Modern Traditional Japanese – Tätowierer Acelates

21.07.2016  |  Text: Marco Annunziata, Übersetzung: Julia Fähndrich  |   Bilder: Acetates
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Modern Traditional Japanese – Tätowierer Acelates
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Ein Tätowierer mit rumänischen Wurzeln, einem spanischen Herzen und einer unkontrollierbaren Leidenschaft für Japan. So soll er sein, der perfekte Tätowierer, der unkonventionelle Japan-Style-Motive sticht. Und so ist Acetates.

Seine Anfänge

Acetates kam vor 29 Jahren in Plasencia (Provinz Cáceres) in der südwestspanischen Region Extremadura zur Welt. Die verblassten, bläulichen Darstellungen von sexy Frauen auf den schrumpeligen Armen des Bruders seiner Großmutter waren die ersten Tattoos, die er sah. Und sie weckten seine Neugier auf Tattoos schon im Kindesalter.

Ein Tätowierer mit rumänischen Wurzeln, einem spanischen Herzen und einer unkontrollierbaren Leidenschaft für Japan.

Als Jugendlicher malte er und sprühte mit seinem Künstlerkollegen Edu Graffiti. Eines Tages zeigte Edu ihm ein paar seiner Tattooentwürfe, die ihn nachhaltig beeindruckten. Mit achtzehn verbrachte er jede freie Minute seines Werbestudiums mit Zeichnen. 
Die ersten Tätowierungen, die er an sich selbst und seinen Freunden ausprobierte, waren zumindest interessant. Sein erstes richtiges Tattoo bekam er von Morse aus Madrid. Direkt danach kaufte er sich seine erste Tattoomaschine, die er sowohl für Linien wie auch für Shadings verwendete. Seitdem legte er jeden Cent zur Seite und gab sein Geld nur noch für Tattooequipment und Reisen aus. Ohne handfeste Ausbildung in einem Studio musste er einen etwas anderen Weg gehen. Also ließ er sich von Künstlern tätowieren, die er mochte, und suchte erfahrene Tätowierer, die bereit waren, ihm die Basics beizubringen – der Rest war dann Versuch und Irrtum. Schließlich tätowierte er drei Jahre später bereits seinen ersten Kunden in einem Tattoostudio.

Der Weg hin zum eigenen Stil

Eine Kunsthochschule hat Acetates nie besucht. Aber durch sein Studium kam er viel mit Visual Arts in Kontakt. Als er dann anfing zu tätowieren, inspirierten und beeinflussten ihn vor allem japanische Holzdrucke von Kunichika, Kuniyoshi, Keisai Eisen, Kunisada und die etwas zeitgenössischeren Künstler Masami Teraoka oder auch Tom of Finland. Zudem fand er in Tätowierern wie Bill Canales, Johan Svahn, Bart Bingham, Luke Stewart, Dan Sinnes, Miyazo oder Ichibay Vorbilder. Sein ausgeprägtes Wissen über Kunstgeschichte und seine soliden Mal- und Zeichenskills waren ihm eine große Hilfe bei den Vorlagen, auf Basis derer er seinen eigenen Stil entwickelt. 

Auch in seinen Zecihnungen zeigen sich die Einflüsse japanischer Holzdrucke.

»In diesem Business wird es immer Künstler und Handwerker geben. Ich selber bezeichne mich eher als Letzteres, denn was ich tue, ist, bestehende Vorlagen aus der traditionellen, japanischen Bilderwelt zu suchen, um diese dann mit meinen eigenen Ideen zu vermischen. So entsteht dann etwas Andersartiges, was es vorher noch nicht gab. Erst die richtige Vorlage verleiht dem Tattoo sein eigenes Etwas. Aber es kann immer auch kompliziert und verwirrend sein, nach Möglichkeiten zu suchen, eine Vorlage originell und einzigartig zu machen. Besonders bei traditionellen Vorlagen.«

Aber Tattoos sind nicht die einzige Kunstform, die ihn interessiert. Acetates liebt die Fotografie. Besonders Sebastiao Salgado hat es ihm angetan. Außerdem begeistern ihn japanische Modedesigner wie Issey Miyake, Mihara Yasuhiro und Yôji Yamamoto. Wahrscheinlich betrachtet er seinen Stil deshalb als Mash-up: Er ist eben ein Mix aller möglichen Elemente, die ihm gefallen, und die er dann in eine Darstellung im Japanlook verwandelt. 

