Influencer @theserottendays – erst Polizist, jetzt Tätowierer!

27.10.2017  |  Text: Amadeus Thüner  |   Bilder: Borkeberlin / Rico Zartner / Kerem Bakir / Theserottendays
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Influencer @theserottendays – erst Polizist, jetzt Tätowierer!
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Vom Beamten zum Tätowierer, Model und Nightmanager einer angesagten Berliner Bar: Der Kerl hinter @theserottendays ließ sein altes Leben hinter sich, um sich auszutoben. In Berlin verwirklicht sich Philipp Eid in Sachen Tattoo, Fashion und Nightlife.
Philipp aka Theserottendays ist ein gefragter Mann in Berlin-Mitte. Mit einen minimalistischen Single-Needle-Tattoos hat sich der 27-Jährige gerade bei der weiblichen und followerstarken Kundschaft mit Wunsch nach einem stylischen Accessoire ein beeindruckendes Portfolio aufgebaut. Am Tag Tätowierer, in der Nacht Selekteur in einer angesagten Szenebar, zwischendurch noch Model – Philipp ist bekannt wie ein bunter Hund. 

Philipp aka Theserottendays sieht Berlin als sein persönliches Experimentierfeld.

Doch bevor der aus Landau in der Pfalz stammende Wahlberliner zu all dem wurde, was er heute ist, arbeitete er zehn Jahre als Bundespolizist. Vom Polizeidienst zu Tattoosessions? Kein ganz normaler Lebenslauf. Doch was soll auch anderes passieren, wenn die Staatsmacht einem diese Leidenschaft zu verbieten versucht? Man geht seinen eigenen Weg.

Vom Polizisten zum Tätowierer, das ist nicht unbedingt der klassische Weg. Wie hat sich das entwickelt?
Ich habe mit 17 ein Praktikum bei der Polizei gemacht und bin dann dabei geblieben. Nach meinem Abschluss hatte ich auch ein echt gutes Leben. Gute Wohnung, gutes Auto und halt einen ordentlichen Job. Nur hat mich dieser irgendwann nicht mehr glücklich gemacht.

Im Polizeidienst fühlten sich Philipps Vorgesetzten von seinen Tätowierungen, die immer weiter den Arm runterkletterten, provoziert. Jetzt ist er sein eigener Chef und kann sich frei entfalten. Was sie wohl gesagt hätten, wenn sie von den Selfies im Dienst gewusst hätten?

Warum?
Der Hauptgrund war, dass man in dem Beruf als Polizist nicht wirklich viele schöne Sachen erlebt. Du wirst nur mit schlechten Dingen konfrontiert. Es ist ein sehr deprimierender Job. Ich habe mich daher irgendwann gefragt, warum ich das hier alles überhaupt noch mache.

Was meinst du genau?
Weil du natürlich in Situationen gerätst, die negativ sind, beispielsweise Massenschlägereien. Und dann ist es auch nicht so, als könnte man dort immer auf eine Art und Weise helfen, die befriedigt beziehungsweise die man als Erfolg bezeichnen könnte. Oftmals bremst die Bürokratie einen so sehr aus, dass man am Ende mehr mit dem Papierkram als mit den Menschen beschäftigt ist und es dann auch noch zu keinem Ergebnis kommt, weil die Instanzen über einem alles stoppen.

Erst Politist, dann Tätowierer: theserottendays.

Du hast dich nach zehn Jahren in dem Job dann dafür entschieden, alles hinzuschmeißen und etwas komplett anderes zu machen. Etwas, was sich im Vergleich zum gut organisierten Polizeidienst dann doch eher freiheitsliebender gestaltet.
Und das war eben auch einer der Gründe. Ich wollte nicht mehr fragen müssen, ob ich zum Beispiel pissen gehen darf. Denn wenn du einen Einsatz bei einer Demo hast, dann kann es auch einfach mal sein, dass du zehn Stunden nicht pissen gehen darfst. Das ist doch absurd!

