Tattoo Expo Shanghai - Frische Farbe für Shanghai

28.10.2016  |  Text: Dirk-Boris   |   Bilder: Allen Lee, Travelingmic
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Tattoo Expo Shanghai - Frische Farbe für Shanghai
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Das Tätowieren steckt in der Volksrepublik China zwar noch in den Kinderschuhen, doch der Ansatz ist professionell und vielversprechend, wie sich auf der ersten Tattoo Expo in Shanghai zeigte.
Ich glaube, Shanghai ist die einzige Stadt, zu der es auch ein Verb gibt: »shanghaien« nannte man es – zumindest früher – unter Seeleuten, wenn jemand in einer Hafenkneipe bis zur Besinnungslosigkeit abgefüllt wurde, um dann am nächsten Morgen mit einem Riesenkater auf hoher See an Bord irgendeines Walfängers, Piratenschiffs oder einer anderen Art von Seelenverkäufer aufzuwachen. Matrose war damals nicht so der Traumjob und Kapitäne waren nicht zimperlich,wenn es darum ging, eine Crew zusammenzustellen. Ob es gerechtfertigt ist, dass die Bezeichnung für diese recht rustikale Art, freie Stellen zu besetzen, ausgerechnet die südchinesische Hafenstadt traf, lässt sich heute kaum noch beantworten. Die Unsitte, junge Männer gegen ihren Willen an Bord zu zwingen, war in den letzten Jahrhunderten sicher in vielen Hafenstädten der Welt verbreitet. Wenigstens brachte dieser grobe Brauch der heutigen Mega-City einen recht hübschen Song der Hardrock-Band Nazareth ein (Shanghai’d in Shanghai), auch wenn die Assoziationen zur Stadt dabei ungünstiger ausfallen als beispielsweise bei der musikalischen Verbeugung, die Frank Sinatra New York widmete.

In China Pflicht: Gruppen-Selfie des Moderators mit den Jury-Mitgliedern Tony Romel, Yallzee Quinones und TM-Chefredakteur Dirk-Boris.

Mega-City zwischen Mao und McDonalds 
Egal, das heutige Shanghai, in dessen Innenstadt allein schon fünfzehn Millionen Menschen leben, gibt sich (den apokalyptischen Straßenverkehr ausgenommen) sehr gesittet und wirkt im Stadtzentrum beinah westlich.  Stünden nicht da und dort Statuen des großen Vorsitzenden Mao, man könnte glauben, man wäre in New York, Chicago oder Sao Paulo, und nicht mitten im kommunistischen China. Dass man sich aber eben doch in einer Stadt befindet, in der zwar Starbucks, Pizza Hut und KFC kein ungewöhnlicher Anblick sind, Tätowierungen dagegen aber sehr wohl, merkt man, wenn einem Verkäufer, Taxifahrer oder Kellner ebenso fasziniert wie gedankenverloren über die Tätowierungen auf dem Arm streichen, weil sie so was einfach nicht kennen. So weit ist zumindest dieser Aspekt der westlichen Kultur dann doch noch nicht vorgedrungen. 

Insofern war es schon ein kleines Wagnis, dass Roxanne Yang, Herausgeberin des taiwanesischen Magazins »Tattoo Extreme«, neben ihrer Convention in Taiwan nun auch eine in Festland-China durchführte. Erschwert wurde ihre Arbeit zum einen dadurch, dass sie die Convention nicht durch Plakate bewerben konnte, zum anderen, dass Facebook als Kommunikations- und Verbreitungsmittel in China nicht verfügbar ist.  

Shige aus Japan war der Star der Convention und ständig von Menschentrauben umlagert.
 
Conventionpremiere mit Elite-Line-up 
Mit der Tattoo Extreme & Body Art Expo buk Roxanne also erstmal ein kleines, dafür umso hochwertigeres Brötchen: Mit deutlich unter einhundert Tattookünstlern wurde die Größe der Convention dem noch geringen Bekanntheitsgrad von Tätowierungen, und mit der Auswahl der Künstler dem Qualitätsanspruch der Chinesen gerecht. Neben international schon bekannten Asia-Größen wie Shige aus Yokohama, dem ursprünglich aus Taiwan und nun in den USA lebenden Jess Yen oder Andy Shou aus Taipei waren dann doch gar nicht so wenige Tattookünstler aus der Volksrepublik selbst anwesend, und alle von sehr hohem Niveau. Daran konnte man ablesen: Es gibt auch in China bereits sowohl Angebot wie auch Nachfrage in Bezug auf Tattoos, und das auf einem sehr hohen Level, lediglich ist die Verbreitung und öffentliche Präsenz noch nicht so ausgeprägt wie bei uns. 

