Philippe Fernandez: Tradition ohne Grenzen

23.02.2018  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: Fotos: Philippe Fernandez (Tattoo-Fotos), Philip Nürnberger (Porträt- und Studiofotos)
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Philippe Fernandez: Tradition ohne Grenzen
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Der Spanier Philippe Fernandez kommt 2009 nach Berlin und findet im AKA sein neues Zuhause. Er lernt das Tätowieren und entfaltet seine volle Kreativität. Heute führt er das Tattoostudio, das sich zugleich als besonderer Kunstraum etabliert hat. Philippe spricht über seinen Stil, verwischte Grenzen und darüber, welche Ziele er noch hat.
Philippe, du hast als Grafikdesigner gearbeitet, warst aber schnell gelangweilt davon. Woher wusstest du, dass Tätowieren dir mehr geben kann?
Meine Designausbildung diente mir ohne Frage als großartige Grundlage für den Tätowierberuf. Das Tätowieren bedeutet aber, mehr Kontakt mit Menschen zu haben, und es ist ein viel ausdrucksvolleres Medium, es gibt mir auch mehr Freiheit. Die Verbindung zwischen dem Künstler und dem Kunden ist viel intensiver als bei Designjobs, und weil ein Tattoo für immer bleibt, ist es eine größere Herausforderung – das fasziniert mich.

Philippe im AKA Berlin

Wie verlief dein Weg ins AKA Berlin?
An dem Punkt, an dem ich angefangen habe, mehr zu zeichnen und mich mehr für die Tattookunst zu interessieren, habe ich John Jon getroffen, den Mitbegründer von AKA Berlin. Er hat sich für mich und meine Kunst interessiert und mir die Möglichkeit gegeben, bei AKA zu lernen.

Wie hat AKA dein Leben verändert? Glaubst du, du wärst ohne AKA Tätowierer geworden?
AKA ist seit fast zehn Jahren ein großer Teil meines Lebens. Ich habe dort gelernt, wie man tätowiert, viele großartige Gastkünstler getroffen und meinen Stil entwickelt. Bevor John Jon Anfang 2017 gestorben ist, hat er mir das Studio übergeben. AKA ist jetzt nicht mehr nur mein Zuhause, sondern auch mein Geschäft. Ich fühle eine Verpflichtung gegenüber John, die Vision, die er für AKA hatte, fortzuführen. Ich möchte weiterhin einen zukunftsweisenden, offenen Raum für Tätowierer bieten, in dem sie lernen und wachsen können. Ich weiß nicht, ob ich auch ohne AKA ein Tätowierer geworden wäre – wahrscheinlich schon –, doch der Mensch und Tätowierer, der ich heute bin, bin ich durch AKA.

Philippe hat es am liebsten, wenn seine Kunden pünktlich sind, zuhören und am besten still sitzen. Er selbst strahlt beim Tätowieren eine unglaubliche Ruhe aus.

Welchen Ansatz hast du verfolgt, als es darum ging, das Tätowieren zu lernen?
Mir war es wichtig, über die Geschichte des Tätowierens Bescheid zu wissen, und zu verstehen, dass Künstler schon immer von anderen Künstlern beeinflusst wurden. Aber im Bezug auf Technik und Stil entwickelt man sich eben durch die Praxis weiter, also Learning by Doing. Tätowieren ist ein traditionelles Handwerk, das es zu respektieren gilt. Aber es ist auch wichtig, Grenzen zu überschreiten und letztlich eine Arbeit zu machen, mit der du glücklich bist.

Wenn du ein Tattoo entwirfst, zum Beispiel einen Motivklassiker wie »The Pharaoh’s Horses«, studierst du dafür alte Tattooflashs?
Oft hängt es davon ab, was der Kunde will. Der hat meist eine Idee und Beispielbilder dabei. Es ist wichtig, die Platzierung des Tattoos und die Zusammensetzung der einzelnen Elemente gut abzustimmen. Es ist hilfreich, Flash-Designs von älteren Tätowierern anzuschauen, aber genauso wichtig ist es, deinen eigenen Stil einzubringen. Das ist bei einem sehr traditionellen Motiv nicht immer leicht.

Philippe fühlt sich im Traditional am wohlsten – hier kann er am besten malen und auch tätowieren. Seine Designs mag er dabei klassisch und dennoch modern.

Wie hast du es denn geschafft, überhaupt deinen eigenen Stil zu finden?
Nach ein paar Jahren habe ich festgestellt, dass ich im traditionellen Stil mit klaren Linien und einfachen Designs am besten malen und tätowieren konnte. Traditionelle Motive halten deshalb so lange, weil sie so clean und simpel sind, sie funktionieren sehr gut als Tattoo. Deshalb ist es nach meiner Meinung die beste Lösung, bei einer traditionellen Grundkomposition zu bleiben, der du deinen eigenen Twist mitgeben kannst. Mein Stil hat sich im Laufe der Zeit entwickelt und ich mag es, dass meine Tattoos klassisch, aber trotzdem modern sind. Ich entwerfe Motive von Adlern und Rosen, aber auch von Szenen, Objekten und Figuren, die aus dem heutigen Leben stammen. Ich habe viel Spaß dabei, dieses Nebeneinander auf meine Tätowierungen zu projizieren.

