Viking-Special: Nordic Grunge – Tätowierer Uffe Berenth

23.03.2016  |  Text: Dirk-Boris  |   Bilder: Uffe Berenth
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 Viking-Special: Nordic Grunge – Tätowierer Uffe Berenth
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Uffe Berenth versucht nicht, seelenlose Kopien alter Muster und Motive aus der Zeit der Wikinger zu tätowieren. Mit einem tiefen Verständnis für nordische Mythologie und großem Respekt vor den Kräften der Götter und der Natur erschafft er moderne Interpretationen überlieferter Geschichten und erweckt sie zu neuem Leben.
Uffe, seit wann arbeitest du bei Kunsten pa Kroppen in Dänemark?
Kai-Uwe Faust hat ja das Studio im Januar 2015 von Erik Reime übernommen, der nach beinahe dreißig Jahren in den Ruhestand gegangen ist. Und ich bin dann im Mai dazu gekommen. Und damit schließt sich ein Kreis, denn ich hab mein erstes Tattoo bei Kunsten pa Kroppen bekommen, vor zwanzig Jahren. Und von diesem Studio aus startete Erik ja auch die Wiederentdeckung des traditionellen nordischen Tätowierens.

Uffe arbeitet gerne von Hand.

Warst du immer schon Tätowierer oder hast du davor noch etwas anderes gemacht?
Ich bin eigentlich gelernter Grafiker, aber nachmeinem Examen wurde mir klar, dass ich nicht in der karrieregeilen Welt des Marketing landen wollte. Also schuf ich mir meinen eigenen Übergangsritus, meinen rituellen Eintritt ins Erwachsenenalter, und reiste nach Schottland. Ungefähr ein Jahr lang lebte ich in den Straßen von Edinburgh und in den Highlands und hielt mich mit Schwertfechten und Geschichtenerzählen über Wasser. In der Zeit entwickelte ich mich zum Mann.
Zurück in Dänemark entdeckte ich humanitäre Arbeit für mich und arbeitete von 2000 bis 2005 als Minenräumer in Ländern wie Tschetschenien, Eritrea, Sudan und Angola. Ich dachte zunächst, dass es das ist, was ich mit meinem Leben machen wollte, aber es vertrug sich natürlich nicht mit dem Familienleben. Aber wenn ich von der Zeit, in der ich humanitäre Arbeit geleistet habe, eines gelernt habe, dann das, dass Menschen auf der ganzen Welt gleich sind, sie haben die gleiche Liebe, die gleichen Sorgen. 

Ich arbeitete dann als Lehrer, arbeitete mit Problemkindern, mal dies, mal das. Aber ich war auch schon immer handwerklich inte­ressiert und hab mit Leder gearbeitet, Wände bemalt, Holzskulpturen angefertigt. Aber irgendwie hat es nirgends »Klick« gemacht. Und eines Tages sagte ein Freund zu mir: »Weißt du, was du machen solltest? Du solltest Wikingertattoos stechen!«. Daraus kristallisierte sich unmittelbar eine sehr starke Inspiration und mir wurde klar, dass er recht hatte und das genau das war, was ich tun sollte und was ich auch seither mache.

In viele seiner Arbeiten hat Uffe Runen eingearbeitet.

Du nennst deinen Stil Nordic Grunge – wie kamst du denn darauf?
Ein Kunde aus den USA hat den Begriff eigentlich aufgebracht, aber ich finde er spiegelt das ganz gut wider, diese naturalistischen, grungigen, leicht dreckigen Aspekt von historischer und prä-historischer Kunst. Es drückt das aus, was man fühlt, wenn man diese alten Kräfte aus der Tiefe herauszieht und sie in einer neuen Interpretation, aber mit der Patina der Vergangenheit und der Kraft der Erde ans Licht kommen. 

