Mandala-Tattoos: Mehr als nur kreisförmige Ornamente

21.04.2017  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: Studios
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Mandala-Tattoos: Mehr als nur kreisförmige Ornamente
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Mandala-Tätowierungen haben das Potential zu einem Stilklassiker zu werden. Sie sind zeitlos, vielfältig wandelbar und sowohl für Frauen als auch für Männer geeignet. Wir stellen drei Tätowierer vor, die sich auf diese Tattoomotive spezialisiert haben und erklären, welche stilistischen Möglichkeiten es gibt auf welche technischen und ästhetischen Prinzipien Tätowierkunden achten sollten, die eine Mandala-Tattoo tragen möchten.

Mandala-Tattoos von Obi aus dem Studio Trust, Mannheim


Zur Person: Seit einem Jahr arbeitet Obi (32) im Mannheimer Studio Trust als Resident Artist. Neben Mandala-Tätowierungen hat sich Obi aka Abhinandan Basu auf Black-and-Grey spezialisiert. Der gebürtige Inder interpretiert Mandala-Motive ausgehend von seinem kulturellen Background. Die indische Kultur ist aber nicht die einzige Inspirationsquelle für seine Fusion-Tattoos.
Mit Mandala-Designs ist der im indischen Kulturkreis aufgewachsene Obi quasi auf ganz natürlichem Weg in Verbindung gekommen. Anlässlich religiöser Festivals hat seine Mutter die Bilder in Sand gemalt und so haben sich die Muster in seinem Kopf festgesetzt. In manchen seiner Tätowierungen sieht man den Einfluss der bengalischen Kultur sehr deutlich – und seltsamerweise sind es gerade diejenigen Designs, die wir aus unserem eingeschränkten westlichen Verständnis von Mandala-Motiven gar nicht als traditionell ansehen würden. »Wer sich mit der bengalischen Kunst auskennt, der erkennt die Herkunft des Designs sofort. Es erscheint mir natürlich, dass ich diese kulturellen Elemente mit in meine Arbeit aufnehme«, erklärt Obi. Diese Motive erinnern eher an verspielt gestaltete Schmuckstücke, wecken Assoziationen an den Jugendstil, sind auch nicht zwingend symmetrisch aufgebaut und integrieren auch Gegenständliches wie Pfauen. In anderen Tätowierungen erkennt man Muster, die an Henna-Bemalungen erinnern, und für Line- als auch für Dotwork verwendet er Farbe und kombiniert auch gerne Figuratives mit floralen Mustern. »Mandala-Tätowierungen, bei denen die immer gleichen Muster im Kreis angeordnet sind, langweilen mich. Ich versuche Grenzen auszuloten, neue Ideen einfließen zu lassen und damit das Thema interessant zu halten und auch weiterzuentwickeln.«

Obi  geht natürlich auch auf Kundenvorstellungen ein. Seine Designs kombiniert er gerne auch mal mit Farbe.

Das Grundprinzip, das Motiv aus konzentrischen Kreisen aufzubauen, ist natürlich auch bei ihm ein wiederkehrendes Element. »In meinen Augen ist das Zentrum des Bildes der wichtigste Punkt, darauf fokussiert das Auge und entsprechend versuche ich diesen auch besonders abwechslungsreich auszuführen.« Die übergeordnete Prämisse für eine schöne Mandala-Tätowierung ist bei ihm die Präzision, mit der die Muster ausgeführt sein sollten. Die Konzeptionierung und vor allem die Ausführung verlangen ein hohes Maß an Disziplin und womöglich von Seiten des Tätowierers eine spezielle Disposition. »Weniger mit Mandala-Tätowierungen vertraute Kollegen äußern häufig, dass ihnen bei größeren Arbeiten die Konzentration schwindet. Vielleicht bin ich einfach so ein Typ, dem das gegeben ist.« Neben einem gewissen Stoizismus braucht der Tätowierer auch ein Auge für das Verhältnis von tätowierter zu untätowierter Haut. »Da musste ich mich etwas umstellen. Die Menschen in Deutschland haben eine wesentlich hellere Haut als in Indien und damit ist der Kontrast von Schwarz zu Haut viel stärker und entsprechend haben meine in Mannheim gestochenen Tätowierungen einen niedrigeren Schwarzanteil.« Dotwork in Schwarz und in Farbe sind ein weiteres Element, das bei Mandalas eine Rolle spielt. »Das Verhältnis von Linework zu Dotwork ist abhängig vom Design, das entwickelt sich bei mir eher intuitiv, als dass ich mir da einen Plan mache. Und das hängt natürlich auch davon ab, welche Vorstellungen der Kunde hat.«  



Obi (32) interpretiert Mandala-Motive ausgehend von seinem kulturellen Background. Die indische Kultur ist aber nicht die einzige Inspirationsquelle für seine Fusion-Tattoos.

