In Haut geprägte Kunst – Tätowiererin Maud Dardeau

22.04.2016  |  Text: Travelingmic  |   Bilder: Maud Dardeau, Travelingmic
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In Haut geprägte Kunst – Tätowiererin Maud Dardeau
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Maud Dardeau aus Paris spiegelt in ihren Tattoos die Epochen der europäischen Kunstgeschichte wider. Von mittelalterlicher Gotik über Renaissance, vom französischen Barock-Prunk bis hin zur teils nüchternen Sachlichkeit des Realismus ist bei ihr alles vertreten.
Kaum eine Tätowiererin hat die europäische Kunstgeschichte so sehr verinnerlicht wie Maud Dardeau aus Paris. Ihre Arbeiten sind ein Parforceritt durch die Epochen: Von mittelalterlicher Gotik über Renaissance, vom französischen Barock-Prunk bis hin zur teils nüchternen Sachlichkeit des Realismus ist bei ihr alles vertreten. Hauptsächlich inspiriert von Drucktechniken und Buchillustrationen schafft sie bildgewaltige Tattoos, die Eindruck machen – nicht nur in der Haut.
 
Der Hintergrund dieser Arbeit von Maud Dardeau wirkt grob wie beim Holzdruck, Engel und Menschen haben eine feinere Struktur, die an Kupferstich erinnert.




 
 

 




Maud, woher beziehst du deine Inspirationen? Du scheinst vor allem von europäischer Kunstgeschichte beeinflusst zu sein.
Ich besuche die Museen hier in Paris, die Flohmärkte und viele Buchläden. Das prägt natürlich. Klar, ich sehe auf Instagram, was andere Tätowierer erschaffen, aber ich ziehe es vor, meine eigenen Quellen zur Inspiration zu erschließen. Bücher stehen da ganz weit oben, egal über was: Naturdarstellungen, Malerei der Renaissance, Gravur, Holzschnitt-Illustrationen

Buchdruck ist offensichtlich ein wichtiges Thema für dich. Da ist die Technik des Illustrierens ähnlich wie beim Tätowieren: Der Künstler graviert die wichtigen Linien dicker, schattiert fein mit Punkten und zarten Schnitten … Welche Parallelen siehst du sonst noch?
In der Betrachtungsweise: Sowohl Tattoos als auch Buchillustrationen laden zu zwei verschiedenen Perspektiven ein. Von weitem ergibt sich ein klares Bild, das man sofort erfassen kann. Wer genauer hinschaut und näher kommt, erkennt die feinen Details.

Die »Apokalyptischen Reiter« nach einer Vorlage von Albrecht Dürer– tätowiert von Maud Dardeau.

Die Wirkung deiner Tattoos ergibt sich teilweise durch ihre gewaltige Größe. Dafür, dass du noch nicht sehr lange tätowierst, machst du viele wirklich umfangreiche Arbeiten. Wie kommt es dazu?  
Ich liebe es, meine Arbeiten körperumfassend anzulegen. Wenn ich mit dem Kunden ein Tattooprojekt bespreche, schlage ich oft eine Arbeit mit vielen Details vor. Das führt automatisch dazu, dass das Ganze am Ende wirklich groß wird. Zum Glück haben das meine Kunden schnell verstanden und genug Vertrauen, mich gewähren zu lassen. Sie geben mir lediglich eine Richtung vor, und überlassen mir die Interpretation. Ich folge da ganz meinen Gefühlen und oft entwickelt sich das Projekt erst mit der Zeit während der Durchführung.

Baust du in deine Tattoos bewusst Symbolik ein? Die europäischen Illustratoren des 18. und 19. Jahrhunderts haben viel damit gearbeitet und ihre Bilder förmlich damit überladen.
Ich selbst glaube gar nicht an Symbole. Das ist der persönlichen Interpretation des Kunden überlassen. Ich vermenge lediglich Referenzmaterial und baue etwas daraus, das ästhetisch anzusehen ist.
 
Feines Dotwork erzeugt die Wirkung von Licht- und Schatten. Den gewünschten Effekt verstärkt die Pariser Tätowiererin, indem sie teilweise unterschattiert.

Gibt es andere Tattoostile, die dich interessieren?
Japanische Tattoos bilden die Basis dessen, wie ein richtiges Tattoo mit Konzept auszusehen hat. I love it! Sie sind sind so effizient und präzise; eine großartige Quelle der Inspiration!

Es fällt auf, dass sich deine Gemälde radikal von den Tattooarbeiten unterscheiden. Sie strotzen vor Details und Farbe und haben einen surrealistischen Touch. Würdest du so etwas auch tätowieren wollen?
Nein. Ich separiere ganz bewusst diese beiden Medien, und momentan habe ich nicht die Absicht, in Farbe zu tätowieren.
 
Gefällt es dir, in Paris zu arbeiten? Du arbeitest hier zusammen mit der Tattoolegende Tin-Tin, das ist doch sicher etwas Besonderes.
Paris ist ein hartes Pflaster zum Überleben, aber die Arbeit ist gut. Und mit Tin-Tin zu tätowieren ist eine Ehre und motiviert ungemein. Und er ist ein irre witziger Typ.   

Thematisch legt sich Maud keine Beschränkungen auf. Von Nietzsches »Amor Fati« (lat.: »Liebe zum Schicksal«) …

Als wie wichtig betrachtest du die Social Media in der Tattooszene? Denkst du nicht, dass sie das Ende von echter Zusammenarbeit unter Tätowierern sein könnten?
Die Tatsache, dass wir jederzeit im Internet sehen können, was weltweit in der Szene geschieht, könnte dafür sorgen, dass sich Kreativität schneller und weiter verbreitet. Die reale Interaktion wird darunter nicht leiden. Ein Kunstwerk live und mit eigenen Augen zu sehen ist unersetzbar. Schau nur mal, wie populär Museen zurzeit wieder sind!



Tin-Tin Tatouages
Maud Dardeau
37 rue de Douai
75009 Paris, Frankreich

www.instagram.com/mauddardeau
www.facebook.com/MaudDardeauTinTinTatouages
tin-tin@tin-tin-tattoos.com
 
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Stand:22 November 2017 08:26:32/t%C3%A4towierer/in+haut+gepraegte+kunst_163.html