Und das ist nur eines von vielen Beispielen, die einen unfassbar eingeengt haben. Dann natürlich diese Arten der Hierarchien, die es gibt. Leute ohne praktische Erfahrung sind plötzlich deine Vorgesetzten, haben aber von nichts eine Ahnung. Natürlich kann dir das überall passieren, aber es ist schon verstärkt aufgefallen, dass dies negative Auswirkungen hatte. Und hinzu kommt dann noch die Willkür, mit der viele Kollegen sich der Bürger angenommen haben, die oftmals ja gar nicht wissen, was die Polizei darf und was nicht. Versteh mich nicht falsch, in jedem Job gibt es schlechte Menschen und ich will den Berufszweig des Polizisten keinesfalls über einen Kamm scheren. Aber ich hatte irgendwann so viele schlechte Erfahrungen gemacht, dass ich einfach nicht mehr guten Gewissens weitermachen konnte.

Philipp ist ein Typ, auf den die Fotografen fliegen: Sein Look verkörpert das hippe, unabhängige Berlin. Modeljobs gehören daher zu seinem Leben wie das Tätowieren und der Job im Berliner Nachtleben.

Der Tätowierberuf ist freiheitsliebender

Du hast dich in deiner Zeit bei der Polizei selbst tätowieren lassen. Stieß das auf Verständnis, gar Gegenliebe?
Oh, ganz schwieriges Thema. Das erste Tattoo konnte ich noch verdecken, das war also weniger ein Problem. Aber nach und nach wurde es immer mehr und irgendwann habe ich mir auch den Hals tätowieren lassen. Und da wurde mir gesagt, dass ich ab jetzt nur noch mit hoch schließender Jacke im Dienst erscheinen darf – auch im Hochsommer.

Aber sollte die Polizei nicht auch bürgernah sein? Und einige Bürger sind nun mal tätowiert …
Das sehe ich genauso. Aber meine Vorgesetzten sahen das als Provokation an. Selbst als ich von den Bürgern das komplett gegenteilige Feedback bekam. Natürlich habe ich mir auch die Frage gestellt, was für den einzelnen Bürger als Tattoo an einem Polizisten noch vertretbar ist. Und natürlich kann ich auch nachvollziehen, dass es vielleicht komisch anmutet, wenn ein Polizeibeamter ein Messer tätowiert hat – so wie ich. Aber am Ende kann sich ein Mensch, wenn er denn will, an allem stören, was äußerlich sichtbar ist. Und wir leben im Jahr 2017 – so unnormal sind Tattoos heute nicht mehr.

Mit mehr Glück als Verstand kam Philipp fast Hals über Kopf zum Tätowieren. Und da er Model und It-Girl Bonnie Strange tätowierte, kam der Hype fast schneller, als ihm lieb war. Mittlerweile tätowiert Philipp scharenweise hippe Instagrammer. Seinen Stil beschreibt er als sehr minimalistisch.

Wie kamst du dann selbst zum Tätowieren?
2015 war Sashatattoing aus Sankt-Petersburg bei Tobias Vetter im Salon »Viktor Leske« zu Gast und hat mich tätowiert. Ich habe mich also mit den Jungs unterhalten, weil mir da schon klar war, dass ich auch sowas machen will. Und da mir klar war, dass man in Berlin nicht jedem vor den Latz knallen muss, dass man bei der Polizei ist, hab ich einfach gesagt, ich sei Tätowierer (lacht).

Ich hab mir dabei gar nicht viel gedacht, um ehrlich zu sein, bis Tobias plötzlich meinte, ob ich nicht Interesse hätte, mit ihm zusammen zu arbeiten. Ich konnte aus der Nummer jetzt natürlich nicht mehr raus, eigentlich wäre es ja auch die perfekte Ausgangssituation für mich gewesen, aber ich wusste auch, dass er, sobald ich ihm meine bisher noch nicht vorhandenen Arbeiten zeigen würde, das Angebot zurückziehen würde. Trotzdem hab ich mich direkt dran gemacht, mir alles an Wissen in kürzester Zeit selbst draufzuschaffen. Ich hatte ja auch niemanden, der mir zu dem Zeitpunkt irgendwas erklären konnte. Tobias hat sich meine Sachen dann kurze Zeit später angeschaut, geschmunzelt und gemeint, ich könne trotzdem gerne weiter vorbeikommen, er würde mir dann mal zeigen, wie das so geht (lächelt). So bin ich dann gut acht Monate lang immer nach der Arbeit in den Shop und habe ihm über die Schulter geschaut und gelernt, bis ich endlich bei der Polizei gekündigt habe und mich voll aufs Tätowieren konzentrieren konnte.

