Eine neue Adresse für Farb-Realismus

22.12.2017  |  Text: Benjamin Bauer  |   Bilder: Annegret Hirschmann, Marco Klose
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Eine neue Adresse für Farb-Realismus
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Realistic-Tätowierer Marco Klose kündigte für seinen Traum, Tätowierer zu werden, seinen sicheren Job und verzichtete sogar auf eine Abfindung. Wenig später gewann er bei der Tattoo-Talentshow »Pain & Fame« und sahnt auch bei Conventions Preise ab. Jetzt eröffnet er in Darmstadt sein eigenes Studio.
Als wir telefonieren, wartet Marco Klose, Gewinner der Tattooshow »Pain & 
Fame«, gerade auf die Elektriker, die in seinem neuen Laden in Darmstadt-Eberstadt die Kabel verlegen sollen. »Ist schon stressig zurzeit«, sagt der 39-Jährige. Wie überhaupt vieles in letzter Zeit: Sein E-Mail-Postfach quillt über vor Anfragen von Menschen, die in seinem Laden arbeiten wollen, obwohl der noch nicht einmal eröffnet hat. Kundenmails häufen sich, die Nachfrage nach Terminen ist groß. Doch nichts liegt dem Darmstädter ferner, als sich darüber zu beschweren. »Ich lebe meinen Traum«, sagt er. Und Marco kleckert nicht, er klotzt – denn er hat noch viel vor.

Die Anspannung ist Marco Klose anzusehen. Am ersten Januar eröffnet er sein eigenes Studio, davor ist noch viel zu tun.

Clean und modern Soll der Laden sein
Der nächste Step in der Karriere des Ex-Mitarbeiters beim Pharmariesen Merck ist nun also das eigene Tattoostudio in Darmstadt-Eberstadt. Das war schon sein Traum, als er vor gut sieben Jahren mit dem Tätowieren anfing, ganz nebenbei, wie es seine Schichten in der Produktion eben zuließen. Er besuchte andere Studios und merkte sich, was ihm gefiel. Für seinen eigenen Laden, der am 1. Januar 2018 eröffnen wird, hat er eine klare Vision: »Es wird ein modernes, clean gehaltenes Studio werden«, sagt er. »Nicht überladen.« Mit barocken Elementen und allerhand Nippes vollgestopfte Shops sind nicht sein Ding. Marco mag es klar. »Es soll einladend für alle sein.«

Zu Gast bei Mario Barth
 Wer einmal das »Starlight«-Tattoostudio von Mario Barth in Las Vegas besucht hat, weiß: Für manche Tätowierer gehört ein bisschen Show im Studio einfach dazu. Vom österreichischen Startätowierer, den Marco durch die SIXX-Show kennenlernte und der sein Studio in Vegas als eine Art »Aquarium« bezeichnet, das mit viel Transparenz die durch das Casino schlendernden Menschenmassen locken soll, möchte sich Marco – zumindest, was den Look angeht – nicht inspirieren lassen. »Ich bin bodenständig«, sagt er schmunzelnd. Die Arbeit mit Mario Barth und auch den Guestspot in den Staaten, der sich an seinen Sieg in der Sendung anschloss, hat er aber sehr genossen.

 Realistic-Style muss nicht immer Realistisches zeigen: Hier kommt zum Beispiel gerade Überraschungsbesuch von der »Grünen Fee«.Unten: Marco Klose

Auf seine bodenständige und kundenorientierte Denkweise ist Verlass. Der Mann ist Pragmatiker und Dienstleister durch und durch. Dementsprechend heißt sein Studio auch schlicht »Marco Klose Tattoo«. »Ich will da nix Spektakuläres«, sagt er. Ein Riesen-Ego sucht man bei diesem Tätowierer daher vergebens – obwohl er es sich ob seiner Arbeiten durchaus erlauben könnte, ein bisschen anzugeben. Mit seinen Tattoos im Farbrealismus konnte er bei Pain & Fame nicht nur Randy Engelhard und Mario Barth überzeugen, sondern auch seine sieben Mitbewerber übertrumpfen. Und mit dem Genre des Fotorealismus hat sich Marco auch nicht eben die einfachste aller Spielarten ausgesucht. Für ihn ist es die Königsdisziplin, die ihm zwar auch einiges abverlangt, aber die ihn gleichzeitig am meisten fesselt. »Fotorealismus in Schwarzgrau ist ja schon schwierig. Etwas so hinzubekommen, dass es genauso aussieht wie auf der Vorlage und authentisch ist. Dann auch noch Farbe reinzubringen, das ist ’ne echte Challenge«, sagt er. Wichtig ist ihm zudem, dass man seinen eigenen Style noch mit einbringt. Einen hohen Wiedererkennungswert bietet die weiße Aura, mit der er die meisten Motive rahmt. Auch das Thema Haltbarkeit ist für ihn ein allgegenwärtiges, an dem er ständig arbeitet. 