Kontakt

Obi aka Abhinandan Basu
Trust Tattoo
S1 17
68161 Mannheim
www.obi1art.com
IG: @obi1.0

 

Mandala-Tattoos von Sonja aus dem Punktum Tattoo, Hamburg


Zur Person:  Dotwork- und Mandala-Tattoos sticht Sonja (40) aus dem Punktum Tattoo bereits seit zehn Jahren und zwar von Anfang an und mit »voller Liebe«. Als Tätowiererin und auch Herausgeberin des Buches »°more dots°« hat sie in Deutschland einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung dieses Stils geleistet. Sonjas Mandalas zeichnen sich durch einen sehr fließenden und harmonischen Stil aus. Dotwork spielt in ihren Arbeiten immer eine große Rolle.
Mandala-Tätowierungen sind im Grunde Schuld daran, dass Sonja überhaupt Tätowiererin wurde. Im TätowierMagazin sah sie vor über zehn Jahren einen Bericht über Nica LeHead, eine der wenigen Tätowiererinnen, die damals Dotwork-Mandala-Tätowierungen stachen und deren Tattoos in ihr den Wunsch auslösten, diese Frau kennenzulernen und sich von ihr tätowieren zu lassen. Neben der Ästhetik war es der spirituelle Hintergrund, der die praktizierende Buddhistin an Mandalas ansprach. »Für mich ist die Spiritualität der Motive wichtig und ich biete meinen Kunden auch meditative Tattoorituale an. Aber es ist für mich genauso in Ordnung, wenn jemand nur die Schönheit in den Motiven sieht und deshalb solch ein Tattoo wählt«, erklärt sie ihren gänzlich undogmatischen Ansatz. »Ich konnte die Entwicklung in den letzten zehn Jahren verfolgen. Es gab auf internationaler Ebene zwei Handvoll Tätowierer, die man allesamt an ihrer Handschrift erkennen konnte. Heute haben sich ganz unterschiedliche Ansätze entwickelt und Mandalas liegen auch im Trend. Kein Wunder, sie sind einfach sehr schön anzusehen.« 

Sonja wählt bei der Positionierung oftmals sehr unkonventionelle Stellen. Bei der Oberarm-Schulter-Kombination verlangt es viel Geschick, dass das Mandala wirklich eine Kreisform behält.

Sonjas Mandala-Tätowierungen zeigen eine sehr harmonische und fließende Handschrift. Beim Linework variiert sie Geometrisches mit organisch Geschwungenem, Letzteres dominiert aber in der Regel. Auffällig ist auch der recht hohe Anteil an Dotwork, um dunkle Bereiche zu definieren, eher selten schattiert sie ganz klassisch. »Beim Dotwork fange ich an den dunklen Stellen an und arbeite mich in die hellen Bereiche vor. Bis auf diese Arbeitsweise hab ich eigentlich für das Setzen der Punkte kein System. Vieles ist Intuition und Erfahrung. Die Mischung aus Harmonie und Zufall sind wohl der Schlüssel zum Dotwork-Glück«, erklärt sie lachend.
Wie jede andere Tätowierung auch, müssen Mandalas die Jahre des Alterns gut überstehen. »Die Kontraste müssen stimmen, damit das Motiv auch in zwanzig Jahren noch zu erkennen ist. Bei den Dots in den dunklen Bereichen ist das Zusammenfließen im Alter nicht so dramatisch, dann hat man eine dunkle und strukturierte Fläche, was auch sehr reizvoll aussehen kann und dem Motiv nichts von seiner Lesbarkeit nimmt.« 
Obwohl die Hamburgerin ihr Dotwork auch mit der Maschine sticht, empfinden viele ihrer Kunden diese Art des Füllens von Flächen als schmerzfreier als konventionelles Schattieren. Nur circa fünf Prozent ihrer Kunden, so ihre Schätzung, empfänden das Dotten als nervig, die meisten würden die Termine sehr gut aushalten und fünf- bis sechsstündige Sitzungen seien keine Ausnahme. Auch den Heilungsprozess beschreibt Sonja als komplikationslos.
Ihr Rat an Novizen, die sich gerne ein Mandala-
Tattoo stechen lassen möchten: »Schaut euch die Arbeiten ganz vieler unterschiedlicher Tätowierer an. Mandalas sehen nur auf den ersten Blick gleich aus, aber die Arbeiten der Tätowierer unterscheiden sich mittlerweile stark, es gibt viele neue Variationen. Zu welchem Stil man sich hingezogen fühlt, sollte man seinem persönlichen, ästhetischen Empfinden überlassen.«


Die Mandala-Tätowierungen von Sonja (40) aus Hamburg zeichnen sich durch einen sehr fließenden und harmonischen Stil aus. Dotwork spielt in ihren Arbeiten immer eine große Rolle.

