Gewinnerin des TM-Nachwuchscontest 2016: Tätowiererin Jessica Kinzer

18.12.2015  |  Text: Dirk-Boris  |   Bilder: Rabauke Tattoos & Arts
Gewinnerin des TM-Nachwuchscontest 2016: Tätowiererin Jessica Kinzer Gewinnerin des TM-Nachwuchscontest 2016: Tätowiererin Jessica Kinzer Gewinnerin des TM-Nachwuchscontest 2016: Tätowiererin Jessica Kinzer Gewinnerin des TM-Nachwuchscontest 2016: Tätowiererin Jessica Kinzer Gewinnerin des TM-Nachwuchscontest 2016: Tätowiererin Jessica Kinzer Gewinnerin des TM-Nachwuchscontest 2016: Tätowiererin Jessica Kinzer Gewinnerin des TM-Nachwuchscontest 2016: Tätowiererin Jessica Kinzer Gewinnerin des TM-Nachwuchscontest 2016: Tätowiererin Jessica Kinzer Gewinnerin des TM-Nachwuchscontest 2016: Tätowiererin Jessica Kinzer Gewinnerin des TM-Nachwuchscontest 2016: Tätowiererin Jessica Kinzer Gewinnerin des TM-Nachwuchscontest 2016: Tätowiererin Jessica Kinzer Gewinnerin des TM-Nachwuchscontest 2016: Tätowiererin Jessica Kinzer Gewinnerin des TM-Nachwuchscontest 2016: Tätowiererin Jessica Kinzer Gewinnerin des TM-Nachwuchscontest 2016: Tätowiererin Jessica Kinzer Gewinnerin des TM-Nachwuchscontest 2016: Tätowiererin Jessica Kinzer
Gewinnerin des TM-Nachwuchscontest 2016: Tätowiererin Jessica Kinzer
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Die Leser des TätowierMagazins wählten Jessica Kinzer unter die Top 3 des TM-Nachwuchscontests. Auf der Tattoomenta in Kassel konnte sie die Jury im Battle-of-the-Best mit ihrer vor Ort gestochenen Tätowierung zum Thema Freiheit überzeugen.
Dass sie etwas richtig machen soll, muss man Jessica Kinzer eigentlich nicht extra sagen; an die Ermahnung, die sie sich selbst während ihrer Tattoolehre gab, hält sich die Dreiundzwanzigjährige konsequent. Beim TätowierMagazin-Nachwuchs-Contest wurde sie von den TM-Lesern neben Nancy Mietzi und Lukas Falkner in die Endrunde der besten drei gewählt, auf dem Tattoo-Battle auf der Tattoomenta in Kassel musste sie sich gegen die beiden Nachwuchskollegen beweisen. Für ihre technisch einwandfreie und vor allem kreative Umsetzung des vorgegebenen Themas »Freiheit« wählte die Jury sie einstimmig auf Platz eins (siehe S. 32). Wir sprachen direkt nach der Siegerehrung mit der jungen Tattookünstlerin aus Ulm.
 
Du hattest inzwischen eine Zigarette und ein halbes Bier, nachdem du vor einer Viertelstunde auf der Bühne zur Siegerin des TätowierMagazin-Nachwuchscontests gekürt wurdest. Wie geht’s dir jetzt
Mir geht’s wahnsinnig gut, einfach nur gut! Ich bin einfach nur happy!

Exaktes Arbeiten ist das A und O bei grafischen Tätowierungen. Und die Balance zwischen tätowierter und untätowierter Haut.

Nun, da du den TätowierMagazin-Nachwuchs-Contest gewonnen hast: Was bedeutet das für dich, denkst du, dass sich dadurch irgendwas für dich ändert?
Ich hab keine Ahnung, was da jetzt auf mich zukommt oder wie sich das auswirkt – es ist einfach erst mal schön! Und ich bekomme einen Bericht im TätowierMagazin …

Den Tag über ging es dir aber nicht so gut, du warst ziemlich angespannt, und deine Kundin, der du das Siegertattoo gestochen hast, war auch ziemlich am Limit.
Das Problem war die After-Show-Party gestern, die ging ein bisschen zu lang. Heute war ich schon um halb neun hier auf der Tattoomenta, hab aufgebaut … Ich steche ja selten so große Sachen. Ich tätowiere so drei, vier Stunden und dann ist das Tattoo fertig. Für mich war das ganz ungewohnt, sechs Stunden am Stück zu tätowieren, das war wirklich eine Herausforderung.

