Tätowierer oder nichts – Tätowierer Julian Corpsepainter

20.11.2015  |  Text und Interview: Travelingmic  |   Bilder: Corpsepainter, Aga Hairesis
Tätowierer oder nichts – Tätowierer Julian Corpsepainter Tätowierer oder nichts – Tätowierer Julian Corpsepainter Tätowierer oder nichts – Tätowierer Julian Corpsepainter Tätowierer oder nichts – Tätowierer Julian Corpsepainter Tätowierer oder nichts – Tätowierer Julian Corpsepainter Tätowierer oder nichts – Tätowierer Julian Corpsepainter Tätowierer oder nichts – Tätowierer Julian Corpsepainter Tätowierer oder nichts – Tätowierer Julian Corpsepainter Tätowierer oder nichts – Tätowierer Julian Corpsepainter Tätowierer oder nichts – Tätowierer Julian Corpsepainter
Tätowierer oder nichts – Tätowierer Julian Corpsepainter
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Julian von Corpsepainter Tattoo gewann auf der renommierten Convention in London 2015 den prestigeträchtigen Pokal für »Best of Show« – eine Auszeichnung, von der andere Tätowierer ihr Leben lang nur träumen können!
Julian vom Corpsepainter Tattoo in München wäre eigentlich der Prototyp des modernen Tattoostars: jung, ehrgeizig, erfolgreich, und das alles durch Talent und harte Arbeit! Doch ist er eben kein oberflächlicher Rock-Star-Typ, der sich auf Instagram feiern lässt, denn Julian arbeitet hart an seinem Talent und wirkt eher nachdenklich als draufgängerisch.
Zum Tätowieren ist er erst durch das traumatische Erlebnis eines beinahe tödlichen Verkehrsunfalles gekommen. Nach langer Rekonvaleszenz hat der Jugendliche – immer unterstützt von seinen Eltern – dann alles auf eine Karte gesetzt: Entweder würde er ein Spitzentätowierer werden oder … Nun ja, eine Alternative gab es nie für ihn.

Bevorzugt tätowiert Julian von Corpsepainter Tattoo in München Biomechanik und Bold-Realistic-Tattoos.

Alles oder nichts!

Nach einer Oldschool-Lehre ging alles ganz schnell: Der eigene Laden, die ersten Artikel in Magazinen, Conventions und Pokale …  Ende September 2015 gewann Julian Siebert auf der London Tattoo Convention, für viele überraschend, den Preis für »Best of Show«, den Pokal für das beste auf der Convention gestochene Tattoo.
Wir haben mit Julian kurz nach seinem bisher größten Erfolg gesprochen. Vorgefunden haben wir einen jungen Mann, der trotz seines eigentlich noch geringen Alters von 28 Jahren sehr gereift wirkt.
 
Julian, du hattest schon sehr früh deinen eigenen Laden. Wie kam es dazu? Und warum heißt dein Shop ausgerechnet Corpsepainter?
Da ich in meiner Ausbildung schneller gereift bin, als ich mir das je vorstellen konnte, habe ich ein gewisses Kämpferdenken entwickelt: Schlimmer kann es ja gar nicht werden! »Corpse«, die Leiche, steht einfach für meine Vorliebe für Horrorfilme und der dementsprechenden Musik. Der »Painter« ist natürlich der Maler. Leichenmaler arbeiten wohl für die Ewigkeit.

Zwei Jahre lang arbeitete der Münchner an diesem Muskel-Biomechanik-Projekt.

Du giltst als eine der Topadressen für Biomechanik. Warum gerade dieser Stil? Er hat ja zurzeit einen eher unmodischen Touch.
Ich liebe es, die Anatomie des Körpers zu nutzen und einen schönen Flow zu erze­u­gen. Das funktioniert mit dem biomechanischen Stil sehr gut. Das ist vergleichbar mit dem klassisch-japanischen Stil, nur eben mit anderen Motiven. Ich bin kein großer Freund von Trends, mein Motto ist: »Sei wie du bist, lass dich inspirieren, aber kopiere nichts!« Ich steche ja nicht nur Biomechanik, sondern ich arbeite sehr vielseitig und möchte mich nicht festlegen. 

Erzähl mal was über die Technik deiner Tattoos. Du hast einen enorm kraftvollen Arbeitsstil. Bevorzugst du Spulen- oder Rotary-Maschinen?
Gelernt und fünf Jahre gearbeitet habe ich mit Spulenmaschinen. Ich kann sie blind auseinandernehmen und wieder zusammensetzen. Und wie man Nadeln lötet, weiß ich auch noch. Heute habe ich keine Lust mehr, jeden Tag rumzubasteln. Privat würde ich auch gerne einen geilen Oldtimer fahren, aber im Rennen und im Beruf bevorzuge ich Hightech: Sieht nicht gut aus, läuft aber definitiv besser.
 
Arbeitest du lieber in Farbe oder in Black-and-Grey? Was passt am besten zu deinen Tattoos?
Vor einigen Jahren sagte ich mal, ich steche am liebsten »Schwarzgraudunkelbunt« und das trifft bis heute zu. Zwischen all diesen düsteren, dunklen oder traurigen Motiven habe ich Superbock eine knallbunte und fröhliche Mädchen-Arielle oder Alice zu machen, so mit knalligen Lichteffekten. Nur böse oder nur putzig, das will ich nicht.  

