Drei verschiedene Tätowierer, ein gemeinsamer Stil. Diesmal: Tierporträts

21.07.2017  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: Marco Schmidgunst, Valentin Hirsch, André Zechmann
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Drei verschiedene Tätowierer, ein gemeinsamer Stil. Diesmal: Tierporträts
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Drei Tätowierer, ein Motivschwerpunkt. In dieser Ausgabe erklären uns Marco Schmidgunst, Valentin Hirsch und André Zechmann ihre sehr unterschiedlichen Ansätze, Tierporträts zu stechen.
Sicherlich gehören Tierdarstellungen zu den häufigsten Motiven, die als Tattoo auf der Haut umgesetzt werden. Haustiere, Wildlife, Vertreter der heimischen Tierwelt, Vögel, Reptilien, Insekten – das Thema ist schier unendlich und vom Axolotl bis zur Zecke findet auf dem Biotop Haut alles einen Platz. Und ähnlich vielfältig wie die Tierwelt sind auch die stilistischen Möglichkeiten der Umsetzung. Wir stellen drei Tätowierer vor, die sowohl konzeptionell als auch stilistisch sehr unterschiedlich arbeiten.

Marco Schmiedgunst

Neo-Traditionals von Marco Schmidgunst 

Bereits seit sechzehn Jahren ist Marco Schmidgunst (35) Tätowierer. Der gebürtige Hesse siedelte 2013 nach Berlin um und sticht seine Neo-Traditionals mittlerweile im Studio Brust oder Keule.

Tätowierungen im neo-traditionellen Stil mit Art-déco-Einflüssen gehörten früher zum Erkennungszeichen von Marco Schmidgunsts Arbeiten. Ganz aufgegeben hat er das zwar nicht, die Facetten der Umsetzung haben sich jedoch erweitert. »Ich schattiere nicht mehr so krass durch«, bringt er seine Entwicklung auf den Punkt. »Ich muss beispielsweise nicht mehr das Gefieder eines Vogels oder die Schuppen einer Schlange bis ins Detail ausarbeiten, sondern arbeite traditioneller, fülle die Areale flächiger. Damit bekommen die Motive auch eine eher grafische Wirkung.« 



Welche Bild- oder Stilelemente er einsetzt, ob die Tiere eher eine realistische Wirkung haben sollen oder einen humoristisch-comichaften Charakter, ist neben dem Motivwunsch des Kunden auch abhängig von der zur Verfügung stehenden Körperfläche und davon, welche Tätowierungen neben diesem Motiv bereits vorhanden sind. »Es ist durchaus auch reizvoll, ein Tier zu vermenschlichen und einen Fuchs beispielsweise in einen Samurai zu verwandeln. Das Tier kann dann eigentlich nicht anatomisch korrekt dargestellt werden, ein Fuchs steht halt nicht auf den Hinterbeinen. Da ist eine Annäherung gefragt, da muss man Kompromisse machen.« 

Biene mit Dotwork, auch von Marco Schmiedgunst.

Neo-Traditionals sind bei seinen Arbeiten nach wie vor die Ausgangsbasis. »Ich möchte flexibel arbeiten, es ist ja die Vielfalt, die die Arbeit interessant macht und je nachdem, was der Kunde möchte, versuche ich mich darauf einzustellen und mit Stilelementen zu variieren. Dann sehen besonders häufig gewünschte Tiermotive auch nicht immer gleich aus.«

Sehr traditionell-grafische Schlange, gestochen von Marco.

Ein Teil seiner Kunden sind Veganer wie Marco selbst und kommen genau aus diesem Grund auch zu ihm, wenn sie ein Motiv haben wollen, mit dem sie ihre vegane Lebensweise und den damit einhergehenden Tierschutz thematisieren wollen. Es hilft natürlich bei der Entwicklung der Motive – häufig in Form eines Rollentauschs von Tier und Mensch/Opfer und Täter, dass sich Marco selbst mit dem Thema auseinandergesetzt hat und so die Intention des Kunden nachvollziehen kann. Damit ergeben sich in seiner Arbeit etwas andere Varianten der Tierdarstellung, die häufig krass rüberkommen und eher nicht darauf abzielen, Tiere lediglich in ihrer Schönheit als dekoratives Objekt darzustellen.