Selbst wenn es nicht dabei stünde, würde man das Motiv als Blauwal erkennen. Zwar formreduziert, aber trotzdem lebhaft in der Oberflächenstruktur. Die für Wale so typischen Anhaftungen von Muscheln und Krebstieren hat Jessica in hübschen Strukturen umgesetzt.

Du hast das Design für dein Contest-Tattoo auch komplett ohne Computer entworfen.
Ja, das war mein Anspruch. Wenn ich bei so einem Wettbewerb mitmache, dann will ich das auch selber zeichnen. Ich bin auch froh, dass meine Kundin durchgehalten hat, die war der Hammer!

Du bist ja ein ziemliches Risiko eingegangen, dass du dir ein so großes Teil vorgenommen hast, wenn du das sonst gar nicht gewohnt bist?
Na ja, ich hatte schon ’nen Plan, ich wollte ja Punkt zehn Uhr anfangen, und das hat ja auch geklappt – es war ’ne Punktlandung, aber ich hatte auch noch genug Zeit, um alles auszubessern, zu schauen, ob alles drin ist und so … Klar, war ein großes Risiko. Aber in meinem Stil kann man im gleichen Zeitrahmen auch ein größeres Motiv stechen als Nancy und Lukas im Realistic-Stil.

War das denn gleich deine erste Motividee, und war die so auch okay für deine Kundin?
Die hatte eh vorher schon gesagt: »Mach, was du willst, außer Tiere mit solchen Klimperaugen!«. Also, sie wollte nichts so Mädchenhaftes. Aber wenn man meine Sachen ein bisschen kennt, weiß man ja, es bewegt sich immer in Richtung Natur, Anatomie, Geometrie … Und ich hatte sie auch schon ein paar mal tätowiert, sie ist die Cousine meines Chefs. Und den Entwurf fand sie auch gleich geil.

Ob rein ornamental wie das Armtattoo, …

Was ging dir gestern auf der Bühne durch den Kopf, nachdem das Thema »Freiheit« bekannt gegeben wurde? Hattest du sofort eine Idee dazu?
Ich hatte erst mal Matsch in der Birne. Und dann fielen mir tausend Sachen ein. Erst wollte ich eine Katze mit Leuchtturm im Kopf machen. Dann hab ich nebenbei Musik gehört und es kam dieses Lied mit dem Heißluftballon, das mich inspiriert hat. Also, die Idee kam eigentlich schnell, ich hab rasch angefangen zu zeichnen, ich hatte vielleicht so ’ne Viertelstunde gebrainstormt.

Du wolltest dich ja eigentlich erst gar nicht zum Contest anmelden.
Ich hatte den Aufruf im TätowierMagazin gar nicht gesehen, erst mein Chef Michael Gnann von Rabauke Tattoo hat mich drauf aufmerksam gemacht. Aber ich fühlte mich super frisch mit meinen gerade mal anderthalb Jahren Tattooerfahrung, und wollte lieber noch ein Jahr warten. Ich hab mich noch gar nicht bereit gefühlt. Andere Teilnehmer haben ja teilweise schon Preise auf Conventions gewonnen, ich selbst war überhaupt erst auf einer Tattooconvention. Aber mein Chef hat mir in den Arsch getreten und gesagt: »Du machst das jetzt!«

… oder mit traditioneller Rose geschmückten Teetasse: Typisch bei den Arbeiten der Gewinnerin des TM-Nachwuchscontests Jessica Kinzer ist das Gespür für Linien und Strukturen.

Wie hast du denn angefangen? Im Studio oder autodidaktisch?
Also für mich war klar: Studio oder gar nicht. Im Rabauke Tattoostudio hatte ich mich eh schon tätowieren lassen, also hab ich da einfach mal gefragt, ob sie ausbilden. Da hieß es dann »Nö« und ich dachte, okay, das war’s dann eben, also weiter studieren. Aber irgendwann schrieb mir mein jetziger Chef, ich solle doch noch mal vorbeikommen, er könne sich das doch vorstellen. Das war vor zwei Jahren. Anfangs hab ich geputzt, hygienische Arbeitsabläufe kennengelernt, da wird man ja noch nicht an die Nadeln gelassen. Daneben hatte ich noch ein Praxissemester bei Ratiopharm, das war wirklich das totale Kontrastprogramm: Montag bis Freitag im spießigsten Umfeld unterwegs und dann Samstag und Sonntag im Studio. Und da hab ich gemerkt, dass ich das wirklich machen will.

