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27.07.2017  |  Text: Marco Annunziata, Übersetzung: Dirk-Boris  |   Bilder: Marco Annunziata, Claudia Ottaviani
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Westliche Traditionals mit asiatischem Flair von Tätowiererin Claudia Ottaviani


Die Arbeiten der Tätowiererin Claudia Ottaviani haben einen hohen Widererkennungswert. Ihre im traditionellen Stil tätowierten Motive zeigen meist freizügig gekleidete Frauen, die die Italienerin mit westlichen Klassikern kombiniert und durch asiatische Accessoires einen ganz besonderen erotisch-exotischen Flair verleiht.


»Ich bin gerade auf Familienbesuch hier in Italien und treffe mich mit Freunden«, verrät sie uns, während sie sich einen Weg durchs Gehölz bahnt. »Ich komme immer mal wieder gern nach Italien zurück, auch wenn ich ansonsten zurzeit viel in anderen europäischen Ländern unterwegs bin, in England, Belgien, Holland … aber ich mag auch das gute Essen in Italien, zudem bekomme ich hier immer viel Inspiration. Im Moment arbeite ich im Studio Swan Song in Rom.«

Inspiration und Entspannung holt sich Claudia Ottaviani in der Natur.

Auf meine Frage nach der ersten Tätowierung, die Claudia bewusst wahrnahm, muss sie passen. »Ich habe Tattoos ständig um mich herum gesehen, bei Freunden, meiner Familie, in Tattoozeitschriften und es gab bereits in meiner Kindheit ein Tattoostudio bei uns in der Stadt. Das hat mich schon früh angesprochen, dieser Mix aus Kunst und Handwerk, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass ich einmal Tätowiererin werde.« 

Durch die soliden Outlines, den klaren Bildaufbau und konstrastreiche Farben wirken die Tattoos sehr traditionell. Bei den Motiven lässt sie sich von indischer Kunst, aber auch von Badezimmerfliesen oder der Natur inspirieren.

Die Erinnerungen an das erste eigene Tattoo sind da schon klarer: »Natürlich auch schon allein deshalb, weil der Tätowierer Marco Ottaviani hieß, aber wir sind nicht verwandt. Sein Studio war eines der ersten in der Gegend, in der ich aufwuchs, und einige meiner Freunde hatten sich bereits von ihm tätowieren lassen.« Dass sie dieselbe Motivwahl wie damals vor zwölf Jahren treffen würde, das bezweifelt Claudia. »Ich wollte eine Krone mit Flügeln zwischen den Schulterblättern … na ja, da hat sich mein Geschmack inzwischen ein wenig geändert, zudem bin ich ja nun selbst Tätowiererin. Aber egal, es ist dennoch eine schöne Erinnerung an mein erstes Tattooerlebnis, obwohl ich mich gut daran erinnern kann, wie schmerzhaft es war.« 


Schmerzhaft war auch Claudias Art, das Tätowieren zu erlernen. Während ihrer Ausbildung tätowierte sie sich – ganz klassisch – erst mal eine ganze Weile lang selbst, bevor sie auf die Menschheit losgelassen wurde. »Nach einer Weile tätowierte ich Freunde, umsonst natürlich, und nach ungefähr einem Jahr hatte ich dann meinen ersten echten, offiziellen Kunden.«



Das Tätowieren nahm sie nicht ohne professionelle Anleitung in Angriff, hingegen hat sich Claudia ihre Mal- und Zeichenkünste autodidaktisch erarbeitet. »Ich war auf keiner Kunstschule und habe auch keine Kurse belegt oder so. Ich habe mir alles selbst erarbeitet, alle möglichen Techniken ausprobiert: Öl, Aquarell, Ecoline, Brandmalerei, Gravieren … und irgendwann bin ich dann einfach beim Tätowieren gelandet«, erzählt sie, während wir an einem kleinen Wasserfall eine Pause einlegen. »Und da habe ich mich dann an Kollegen wie Jondix, Diego Brandi, Robert Ryan oder auch Valerie Vargas und Claudia de Sabe orientiert.« Ob ihre Designs denn oft kopiert werden, will ich von ihr wissen. »Ja, das passiert sogar ziemlich oft. Gut – als Künstler muss man damit rechnen, kopiert zu werden, wenn man seine Sachen auf Instagram stellt. Echt sauer werde ich, wenn Leute sich selbst als Künstler bezeichnen und letzten Endes doch nichts anderes machen, als Kopien meiner Arbeiten als ihre Werke zu verkaufen. Aber unterm Strich ist Instagram einfach unverzichtbar, denn gerade wenn man wie ich viel reist, ist es ein unheimlich wertvolles Tool, um Leute zu erreichen.«



