Tätowierer Bob Mosquito

26.01.2018  |  Text: Dirk-Boris Rödel  |   Bilder: Bob Mosquito
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Tätowierer Bob Mosquito
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Der gebürtige Rumäne Bob Mosquito bedient einen momentan sehr angesagten Stil, eine Mischung aus Realistic, Grafik und Aquarell.. Im Gespräch erklärt er uns, wie er dabei den Spagat zwischen künstlerischer Entwicklung und Erwartungshaltung der Kunden bewältigt – und warum er selbst keine Tattoos hat.
Bobs Künstlername »Mosquito« lässt mehrere Interpretationen zu. Ein Moskito sticht und es fließt ein wenig Blut, wie beim Tätowieren, außerdem stammt der inzwischen in Ungarn lebende Tätowierer ursprünglich aus dem rumänischen Transsilvanien, wo Blutsaugen ja irgendwie zur Folklore gehört. Tatsächlich hat der Spitzname aber weder mit dem einen noch dem anderen zu tun. »Mein erster Shop war ganz einfach in der Nähe eines Sees und da hat es eben nur so gewimmelt von Stechfliegen«, erklärt der 39-Jährige, den ich während eines Gastaufenthalts im Heidelberger Anarchist Tattoo Collective interviewe.

Ob Bob ursprünglich Kunst studiert hat, muss ich ihn eigentlich gar nicht erst fragen, man sieht es seinen Bildern an. Zum Tätowieren kam er dann aber über ganz andere Pfade. »Das war eher ein Zufall. Ich wohnte Ende der 90er Jahre im Süden Ungarns, nahe der Grenze zu Kroatien, zur Zeit des Balkankriegs. Da waren an der Grenze viele Truppen von IFOR, SFOR und so weiter stationiert. Das führte dazu, dass in dieser Gegend die Tattoostudios wie Pilze aus dem Boden schossen, da die ganzen Soldaten sich tätowieren lassen wollten. Und eines Tages kam der Chef des Studios, in dem ich dann angefangen habe, an die Kunstuniversität und fragte die ersten Studenten, die er traf, ob sie bei ihm als Tätowierer anfangen wollten.« Klar, dass Bob den Soldaten natürlich andere Tattoos stach als die, die er heute tätowiert. »Das war einfach aus dem Vorlagenbuch raus: Tiere, asiatische Motive, Tribals … es hatte nichts mit dem zu tun, was ich heute mache. Mein jetziger Stil ist eine ziemlich junge Entwicklung, das hat vielleicht vor drei, vier Jahren angefangen.«

Obwohl Bob schon um das Jahr 2000 mit dem Tätowieren anfing, ist sein jetziger Stil eine relativ neue Entwicklung, die er vor drei, vier Jahren begann. Dass sie einen Trend bedient, ist ihm bewusst.

In der Tat kann man sich kaum vorstellen, dass sich SFOR-Soldaten für Bobs heutigen Stil hätten begeistern können. Der hat sich erst nach und nach herauskristallisiert. »Zunächst hab ich eine ganze Weile erst mal viel Black-and-Grey-Realistic gemacht. Aber dann hab ich mir natürlich viele Sachen im Internet angeschaut, ich hab viele Guest-Spots gemacht und dabei viel Informationen aufgenommen, technische Sachen wie Dotwork, Lining … Guestspotting ist für mich vor allem ein Mittel, um zu lernen und mich weiterzuentwickeln, und ich suche mir immer Studios aus, wo ich interessante Leute treffen kann, die mich weiterbringen.«

In Bobs momentanen Arbeiten dominieren ganz offensichtlich Tiere, aber nach dem Grund gefragt, verweist mich Bob an seine Kundschaft. »Meine Kunden suchen sich das heraus, wovon sie denken, dass ich es am besten umsetzen kann. Also könnte man sagen, dass sie diesen Stil für mich ausgewählt haben. Das macht es allerdings ein wenig schwierig, auch mal was anderes auszuprobieren … .« »Heißt das, du fühlst dich in deinem Stil auch ein wenig gefangen?«, hake ich nach. »Ja, schon ein bisschen. Bei mir kommt auch dazu, dass meine Entwicklung als Tätowierer viel langsamer verläuft als bei anderen, denn ich tätowiere ja nur eine Woche pro Monat.« Jetzt bin ich ein bisschen überrascht. »Was machst du denn in den übrigen drei Wochen?«, möchte ich von ihm wissen. »Oh, andere Projekte, zum Beispiel Webdesigns, die ich mit meiner Freundin gestalte, und ich habe ein Atelier, in dem ich meine Kunst mache. Ich habe auch zuhause kein Tattoostudio, ich tätowiere nur on the road.« »Würde es dich langweilen, full time den Stil zu tätowieren, mit den Tieren und so?« »Nein, das wäre unhöflich gegenüber meinen Kunden, das so zu sagen. Aber wenn ich nur eine Woche pro Monat tätowiere, dann bin ich wieder frisch, weil ich dazwischen einfach etwas anderes machen kann.« Eigentlich gar kein schlechter Ansatz, denke ich mir, schließlich klagen gar nicht wenige Tätowierer, die sich 24/7 mit Tattoos beschäftigen, über Burnout. Bob wird das bestimmt nicht passieren.

Obwohl Bob schon um das Jahr 2000 mit dem Tätowieren anfing, ist sein jetziger Stil eine relativ neue Entwicklung, die er vor drei, vier Jahren begann. Dass sie einen Trend bedient, ist ihm bewusst.