Schwarze Traditionals können schnell rau und maskulin aussehen – wie schaffst du es, dass deine Tattoos ihre eigene, feminine und verspielte Handschrift bekommen?
Ich finde, es ist wichtig, dass Tätowierer in ihrem Stil vielfältig bleiben. Ich kann fette, schwarze Tattoos machen, die vermutlich traditionell als maskulin gelten, aber auch verspielt sein können und meinen Tattoos mehr Weiblichkeit verleihen. So ist das heute: Du hast als Tätowierer viel mehr Freiheiten. Außerdem komme ich aus der Queer-Community und es ist mir sehr wichtig, Grenzen im Bezug auf Sexualität und Geschlechternormen zu verwischen. Ich bin ein schwuler Mann, der von schwuler Kultur beeinflusst ist, was manchmal in meinen Designs zu sehen ist. Aber keine Frage, das Tattoo sollte wirklich zu der Person passen, die es trägt.

»Die Menschen tragen seit Jahrzehnten Tattoos von nackten Frauen – wieso nicht auch von nackten Männern?«, fragt Philippe und möchte mit seinen Motiven vor allem den Dialog eröffnen.

Du hast einmal gesagt: »Jede Reise gleicht einer Evolution und ohne Evolution wird die Arbeit langweilig.« Sind Guest-Spots dein Weg, um Lange weile und Stillstand in deiner Arbeit zu vermeiden?
Im Moment widme ich dem Studio viel Zeit, hoffe aber, in Zukunft wieder mehr Guest-Spots machen zu können. Ich liebe es tatsächlich zu reisen. Das Kennenlernen anderer Menschen und verschiedener Länder und Kulturen hat meine Arbeit beeinflusst. Wenn wir als Menschen wachsen, wachsen wir als Künstler. Ich lerne immer und einer der großen Vorteile von AKA ist, dass wir hier mit sehr vielen anderen Tätowierern zusammenkommen.

Auf Instagram sieht man selten Wanna-dos von dir. Hat das einen Grund?
AKA ist ein Studio, indem überwiegend individuell für den Kunden gearbeitet wird. Und obwohl ich zum Spaß zeichne und Prints mache, verbringe ich doch die meiste Zeit damit, persönliche Designs für die Kunden zu zeichnen und Tattoos zu stechen. Die Leute wollen heute etwas, was nur für sie gemacht ist. Es benötigt viel Zeit, mit ihnen darüber zu sprechen und es für sie ideal umzusetzen. Großartig finde ich, wenn Leute offen für Wanna-dos sind. Ich habe deshalb immer Designs in einem Buch zur Auswahl – doch die Leute neigen dazu, eher etwas für sie Gezeichnetes zu wollen.

Philippe fühlt sich im Traditional am wohlsten – hier kann er am besten malen und auch tätowieren. Seine Designs mag er dabei klassisch und dennoch modern.

Einige deiner Tattoos sind ein bisschen kinky und sexy – ist das reine Provokation?
Sex ist ein normaler Bestandteil des Lebens. Ich habe Sexualität in meine Designs gebracht, um einen Dialog zu beginnen. Diese Tattoos sollen viel mehr spielerisch als provokant sein. Und außerdem: Die Menschen tragen seit Jahrzehnten Tattoos von nackten Frauen, warum nicht auch von nackten Männern? Es ist zudem ein Weg, meine Kunst persönlich zu halten und die Grenzen des traditionellen Tätowierens zu verschieben.

Wanna-dos oder spezifische Kundenwünsche: Was tätowierst du lieber?
Ich würde nicht wählen wollen. An manchen Tagen ist es schön, ein Design so zu tätowieren, wie du es willst. An anderen Tagen ist es schön, mit der Idee des Kunden zu arbeiten. Die Kunden sind der Start- und Endpunkt jeder Tätowierung und die Interaktion mit ihnen macht einen großen Teil des Jobs aus. So oder so würde ich aber kein Tattoo machen, von dem ich nicht überzeugt bin, dass es gut aussieht und gut altern wird. Ich muss mit einem Design völlig zufrieden sein, bevor ich es tätowiere.

Philippe fühlt sich im Traditional am wohlsten – hier kann er am besten malen und auch tätowieren. Seine Designs mag er dabei klassisch und dennoch modern.

Du hast für die #Standforsomething-Kampagne mit Dr. Martens zusammengearbeitet und eine eigene Shirt- und Jackenlinie rausgebracht. Hast du weitere Pläne im Modegeschäft?
Mit Dr. Martens habe ich vor ein paar Jahren zusammengearbeitet. Sie baten mich, ein Design zu entwerfen, das auf einem ihrer Boots gut aussehen würde; als Teil einer Serie, in der auch andere Tätowierer und Illustratoren vertreten waren. Wir haben dazu ein Event im AKA veranstaltet, diese Erfahrung war interessant. Etwas für einen Schuh zu designen ist anders, als ein Motiv für den Körper eines Menschen zu zeichnen. Das Gleiche gilt für meine Klamottenlinie, die im vergangenen Jahr erschienen ist. Sie ermöglicht mir mehr Freiheit in Sachen Design und Motivplatzierung. Ich habe vorher schon viele T-Shirts designt, wollte nun aber mit Stickereien arbeiten und herausfinden, wie man sonst noch Tattoozeichnungen auf Kleidern anbringen kann. Für die Zukunft plane ich, noch mehr Mode zu machen. Ich mag es sehr, eine Idee zu haben und sie durch den Fertigungsprozess bis zum Endprodukt zu begleiten. Und es gibt noch viel mehr, was ich ausprobieren möchte.

Philippe, zum Abschluss: Fünf Dinge, die dir in den Sinn kommen, wenn du an Berlin denkst?
Freiheit, Gemeinschaft, Kunst, Sex und Techno.

Philippe im AKA Berlin


Kontakt:

AKA Berlin
Pflügerstraße 6
12047 Berlin
030 55642195
Facebook: Philippe Fernandez
Instagram: @philippefernandez
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