Als wir unsere Wanderung fortsetzen, frage ich Claudia, was sie jungen Tätowierern an Rat mit auf den Weg geben könne. »Ich tätowiere selbst erst seit zehn Jahren, ich glaube nicht, dass ich schon genug Erfahrung habe, um anderen Leuten Ratschläge zu geben. Vielleicht nur so viel: Man braucht Geduld, es kann ganz schön lange dauern, bis man wirklich gute Resultate sieht. Und ein kleines bisschen Angst, bevor man ein neues Piece beginnt, schadet gar nicht.«



Als ich Claudia frage, ob sie damit leben kann, dass ich ihren Stil unter Traditional verbuche, stimmt sie mir zumindest teilweise zu: »Ich bewege mich schon in der traditionellen Schiene, meine Designs haben solide Lines und kräftige Farben. Bei neueren Arbeiten weiche ich davon teilweise ab, weil ich mich von verschiedensten Dingen inspirieren lasse. Von indischer Kunst oder der Wand eines Inka-Tempels, hübschen Badezimmerfliesen, luxuriösen Palästen oder einer schönen Landschaft wie dieser hier … aber auch ein gutes Essen kann Inspiration sein, ein Blatt, eine Blume … Außerdem habe ich vor einigen Jahren damit begonnen, Ornamental-Tattoos zu machen, also auch mit dicken Linien, kleinen Ornamenten, ganz in Schwarz. So was mache ich auch sehr gern, der Effekt auf dem Körper ist einfach toll!«



Die meisten ihrer Kunden, erzählt Claudia, seien Freunde. »Oder Freunde von Freunden. Wenn ich auf Reisen bin, finde ich es toll, auf Leute zu treffen, die meine Sachen schon kennen und auch etwas von mir haben möchten. Zum größten Teil sind es Frauen, ich weiß auch nicht, warum. Aber auch da muss ich wiederum sagen, dass Instagram dafür unheimlich nützlich ist, ohne das könnte ich einfach niemals so viele Leute erreichen.« 

Claudia Ottaviani hat vor allem Frauen als Kundinnen. Sie selbst kann es sich nicht erklären, womöglich liegt es daran, dass ihre Frauenfiguren zwar nackt, aber nie entblößt dargestellt sind.

Und was hat es mit den erotischen Bildern auf sich, will ich noch wissen, als wir uns bereits auf dem Rückweg befinden. »Also das kam so: Ich habe vor zwei Jahren in einem Studio in Barcelona gearbeitet und war gerade mit einem orientalisch angehauchten Gemälde beschäftigt, als einer aus dem Laden meinte, dass eine in meinem Stil umgesetzte Kamasutra-Position bestimmt toll aussehen würde. Kurz drauf sahen sich zwei weitere Tätowierer mein Bild an und sagten mir genau dasselbe. Okay, dachte ich mir da, warum nicht? Sie wirken auch wirklich sehr kraftvoll, das mag ich ja. Bis jetzt haben allerdings nur Tätowierer nach solchen Kamasutra-Tattoos gefragt, normale Kunden bisher noch nicht.«



Kontakt

Claudia Ottaviani
Derzeit: Swan Song Tattoo 
Via Enrico Fermi, 172 
00146 Rom, Italien
www.swansongtattoo.com
cloditta@gmail.com
facebook.com/claudiaottavianitattoo
instagram.com/cloditta

Text: Marco Annunziata, Übersetzung: Dirk-Boris
Bilder: Marco Annunziata, Claudia Ottaviani

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Ausgabe 9/17 erscheint am 25. August

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Stand:17 August 2017 09:58:33/t%C3%A4towierer/westliche+traditionals+mit+asiatischem+flair+von+taetowiererin+claudia+ottaviani++_176.html