Du hast ja jetzt schon einen sehr ausgeprägten Stil. Hast du den von Anfang an verfolgt oder gab es da eine Orientierungsphase?
Gezeichnet hab ich früher eher so skizzenmäßig, das mit dem Dotwork kam wirklich erst mit dem Tätowieren. Früher waren das eher so Frauengesichter, eher krakelig, das klare, die Arbeit mit Dots, mit dicken und dünnen Linien, das kam erst während der Ausbildung.

Und was hat dich in diese Richtung gestupst?
Na ja, ich arbeite ja in Ulm, und wenn in Berlin etwas cool ist, kommt das drei, vier Jahre später bei uns an. Ich hab die Arbeiten einiger Tätowierer verfolgt, auch von Leuten aus England und Frankreich, und dachte, das könnte ich doch auch mal probieren.

Würden dich auch andere Stile reizen?
Also ich tätowiere total gern Oldschool. Klar, die Leute wollen jetzt vor allem meinen Stil, aber wenn mal jemand Lust hat auf so ’ne Oldschool-Rose mit fett Farbe … Und ich liebe Schriftzüge! Da können ja viele Tätowierer nichts mit anfangen, aber ich finde, das ist die ehrlichste Sache, die man machen kann. Der muss sauber sein, da darf man sich keinen Fehler erlauben. Also so was wie »Friends«, »Family«, sowas liebe ich, das ist ’ne tolle Arbeit für den späten Nachmittag.

Exaktes Arbeiten ist das A und O bei grafischen Tätowierungen. Und die Balance zwischen tätowierter und untätowierter Haut.

Wenn du dich mit Oldschool beschäftigst – und du bist ja noch sehr jung –, kannst du denn dann mit Namen wie Lyle Tuttle, Christian Warlich, Sailor Jerry überhaupt noch was anfangen?
Ja klar!
 
Sind das dann auch Sachen, an denen du dich orientierst?
Ja, ich finde es auch wichtig, Bücher zur Tattoogeschichte  zu lesen, um zu wissen, wo das Ganze überhaupt herkommt. Und wenn man in einem großen Studio arbeitet wie bei uns, da bekommt man ja auch sonst alle Stile mit. Und ich sauge das auch alles auf.

Du bist ja eine reflektierte Person – was bedeutet es dir, andere Menschen zu tätowieren?
Ziemlich viel. Ich finde es auch schade, dass Tätowieren heute oft nur noch Fließbandarbeit ist. Für mich bedeutet Tätowieren, dass ich mich mit meinem Kunden anfreunde, mit ihm eine coole Idee entwickle und ihm dann was in die Haut haue, was er oft gar nicht beobachten kann. Die Kunden vertrauen einem ja auch völlig. Und viele, gerade junge Mädchen, weinen beim Anschauen ihres ersten Tattoos vorm Spiegel. Ich finde, das ist so das Krasseste, was man erleben kann! Also das ist schon eine sehr tiefgehende Angelegenheit.

War dir das vorher so bewusst?
Nein, gar nicht, das war mir nicht bewusst. Das wurde mir im ersten halben Jahr klar, als ich eigentlich noch wirklich ein Stümper war und kaum gerade Linien ziehen konnte. Und dann kamen Leute aus Stuttgart und wollten was von mir, obwohl die wussten, dass ich total am Anfang stand! Und da dachte ich mir, du hast jetzt wirklich Verantwortung, mach das jetzt richtig, weil die haben das verdient!


Jessica Kinzers Gewinnertattoo beim Battle-of-the-Best in Kassel
Auf der Tattoomenta in Kassel konnte Jessica Kinzer beim Battle-of-the-Best mit dieser Tätowierungen die Jury überzeugen. Zum Thema Freiheit entwarf und tätowierte die Nachwuchstätowiererin diesen Heissluftballon mit Herz. Das Tüpfelchen auf dem i bei dieser Arbeit ist, dass sich das Motiv auf zwei Körperteile ersteckt. Zweitplatzierter wurde Lukas Falkner, den dritten Platz gewann Nancy Mietzy.



Jessica Kinzer
Rabauke Tattoos & Arts
Reuttier Straße 111
89231 Neu-Ulm
jessicasvartvit@gmx.de
Tumblr: http://svartxvit.tumblr.com
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