Drei zu eins: Blackwork-Tattoos

29.12.2017  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: Lars Becker, Matteo Al Denti, Felix Ardsen
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Drei zu eins: Blackwork-Tattoos
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Was sind Blackwork-Tattoos? Drei Tätowierer, nämlich Lars Becker, Matteo Al Denti und Felix Ardsen, erklären ihre Interpretation des Blackwork-Styles.

Blackwork in drei Styles:  Lars Becker, Matteo Al Denti und Felix Ardsen.

Was ist Blackwork?

Was Blackwork-Tätowierungen ausmacht, ist klar: Sie sind in Schwarz gestochen. Und dann hört die Eindeutigkeit bei der Stilbestimmung auch schon auf. Denn auch Tribals zählen zu Blackwork – die Stammestätowierungen sind sogar die Mutter allen Blackworks – und Linework auch und Dotwork und ein in Schwarz zugeballerter Arm ebenso. Ergo: Es ist schwierig bis unmöglich unterschiedliche Stilrichtungen miteinander zu vergleichen, nur weil sie in Schwarz gestochen sind.

In diesem Drei-zu-eins-Artikel soll es um Blackwork-Tätowierungen gehen, die Gegenständliches zeigen. Wie beispielsweise die Arbeiten von Lars Becker, dessen Traditionals stark auf Linework basieren und der als Kontrast ganz bewusst mit viel Haut arbeitet, also untätowierter Fläche. Im Gegensatz dazu Matteo Al Denti aus Berlin. Stilprägend bei seinen Arbeiten sind schwarze Flächen, auf denen sich die Tattoobilder aufbauen und die dank der unterschiedlichen Motivebenen viel Plastizität und Tiefe haben. Anders wiederum der Stil von Felix Ardsen, bei dem vor allem die Linien eine große Rolle kommen.

Lars Becker

Seit sechs Jahren arbeitet Lars Becker (29) im Black Sheep Tattoo in Gießen und hat sich in den letzten Jahren auf Traditionals spezialisiert.

Seit sechs Jahren arbeitet Lars Becker (29) im Black Sheep Tattoo in Gießen und hat sich in den letzten Jahren auf Traditionals spezialisiert. Neben Traditionals in Farbe tätowiert er häufig auch nur in Schwarz. Seine Arbeiten zeichnen sich vor allem durch ein klares Linework aus und durch eine Aura, als wären sie von »anno dazumal«.

Tattoo von Lars Becker.

Der plakative Charakter von Blackwork ist das, was Lars Becker an der Arbeit mit ausschließlich in Schwarz gestochenen Tätowierungen gefällt. Mit den klaren Strukturen und hohen Kontrasten sind sie auf Langlebigkeit angelegt. Die Tattoos des jungen Gießener Tätowierers leben vor allem vom Linework und viel untätowierter Haut. Meist verwendet er nur eine Linienstärke und füllt, wenn es ihm erforderlich scheint, sogar kleinere Flächen mit dem Liner aus. Gut zu sehen an Details wie der Augenpartie in Gesichtern oder der Fellstruktur eines Tigers. Damit erzielt er eine interessante, tribalähnliche Wirkung und gibt den Tattoos »Power« und »Stabilität«, wie er sagt. Erst zum Schluss schattiert er mittels Whip-Shading.

Neben klassischen Traditionals in Farbe tätowiert der Gießener Tätowierer Lars Becker häufig auch nur in Schwarz.

»Traditionals in Schwarz haben diesen schönen Vintage-Touch, das erinnert mich an alte Fotografien, auf denen Tattoos in Schwarz abgebildet sind und diesen besonderen Charme haben«, erklärt er seine Affinität zu Blackwork-Traditionals. Wichtig ist ihm jedoch heute, dass die Motive eine gewisse Ästhetik haben, und das sie auf keinen Fall absichtlich besonders krude darzustellen, wie das früher nicht selten der Fall war. Dass er moderne Elemente wie ein iPhone in seine Arbeit einbaut, kommt für ihn nicht in Frage.

Tattoo von Lars Becker.

Inspirieren lässt sich Lars von der Kunst aus der Jahrhundertwende, stilprägend sind für ihn Bilder aus der viktorianischen Epoche und dem Jugendstil. »Von der Herangehensweise ist das ja auch wieder sehr traditionell. Auch die Tätowierer früher haben ja alles kopiert, was ihnen in die Finger kam und was sie für ein gutes Motiv hielten.« Lars kopiert jedoch nicht eins zu eins, sondern komponiert seine Motive so, dass sie zwar den Look einer alten Tätowierung haben, aber allesamt eigene Entwürfe darstellen. Sein Anspruch, das Motiv zu reduzieren und es trotzdem nicht »platt« aussehen zu lassen, wird vor allem in seinen Frauenporträts deutlich. »Eigentlich ist es eine 
vereinfachte Version einer Realistic-Tätowierung. Über die Schattierungen, aber auch über den Bildaufbau mit Elementen im Hinter- und Vordergrund, bekommen die Tattoos die notwendige Tiefe und Plastizität.«

Eine Aura von Nostalgie umweht die Tätowierungen von Lars Becker. Die Balance von Schwarz zu Hautfarben geht in der Regel zugunsten nicht tätowierter Flächen aus.