Was fasziniert dich so an der nordischen Mythologie?
Es gibt in der nordischen Mythologie nicht diesen Dualismus, und der Mensch ist untrennbar mit der Welt verbunden, er ist Teil eines Netzes verschiedener Kräfte. Dieses alte Konzept von der Welt ist lebendiger, komplexer und vermittelt auch eine größere Verantwortung in Bezug auf unser Verhältnis zur Natur als modernere Sichtweisen. 
Bei Mythologie denken viele an eine Konfrontation von Gut und Böse wie bei Tolkien oder Harry Potter, aber die nordische Religion betrachtete die Welt nicht so. Die Götter sind mit den Trollen und Riesen in vielfältiger Weise verbunden; sie bekämpfen sie zwar, aber sie lernen auch von ihnen, handeln mit ihnen, heiraten untereinander und bekommen Kinder. Ich denke, unsere Vorfahren sahen die Welt als ein kunstvolles Geflecht schöner, aber auch gefährlicher Kräfte. Die Kräfte, die die Welt antreiben, das sind die Drachen, Riesen, die Midgardschlange, die Götter und die Nornen, die die Schicksalsfäden spinnen. Schöne, mächtige und gefährliche Wesen. 
Und diese dynamische Beziehung zwischen Kultur und Natur sieht man auf vielen historischen Bildern. Und wenn ich meinen Kunden Drachen, Wölfe oder Masken tätowiere, versuche ich nicht Bilder zu kopieren, die ein vollkommen anderes Volk vor tausend Jahren erschaffen haben. Ich versuche meinen Beitrag zu einer Tradition zu leisten, indem ich die Ideen und Denkweisen in unsere heutige Welt übertrage, die Vorstellung, dass wir mit der Welt und den Kräften, die sie antreiben, verbunden sind. Dass die Welt ein Gewebe schöner, monströser, kraftvoller Mächte ist. Heute sehen wir uns an der Spitze einer Pyramide und wir denken, wir stünden über allem, können alles benutzen und aufbrauchen. Aber das funktioniert so nicht. Wir haben vergessen, dass wir ein Teil von allem sind. 

In der nordischen Mythologie gibt es die Vorstellung von Totem-Tieren, ähnlich der bei den Indianern Nordamerikas.

Das heißt, dir geht es nicht um die Authentizität und Reproduktion von Tattoos, wie es sie zur Wikingerzeit gegeben haben könnte?
Authentizität ist ein komischer Mythos, der in Bezug auf künstlerischen Ausdruck nicht hilfreich ist. Man kann sich auch fragen, ob sich die Forderung nach historischer Authentizität nicht selbst eliminiert, denn sie beruht ja darauf, dass man etwas zu sein versucht, was man nicht ist. Es definiert, wie du eine bestimmte Rolle spielst – was sich für mich nicht besonders authentisch anhört. Ich bemühe mich darum, dass meine Tattoos eine Sichtweise und einen Geist spiegeln, der etwas mit unserer Vergangenheit gemeinsam haben könnte. 

In der TV-Serie »Vikings« sieht man ja auch Tattoos. Ist es vorstellbar, dass Tätowierungen im skandinavischen Frühmittelalter wirklich so aussahen?
Möglich ist es, aber man kann es nicht wissen. Die Quellenlage zu Tattoos aus dieser Zeit ist dürftig. Der berühmte arabische Reisende Ahmad Ibn Fadlan hat ja im zehnten Jahrhundert die Rus beschrieben, wikingische Händler, die an der Wolga siedelten. Er beschreibt sie als »Groß wie Palmen, blond und mit rötlicher Haut. Von ihren Zehen bis zum Hals tragen sie (Tätowierungen von?) grünen Bäumen, Bilder und anderen Figuren«. Ich fand einige Tattoos in der ersten Staffel von »Vikings« ganz inspirierend. Ich würde denken, dass die Wikinger wahrscheinlich eher noch mehr Tattoos trugen.

Runen-Schnee: aus Runen und Zauberzeichen zusammengesetzte Symbole.