Marco setzt Tiere unter anderem auch in menschlichen Rollen in Szene - hier zum Beispiel ein der Samurai-Fuchs.

Kontakt
Marco Schmidgunst
Brust oder Keule
Danziger Straße 134
10407 Berlin
Tel.: 030-89372907
www.tattooberlin.net
IG: marcoschmidgunst
FB: marco.schmidgunst
FB: Brust oder Keule 
Blog: www.marcoschmidgunst.de


Valentin Hirsch

Grafik-Style von Valentin Hirsch

Valentin Hirsch (38) ist in Deutschland einer der Vorreiter für grafisch-illustrative Tätowierungen. Seit viereinhalb Jahren arbeitet er in seinem Privatstudio in Berlin-Neukölln.

Tätowierer wollte Valentin Hirsch eigentlich gar nicht werden und er ist es in der üblichen Berufsdefintion des Tätowierers als Dienstleister nach wie vor nicht. »Ich wollte wissen, wie ein Tattoo funktioniert, habe es aber immer als ein Medium angesehen, um mein Verständnis von Kunst und mein ästhetisches Empfinden umzusetzen«, erklärt Valentin seinen Ansatz. Daraus entwickelte sich eine minimalistische, sehr grafisch orientierte Stilrichtung, die er bereits im AKA Berlin umsetzte, wo er 2012 und 2013 arbeitete, und die inzwischen in zig Variationen von Kollegen weiterentwickelt wurde. Seine Tattoos sieht er als Zeichnungen, die er auf die Haut bringt.



Charakteristisch ist die Symmetrie der Motive, oft sind die beiden Hälften gespiegelt – dabei ist nicht nur oft die Außenform identisch, sondern auch das Innenleben. Eine Variante dieses Schemas von gespiegelten und gleichwertigen Elementen, die zwar geteilt sind, aber eine optische und damit auch inhaltliche Einheit ergeben, ist die Positionierung der beiden Hälften auf zwei Körperteile. »Völlige Symmetrie gibt es in der Natur nicht. Durch die Verdopplung versuche ich etwas Ideales zu schaffen. Dadurch ist die Wirkung intensiver, auch aufdringlicher. Ich mag es nicht, wenn Tierporträts nicht symmetrisch sind, da fehlt für mich die Einheit, die Identität … das widerspricht meinem Verständnis von Ästhetik.« 



Neben der Reduktion der Motive sind es vor allem die geometrisch-geradlinigen Formen, die seine Arbeit kennzeichnen. Das Dreieck – »ein geradliniger Kreis« – ist eine geometrische Grundform, die er in seinen Tätowierzeichnungen verwendet, genauso wie vertikale Linien, »die minimalistischste geometrische Form«, mit der Valentin das Bild in zwei Hälften teilt. »Das Dreieck und die Zahl Drei sind ja sehr bedeutungsvoll und auch religiös besetzt, aber das spielt für mich keine Rolle. Bei mir hat sich das über die Jahre entwickelt und es geht mir darum, die geometrische Form des Motivs gegen seine organischen Anteile und gegen die Körperformen zu setzen. Das erzeugt für mich die gewünschte Spannung.«

Die geometrischen Formen stehen im Spannungsverhältnis zu den organischen des Motivs und des Körpers.

Kunden mit dem Wunsch eines Porträts ihres Haustieres sind bei Valentin falsch, es sei denn, sie leben mit Wölfen, Affen oder Tigern zusammen. Er sieht sich nicht als »Motiv­erfüller«, will aber auch keinen Egofilm drehen. Die Vorgabe des Themas im Wildlife-Bereich ist also in Ordnung, die Konzeptionierung obliegt aber ihm allein. Wobei auch Wiederholungen möglich sind. »Ich arbeitete in den letzten Jahren kontinuierlich an diesem Konzept, ich entwickle es weiter und für mich sind Wiederholungen ein Teil dieses Prozesses, an dem die Kunden teilhaben.« 



Im Ergebnis bekommt der Kunde ein superexakt gestochenes Tattoo, das auch technisch durch die Präzision der geometrischen Formen Valentins künstlerischem Anspruch gerecht wird. Dem gegenüber stehen die dynamisch-organischen Schattierungen, bei denen die Punkte im Gegensatz zum Dotwork – bei dem jeder Punkt ganz gezielt platziert werden kann – nicht statisch gesetzt sind, sondern lebhaft verteilt. Spannungsgeladen, wie all seine Arbeiten.

