Planet Unisex – Tätowiererin Sasha Unisex

27.01.2017  |  Text: Marco Annunziata  |   Bilder: Sasha Unisex
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Planet Unisex – Tätowiererin Sasha Unisex
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Sasha Unisex hat eine eigene Welt im Watercolor-Stil erschaffen: Überstrahlt von einem Regenbogen wird er von friedlichen Lebewesen in den freundlichsten Farben bewohnt.
Die erste Tätowierung, die ich bewusst wahrgenommen habe, war das Rückentattoo eines Mannes, der am Strand saß. Sie stellte eine religiöse Szene dar: Zu sehen waren fliegende Engel, andere saßen auf Wolken, Menschen beteten. ›Das sieht ja aus wie ein Gemälde auf Beinen, das aus einer Kirche entlaufen ist‹, war mein erster Gedanke. Einerseits war ich geschockt, aber das Tattoo hat mich auch unglaublich in seinen Bann gezogen. Ich war damals schon künstlerisch tätig, aber an diesem Tag ist etwas in meinem Gehirn passiert.«   

Nicht nur Single-Spot-Tattoos, sondern auch ganze Sleeves gestaltet die Moskauer Künstlerin in ihrem Stil.
 
Sasha hat ihre erste eigene Tätowierung vor einigen Jahren bekommen, da war sie dreiundzwanzig Jahre alt: das Motiv einer schwarzen Rose mit dem Gesicht eines hübschen Mädchens auf dem Blütenstempel ließ sie sich in Lviv in der Ukraine stechen. Und während sie dort die Kunstschule besuchte, beschäftigte sie die Frage: Wie erlerne ich das Tätowieren, um einen neuen,  künstlerischen Stil umzusetzen?

Watercolor-Tattoos mit deckenden Farben – da klappt es auch mit der Haltbarkeit.
 
Ihr offensichtlichstes Hindernis war, dass sie keinerlei Kontakte zu Tätowierern hatte und damit bei niemandem nach einer Ausbildungsstelle anfragen konnte. Also begab sie sich auf Reisen, um sich von den Leuten tätowieren zu lassen, deren Arbeiten sie mochte, um hautnah zu erleben, wie es geht. 

Als sie sich dazu bereit fühlte, kaufte sie sich die notwendige Ausrüstung und begann, ihre Freunde in dem ihr vorschwebenden Watercolor-Stil zu tätowieren. »Ich muss zugeben, dass ich auch ohne einen richtigen Mentor recht schnell dazulernte und ich mittlerweile stolz auf meine Ergebnisse bin. Ich bin noch nicht da angekommen, wo ich hin will, aber Tag für Tag lerne ich dazu.«

Sasha Unisex’ Stil entwickelt sich immer weiter und sie sagt, dass sie noch nicht da angekommen ist, wo sie hin möchte. Aber das ist für Künstler wohl normal.
 
Sasha studierte Kunst in einer Stadt, die voll ist mit klassischer Kunst und Architektur und besuchte viele Museen und Ausstellungen. Das sei einer der Hauptgründe, warum sie ihren eigenen Stil entwickeln konnte, erklärt sie. »Die Schönheit der Kunst und der Grad an Perfektion, der mich seit meiner Kindheit umgibt, haben mich angetrieben, meine eigene Sprache zu finden, mit der ich meine Persönlichkeit und meine Vorstellungen visualisieren kann.« Und so hat sie ihren eigenen Kosmos geformt: Watercolor-Tattoos in den ungewöhnlichsten Farben und Kombinationen.

Bevorzugte Motive sind Tiere wie beispielsweise Füchse, Eulen, exotische Vögel, Hunde und wilde Bären, aber auch Einhörner, Planeten und Sterne. »Tattoos sind die besten Accessoires, mit denen man seinen Körper schmücken und gleichzeitig sich selbst ausdrücken kann. Und man kann sie nicht einmal verlieren.« 

Wunderbare Platzierung: der Eisbär auf dem Bizeps.
 
Sasha gestaltet nicht nur Tattoos, sondern auch Designs für Sweatshirts, Pins und Temporary-Tattoos, und steht damit in einer Generation von Tätowierkünstlern, die aus ihrer kreativen Arbeit eine Marke kreieren. »Ich seh kein Problem darin, mit Temporary-Tattoos herumzuspielen. Um ehrlich zu sein, gibt das vielen Menschen die Möglichkeit der ersten Annäherung, um zu erleben, wie es sich anfühlt, ein Bild auf der Haut zu tragen. Das ist doch ganz nett, wenn es nicht auf Anhieb klappt, einen Termin bei mir zu bekommen, dann hat man doch wenigstens eine Übergangslösung.« 

»Wenn man als Tätowierer interessante Tätowierungen machen will, ist es unerlässlich, dass man auch zeichnen und malen kann«, erläutert Sasha die Frage, ob Tätowierer in ihren Augen Künstler oder Kunsthandwerker seien. »Ich respektiere traditionelle Tätowierer, die sich bei ihrer Arbeit auf die technischen Fähigkeiten konzentrieren, aber das sind in meinen Augen keine Künstler. Sie kopieren alte Vorlagen aus Büchern, aber schaffen nichts Neues. Das sind Handwerker wie Tischler und Schuhmacher auch. Wenn man ein Künstler sein möchte, dann muss man über den gesamten handwerklichen und kreativen Prozesse entscheiden und bei jedem Kunden etwas Neues schaffen. Die Leute sagen ganz unterschiedliche Dinge über meine Arbeit, aber das, was ich mit meinen Fähigkeiten schaffe, ist Kunst. Ich erschaffe etwas von der Idee über den Entwurf und es spielt dabei keine Rolle, ob ich es als Tattoo, für einen T-Shirt-Druck oder als Pin zum Anstecken an die Jacke mache.«

Füchse, ein ganz großes Thema im Portfolio der Künstlerin.
 
Sashas Stil ist einzigartig und unverkennbar und trotz eines No-Copycats-Ethos’ in der Szene kursieren im Netz Arbeiten, bei denen die Grenze zwischen erlaubter Inspiration und plumper Imitation überschritten ist. Für die junge Frau ein großes Ärgernis: »Als hart arbeitender Künstler machen mich diese Möchtegerntätowierer ziemlich sauer. Es ist auch unfair meinen Kunden und den Sammlern gegenüber, sie haben ein Recht auf eine einzigartige Tätowierung und das wird ihnen durch Dritte genommen. Mit ist schon bewusst, dass ich durch meine Internetpräsenz ’ne Menge Menschen erreiche, im Moment folgen mir über 800 000 Leute auf Instagram und Bilder meiner Arbeiten finden sich quasi überall. Aber das gibt keinem Tätowierer das Recht, meine Sachen zu kopieren. Ein Künstler kann sich von den Arbeiten eines Kollegen inspirieren lassen, sollte aber niemals dessen Ideen stehlen.«

Eleganz pur: eine Waserschildkröte in schillernden Farben.

 
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Stand:22 November 2017 08:18:17/t%C3%A4towierer/planet+unisex_171.html