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26.02.2016  |  Text: Boris »Bobs« Glatthaar und Heide Heim   |   Bilder: TM-Archiv  

Flower Power

Blüten-Stile


Blumen sind beliebte Motive in der bildenden Kunst, so auch beim Tätowieren. Grund: Sie stecken erstens voller Symbolik und sind zweitens enorm farbgewaltig. Und auch in allen stilistischen Variationen umzusetzen; wir geben die Erklärung aktueller Tätowierstile und ihre Besonderheiten anhand der Flower Power.


 »Weg im Garten des Künstlers« von Claude Monet.
Das Werk »Weg im Garten des Künstlers« zeichnete Claude Monet in den Jahren 1901 und 1902 an seiner Wohn- und Wirkungsstätte Giverny, die er sehr verehrte. Klare Umrisse fehlen gänzlich, aber die Farben geben einen Eindruck von der Blumenpracht.



Die Blumen waren ihm alles. Nachdem Claude Monet Ende des 19. Jahrhunderts ein großes Grundstück in Giverny in der Normandie gekauft hatte, ließ er alle Bäume fällen, damit das Licht schattenfrei auf die Blütenpracht schien. Auch der Staub der nahegelegenen Schotterstraße sollte sein gedeihendes Bukett aus teils exotischen Pflänzlein nicht trüben – er ließ den Weg kurzerhand asphaltieren. Sechs Gärtner beschäftigte Monet für seinen farbenreichen Garten, einen davon allein für den japanischen Seerosenteich mit Brücke. Gemälde von Wasserpflanzen und Übergang gehören heute zu den berühmtesten Werken des Malers, der auch der Namensgeber des Impressionismus ist. Obwohl andere Künstler wie Édouard Manet mit diesem Stil bereits viele Jahre zuvor begonnen hatten, war Moents Werk »Impression – Sonnenaufgang« 1872 namensgebend und es brauchte seine Blumenbilder, um sichtbar zu machen, welche Kraft sich im neuen und zunächst belächelten Stil verbarg. Der Künstler wollte gar nicht Gegenstände wirklichkeitsnah abbilden, sondern die faszinierende Wirkung der Farben in einem kleinen Moment festhalten. Räumliche Darstellung, Perspektive und Umriss traten zurück vor dem farbgewaltigen Eindruck, den eine Landschaft im Licht erweckte und den Monet einzufangen versuchte. Er selbst sprach lieber von »instantanéité«, von »Augenblicklichkeit«, als von Impressionismus. Dass seine Bilder mit den Jahren immer abstrakter wurden, lag allerdings womöglich einfach an seinem körperlichen Gebrechen: Claude Monet, dem die Form im Bild immer unwichtiger war als die Farbe, litt zum Ende seines Lebens am Grauen Star. Für ihn verschwanden die Umrisse völlig.
 
 
 
Dotwork-Mandala von Sonja, Punktum Tattoo, Hamburg.Mandalas
Eine gegenwärtige beliebte Strömung ist das Tätowieren von Mandalas, also fernöstlich-spiritueller Symbole, die blütenförmig auf ein Zentrum ausgerichtet sind. Mandalas werden meist schwarz gestochen, oft als Kombination aus Line- und Dotwork. Mit den in unterschiedlichen Abständen tätowierten Punkten entstehen Verläufe, die leicht auf der Haut wirken, da zwischen den Punkten immer auch mehr oder weniger viel Haut durchscheint. Dotwork erfordert aber auch viel Können: Sind die Abstände zwischen den Punkten nicht gleichmäßig, ist die Wirkung dahin und das Tattoo wirkt unsauber. Sind die Punkte zu dicht gesetzt, verlaufen sie mit der Zeit und verschmelzen zu einem Farbbrei. Liegen sie zu weit auseinander, erscheint das Bild unklar und verwaschen. Häufig werden Bereiche, die dunkler wirken sollen – wie auch hier – unterschattiert. Für mehr Gefühl beim Stechen arbeiten viele Dotworker mit der Hand.
Tattoo von Sonja, Punktum Tattoo, Hamburg.
 


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