Leitbild des Hautgestalters Daniel Meyer – Tätowierer Daniel Meyer

20.11.2015  |  Interview: Heide Heim  |   Bilder: Leitbild
Leitbild des Hautgestalters Daniel Meyer – Tätowierer Daniel Meyer Leitbild des Hautgestalters Daniel Meyer – Tätowierer Daniel Meyer Leitbild des Hautgestalters Daniel Meyer – Tätowierer Daniel Meyer Leitbild des Hautgestalters Daniel Meyer – Tätowierer Daniel Meyer Leitbild des Hautgestalters Daniel Meyer – Tätowierer Daniel Meyer Leitbild des Hautgestalters Daniel Meyer – Tätowierer Daniel Meyer Leitbild des Hautgestalters Daniel Meyer – Tätowierer Daniel Meyer Leitbild des Hautgestalters Daniel Meyer – Tätowierer Daniel Meyer Leitbild des Hautgestalters Daniel Meyer – Tätowierer Daniel Meyer Leitbild des Hautgestalters Daniel Meyer – Tätowierer Daniel Meyer Leitbild des Hautgestalters Daniel Meyer – Tätowierer Daniel Meyer Leitbild des Hautgestalters Daniel Meyer – Tätowierer Daniel Meyer Leitbild des Hautgestalters Daniel Meyer – Tätowierer Daniel Meyer Leitbild des Hautgestalters Daniel Meyer – Tätowierer Daniel Meyer Leitbild des Hautgestalters Daniel Meyer – Tätowierer Daniel Meyer Leitbild des Hautgestalters Daniel Meyer – Tätowierer Daniel Meyer
Leitbild des Hautgestalters Daniel Meyer – Tätowierer Daniel Meyer
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Seit diesem Jahr tätowiert der Kasselaner Daniel Meyer von LEITBILD seine grafischen Tattoos in Los Angeles. Wir sprachen mit ihm über Vertrauen der Kunden, Tätowierer als Künstler und technische Besonderheiten seines Stils.
Die Bedeutung für den Begriff »Leitbild« ist nach Wiktionary »mustergültige Darstellung, erstrebenswertes Ideal«. Was bedeutet der Studioname LEITBILD für dich?
LEITBILD ist für mich das ständige Streben nach Verbesserung in meiner Persönlichkeit und meiner Arbeit. Es ist mir aber, um ehrlich zu sein, erst später aufgefallen, dass diese Bedeutung für mich passt. Als ich den Namen gewählt habe, geschah das aus einer Intuition heraus. Aber Intuition ist ja auch ein wesentlicher Bestandteil meines ganzen Lebensstils und meiner Arbeit. Außerdem hat mir gefallen, dass der Name deutsch ist, was sich für die meisten meiner aus dem Ausland kommenden Kunden exotisch anhört.
 
Da viele deiner Kunden aus dem Ausland kommen, hast du auf deiner Internetseite sehr klare Vorgaben gemacht, wie du dir die Zusammenarbeit mit den Kunden vorstellst.
Für mich funktioniert es am besten, wenn mein Kunde mir ein paar Vorgaben macht, welche Objekte, Metaphern oder persönliche Informationen im Bild sein sollen. Mehr brauche ich nicht, um beurteilen zu können, ob ich daraus ein Motiv erstellen kann. In der Regel zeigt sich beim Zeichnen selbst, was am besten funktioniert und harmonisch zusammenpasst. Meine Trefferquote, dass das Motiv dem Kunden gefällt, liegt bei über neunzig Prozent. Die meisten meiner Kunden sagen: »Ja, genau so habe ich mir das vorgestellt« oder »Das ist besser, als ich es mir vorgestellt habe«. Passt doch.

Designkontraste sind wichtig: Daniel kombiniert dicke Linien mit feinen, positive mit negativen Bereichen, runde Elemente mit harten und eckigen.

Wie lange hat es gebraucht, bis die Kunden dir vertrauten?
Als ich mit dem Tätowieren angefangen habe, hatte ich ein sehr klares Bild im Kopf, welchen Stil ich machen will. Anfänglich hab ich nur Tattoos für meine Freunde gemacht, die mir den Vertrauensvorschuss gegeben haben. Im Studioalltag hat sich das dann leider verändert und ich fing an, die eierlegende Wollmilchsau zu werden. Nach einem Jahr war ich unglaublich frustriert durch die Arbeit als Tätowierer. Es wurde ein gewöhnlicher Job, den man macht, um seine Rechnungen zu bezahlen. Ich hab dann den Punkt erreicht, an dem ich mir sagte: »Stopp mal, die ganze Entwicklung gefällt mir ganz und gar nicht.« Über Nacht traf ich die Entscheidung, zukünftig nur noch den Stil zu tätowieren, den ich tatsächlich machen will. Das war erst einmal sehr hart, da ich wirklich nur Arbeiten angenommen habe, die stilistisch meinen drei bis vier ursprünglichen Portfoliotattoos entsprachen. Ich hatte starke finanzielle Einbußen und musste Opfer bringen, aber ich bin hartnäckig geblieben und – voilà –, aus einem Termin im Monat wurden drei, aus drei wurden neun, aus neun …

Sind Tätowierer für dich Künstler?
Haha, ich hab so eine Aversion gegen das Wort Künstler. Ein Künstler ist jemand, der beim Pinkeln einen Kopfstand macht und dabei die Nationalhymne rückwärts singt, damit sich alle Zuschauer neunmalklug überlegen können, was er damit ausdrücken will. Jeder Mensch ist ein Künstler, auf die ein oder andere Weise. Per Definition würde ich mich als Gestalter bezeichnen, meine Tattoos sind meine Designobjekte und meine Kunden die interessanten Menschen, deren Körper ich damit aufwerte.