Der Bodysuit von Huang-Shih Chia vom Studio Mayin Tattoo aus Taoyuan, ebenfalls aus Taiwan, tätowierte Bodysuit mit Paradiesvogel ist dagegen deutlich an chinesische Ästhetik und Kunst ausgerichtet.
 
Da ich zusammen mit meinen Kollegen Tony Romel vom »Tattoo Society«-Magazin und Yallzee Quinones von der Zeitschrift »Inked« nach Shanghai eingeladen worden war, um als Preisrichter die Tattoo-Contests zu bewerten, konnte ich ja die außergewöhnliche Qualität der Arbeiten ausgiebig studieren. Eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, denn Preise, Auszeichnungen und Trophäen haben in Asien ein großes Gewicht. Dass Veranstalterin Roxanne auch mit meinen beiden Jurykollegen Yallzee und Tony sehr kompetente Tattookenner ausgewählt hatte, machte unsere Juryarbeit sehr komfortabel. Es ist einfach angenehm, bei so etwas mit Leuten zusammenzuarbeiten, die genau wissen, nach welchen Kriterien Tätowierungen zu beurteilen sind. Der nicht ganz ernst (aber auch nicht ganz unernst) gemeinte Rat unseres Fotografen und Reporters Travelingmic, wir sollten nach den Tattoo-Contests besser den Hinterausgang benutzen, erwies sich als unnötig – unsere Juryentscheidungen wurden von niemandem in Frage gestellt und allseits akzeptiert. Asiaten lieben den Wettstreit, aber bleiben dabei fair. 

Die gesamte Aufmachung der Convention machte einen seriösen und wertigen Eindruck. Die von einer DJane beschallte Halle innerhalb des Shanghai Fashion Centers war blitzblank, große, übersichtliche Tafeln mit Hallenplänen erleichterten die Orientierung und auf der Bühne war ein Riesenbildschirm installiert, auf dem nonstop epische Werbevideos praktisch aller bekannten Maschinen- und Farbenhersteller liefen. 

Der Stil von Neon Judas aus Berlin fand in Shanghai großen Anklang.
 
Tattoo-Business statt Subkultur 
Dass man hier wirklich – im positiven Sinne – das Gefühl hatte, eher auf einer Fachmesse für Tätowierkunst statt auf einer Szeneveranstaltung zu sein, liegt eben auch einfach daran, dass Tätowieren in China als das Business gesehen wird, das es inzwischen nun mal einfach ist. Die Abwesenheit von subkultureller Verklärung ermöglicht hier einen professionellen und pragmatischen Blick auf das Tattoobusiness, der eine Veranstaltung wie die Tattoo Extreme & Body Art Expo auf ein ganz anderes Level hebt als viele Veranstaltungen hierzulande, denen oft noch der nostalgische Mief des Rocker- und Punk-Milieus anhaftet, dem sie entstiegen sind. 

Dass Roxanne Yang hier eine wirklich gelungene Premierenveranstaltung für das in China noch junge Tattoobusiness gelungen ist, wird jeder bestätigen, der an diesem ersten Septemberwochenende das Shanghai Fashion Center besuchte. Wir werden mit großem Interesse verfolgen, wie sich das zarte Pflänzchen entwickeln wird.
 
Der japanische Einfluss auf die chinesische Tattooszene ist unübersehbar, wie auch dieses Samurai-Rückentattoo zeigt.
 
In China gibt es im Gegensatz zu Japan keine wirkliche Tattootradition. In der für die chinesische Gesellschaft prägenden Lehre des Konfuzius gilt der Körper als ein Geschenk der Eltern, ihn beispielsweise durch ein Tattoo zu verändern ist ein Frevel. Über zwei Jahrtausende galt das Tätowieren für die chinesische Hochkultur als eine primitive Sitte, die lediglich von den Barbarenstämmen außerhalb des chinesischen Reichs praktiziert wurde. Innerhalb Chinas war Tätowieren neben dem Abschneiden von Nase und Ohren lediglich als Strafmaßnahme bekannt. 

Bei den Triaden, dem chinesischen Pendant zur Mafia, gab es zwar Tätowierungen, diese waren aber wohl durch japanischen Einfluss entstanden und erreichten nie die ästhetisch-künstlerische Ausprägung der traditionellen japanischen Tätowierkunst. Tattoostuben in chinesischen Hafenstädten entstanden erst aufgrund der Nachfrage nach Seemannstätowierungen durch die Besatzungen von Marine- und Handelsschiffen, nicht etwa aufgrund einer chinesischen Tätowiertradition. Derzeit wird das Tätowieren in China geduldet, wird aber bisher vor allem in Großstädten mit westlichem Einfluss von jungen Leuten praktiziert. 
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Stand:22 November 2017 08:17:14/veranstaltungen/frische+farbe+fuer+shanghai+++_1610.html