»Dein Stil ist ja sehr zeitgemäß«, setze ich an, »aber es ist auch ein Stil, der – also ich versuche jetzt mal die Begriffe ›Mode‹ oder ›Trend‹ zu vermeiden … aber man kann sich nicht vorstellen, dass das ein Stil ist, nach dem die Kunden noch in fünf Jahren fragen werden?« »Ich würde sogar eher sagen, ein bis zwei Jahre«, stimmt Bob mir zu, »die Entwicklungen sind heutzutage so schnell, in der Kunst, in der Musik … man muss da ständig am Ball bleiben, sonst überlebst du nicht als Künstler. Wenn du irgendwann aufhörst, dich zu entwickeln, weil du denkst, das reicht jetzt, du bist gut genug, dann war’s das.« »Okay, du siehst also die Notwendigkeit, dich ständig weiterzuentwickeln, andererseits ist da aber, wie wir eben schon angesprochen hatten, die Erwartungshaltung der Kunden, die einen Künstler auch einengen kann. Wie schafft man es dann, sich aus dieser Zwickmühle zu befreien, die Kunden zufriedenzustellen und dennoch künstlerisch nicht stehen zu bleiben?« »Das kann man mithilfe von Social Media schaffen«, erklärt Bob, »da kann man Wanna-dos in einer neuen Ausrichtung und Weiterentwicklung anbieten und wenn man genug Follower hat, dann wird man auch Leute finden, die diese neue Entwicklung mitmachen werden.« »Und wie arbeitest du an deinem Stil, wie entwickelt sich so was?«, möchte ich wissen. »Ich benutze kein Photoshop, ich arbeite heute so, wie ich es an der Kunstschule gelernt habe. Also wenn ich einen Entwurf mache, arbeite ich wie bei einer klassischen Collage, schneide Motive aus, klebe sie mit diesem gelben Klebeband zusammen – und dann fiel mir irgendwann auf, dass ich die Struktur des Klebebands oder der angeschnittenen Ränder der Bilder auch gut im Tattoo verwenden könnte. Das sind so Kleinigkeiten, mit denen ich experimentiere. Man kann so viele Sachen ausprobieren, mit Farben, mit Pinselstrichen … je mehr Freiheiten man hat, umso interessanter wird das Tattoo.«

Bob Mosquito: »Die Entwicklungen sind heutzutage so schnell, in der Kunst, in der Musik … man muss da ständig am Ball bleiben.«

Stichwort Pinselstriche: Nun haben einige von Bobs Arbeiten auch Watercolor-Anteile, von denen viele denken, dass solche Stellen ganz ohne Outlines nicht besonders langlebig sein werden. »Es gibt schon Stellen in Tattoos, die vielleicht nicht so stabil sind, aber dann setze ich direkt daneben kräftige Lines, setze Schwarz neben Farbe – also es kann sein, dass die farbigen Stellen sich im Lauf der Jahre verändern, aber das beeinträchtigt nicht das Tattoo als Ganzes. Reine Watercolor-Bilder, die werden irgendwann einfach nach nichts aussehen, es braucht schon Kon­trast. Aber natürlich verändern sich Tattoos, der Körper verändert sich ja auch.«

»Und wie ist es denn mit dir selbst?«, frage ich nach. »Du gehörst ja zur seltenen Spezies der untätowierten Tätowierer. Willst du dich denn gar nicht tätowieren lassen? Und musst du dir da nicht von den Kunden einiges anhören?« »Oh doch«, lacht Bob, »und wenn ich mich irgendwann mal tätowieren lasse, dann wird mir das richtig fehlen. Auch die vielen Antworten, die ich darauf geben kann. Ich sag dann: ›Aber es tut doch so weh!‹ oder ›Meine Mutter erlaubt es nicht‹ …«, erklärt Bob lachend. »Und viele meiner Kollegen sind ja auch richtig neidisch auf mich, weil ich noch alle Möglichkeiten habe. Es ist auch einfach schwierig, jedes Jahr ploppen neue sagenhafte Künstler auf und ich brauche bei solchen Entscheidungen viel Zeit.« »Das ist natürlich eine Gedankenfalle«, erwidere ich, »denn es wird immer ein Tätowierer auftauchen, der besser ist als die, die vor ihm da waren – auf die Art kann man sich ja nie für einen Künstler entscheiden?« »Es wird Zeit brauchen, die Entscheidung zu treffen«, gibt sich Bob zuversichtlich, »aber es wird kommen, bestimmt!« »Aber du weißt ja nicht, wie es sich anfühlt? Empfindest du das als Nachteil, weil du es nicht nachempfinden kannst, oder vielleicht eher als Vorteil, weil dich die Empathie mit dem Kunden nicht beim Tätowieren beeinträchtigt?« »Ich glaube, von diesem Standpunkt aus gesehen macht es keinen Unterschied. Ich hab mich ja auch mal selbst ohne Farbe tätowiert, um eine Idee davon zu bekommen, wie es sich anfühlt. Und natürlich hab ich über die Jahre, in denen ich tätowiere, auch durch das Feedback meiner Kunden eine Vorstellung davon, welche Körperstellen besonders schmerzhaft sind.«

Bobs Tattoodesigns entstehen noch in echter Handarbeit, wie er es an der Kunstschule gelernt hat – Photoshop lehnt er zur Erstellung der Designs ab.

Und bisher hat es wohl jeder seiner Kunden überstanden – auch wenn die Sitzungen mit Sicherheit etwas schmerzhafter waren als ein Moskitostich.


KONTAKT
Da Bob Mosquito kein Studio hat, ist er nur auf Guest-Spots zu erreichen. Darüber informiert er auf seiner Facebook-Seite.
FB: BoB Mosquito Tattoo
IG: bobmosquitotattoo

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