Einige Motive wie die isländischen Galdrastafir, Runen oder Binderunen, also Kombinationen mehrerer Runenzeichen zu einem Zauberzeichen, sind ja mit Magie und abergläubischen Vorstellungen verknüpft. In einigen Sagas wird ja auch beschrieben, dass solche Symbole in die Haut geritzt oder tätowiert wurden. Wie wichtig ist dir dieser magische Aspekt von Tätowierungen?
Ich nehme diesen Aspekt sehr ernst. Es gibt die Erzählung vom Runenmagier Egill Skallagrimsson, der ein Mädchen eben noch vor dem Tod bewahren konnte, weil jemand falsche oder fehlerhafte Runen für sie geschnitten hat. Runen verstehe ich als physische Manifestation der Worte, mit denen der Schöpfergott Realität erzeugt. Man sollte damit also nicht leichtfertig hantieren, geschweige denn sie sich unbedacht tätowieren lassen. Das ist einer der Gründe, weswegen ich Führung und Schutz meiner eigenen Fylgia (eine Art Totem oder persönliches Schutzwesen, Anm. d. Red.), während der Arbeit benötige. 

Einem amerikanischen Kunden habe ich Binderunen tätowiert. Er und sein Vater haben ihr Leben der Wiederansiedelung von wilden Büffeln gewidmet. Die Binderune war ein Schutz für ihn und die Büffel und sollten ihn und die Herde verbinden. 
Einzelrunen und Galdrastafir verbinde ich mit den Fäden der Nornen, der Schicksalsgöttinnen. Das ist eine sehr kraftvolle Art Runen zu benutzen und ich bin da sehr gewissenhaft, da es einen großen Einfluss auf das Leben eines Menschen haben kann. 
Ein Kunde bat mich um ein Galdrastafir-Symbol für Vergebung, Liebe und Reinheit; er hatte als Soldat Menschen getötet und das lastete schwer auf ihm. Später schrieb er mir, dass ihm nach dem Tätowieren im Traum die Göttin Frejya erschienen sei, dass er ihre Liebe und Vergebung gespürt habe und sie ihm einen Weg aufgezeigt habe, anderen Menschen zu helfen und zu heilen. 

Die Schlange windet sich um einen Runenstab.

Oft benutzen Leute ja als Zusatz zu Thorhämmer oder anderen Motiven, die der Wikinger-Kultur zuzurechnen sind, das alte Futhark-Runensystem der Völkerwanderungszeit, weil das eben mehr Laute darstellt als die jüngere Futhark-Runenschrift und dadurch besser kompatibel mit modernem Deutsch oder Englisch ist, obwohl die jüngeren Runen historisch eigentlich korrekter wären?
Vom historischen Gesichtspunkt aus gesehen ist die Kritik berechtigt, aber wenn man Authentizität als Maßstab anlegt, muss man sagen, dass diese ohnehin nicht erreichbar ist. Ich benutze Runen, ich führe eine Tradition fort. Ich habe kein Interesse daran, etwas aus einer vergangenen Zeit, die wir ohnehin nie völlig verstehen werden, einfach nur zu kopieren. Ich würde sogar sagen: indem man versucht, ein vergangenes Zeitalter mit historischer Präzision zu replizieren, wäre das eigentlich in Wirklichkeit ein Bruch mit der Tradition. 

Beim traditionellen japanischen Tätowieren kommt es stark darauf an, dass die verschiedenen Motive innerhalb eines Tattoos in bestimmter Weise miteinander verbunden sind. Ist das eine Parallele zu deiner Art von nordischen Tattoos?
Ohne dass ich jetzt ein Experte für japanische Tattoos bin, klingt das, als ob ich dem zustimmen kann.  Ich arbeite in meinen Tattoos ja mit nordischen Archetypen wie den Jötunen (Riesen), Drachen, dem Urriesen Ymir, Odins Vater Bör, Odin und seine Brüder Vili und Vé, die Nornen Skuld, Verdandi und Urd … Und alle sind auf bestimmte Art und Weise miteinander verbunden, befreundet oder verfeindet. 

Die Maske des Gottes Heimdal vibriert vom Schall seines Gjallarhorns.

