Natürlichkeit geht gar nicht!

27.03.2015  |  Text: Dirk-Boris  |   Bilder: Myra Brodsky, Christopher Krätzmann (Porträts)
Natürlichkeit geht gar nicht! Natürlichkeit geht gar nicht! Natürlichkeit geht gar nicht! Natürlichkeit geht gar nicht! Natürlichkeit geht gar nicht!
Natürlichkeit geht gar nicht!
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Myra Brodsky findet, dass Tattoos am besten nichts mit ihrem Träger zu tun haben sollten, hat kein Problem damit, wenn jemand ihre Motive klaut, findet Natürlichkeit ganz schrecklich und bearbeitet alle ihre Tattoofotos mit Photoshop.
Hurra, endlich mal eine Tätowiererin, die einem nicht zum hundertsten Mal erzählt, dass sie als Kind schon gern gezeichnet hat!

 
Jung, dynamisch und nicht auf den Mund gefallen: Myra Brodsky.Jung, dynamisch und nicht auf den Mund gefallen: Die Berliner Tätowiererin Myra Brodsky.

 
Selbstkritik und Einsicht sind Tugenden, über die nicht alle Tätowierer im Übermaß verfügen. Myra, 27, hat dagegen in Bezug auf ihre ersten Arbeiten keine rosa Brille auf, hat aber auch genug Selbstbewusstsein, um auf ihre jetzigen Arbeiten stolz zu sein. »Mittelmäßig war ich nie; ich war am Anfang einfach grottenschlecht und hab richtig beschissene Tattoos gemacht, die sich auch entzündet haben. Mit Kunden, die ihr Geld zurück verlangt haben und all so was – da hab ich richtig in der Scheiße gesteckt. Mit 19, 20 hab ich begonnen zu tätowieren, und das ging schon so drei, vier Jahre, dass ich Leute richtig verunstaltet hab. In der Zeit kommen andere richtig voran, aber bei mir ging gar nichts. Und danach war ich dann richtig gut. Dazwischen gab’s nix«, erklärt sie. »Es gab da einfach diesen Moment, in dem es ›klick‹ gemacht hat, und dann wusste ich, wie’s geht.«
 
Myras Designs sind Idealbilder, es geht nicht um die wissenschaftlich-botanisch korrekte Wiedergabe einer Blüte.
Die Tätowierungen der jungen Berlinerin sind dekorative Schmuckstücke mit einem guten Schuss Nostalgie.Die Tätowierungen der jungen Berlinerin sind dekorative Schmuckstücke mit einem guten Schuss Nostalgie. Myra betont, dass ihre Designs Idealbilder sind, es geht ihr nicht um die wissenschaftlich-botanisch korrekte Wiedergabe einer Blüte.

 
Tattoojob neben dem Studium
Eine richtige Ausbildung hat sie jedoch nie gemacht: »Das meiste hab ich von meiner Freundin Sonja gelernt, der gehört ›Der frische Lutz‹ in Rummelsburg. Ich hab zwar auch andere gefragt, aber da wollte einem keiner was zeigen oder erklären. Und Sonja hat mir dann einiges zu Nadeln und Maschinen gezeigt.« Ihre ersten Tattooversuche führte sie – ganz so, wie es früher üblich war – auf dem eigenen Oberschenkel durch. »Das sieht jetzt natürlich grauenvoll aus«, konstatiert sie dazu trocken. Dass sie Tätowiererin werden wollte, wusste Myra schon im Alter von 15 Jahren, doch im Gegensatz zu anderen Teenies, die heute Model, morgen Tätowierer und übermorgen Fashion-Designer werden wollen, war es Myra damit völlig ernst. »Ich komme aus einer ziemlich religiösen Familie«, erklärt sie, »und meine Eltern waren davon natürlich gar nicht begeistert. Ich habe meinen Eltern zuliebe Abitur gemacht und visuelle Kommunikation studiert und das Studium auch mit dem Bachelor abgeschlossen. Aber schon während des Studiums hatte ich praktisch zwei Jobs, denn ich hab nebenher schon von Sonja gelernt, hatte später auch einen Job in einer Agentur und gleichzeitig in einem Studio gearbeitet – davon wussten meine Eltern aber nichts.«
 
 
KONTAKT
Myra Brodsky
The Decay Parlor
Rykestraße 35
10405 Prenzlauer Berg
meibrent@hotmail.com
www.facebook.com/myrabrodskytattoo
www.myrabrodsky.com

Der vollständige Artikel ist im TätowierMagazin 04/2015 nachzulesen.
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Stand:22 November 2017 08:27:31/t%C3%A4towierer/natuerlichkeit+geht+gar+nicht_152.html