Tribal-Crossover von Taku Oshima

13.03.2015  |  Text: Lars Krutak  |   Bilder: Taku Oshima
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Tribal-Crossover von Taku Oshima
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Taku Oshima erweckt prähistorische Tätowierungen zum Leben. Der studierte Anthropologe tätowiert seit fast 20 Jahren und vereint die Bildelemente und Formensprache von Stammestätowierungen, die zum Teil in Vergessenheit geraten sind, mit Avantgarde-Blackwork.
 
Dotwork-Sonne kombiniert mit den grafisch wirkenden Silhouetten von Raben. Myanmar (ehemals Burma) trifft auf Philippinen trifft auf Kanada: Symbiose aus Naga-Stammestätowierungen auf der Brust mit Kalinga-Mustern auf den Armen und Halskrause der Haida-Indianer Kanadas.(l) Myanmar (ehemals Burma) trifft auf Philippinen trifft auf Kanada: Symbiose aus Naga-Stammestätowierungen auf der Brust mit Kalinga-Mustern auf den Armen und Halskrause der Haida-Indianer Kanadas. (r) Dotwork-Sonne kombiniert mit den grafisch wirkenden Silhouetten von Raben.
 

Blackwork ist bei praktisch allen indigenen Völkern verbreitet, die traditionelle Tätowierpraktiken ausüben. Es wird geklopft, gestochen oder sogar genäht: diese Art von Tätowierung wird mit angespitzten Kämmen, Nadeln oder Messern aus unterschiedlichsten Gründen persönlicher, ritueller oder sozialer Art angefertigt.

In den letzten Jahren hat sich Blackwork zu einer eigenständigen Kunstform entwickelt, die ihre Wurzeln in traditionellen Stammestätowierungen wie auch in den Neo-Tribal-Tattoos der letzten Jahrzehnte hat. Die Blackwork-Vertreterin Marisa Kakoulas schreibt in ihrem Bildband »Black Tattoo Art 2«: »Bei Blackwork ist alles möglich und alles ist erlaubt«. Schwarze Linien, Spiralen, Zickzack-Muster, Punkte und geometrische Ornamente überwiegen, aber Grenzen sind der Kreativität hier nicht gesetzt: spirituell-inhaltsvolle Symbole und heilige Zeichen oder handgestupfte Designs, die eine dreidimensionale Wirkung entfalten – die Stärke von Blackwork liegt darin, dass es vollkommen frei von konventionellen Vorgaben ist.

 
 Jômon-Kultur
 
Die Jômon-Zeit von circa 8000 bis 200 v. Chr. bezeichnet die Jungsteinzeit in Japan. Der Name Jômon bezieht sich auf das Schnurmuster, das man auf Keramiken aus dieser Zeit fand. Die Menschen der Jômon-Zeit fertigten neben Gefäßen aus Keramik auch menschenähnliche Figuren, die mit Mustern verziert sind. Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft geht man davon aus, dass diese Muster Tätowierungen darstellen. Wahrscheinlich hatten diese Figuren und damit auch die darauf dargestellten Tätowierungen kultische Bedeutung.
 
Die Menschen der Jômon-Zeit fertigten neben Gefäßen aus Keramik auch menschenähnliche Figuren, die mit Mustern verziert sind. Flammen­muster, das von den circa 6000 Jahre alten Keramiken aus der Jômon-Kultur beeinflusst ist. (l) Die Menschen der Jômon-Zeit fertigten neben Gefäßen aus Keramik auch menschenähnliche Figuren, die mit Mustern verziert sind. (r) Flammen­muster, das von den circa 6000 Jahre alten Keramiken aus der Jômon-Kultur beeinflusst ist.
 
Lange Zeit dachte man, dass die Jômon-Menschen die Vorfahren der Ainu gewesen seien, der Ureinwohner Japans, von denen heute noch einige wenige auf der Nordinsel Hokkaido leben und die bis ins letzte Jahrhundert hinein ebenfalls eine ausgeprägte Tattoo-kultur pflegten. Inzwischen weiß man jedoch, dass die Ainu nicht die Nachfahren der Jômon-Menschen sind, sondern möglicherweise auf dieselben Vorfahren zurückgehen wie die Aborigines Australiens. Die Jômon stammten dagegen wahrscheinlich von nordost-asiatischen Völkern ab.
 
Ein Neo-Tribal-Guru
Taku Oshima aus Tokio hat in seinen Designs die Essenz von Blackwork eingefangen: Seine kraftvollen neo-tribalesken Arbeiten vermitteln einen Eindruck von den endlosen Möglichkeiten, die monochromatische Tätowierungen bieten. Zudem sprechen sie den Betrachter auf eine tiefe, beinahe schon spirituelle Art und Weise an.

Seit nahezu zwanzig Jahren tätowiert Oshima bereits, doch er kommt nicht wie viele seiner Tätowiererkollegen aus dem grafischen Bereich zum Tattoo, sondern studierte zunächst Anthropologie. Seine ersten Kontakte zum Tätowieren hatte Oshima Mitte der 90er Jahre in Goa, Indien. Es folgte eine siebenjährige Reise um die Welt, die ihn künstlerisch prägte. Da er außerhalb Japans mit Tattoos in Kontakt kam und auch seine technischen Fertigkeiten im Ausland entwickelte, ist Oshima von der traditionellen Tätowierkunst seines Heimatlandes Japan kaum beeinflusst worden. Stattdessen fühlte er sich von Anfang an zur Ästhetik traditioneller Stammeskunst hingezogen, insbesondere zu den Henna-Bemalungen Indiens und den Tätowiermustern Borneos, die kunstvoll, spirituell und kräftig zugleich sind. Im Laufe der Jahre befasste er sich auch mit anderen überlieferten Kunstformen, beispielsweise der Marquesaner und der Maori aus dem polynesischen Raum, der Ureinwohner Nordamerikas, der Philippinen, Indonesiens und Taiwans und den historischen Kunstformen der Mayas, der Azteken sowie der Ainu und der Jômon-Kultur seines Heimatlandes Japan. Oshima erklärt dazu: »Für mich ist das Tätowieren ein spiritueller Akt – ich meine das aber nicht in dem Sinn wie beispielsweise bei Initiationsriten von Stammesgemeinschaften. Es ist für mich mehr eine Art Bekräftigung einer bereits bestehenden Identität. Es ist, als ob man seiner unsichtbaren Seele eine Gestalt verleiht. Das glaube ich wirklich.«

Taku Oshima ist sicher einer der außergewöhnlichsten Vertreter der Tattooszene in Japan; in Deutschland haben Tattoofans die Möglichkeit, ihn auf der Tattooconvention in Frankfurt vom 20. bis 22. März 2015 zu treffen.  
 
 
Taku OshimaKONTAKT
Taku Oshima – Tribal Tattoo Apocaript
A-169-0072 #503 1-15-17
Okubo Shinjuku
Tokio, Japan
Tel.: 81-080-3504-7966
oshima.taku@gmail.com
www.apocaript.com


Der vollständige Artikel ist im TätowierMagazin 03/2015 nachzulesen.

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