Auch Acetates nutzt gerne Komplementärkontraste, um seine Motive zu akzentuieren.

»Ich versuche mich wirklich mit japanischem Tätowieren auseinanderzusetzen und mich auf diesen Stil zu konzentrieren. Meine Kunden wissen meine Nachforschungen zu schätzen und möchten auch nur diese Arbeiten gestochen haben. Für einige Japaner könnte das, was ich mache, ein bisschen strange wirken oder zu innovativ. Aber ich habe großen Respekt vor der japanischen Kultur und ich muss sagen, die jüngeren Tätowierer aus Japan, zumindest die, die ich auch persönlich kenne, finden meine Arbeiten originell und frisch.«

Es gibt keinen bestimmten Grund dafür, dass Acetates ausgerechnet zum Japanstil gekommen ist. Aber es ist durchaus denkbar, dass die Woche im Full Circle Tattoo in San Diego, wo er mit Bill Canales und anderen herausragenden Japanstilexperten zusammengearbeitet hat, einen gewissen Einfluss auf ihn ausgeübt hat. 

»In dieser Zeit habe ich angefangen, japanischen Kram zu malen und den ganzen Tag nur über diesen speziellen Stil zu sprechen. Also kaufte ich ein paar Vorlagenbücher und studierte sie. Zuhause konnte ich an nichts anderes mehr denken als an japanische Holzdrucke und Kabuki-Figuren.«

Ein Kabuki-Schauspieler mit Opiumpfeife.

Von Instagram und Copyright

Acetates hat 17 000 Follower bei Instagram. Das bedeutet, dass er für seine Arbeiten jeden Tag eine ordentliche Portion Feedback von Sammlern und anderen Tätowierern bekommt. Und auch wenn Tattoozeitschriften immer noch irgendwie sexier sind als ein Smartphone, gesteht er, dass Instagram mittlerweile der beste Weg für Tätowierer geworden sei, ihre Arbeiten einem großen Publikum zu zeigen.

»Bisher habe ich noch nicht so viele Kopien meiner Arbeiten gesehen. Wenn es aber mal passiert, fühle ich mich auch ein bisschen geehrt bei dem Gedanken, dass anderen Leuten mein Zeug so gut gefällt, dass sie es eins zu eins übernehmen. Bisher ist noch jeder Tätowierer von den Arbeiten anderer Tätowierer inspiriert worden, hat sich ein traditionelles Design hergenommen und daraus etwas Eigenes, etwas Neues geschaffen. Manchmal sogar mit ganz gutem Ergebnis. Wenn ich eine Kopie meiner Arbeiten sehe, zeigt mir das, dass die Leute tatsächlich ständig beobachten, was ich tue. Das treibt mich an, dass ich weiter an mir arbeite um mich immer weiter zu verbessern.«

Ich traf Acetates während er in Malmö in Schweden bei dem großartigen Team von Johan Svahn, Hans Schröder und Petter Ydmark im Immovable Tattoo arbeitete. Eine großartige Crew, bei der alle im traditionellen Japanstil tätowieren. Wie Acetates sich seinen idealen Kunden vorstellt? Als jemanden, der eine klare Vorstellung davon hat, was er will, und ihm die Freiheit lässt, das Motiv zu interpretieren. Kurz gesagt: Vertrau dem Tätowierer, den du ausgesucht hast!

Die Namakubi-Geisha wird nicht mit traditionellem Ahornlaub, sondern von Hanfblättern umgeben.
 

Joaquin Acetates
Madrid/on the road

info@acetates.es
www.instagram.com/acetates
www.acetates.es
acetatesgutierrez.tumblr.com
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Stand:20 November 2017 12:58:34/t%C3%A4towierer/modern+traditional+japanese_167.html