Genährt durch Extreme

28.08.2015  |  Text: Pascal Bagot  |   Bilder: Alexander Grim
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Genährt durch Extreme
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Der Sankt Petersburger Tätowierer Alexander Grim erschafft Werke, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Seine elegant mit dem Körper verschmelzenden Tattoos sind schwarz, kraftvoll und voller morbider Anspielungen.



Wann hattest du den ersten Kontakt zu Tattoos?
Ich hab mir mit 14 Jahren auf meine Handfläche ein kleines Tattoo selbst gestochen. Viele meiner Klassenkameraden sagten, ich sei verrückt. Ihr spießiges und langweiliges Leben vor Augen, nahm ich es schon damals als Kompliment und es bestärkte mich darin, dass ich auf dem richtigen Weg war.



Auch Vogelsymbolik taucht oft in den Werken des St. Petersburgers auf;
ein doppelköpfiger Uhu beherrscht die Welt.




Wie ging es weiter?
So um 1998 oder 1999 waren ich und meine Kumpel vom Black Metal und der ganzen Untergrund-Outlaw-Atmosphäre beeinflusst, auf so eine Sache wie Tattoos konnten wir da natürlich nicht verzichten. Es war wie ein Treueschwur zu diesem Lebensstil und eine Art Initiationsritus. Etwas zu machen, was ein Leben lang hält, übte einen großen Reiz auf uns aus. Zu dieser Zeit kam man nicht an viele Infos zum Tätowieren und so habe ich mir alles selbst erarbeitet. Schließlich habe ich alle anderen Aktivitäten eingestellt und mich voll auf das Tätowieren konzentriert. Nachdem ich technisch was drauf-
hatte, habe ich in unterschiedlichen Studios in Sankt Petersburg und Moskau gearbeitet. Jetzt tätowiere ich sehr privat und mache die Sachen, die ich möchte. Das gibt mir die Freiheit, die ich brauche, und ohne die ich auch nicht mehr kann.
Unheimlich kraftvoll, dabei trotzdem filigran:
ein stilistischer Spagat, den nicht viele hinbekommen!


Warum konzentrierst du dich auf schwarze Tätowierungen?
Was ich wirklich mag, sind die Stammestätowierungen, diese typischen Zeichen und traditionellen Ornamente. Ich erinnere mich gut an einen Besuch in der Eremitage (berühmtes Kunstmuseum in Sankt Petersburg, Anm. der Red.), wo in einer Halle für Frühgeschichte die tätowierte Mumie eines Skythenkriegers ausgestellt war. Die war 2500 Jahre alt und trug schwarze Tierdarstellungen wie Hirsch und Tiger, die
wundervoll auf dem Körper komponiert waren. Der Gedanke, dass die so lange erhalten geblieben sind und immer noch unglaublich gut wirken, hat mich umgehauen. Dann dachte ich mir: »Das sieht zeitlos aus im Gegensatz zu vielen modernen Tätowierungen, die nicht älter als fünf Jahre sind und schon jetzt billig und überholt aussehen.« Die Mumientattoos waren auf der einen Seite sehr simpel, von ihrer Komposition her aber sehr komplex: Jedes Element war am richtigen Platz, hatte die richtige Größe. Ich fühlte mich wie ein Höhlenmensch im Vergleich zu dieser Kultur. Es gab mir das Gefühl, auf etwas Altes und Echtes zu schauen, was im Kontrast zu unserer Welt des falschen Scheins und der Kopien steht.

 


KONTAKT
ALEXANDER GRIM
Sankt Petersburg
www.facebook.com/alexander.grim.art
instagram.com/alexandergrim


Der vollständige Artikel ist in der September-Ausgabe 2015 des TätowierMagazins zu lesen.
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Stand:20 November 2017 12:59:54/t%C3%A4towierer/genaehrt+durch+extreme_158.html