NEOs Welt

24.07.2015  |  Text: Pascal Bagot (Instagram: @pascalbagot) Übersetzung: Heide Heim  |   Bilder: Pascal Bagot, Neo
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In seinem kürzlich eröffneten Privatatelier in Zürich kanns sich Neo voll auf seine ausgefeilten Tattookompositionen konzentrieren. Grafik-, Tribal-, Neo-Traditional, Comic- und Graffiti-Style verwebt er zu meist großflächigen, auf dem Körper fließenden Tätowierungen.


 
Geometrische Strukturen kennzeichnen zur Zeit seine Arbeiten. Daneben verwebt er Grafik-, Tribal-, Neo-Traditional, Comic- und Graffiti-Style zu meist großflächigen, auf dem Körper fließenden Tätowierungen.Geometrische Strukturen kennzeichnen zur Zeit seine Arbeiten. Daneben verwebt er Grafik-, Tribal-, Neo-Traditional, Comic- und Graffiti-Style zu meist großflächigen, auf dem Körper fließenden Tätowierungen.

 
Du hast letzten Oktober dein erstes eigenes Studio in Zürich eröffnet. Welche Vorteile hat das Privatatelier für dich?
Ich brauchte einen ruhigen Platz, einen Ort, wo ich mich zuhause fühlen kann und wo es auch für den Kunden angenehm ist. Für meine geometrischen Sachen muss ich mich konzentrieren können. Je älter ich werde, umso leichter lasse ich mich ablenken, also muss ich mich besser strukturieren. Und das fällt mir in dieser Umgebung leichter. Ich kann den Arbeitsprozess nach meinen Vorstellungen optimieren und all die für mich notwendigen Regeln und Strukturen festlegen.
Tätowieren ist ja ein Austausch zwischen mir und dem Kunden, es ist ein kreativer Prozess, der für mich in einem ruhigeren Ambiente viel besser funktioniert. Ständige Walk-in-Gespräche zerstören dieses zarte Pflänzchen, das da gedeiht. Wenn sich eine intime Schaffensebene mit dem Kunden entwickelt, ist es regelrecht magisch. Ich schätze das sehr, da ich auch meine Kreativität und Inspiration daraus schöpfe.

 
Comicelemente in geometrischen Strukturen; Neo verlässt gern ausgetretene Pfade und probiert Neues aus. Comicelemente in geometrischen Strukturen; Neo verlässt gern ausgetretene Pfade und probiert Neues aus.

 
Tätowierer streben häufig danach, sich auf einen Stil zu spezialisieren. Du arbeitest nach wie vor in unterschiedlichen Stilrichtungen. Warum?
Sie sind alle interessant, sie sind alle unterschiedlich und ich bin der Meinung, dass man aus allem, was einen interessiert, etwas lernen kann. Ich mag es Stile miteinander zu kombinieren, bei denen es nicht so offensichtlich ist, dass sie zueinander passen. Ich versuche Brücken zu bauen und hoffe, dass das Ergebnis etwas Neues und Interessantes wird. Ich will mich da auch selber überraschen können.
Ich nehme beispielsweise Tribal-Tätowierungen wirklich ernst; sie sind sehr schwierig zu konzipieren. Schon sehr früh haben mich da Leo Zuluetas Arbeiten beieindruckt: fett-schwarze Tätowierungen, einfach und klar strukturiert. Ein »gutes« Tribal zu zeichnen, ist sehr schwierig. Man muss drei oder vier gute Bewegungen finden, die wirklich zueinander passen. Es braucht ein sehr gutes Gefühl für Proportion und Ästhetik. Aber auch Traditional-Tätowierungen interessieren mich – obwohl sie mir gar nicht gefallen, aber sie sind simpel und kräftig, wohingegen ich mich gern in zu vielen Linien und Details verliere. Auf der anderen Seite lehne ich Regeln ab, die besagen, wie man etwas tun soll oder nicht, das führt zu Konformität. Die Tattoos sehen dann alle gleich aus und das langweilt mich. Ich arbeite auch gerne architektonische Einflüsse in meine Tattoos ein, Räumlichkeiten und Oberflächenstrukturen; die meist starre Architektur kombiniere ich mit fließender Dynamik, der Bewegung des Körpers, daraus ergeben sich spannende Dinge. Ähnlich wie beim Graffiti, wo unbewegliche Buchstaben dynamisch umgesetzt werden.

 
Auch ein sich ständig wiederholendes Muster kann dynamisch wirken, wenn man es durch Abstufung von hell zu dunkel variiert.Auch ein sich ständig wiederholendes Muster kann dynamisch wirken, wenn man es durch Abstufung von hell zu dunkel variiert.


Woher kommt deine Faszination für die Geometrie?
Ich habe einen sehr spirituellen und philosophischen Zugang zu diesem Thema. Geometrie ist nicht modern, sie ist nicht alt, sie war schon immer da. Sie ist eine Vorstellung, die Sprache der Schöpfung. Geometrie ist weder gut noch schlecht, und trotz ihrer technischen Klarheit voller Leben und Inspiration. Geometrie ist die bildliche Darstellung der Mathematik, der Welt der Zahlen. Ich denke, ich werde sie bis zum Ende meines Lebens studieren.
 
 
Konzentration findet Neo in seinem neuen Privatatelier in Zürich.KONTAKT
NEO
Zürich, CH
www.neoloves.me
facebook.com/neotattoos

Der vollständige Artikel ist in der August-Ausgabe 2015 des TätowierMagazins zu lesen.
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