Exaktes Arbeit ist bei grafischen Tattoos extrem wichtig, Fehler sieht man sofort. Bei Linien  kommt es nicht nur auf das Können der Tätowierers an, sondern auch auf die Haut und die Reaktion des Kunden: Ein Zucken, ein tiefes Einatmen, und schon ist die Linie futsch.

In Deutschland sind grafisch-formreduzierte Tätowierungen zurzeit sehr angesagt. Wie sieht das in den USA aus?
Ja, die ganze Sache ist ziemlich explodiert. Als ich angefangen habe, das war im Jahr 2010, 2011, gab es außer mir noch drei oder vier andere Tätowierer in Deutschland, die etwas Ähnliches gemacht haben. Ich zähle dazu nicht die Dotwork-Tätowierer, die im Bereich Buddhistisches oder Hinduistisches arbeiten, das ist ein komplett anderer Stil. Die Mehrheit meiner Kunden in Deutschland ist bereits aus dem Ausland eingeflogen.
 
Welchen Einfluss hat deine Ausbildung als Mediengestalter auf deinen Stil?
Eine großen. Wobei ich vorweg sagen muss, dass ich noch nie in einem klassischen Arbeitsverhältnis gearbeitet habe, sondern zusammen mit meinem Bruder eine Medienagentur hatte. In dieser Zeit habe ich auch meine Ausbildung zum Mediengestalter gemacht. Meine Tattoos leben von der Form, vom Arrangement. Mich interessiert die Spannung, die sich aus der Kombination aus mathematisch Exaktem, also der Ordnung, und organischen Formen, dem Chaos, ergibt.

Grafisches Dotwork tätowiert Daniel Meyer von Leitbild in Los Angeles.

Du arbeitest mit Linework, Dotwork, schattierst teilweise ganz konventionell, teils mit traditionellen Whipshadings. Zufall oder Absicht?
Mir ist nie wirklich aufgefallen, dass ich diese Techniken beherrsche. Ich glaube, das kam einfach durch die Anforderungen an meine Arbeitsweise. Ich versuche, Dimension zu schaffen, Texturen, und muss dabei immer auch die Zeit und Umsetzbarkeit im Auge behalten. Das ist wohl einfach durch das Trial-and-Error-Prinzip so entstanden. Sicherlich hat mir auch der Tipp von meinem Freund und ehemaligen Kollegen David Rinklin (TätowierMagazin 10/15) weitergeholfen: »Wenn es nicht klappt, dann versuche es so lange, bis es klappt, oder ändere was an deiner Arbeitsweise.« Daran halte ich mich bis zum heutigen Tag.

Deine Linien sind unglaublich präzise. Fällt dir das leicht?
Gerade Linien sind eigentlich überall möglich, an manchen Stellen schwerer, an anderen Stellen einfacher zu ziehen. Wenn ich das Linework mache, bin ich extrem stark konzentriert und fokussiert, geradezu autistisch. Ich hoffe, dass davon keiner mal ein Foto macht, wenn ich mein Konzentrations-Gesicht aufsetze. Natürlich gibt es Körperstellen, an denen man als Tätowierer die Krise bekommt. Ich versuche, lange Geraden an bestimmten Körperstellen wie Rippenbogen, nahe der Achselhöhle oder am Bauch zu vermeiden, also dort, wo die Haut sich stark verzieht. Gute Stellen sind der Unterarm, Oberschenkel und Unterschenkel. Die Brust ist immer so eine Sache und abhängig davon, wie ruhig die Atmung des Kunden ist.

Daniel Meyers Kunden geben ihm Objekte, Metaphern und persönliche Informationen vor, die er in ein stimmiges Motiv umsetzt. Bei der Umsetzung will er jedoch keine Kompromisse machen, sprich, das entscheidet er allein.

Als Motivelement tauchen immer wieder »Augen« auf, die den Blick des Betrachters auf sich ziehen.
Du hast es ganz genau erfasst. Das Element »Auge« ist eine Art Wegweiser durch das Design. Abgesehen davon macht es mir Spaß, Augen zu tätowieren. Vielleicht ist dir auch aufgefallen, dass alle Tiere oder Lebewesen in meinen Tattoos blind sind. Ich glaube daran, dass eigentlich nur unser drittes Auge, das geistige Auge, wirklich sieht.