Kontakt

Sonja
Punktum Tattoo
Steindamm 27
20099 Hamburg
www.punktumtattoo.de
facebook.com/punktumtattoo


 


Tätowierer 3: Colin Zumbro aus dem Studio Atramentum, Witten


Zur Person: Bereits seit über fünfzehn Jahren ist Colin Zumbro Tätowierer (38), die Mandala-Dotwork-Tätowierungen hat er vor circa sieben Jahren für sich entdeckt. Nach drei bis vier Jahren »on the road« arbeitet er jetzt wieder in seinem eigenen Studio in Witten. Colin kombiniert Mandalas mit polynesischen Tribals, keltischem Flechtwerk, Runen und Gegenständlichem.
Das Wort Mandala hat seinen Ursprung im Sanskrit und bedeutet Kreis. Und darum geht es bei Mandalas: Es sind kreisförmig angeordnete, sich ständig wiederholende Ornamente«, so Colin Zumbro, der gerade sein neues Studio in Witten mit dem mysteriös klingenden Namen Atramentum eröffnet hat. Atramentum sei ein tiefschwarzes Pigment, erklärt er, und gibt damit dem Betrachter seiner Tätowierung ein neues Wort in die Hand, um ein hervorstechendes Stilmerkmal seiner Arbeiten zu beschreiben. Es ist dieses fette Schwarz der Linien und auch der Tribal-Elemente, die sofort auffallen. Beim genaueren Hinsehen merkt man jedoch, dass es vor allem der Negativraum ist, also die untätowierten Hautstellen, mit denen er die Muster auf der Haut entstehen lässt und damit den Kontrast aufbaut, den er für so wichtig hält. Diese Klarheit wird noch unterstützt durch eine gewisse Einfachheit, mit denen er seine Tätowierungen gestaltet. »Wie jede andere Tätowierung auch, müssen Mandalas in Würde altern. Zu fein gearbeitet werden sie im Alter batschig und damit nicht mehr lesbar.« 



Filigranes und Details dotte er lieber, da es so genauer wird. Ein Ansatz, der eher überrascht, könnte man sich vorstellen, dass eine nur in Schwarz oder Grau gehaltene Fläche, sei sie auch noch so klein, einfacher und damit präziser umzusetzen sei. »Bei größeren Flächen kann man entweder schattieren oder mischt beide Techniken, also schattiert über eine bereits gedottete Fläche, damit noch mehr Tiefe entsteht.« Gerade bei großflächigen Arbeiten, die Colin häufig tätowiert, arbeitet er so.
Seine Grundmuster erarbeitet der gebürtige Wittener am Computer und spiegelt sie dann. »Spannend wird es, wenn man die auf einer Ebene entworfene Matritze auf die gewölbte Fläche des Körpers überträgt. Stellen mit einem besonders hohen Schwierigkeitsgrad sind die Schulterkuppe und die Armbeuge, da verzieht sich das Motiv besonders stark. Da muss man sich mit Tricks und Kniffen weiterhelfen und eine Lösung finden, damit das geometrische Tattoo nicht krumm und schief auf dem Körper sitzt.«
Zu Colin kommen zahlreiche Kunden, die Lust haben, unterschiedliche Blackwork-Stile miteinander zu kombinieren. Ob keltisches Flechtwerk, polynesische Tribal, altgermanische Runen, Mehndi-Designs und buddhistische Endlosmuster oder Mandalas … Colin setzt die entsprechend typischen Formen und Muster neu zusammen. »Mandalas sind für mich einfach ästhetisch sehr schön und schon beim Anschauen ist der spirituelle Faktor erfassbar. Wie und was meine Kunden wollen, welche Vorstellungen sie haben, dass kläre ich mit ihnen im Kundengespräch.« 


Colin Zumbro (38) aus Witten kombiniert Mandalas mit polynesischen Tribals, keltischem Flechtwerk, Runen und Gegenständlichem.


Kontakt

Colin Zumbro
Atramentum
Hörderstraße 386
58454 Witten
colinzumbro.wordpress.com
www.facebook.com/colinzumbro
 
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Stand:18 November 2017 05:46:30/t%C3%A4towierer/mandala-tattoos+mehr+als+nur+kreisfoermige+ornamente_174.html