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26.02.2016  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: Mo Ganji

Eine Linie und drei Punkte


Der Deutsch-Iraner Mo Ganji tätowiert Single-Line-Tätowierungen. Die radikale Reduktion ist dabei nicht nur sein künstlerisches Ausdrucksmittel, sondern auch Lebenskonzept.


Mo Ganji arbeitet wegen des Gewichts mit Rotary-Maschinen. In ihrer Handhabung sieht er mittlerweile nicht nur Vorteile.
Mo Ganji tätowiert im vollkommen unhippen Berliner Bezirk Charlottenburg seine Single-Line-Tätowierungen.
Reduktion als Stilmittel und Lebenseinstellung von Mo Ganji, der im Berliner Stadtteil Charlottenburg seit einem Jahr seit Studio betreibt.


Drei Punkte sind sowohl Erkennungszeichnen als auch die Kennzeichen für die Tätowierungen von Mo Ganji, dessen Arbeiten zurzeit vor allem auf internationalen Kunstplattformen Beachtung finden. In Online-
Portalen wie Fubiz oder BoredPanda und auch im Feuilleton der englischen Tageszeitung »The Independent« werden die Tätowierungen des Deutsch-Iraners abgefeiert, seine 116 000 Abonnenten bei Instagram kommen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht allesamt aus der Tattooszene. Grund der hohen Aufmerksamkeit sind sogenannte Single-Line-Tätowierungen, also Motive, die mit einer durchgezogenen Linie tätowiert werden. Kinder kennen das Prinzip als »Haus vom Nikolaus«. Und auch Kunststudenten ist diese Übung geläufig – sie wird Continiousline Drawing oder Blindzeichnung genannt und dient dazu, Formen und Volumen zu erkennen und auf Papier umzusetzen (siehe Kasten:  Selbstversuch). Soweit bekannt, ist Mo Ganji der erste Tätowierer, der diese Art von Tattoos sticht, und selbst wenn es nicht die drei Punkte in jeder Tätowierung gäbe, könnte man sofort sagen, wer sie gestochen hat.


Der Anker ist eine von Mo Ganjis frühen Arbeiten.  In seiner Schlichtheit, die durch die Auslassung noch verstärkt wird, wirkt das Motiv unglaublich kraftvoll.Man könnte annehmen, dass Mo Ganji mit zunehmender Routine die Entwürfe immer schneller auf apier bringt. Das Gegenteil ist der Fall.Anfänglich arbeitete Mo nur mit einer Linienstärke, mittlerweile meist mit zwei, um die Kontraste zu erhöhen und das Motiv leichter erfassbar zu machen.


Linie versus Punkt


In jedem seiner Tattoos finden sich die drei Punkte, meist in Form eines Dreiecks angeordnet; es ist Mo Ganjis Signatur. »Sie stehen für Körper, Geist und Seele«, erklärt er in seinem sehr karg eingerichteten Studio, »denn alles im Leben hat einen Gegenpol, und der Gegenpol zum Strich ist der Punkt. Damit balanciert sich alles wieder aus, sonst wäre es in sich nicht stimmig.«
 


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