@theserottendays

Bonnie Strange unter der Tattoonadel

Jetzt tätowierst du noch gar nicht lang, hast aber gerade in den sozialen Medien einen ordentlichen Hype.
Ich hatte die Ehre Bonnie Strange bei einem Foto­shooting tätowieren zu dürfen. Und das hat dann natürlich ordentlich eingeschlagen. Dadurch sind viele Leute auf mich aufmerksam geworden und haben angefragt.

Warst du denn zu dem Zeitpunkt schon dafür bereit?
Um ehrlich zu sein nicht, nein. Aber ich musste die Chance natürlich nutzen und mich hat das auch motiviert. Es ist ja auch nicht so, als hätte ich vorgegeben, etwas zu sein, was ich nicht bin. Ich habe immer klar kommuniziert, welche Arbeiten ich mache und wer ich bin.

@theserottendays

Wer ist denn Theserottendays genau?
Ich bin Berlin-Mitte. Ich mag es, in Ateliers oder Pop-up-Stores zu arbeiten oder mir wie jetzt meinen neuen Laden mit einem Friseur/Stylisten zu teilen. Ich mache kein klassisches Tattoohandwerk – aber ich habe natürlich auch überhaupt nichts dagegen. Ich denke nur einfach, dass die Szene und die Geschmäcker eben auch bei den Kunden so groß und vielfältig sind, dass es für beide Arten genügend Platz gibt. Ich respektiere die Leute, aber ich mache lieber mein eigenes Ding. Und natürlich verstehe ich, wenn ich argwöhnisch begutachtet werde, aber lieber mache ich das, was ich fühle, als mich zu verstellen.

@theserottendays

Du tätowierst fast ausschließlich Linework und viele kleine Tattoos und sprichst ein sehr hippes Publikum an …
Mein Stil ist sehr minimalistisch, ich tätowiere fast ausschließlich mit 3er- oder Single-Needle. Ich arbeite sehr wenig mit Schattierungen und daher sehr puristisch. Ich erfinde das Rad nicht neu, aber ich arbeite jeden Tag hart dafür, dass meine Arbeiten ihre Anerkennung bekommen. Ich denke daher, dass die Leute nicht zu mir kommen, weil ich die besten Tattoos weit und breit mache, sondern sie kommen auf Grund meiner Persönlichkeit zu mir. Ich bin ehrlich und weiß um meine Stärken und schicke Kunden auch zu Kollegen, wenn der Tattoowunsch nicht meinem Können entspricht.

Kann man sagen, dass du der Tätowierer der Berliner Instagram-Szene bist?
(Lacht) Also man kann schon sagen, dass ich viele Leute aus den eher hippen Szenen tätowiere, die auf Instagram eine große Reichweite haben. Dadurch werden natürlich auch genau solche Leute auf mich aufmerksam und daher tätowiere ich schon vornehmlich junge und weibliche Kunden. Denen gefallen die minimalistischen, kleinen Tattoos sehr gut und sie finden sie »stylisher« als zum Beispiel fette, bunte Western-Traditionals. So mein Eindruck. Viele Mädels planen mich auch in ihre Wochenendtrips ein, kommen aus London, Moskau oder München, gehen vormittags am Alexanderplatz bei Primark einkaufen und kommen danach für ein kleines Tattoo zu mir. Ich hab da nichts gegen. Ich freue mich über jeden Kunden, der Lust auf meine Arbeiten hat. 

@theserottendays

Kontakt zu @theserottendays

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Berlin-Mitte
IG: theserottendays
theserottendays@gmail.com
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Stand:22 November 2017 08:15:52/t%C3%A4towierer/influencer+%40theserottendays+-+erst+polizist+jetzt+taetowierer_171024.html