Für seine Biomechanik-Tattoos ist Julian bekannt, dass er das Thema auch weiterentwickelt, zeigt diese Steampunk-Variation.

Wie würdest du den kreativen Anteil deiner Tattoos bemessen?  
Die Anteile liegen bei dreißig Prozent Referenzmaterial zu siebzig Prozent Kopfarbeit. Ich lasse mich übrigens schon sehr auf meine Kunden ein. Tätowierer zu sein ist ein Geben und Nehmen, kein Egotrip.
 
Wie denkst du über die Rolle, die die Social Media mittlerweile für die Karriere eines jungen Tätowierers spielen? Wird nicht derjenige am berühmtesten, der am besten mit Photoshop umgeht?
»Eine Million Follower auf Instagram ist wie eine Million Dollar bei Monopoly«, sagte mir einmal ein toller Kollege. Ich denke es ist gut, wenn man durch die Netzwerke seine Bilder in die ganze Welt verschicken kann, und man durch seine ehrliche Arbeit berühmt wird. Dass aber ungefähr neunzig Prozent der Bilder frisch gestochen und fast immer manipuliert sind, gaukelt der breiten Masse leider ein sehr falsches Bild von Tattoos und deren Haltbarkeit vor. Früher konnte man Kunden mit schlechten Tattoos sagen: »Hättest du dich davor halt mal informiert«, heute denkt der Kunde, dass sich 180 000 Follower wohl nicht irren können. Falsch gedacht!

Du gehörst zu einer Generation von Tätowierern, die sehr jung sehr schnell sehr gut werden. Was meinst du, woran das liegt? Gibt es auch Gefahren oder Risiken durch diese Entwicklung?
Der Witz ist ja, dass ich durch diese schnelle Entwicklung schon fast wieder alt bin. Ich meine, die sozialen Medien haben das alles so schnell wachsen lassen, natürlich auch die TV-Sendungen und die tätowierten Fußballstars. Dabei wird leider außer Acht gelassen, was tatsächlich hinter einem guten Tattoo steckt: Jahre des Studiums, damit es gut passt, als Bild funktioniert, schön sitzt und in zehn Jahren immer noch steht.  

Julian tätowiert sowohl Black-and-Grey als auch farbige Tätowierungen, häufig arbeitet er mit regelrecht dämonisch wirkenden Lichteffekten.

Making Of »Best of Show« auf der Convention London 2015
Julian, du warst in diesem Jahr das erste Mal in London dabei und hast auf Anhieb den Preis für das beste auf der Convention gestochene Tattoo gewonnen. Eine unglaubliche Leistung!
Daran, einen Preis zu gewinnen, hätte ich nie gedacht. Ich hoffte, dass es für die Bühne reicht. Aber »Best of Show«? Auf gar keinen Fall!

Wie sucht man so ein Motiv für den Contest aus?
Porträts sind für die Großmeister ja gar keine Kunst, also musste es custom-made sein. Ein Motiv, das ich gerne tätowiere, etwas Einfaches und trotzdem Spektakuläres! Ich habe mir sogar einen echten Schädel für dieses Projekt gekauft und ihn so fotografiert, dass ich eine Vorlage mit einem möglichst authentischen Lichteinfall bekam.
 
Wie habt ihr beide die drei Tage überstanden? Gab es Momente, wo ihr gezweifelt habt ?
Am zweiten Tag, so gegen zwei Uhr am Nachmittag: Thomas hatte einen halben Nervenzusammenbruch vor Schmerzen und ich war von der Gesamtsituation, dem Zeitdruck und dem vielen Trubel um den Stand herum überfordert. Unter Tränen stotterte Thomas nur, dass wir das jetzt durchziehen. Um halb zehn in der Nacht waren wir an dem Tag fertig! So eine unglaublich harte Sau habe ich noch nie erlebt.

Wie hat sich Thomas darauf vorbereitet?
Wir haben mit ein wenig Betäubungscreme gearbeitet, als schon alles offen war. Bei einer Gesamtzeit von 24 Stunden wäre eine permanente Betäubung nicht gut für seinen Kreislauf gewesen. Er nahm einige Tage lang Arnika-Globuli, die entzündungs- und schwellungshemmend wirken, und ein bis zwei Ibuprofen 600 am Tag.

Gab es hinterher Probleme mit der Verheilung? Meinst du, dass du da noch mal rein musst?
Es ist unglaublich, sein Tattoo ist komplett verheilt: Keine Kruste, alles drin und auch kein Fieber. Er war am nächsten Tag nur etwas müde.


Stechbrief Julian, Corpsepainter Tattoo, München
Alter: 28 Jahre
Geboren in: München
Erstes Tattoo: mit 15 Jahren
Tätowiert seit: circa 10 Jahren
Style: Biomechanik, Bold-Realistic
Inspiration: Undertaker, Slipknot, Todd McFarlane, Dali, Caravaggio, HR Giger, Marcus Lenhard, Shige, Jeff Gogué (etwa in dieser zeitlichen Folge)
Equipment: Cheyenne


Corpsepainter Tattoo
Bodenseestr. 21, 81241 München, Tel.: +49 (0)89 4520 7333
www.corpsepainter.com
facebook.com/Corpsepainter-Tattoo-Piercing
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Stand:20 November 2017 12:59:57/t%C3%A4towierer/taetowierer+oder+nichts_1511.html