut gestochen, wie es der Künstler entworfen und vorgesehen hat. Man hat als Kunde so seine Vorstellungen. Für viele Tätowierer ist der neue »Anspruch« Segen und Fluch zugleich, ungefähr so wie das Internet. Welches im Übrigen auch seinen Teil zum Argwohn mancher Künstler beiträgt. Das Internet sorgt nämlich zum Beispiel für virale Trends wie zum Beispiel Unendlichkeitschleifen, winzig kleine Reality-Löwenporträts auf dem Finger oder bis zum Erbrechen verschnörkelte Schriften an Körperstellen, wo die Tinte schneller raus ist als man »Shhhh…« sagen und sich sexy den Zeigefinger gegen die Lippen pressen kann.
 

ERKLÄR DAS MAL DEINEN KUNDEN


Natürlich gibt es Tätowierer die sowas unter die Haut bringen ohne mit der Nadel zu zucken. Kann man so machen, sieht nur meistens scheiße aus oder hält eben nicht lange. Wieder andere machen sich die Mühe und beraten sich ’nen Wolf um dem Laien klar zu machen, dass er a) höchstwahrscheinlich nicht wirklich lange Freude an dem guten Stück haben wird, b) er sich doch vielleicht viel mehr an etwas Individuellerem erfreuen würde und c) der Künstler selbst eher spezialisiert auf einen ganz anderen Stil ist. Was man natürlich nicht wissen kann, wenn man sich vorher nicht mit dem Tätowierer seiner Wahl und dessen Arbeiten beschäftigt hat. Es geht in den Tattoostuben also nach wie vor sehr viel Zeit für Aufklärungsarbeit ins Land. Sehr. viel. Zeit.
Doch es ist doch logisch: Du kannst als Kunde nicht von jemandem, der 352 Tage im Jahr Chicano-Schriften tätowiert, einen Disney-Comic-Sleeve verlangen. Man geht ja auch nicht zum Gynäkologen um sich die Prostata untersuchen zu lassen. Schlicht und einfach die falsche Adresse.
 

WO FÄNGT DIENSTLEISTUNG AN UND WO HÖRT KUNST AUF?


Viele Tätowierer brauchen eine ganze Weile bis sie ihren Wohlfühlstil gefunden haben. Meistens wird erstmal ganz viel gezeichnet und auf Schweinehaut, zahlreichen Bananen, den eigenen Beinen oder schmerzfreien Kumpels geübt, bevor es den Kunden ans Leder geht. Während an der Technik gefeilt wird, werden die Azubis häufig dazu verdonnert »Kleinkram« zu machen. Das ist auch gut so. Aber da in vielen Tätowierern ziemlich kreative Seelen schlummern, bleibt das keine Dauerbeschäftigung. Und auch das ist gut so. Denn wenn es so wäre, würden wir alle mit Sternchen, Unendlichkeitsschleifen und Notenschlüsseln rumlaufen. Hauptsache tätowiert und anders sein – nur eben mit den gleichen Motiven. Ist klar. Würden Tätowierer also nicht den Anspuch an den Tag legen, den Kunden auch mal zu bekehren, von der Standard-Feder hin zum individuellen Tattoo zu bewegen, würden uns ganz großartige Talente und Kunstwerke verborgen bleiben. Und die Artists würden sich wahrscheinlich jeden Abend in Embryonalstellung in den Schlaf weinen, weil sie den ganzen Tag Fließbandtattoos gestochen haben. Nichts gegen oben genannte Motive, aber lasst uns doch über den Tellerrand blicken. Das tut gar nicht weh. Wir können bunt und individuell sein dank Tätowierungen in unterschiedlichsten Stilrichtungen von außergewöhnlichen Künstlern gestochen. Was vielen Kunden gar nicht bewusst ist, wenn sie so völlig unbedarft in die Tattoostudios dieses Landes stolpern: Sie kosten – manche mehr und manche weniger – Zeit und Mühe. Vielleicht könnte diese Kolumne hier ja helfen, so manche Unwissenheit im Voraus in Luft aufzulösen? Das wäre ja eine Win-Win-Situationen für Künstler und Kunde gleichermaßen. Probieren wir es aus.
 

Ink Anger Management


In losen Abständen werdet ihr hier von Problemchen lesen können, mit denen es Tätowierer so zu tun kriegen. Unverstandene Kunstgenies, vertrackte Tätowierer-Kunden-Beziehungen, Tattootrends aus der Hölle sowie Mythen rund um unser aller Lieblingsthema kommen auf den Tisch wie die Karten beim allwöchentlichen Skatabend.


Victoria Hiebsch hat für Tätowierer ein offenes Ohr, die so manchen Trend und so manche Kundenmarotte nicht mehr etragen können.
 

Ihr wollt euren Tattoo-Kummer los werden?

Besonders freut sich Kolumnistin Vicky, wenn ihr euch direkt bei ihr mit Themen meldet, über die ihr gerne mal sprechen wollt. Sie behandelt euren Groll, eure Beichten und Geständnisse selbstverständlich auch vertraulich. Ehrensache.

Für Anregungen und Themenvorschläge oder wenn ihr einfach eine starke Schulter braucht, meldet euch bei ihr unter:


victoriahiebsch@gmail.com
 
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Stand:19 November 2018 10:02:55/blog/ink+anger+management+eine+kolumne+fuer+taetowierer_18824.html