Gibt es noch weitere Stilelemente, die du bei der Komposition im Kopf, oder besser, im Auge hast?
Ganz besonders lege ich Wert auf den Design­kontrast. Dicke Linien kombiniere ich mit feinen Linien, positive mit negativen Bereichen, runde Elemente mit harten und eckigen. Der Rest ist Intuition. Wenn ich den Stift in die Hand nehme, habe ich keine Ahnung, was am Schluss dabei rauskommt.

Der gebürtige Kasselaner arbeitet mit unterschiedlichen Techniken: Von Dotwork über Whipshades bis zu klassischen Schattierungen findet sich alles in seinen Arbeiten.

Tattoos in deinem Stil wirken am besten, wenn sie einzeln stehen, oder?  
Die Kombinierbarkeit ist eingeschränkt, das stimmt. Ich würde sagen, das liegt auch einfach an der Tatsache, dass meine Art der Schattierung anders aussieht als üblich und das Arrangement anders funktioniert. Meiner Meinung nach muss aber auch nicht jeder Mensch nach dem Schönheitsideal streben, am ganzen Körper tätowiert zu sein. Wenn Tattoos als Akzent gesetzt werden, kann das sehr gut aussehen. Das gibt den Motiven wesentlich mehr Raum, sich zu entfalten.

Warum bis du nach Los Angeles gegangen?
Ich liebe diese Stadt. Da ich besonders viel in der Natur unterwegs bin, ist sie für mich der perfekte Platz. Ich habe hier Strände, Berge, Wüste und Schnee im Umkreis von eineinhalb Stunden. Außerdem leide ich bei bewölkten oder regnerischen Bedingungen unter starken Wetterdepressionen, die ich vor meinem Umzug in Deutschland hatte. Auch hatte ich davor schon Kontakte und Freunde, so dass es einfacher war, als wenn ich in eine komplett fremde Stadt gegangen wäre.

In Daniels Motiven tauchen häufig Augen als Element auf, Tiere hingegen sind immer blind. »Ich glaube daran, dass nur das dritte Auge, unser geistiges Auge, wirklich sieht.«
 
Neben den Landschaften, wo liegt der Reiz der Stadt für dich?
Sicherlich bei den Kontakten. Es ist immer gut, viele Menschen aus allen möglichen Bereichen wie Kunst, Musik, Film, Sport und so weiter zu kennen. Und der amerikanische »Way of Life« hat mir schon immer zugesagt. Hollywoodfilme werden vor meiner Haustür gedreht. Alle sind verrückt, sowohl auf eine gute als auch auf eine erschreckende Weise. Ich habe außerdem kürzlich festgestellt, dass in den Museen in meiner Nachbarschaft viele Originale von bekannten Kupferstichen ausgestellt sind. Davon sind meine Arbeiten ja auch stark geprägt. Es erstaunt mich immer wieder, wenn ich mir diese Qualität und Perfektion anschaue.

Wie kann man sich deine Arbeitssituation in Los Angeles vorstellen?
Ich habe ein Atelier gemietet, wo ich alleine arbeite. Außerdem mache ich regelmäßig Guest Spots im »Outer Limits« in Long Beach. Das Studio gibt es bereits seit 1927 und es ist das älteste Studio der USA. Außerdem arbeite ich an einigen gemeinsamen Projekten mit meiner Freundin Sara Fabel, die als Illustratorin, Model und Tätowiererin arbeitet. Es ist eine interessante Erfahrung, Beruf und Beziehung miteinander zu verbinden.

Wie kommen deine Arbeiten in den USA an?
Sehr gut. Ein großer Teil meiner Kunden kannte meine Arbeiten schon aus Deutschland. Die sind jetzt happy, dass ich hier wohne und arbeite. Meine Sachen werden hier schon beachtet. Ziemlich überrascht war ich, dass mich die Wochenzeitschrift »LA Weekly« in ihrem Voting »Best of LA 2015« zum »Best Tattoo Artist« gewählt hat. Läuft also ganz gut.


Stechbrief Daniel Meyer, LEITBILD, Los Angeles
Name: Daniel Meyer
Geboren: Februar 1985 in Kassel
Ausbildung: Mediengestalter
Tätowierer seit: 2010
Tätowieren gelernt wo: Autodidakt
Gearbeitet: Kassel von 2010 bis 2014
In Los Angeles seit: 2015


Biografie
Realschuldabschluss
Karriere als DJ von 2003 bis 2010 mit Auftritten in über 30 Ländern.
Ab 2004 selbständig, zusammen mit meinem Bruder Joel Meyer eine Medienagentur geführt.
2009 Abschluss der Ausbildung zum Mediengestalter, 2. Platz im deutschlandweiten Designwettbewerb. 2010 Beginn als Tätowierer und Eröffnung des ersten Tattoo-Shops mit David Rinklin in Kassel. 2015 Umzug nach Los Angeles, Kalifornien.



LEITBILD
Daniel Meyer
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Stand:22 November 2017 08:13:22/t%C3%A4towierer/leitbild+des+hautgestalters+daniel+meyer_1511.html