Basieren deine Designs auf archäologischen Funden oder entwirfst du sie ganz eigenständig?
Ich lasse mich größtenteils durch historische Funde sogenannter Wikingerkunst inspirieren, die man in sechs Stile unterscheiden kann: Oseberg, Borre, Jelling, Mammen, Ringerike und Urnes. 
Bevor ich zu Kunsten pa Kroppen kam, arbeitete ich mit Peter Madsen im Studio Meatshop Tattoo, wo wir viele Kooperationen im Mammen-Stil machten. Peter hat gerade in Bezug auf diesen Stil neue Möglichkeiten geschaffen und das war eine große Inspiration für mich. Der Mammen-Stil ist sehr maskulin im Vergleich zum Urnes-Stil, den die meisten kennen und der eher elegant ist und einen beinahe elfenartigen Ausdruck hat.

Keltische Knotenmuster und nordische Ornamente werden ja oft in einen Topf geworfen?
Ab dem 9. Jahrhundert gab es eine starke wechselseitige Beeinflussung zwischen beiden Kunststilen, ab dieser Zeit wurde die Kunst auch durch die Christianisierung geprägt. Auch wenn die Knotenmuster aus dieser Zeit technisch sehr weit entwickelt sind, finde ich sie nicht besonders interessant. Mir gefallen eher ältere keltische Stile wie der La-Tène-Stil, das inspiriert mich und erinnert mich an bronzezeitliche Kunst aus Skandinavien.  

Stattlich und stolz trägt dieser Mann sein Tattoo von Uffe.

Tätowierst du von Hand oder mit Maschine?
Sowohl als auch, manchmal auch mit beiden Techniken innerhalb eines Tattoos. Ich arbeite gern von Hand, es ist völlig anders als mit Maschine, ganz ruhig, beinahe meditativ. Aber die Geschwindigkeit und auch den Ausdruck, den mir die Maschine ermöglicht, das geht eben nicht von Hand. Aber ich lerne noch und meine Handarbeiten werden stetig schneller und präziser. Es ist eine tolle Sache und große Inspiration mit Kai-Uwe Faust zusammenzuarbeiten, der ein Meister des Handtattoos ist, und einen weiteren Meister, nämlich Colin Dale, in Laufweite zu haben. 

Kai-Uwe Faust, Colin Dale, Erik Reime und du, ihr arbeitet ja alle mit der nordischen Thematik, aber habt doch deutlich unterschiedliche Stile?
Vor ein paar Jahren hätte ich noch nicht mal davon geträumt, zusammen mit diesen drei Künstlern in einem Atemzug genannt zu werden. Ich bewundere diese Künstler sehr. Erik Reime, der sich ja zurückgezogen hat, tätowierte sehr kraftvolle, große Lindwürmer und hatte einen ganz rauen Dotwork-Stil. Colin hat einen sehr dichten, präzisen Hand-Tattoo-Stil und starke, anmutige Drachen. Kai-Uwe hat seinen stillen, schamanistischen Ansatz, seine Flechtknoten sind perfekt und er hat ein enormes Wissen über viele Aspekte des nordischen Tätowierens. 
Ich möchte aber auch noch meine Kollegin Patricia Campos erwähnen. Ihre Nordic Tattoos haben einen schönen femininen Touch, und von Just Sofie, Colin Dales erster Schülerin, wird man bestimmt auch noch einiges hören. 

Und mein Stil … ich würde sagen, es sind oft zeitgenössische Interpretationen alter Themen. Ich mag den Mix aus greifbarem Naturalismus mit einem ornamentalen Touch. Und ich denke, mein Stil ist vielleicht ein bisschen düsterer. Am besten wäre es, wenn das jemand anders beschreiben würde.
Ich fühle mich, als ob ich auf den Schultern von Riesen stehe, gesegnet von den Göttern. Und meine Reise hat eben erst begonnen! 

Auf der Odinsmaske sind auf Stirn und Wangen Runen angebracht.
 