An der Mittelachse halbierte und gegebenenfalls dann auch gespiegelte Bilder sind ein Prinzip, mit dem Valentin seine Tattoos konzipiert. Auch Dreiecke oder Romben sind wiederkehrende Elemente.

Kontakt
Valentin Hirsch
Privatatelier
Berlin-Neukölln
tattoo@valentinhirsch.com
http://valentinhirsch.com
IG: valentinhirschtattoo
FB: valentinhirschtattoo


Andre Zechmann

Realistic von André Zechmann

Der Österreicher André Zechmann (43) hat sich vom Allrounder zum Realistic- und Fantasy-Spezialisten entwickelt. André tätowiert bereits seit dem Jahr 2003 in seinem Studio AndreArt im österreichischen Gröbming.

»Heimattätowierer« lässt sich André Zechmann gerne nennen. Er liebt die Natur und mag es, deren Flora und Fauna auf der Haut umzusetzen.

Mehr als nur Motive von der Stange will André Zechmann machen, nicht nur, weil diese handwerklich anspruchsvoller sind und seine Kreativität fordern, sondern auch aus Verantwortung gegenüber dem Kunden: »Als Tätowierer und damit Profi muss ich den Kunden doch beraten und ihm eine Tätowierung machen, die wirklich eine individuelle Note hat.« 

Seine Tätowierungen sind nicht fotorealistisch und nicht jedes Details arbeitet er bis ins Feinste aus, wichtiger ist ihm die Gesamtwirkung.

André tätowiert zwar Realistic, aber nicht fotorealistisch, seine Tätowierungen wirken eher wie Gemälde. »Ich möchte eine plakative Wirkung erreichen und es geht nicht darum, jede Feder oder jedes Haar des Fells exakt auszuarbeiten. Das funktioniert einfach nicht als Tattoo. Man muss einen Mittelweg finden zwischen Detailtreue und Abstraktion«, ist er überzeugt. Vergleichbar sei diese Wirkung mit einem großen Werbeplakat, erklärt er: »Aus der Nähe betrachtet sieht es ganz pixelig aus, aus der Ferne wird es zu einem ganzen Bild mit ausreichend Tiefe.«



Wie weit André von der Originalvorlage abweicht, hängt auch damit zusammen, was er porträtieren soll. »Wenn es um Porträts von Haustieren geht, muss ich mich an die Vorlage halten, das Tier soll ja nicht wie eine Karikatur aussehen. Bei einem Tiger beispielsweise kann ich den Charakter des Tieres, in dem Fall seine Aggressivität, durch kleine Veränderungen an den Augen und ein etwas größeres Maul verstärken.« Besonders freut sich der Steirer über die Entwicklung hin zu Tiermotiven der heimischen Tierwelt. »Ich fühle mich selbst sehr verbunden mit meiner Heimat und da freut es mich natürlich, dass die Kunden ähnlich empfinden«. André sieht sich auch als »Heimat-tätowierer.« 



Wichtig für das Zeichnen der Vorlage ist gutes Bildmaterial. »Bei Fotos von Haustieren machen viele Kunden den Fehler, immer das ganze Tier zu fotografieren und kommen mit Schnappschüssen ›Katze liegt auf Couch‹. Damit kann ich wenig anfangen, besser ist es, sie gehen so nah wie möglich mit der Kamera an das Tier und fotografieren das in die Kamera schauende Gesicht, am besten bei guten Lichtverhältnissen im Freien.« Wildlife-Porträts stellt der gelernte Grafiker mit Referenzfotos am Computer und iPad Pro mit Pencil zusammen. »Die Neukombination eines Bildes und die Einbindung in einen stimmigen Hintergrund machen den kreativen Reiz an einer solchen Arbeit ja aus. Außerdem kommt man so nicht in die Gefahr, eine Kopie zu erstellen, das ist nicht gut für den Kunden und könnte Urheberrechte verletzen.« 

Kontakt
André Zechmann
AndreArt
Kaindorf 48
AT-8962 Gröbming 
Tel. +43 (0)664 - 4344741
www.andreart.at
FB: André Zechmann
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Stand:18 November 2017 05:46:03/t%C3%A4towierer/drei+zu+eins+tierportraets_176.html