Tattoos für Serien-liebhaber: egal ob Ragnar Lothbrok und dessen Bruder und Gegenspieler Rollo aus der Serie »Vikings« (links) oder Serienmörder Dexter Morgan aus »Dexter« (rechts): Marco setzt es perfekt um.

»It's a long way to the top if you wanna rock 'n’ roll«
Was seine Entwicklung angeht, ist er noch lange nicht an dem Punkt, an dem er sein will. Er lerne stets dazu. »Da ist noch Luft nach oben«, lacht er. »Ich will sehen, wie gut ich noch werden kann. Vielleicht sieht man das bis in zwei Jahren.« Um sich weiterzuentwickeln, nimmt er auch seine eigenen, früheren Arbeiten immer wieder kritisch in Augenschein. Aber auch Arbeiten von Vorbildern wie Steve Butcher, Benjamin Laukis oder Randy Engelhard dienen ihm als Ansporn und Messlatte. Marco holt sich von Kollegen auch 
immer wieder Tipps ab. »Ich bin sehr wissbegierig«, sagt er. So habe er beispielsweise zuletzt den Rat Randy Engelhards befolgt und mehr Round Shaders benutzt – und siehe da: »Da kann man die Farben auch mal ein bisschen mehr verdichten und jetzt sind die Dinger auch abgeheilt tausend Mal besser und ich hab weniger Nachstechen«, lacht er. Marco arbeitet mit Cheyenne-Rotary und wird von der Firma unterstützt. Spulenmaschinen habe er zwar auch ausprobiert, aber Rotary liege ihm einfach mehr. »Ist auch bequemer«, findet er. »Keine Griffstücke zum Sterilisieren und so weiter.« Außerdem brachte ihm der Gewinn der Tattooshow einen Deal mit dem Farbenhersteller »Intenze« ein, für den er zusammen mit Angelina Mengel vom Studio Hautkunst in Solingen eine Farbpalette mit dem Namen »Power Greys« herausbringen wird.

Ein beeindruckendes Superman-Porträt, das die Züge des aktuellen Superman-Darstellers, des Engländers Henry Cavill, trägt.

Titel: »Bester Tätowierer«
Nach der SIXX-Show hieß es, Marco sei nun »Bester Tätowierer Deutschlands«. Er selbst ist da bescheidener: »Ich weiß selbst, dass ich nicht Deutschlands bester Tätowierer bin. Aber vielleicht ein guter«, sagt er. Nach der TV-Sendung schlug ihm jedenfalls nicht nur Lob und Respekt entgegen. »Natürlich begegnen einem auch immer wieder 
Leute auf der Hater-Schiene, die dann meinen: »Hey, der Fernsehdepp!« Aber das prallt an mir ab. Ich hab ja auch so viele Leute kennengelernt, die das akzeptieren und das find ich gut.« Im Gespräch werden Marcos diplomatisches Wesen und seine salomonische Art offenbar – frei nach dem Motto »Leben und leben lassen«.

Natürlich sticht Marco auch Porträts von den Liebsten.