Uffe Berenth über Asatru und die nordischen Götter
Ich würde mich nicht als Asatru, als Asen-Gläubigen bezeichnen, mir ist der Begriff zu überladen und er impliziert eine Religion mit Dogmen und Ritualen. Wenn man sich für Asatru entscheidet, aber dann aus der Gewohnheit heraus über andere Glaubenssysteme urteilt, begeht man meiner Meinung nach einen groben Fehler und die Chance auf echte spirituelle Erfahrung geht unmittelbar verloren. 
Weltanschauungen indigener Kulturen, was meine eigene Herkunft einschließt, sind für mich in spiritueller Hinsicht sinnvoll, und das ist auch zum großen Teil mein Antrieb, wenn ich tätowiere.
Für mich hat das Ganze auch viel mit Angst zu tun. Jedes Mal, wenn ich ein neues Projekt beginne, vespüre ich Angst, es ist wie Lampenfieber. Im ersten Jahr als Tätowierer war diese Angst so groß, dass sie mich völlig terrorisierte, bis an den Punkt, dass ich beinahe alles hingeschmissen hätte, und das mehrmals pro Woche. Ich habe inzwischen gelernt, diese Angst als die Präsenz einer Kraft zu verstehen. Die besten Stücke, die ich gemacht habe, waren die, vor denen ich regelrechte Panik hatte, denn manchmal gelingt es mir einfach loszulassen und eine Kanal für etwas zu werden. Es fühlt sich für mich so an, als ob dieses Etwas eine Art nordische Gottheit oder Geisterwesen ist – aber ich bin überzeugt, dass genau dasselbe jedem passiert, der es schafft, beiseite zu treten und zulässt, dass diese Kraft das Ruder übernimmt.
Wenn ich an einem Bild arbeite, das einem bestimmten Gott oder einer Fylgia, also einem Geisterwesen, zugeordnet ist, dann bete ich zu diesem Wesen, und dann spüre ich, wie die Hilfe ankommt.
Ich hab mal eine Maske tätowiert, die Heimdal gewidmet ist, er wird meist mit seinem Horn, dem Gjallarhorn, dargestellt. Heimdal bewacht die Himmelsbrücke Bifrost, die nach Asgard führt, dem Sitz der Götter. Heimdal wird dir das Tor öffnen – oder eben auch nicht. Er ist der Erste, den du treffen wirst, daher macht es unter religiösen Gesichtspunkten Sinn, ihn als Ersten anzurufen, um über die Brücke zu gelangen. 
Ich hatte also an dem Entwurf gearbeitet, aber ich kam nicht wirklich voran. Als der Kunde ins Studio kam, erklärte ich ihm, dass ich auch Heimdals Horn im Tattoo darstellen will, aber es nicht hinbekomme. Ich sagte dem Kunden also, ich fang einfach an zu zeichnen, wir werden sehen. Während ich zu zeichnen begann, bat ich Heimdal um Unterstützung. Die Maske zeichnete sich ab diesem Punkt wie von selbst, ich hatte sie innerhalb von zwanzig Minuten fertig. Und der Ton von Heimdals Horn ist im Design sichtbar, als ob die ganze Maske das laut ertönende Gjallarhorn wäre.
Inzwischen ist diese Angst, die ich in solchen Situationen verspüre, sehr nahe am Gefühl von grenzenloser, ekstatischer Freude. Weil ich praktisch gar nicht mehr da bin, weil ich nicht mehr wichtig bin. Was wichtig ist, ist das, was viel, viel größer ist als ich, größer und interessanter als alles, was ich je sein werde oder tun könnte.
Die, die wissen worüber ich spreche, werden es nachvollziehen können. 
Ich versuche also, einen heiligen Bezirk für mich und meinen Kunden zu schaffen, um diesen Kanal zu öffnen. Ich versuche, mich diesem mehr und mehr zu öffnen. Und zu meiner Überrasch­ung fühlen meine Kunden das auch und akzeptieren es. Man nimmt es wahr, wenn es da ist, auch wenn man es nicht benennen kann. Und es war schon immer bei uns. 
Das Interesse an nordischer Mythologie ist derzeit sehr groß und viele finden es cool, sich einen Thorhammer umzuhängen. Daran ist nichts verkehrt, ich hab ja selbst einige gemacht. Aber Thor, Loki – das sind nur Namen für bestimmte Kräfte. Und da drängt sich die Frage auf, können uns diese Kräfte und Konzepte in unserer heutigen Welt nützlich sein? Ich denke, dass das ganz sicher so ist, deswegen haben diese alten Anschauungen heute wieder so viel Zulauf.



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Stand:22 November 2017 08:23:58/t%C3%A4towierer/nordic+grunge_163.html