Willkommen im Congoland

03.07.2015  |  Text: Fabienne Anthes   |   Bilder: Piet du Congo, Dorothée van Biesen
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Der Belgier Piet du Congo kreiert Tätowierungen, die auf den ersten Blick brutal, chaotisch und fremdartig wirken und sicher nicht jedermanns Geschmack treffen. Die Begriffe kompromisslos und radikal beschreiben seinen stilistisch-künstlerischen Ansatz.
Der Belgier Piet du Congo kreiert Tätowierungen, die auf den ersten Blick brutal, chaotisch und fremdartig wirken und sicher nicht jedermanns Geschmack treffen. Die Begriffe »kompromisslos« und »radikal« beschreiben seinen stilistisch-künstlerischen Ansatz.

 
»Fehler und Irrtümer sind in meinem Arbeitsprozess wichtig, also fordere ich diese bisweilen heraus« Piet du Congo»Fehler und Irrtümer sind in meinem Arbeitsprozess wichtig, also fordere ich diese bisweilen heraus« Piet du Congo


Wenn man dich jetzt so sieht, denkt man nicht, dass du erst im Alter von 25 Jahren auf den Geschmack gekommen bist, dich tätowieren zu lassen. Wieso nicht früher?
Als ich jünger war, hatte ich kein Geld, um mich tätowieren zu lassen, denn ich war auf der Schule beziehungsweise habe studiert und nebenher gejobbt – erst mit 25 habe ich mein erstes richtiges Gehalt verdient. Zudem war die Tattooszene als ich jünger war einfach anders und ich habe mich in den damals populären Tätowierstilen nicht wiedergefunden. Natürlich mochte ich schon immer gut gemachte Old-School-Tattoos und auch japanische Tätowierungen, aber es hatte für mich keinen Reiz mich mit etwas zu schmücken oder später auch etwas selbst zu machen, was bereits auf einer langen Tradition basiert, die man auch respektieren sollte und an der man nicht grundsätzlich was ändert, sondern einfach in Varianten immer wiederholt.
 
 
Ein Element von Piets Tätowierungen ist der kreative Umgang mit Sprache. Da im Französischen das Verb »voler« sowohl »fliegen« als auch »stehlen« bedeutet, entwickelt er für diesen Angestellten einer Fluggesellschaft ein Tattoomotiv, das humorvoll und dynamisch die Flucht eines Diebes darstellt.Obwohl es sich oft um detaillierte Wimmelbilder handelt, erscheinen die Tattoos nie zu massiv, da in den Kompositionen immer freie Haut belassen wird.(Bild rechts) Ein Element von Piets Tätowierungen ist der kreative Umgang mit Sprache. Da im Französischen das Verb »voler« sowohl »fliegen« als auch »stehlen« bedeutet, entwickelt er für diesen Angestellten einer Fluggesellschaft ein Tattoomotiv, das humorvoll und dynamisch die Flucht eines Diebes darstellt. (Bild rechts) Obwohl es sich oft um detaillierte Wimmelbilder handelt, erscheinen die Tattoos nie zu massiv, da in den Kompositionen immer freie Haut belassen wird.
 
 
Wann hast du angefangen dich damit auseinanderzusetzen, dass man diese traditionellen Tattoostile aufbrechen und erweitern kann?
Ich wäre jetzt nicht an diesem Punkt und würde das machen, was ich jetzt tue, wenn Yann Black nicht existieren würde. Ich kenne Yann bereits seit der Schulzeit und er tätowierte bereits ein paar Jahre, auch viele gemeinsame Freunde und Bekannte – zu Beginn noch sehr traditionell und nur so nebenbei in seiner Wohnung. Yann ist ein unglaublich radikaler, kreativer Mensch und irgendwann begann er einfach neue Sachen auszuprobieren und entwickelte sich weiter, was im Endeffekt wahrscheinlich die ganze Tattooszene von heute mitgeformt hat. Ich habe also mit ungefähr 27 seine neuen Sachen gesehen und war begeistert. Ich wollte nicht in ein normales Tattoostudio gehen, um dort eine Ausbildung zu machen, denn ich hatte ja kein Interesse daran klassische Tattoos zu stechen. Also habe ich begonnen mich selbst autodidaktisch zu tätowieren, dann auf Freunden ein bisschen geübt, und habe mir Tipps von Tätowierern aus der Gegend geholt, um meine Technik zu verbessern. Nach ein paar Monaten habe ich Yann gefragt, ob er mich technisch noch besser unterweisen könne und er hat mich dann Jef und Kostek von der »Boucherie Moderne« in Brüssel vorgestellt, die damals auch gerade anfingen neue innovative Sachen zu machen, ebenfalls beeinflusst und beeindruckt von Yanns radikalem neuem Stil. Wir haben also dann zu dritt in der »Boucherie Moderne« gearbeitet und es war wie eine Initialzündung einer neuen Bewegung. Technisch haben wir uns nicht wirklich vorangebracht, aber wir sind Freunde geworden und haben uns gegenseitig angespornt immer kompromissloser und wilder zu experimentieren.


KONTAKT
Piet du Congo

Congoland
Rue du Congo 5
5580 Jemelle (Rochefort)
Belgien
www.pietducongo.com
www.facebook.com/pietducongo

Der vollständige Artikel ist in der Juli-Ausgabe 2015 des TätowierMagazins zu lesen.
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Stand:24 November 2017 15:51:09/t%C3%A4towierer/willkommen+im+congoland_156.html