Das eigene Studio – ein neues Kapitel
Nun schlägt der Darmstädter ein neues Kapitel auf. Mit seinem eigenen Studio. Das wird in der Anfangszeit allerdings keine geregelten Öffnungszeiten anbieten. Marco ist einfach zu viel unterwegs: »Ich werde unter anderem mit Randy zusammen auf die Golden State Tattoo Convention nach Kalifornien fliegen«, sagt er. Aber auch Leipzig und Dortmund, später New York, Belfast, Shanghai, Dublin oder Luxemburg stehen auf dem Programm. »Ich denke, so nach drei Monaten wird es dann geregelte Zeiten geben«, sagt Marco. Man hat nicht den Eindruck, als mache es ihm besonders viel aus, auf Achse zu sein. Im Gegenteil: Der 39-Jährige liebt das Arbeiten auf Conventions. »Man trifft da Leute, die man nur von YouTube-Videos kennt«, lacht er. Und wenn man sich mit denen austauschen könne und obendrein noch ein gutes Feedback für seine Arbeit bekomme, sei das schon eine riesige Anerkennung.  
Terminvergabe per Quartal
Die Terminvergabe im eigenen Studio wird Marco voraussichtlich im Quartalsrhythmus angehen. So könne er Kunden eine relativ kurze Wartezeit von drei bis vier Wochen in Aussicht stellen. »Ich denke auch, dass es sehr schnell gehen wird und ich jemanden einstelle, der das übernimmt«, sagt er. Nach wie vor werde viel über Facebook passieren, von wo aus er Booking-Aufrufe startet. Erreichbar sei er am besten per Mail. 
Pain, Fame, mehr Kunden – und weniger Zeit für die individuelle Session? Marco hat bisher nicht die Erfahrung gemacht, dass die Beziehung zu den Kunden unter der steigenden Zahl derer, die von ihm tätowiert werden wollen, leidet. Er nimmt sich daher weiterhin viel Zeit für jeden. »Ich bin bei jedem Tattoo mit voller Leidenschaft dabei.« In seinem Studio wird es Platz für drei bis vier Tätowierer und auch immer wieder Guestspots geben. »Mit Angelina Mengel werde ich hier sicher zusammen was machen. Vielleicht kommt auch Randy mal vorbei.« Laufkundschaft werde er anfangs nicht haben, weil es einfach nicht geht. Da werd ich reinwachsen müssen.«

Marco Klose

Offen für andere Genres
Ob es ein Motiv gibt, das er gerne einmal tätowieren würde und noch nicht hat? Marco überlegt. Er mag ja Filmcover – und davon durfte er auch schon viele, viele machen. »Ich liebe es aber auch, wenn ein Tattoo eine Geschichte erzählt und man vielleicht auch nicht auf den ersten Blick sieht, welche«, sagt er schließlich. Aktuelle Trends in der Szene – wie beispielsweise den Hype um Traditionals – verfolgt er und ist auch offen dafür. »Ich bin experimentierfreudig!« Gegen Trends hat er nichts. Das Genre des Fotorealismus – ob nun Black-and-Grey oder Full Colour – ist seiner Meinung nach allerdings zeitlos.  

Vom Neben- zum Traumjob
Tätowieren lernen mit Lehrvideos einerseits, andererseits eine klassische Ausbildung, bei der man zuerst einmal Monate lang nur zeichnet: Für Marco gibt es keinen einheitlichen und richtigen Weg dahin, Tätowierer zu werden. »Wenn ich jemanden habe, der super zeichnen kann, macht es keinen Sinn, den im ersten Lehrjahr nur zeichnen zu lassen«, findet er. »Für den müssen dann andere Aufgaben her.« Und zu lernen gebe es auch abseits des Künstlerischen natürlich genug. Gerade die Hygiene sei ein großes Thema, so Marco. Und das könne man sich nicht nur mit Videos aneignen. »Ich hätte mir damals auch jemanden gewünscht, der mir das alles mal erklärt«, sagt er. Er selbst ist relativ spät mit dem Tätowieren gestartet, macht es erst seit einem Jahr in Vollzeit. Davor arbeitete er vier bis fünf Tage pro Monat im Studio PapiRouge in Darmstadt.
Nach seinen Leidenschaften gefragt, muss der 39-Jährige überlegen. Schließlich hat er sein bisheriges Hobby mittlerweile zum Beruf gemacht. Die – im Moment sehr spärliche – Freizeit nutzt er, um abzuschalten, aber auch dann betätigt er sich oft künstlerisch. »Ich zeichne und male sehr gern. In Öl, Aquarell, mit Buntstiften.«  

Marco Klose

Marco ist angekommen
»Ich habe den besten Job der Welt«, sagt Marco. Als Tätowierer könne er seine künstlerische Kreativität ausleben. Und davon gibt es jede Menge. Doch das wäre alles nichts ohne die Kundschaft: »Wenn man mit dem Kunden zusammen etwas erarbeitet und dann auf einer Wellenlänge ist, es einfach ›klick‹ macht und man in einen Flow kommt, das ist das Beste.«

Kontakt:
Marco Klose Tattoo
Lagerstraße 12
64297 Darmstadt (Eberstadt) 
IG: marcoklose_official
FB: Marco Klose Tattooartist
E-Mail: marco.klose@mail.de
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Stand:19 January 2018 18:30:32/t%C3%A4towierer/eine+neue+adresse+fuer+farb-realismus_171212.html