Kontakt

Lars Becker
Black Sheep Tattoo
Kleine Mühlgasse 4
35390 Gießen
FB: Black Sheep Tattoo Giessen
FB: lars.becker.393
IG: blacksheeptattoogiessen
IG: larsbeckertattoos
 

Matteo Al Denti

Seit dreieinhalb Jahren ist Matteo Al Denti (36) im Team von Pechschwarz Tätowierungen in Berlin. Der Studioname ist für ihn wie seine Kollegen Programm.
 

Seit dreieinhalb Jahren ist Matteo Al Denti (36) im Team von Pechschwarz Tätowierungen in Berlin. Der Studioname ist für ihn wie seine Kollegen Programm. Trotz eines großen Anteils an satt in Schwarz gestochenen Flächen wirken die Motive von Matteo Al Denti nicht eindimensional. Geschickt baut er die Motive auf zwei Ebenen auf, schattiert mit Dotwork und arbeitet bewusst mit der Haut des Trägers. Bei ausschließlich in Schwarz gestochenen Tätowierungen müssen in meinen Augen die Designs simpel und minimalistisch sein. Details kann man schon einarbeiten, aber nicht zu viele, damit die Motive ihre Eleganz bewahren«, erklärt Matteo Al Denti seine grundsätzliche Herangehensweise an Blackwork-Tätowierungen. Als er vor fünf Jahren mit dem Tätowieren anfing, arbeitete er auch mit Farbe, fühlte sich aber im Umgang damit nicht wohl, auch erschien ihm die Qualität seiner monochromen Arbeiten besser. Große, schwarze Flächen dominieren mittlerweile seine Arbeiten, häufig »schattiert« er mit Dotwork, in seinen neueren Arbeiten setzt er teilweise auch wieder Greywash ein. »Ich möchte nicht, dass meine Arbeiten schmutzig aussehen, sondern ihre Eleganz behalten. Deshalb bin ich auch mit Punkten vorsichtig, setze Dotwork nicht zu massiv ein. Bei klassischen Verläufen in Grau ist das Problem weniger groß, die Übergänge sind softer und das Ergebnis zarter.«

Tattoo von Matto Al Denti.

Immer aber finden sich in seinen Tattoos größere, satt in Schwarz gefüllte Flächen, der Schwarzanteil innerhalb einer Tätowierung liegt zwischen sechzig und siebzig Prozent. »Da ich meine Motive nicht in einen Rahmen einbinde, lege ich Wert darauf, dass sie sich quasi durch die schwarzen Flächen selbst rahmen.« Haare, Kleidung, Fell, also alles, was außen liegt, ist dunkel gehalten, im Innenbereich des Motivs dominiert dann der Hautton des Trägers.

Tattoo von Matto Al Denti.

Die Balance von Schwarz zu Haut ist für die Wirkung beziehungsweise die Kontraste der Tattoos enorm wichtig. Und obwohl er selbst behauptet, dass seine Tätowierungen wegen der schwarzen Schattierungen »zu neunzig Prozent wie Tribal aus den 90er Jahren wirken«, sind sie nicht eindimensional, sondern der Bildaufbau auf Ebenen angelegt und so komplex, dass die Motive eine Geschichte zu erzählen scheinen. Meist eine düstere, sein Vorlagenbuch ist alles andere als ein »happy scetchbook«. Sein Faible für Horror und für die europäische Kunst des Mittelalters sowie die Ornamentik der Art nouveau können seine Tätowierungen nicht verbergen. Dass er gerne auch Tribal-Tätowierungen im Stil von Leo Zulueta stechen würde, also eine moderne Adaption indonesischer Stammestätowierungen, überrascht, wird aber zu einhundert Prozent seiner Vorliebe für Schwarz gerecht.

Mit viel schwarzen und überschattierten Flächen arbeitet der Wahlberliner Matteo Al Denti. Perfekt für die meist düsteren Motive, die trotz farblicher Eindimensionalität viel Plastizität haben.

Kontakt

Matteo AL Denti
Pechschwarz Tätowierungen
Kreuzbergstraße 9
10965 Berlin
FB: matteoaldenti
IG: _maldenti

Felix Ardsen

Seit 2013 arbeitet Felix Ardsen (30) als Tätowierer. Von seiner Homebase aus, dem Hold Fast Tattoo in Leipzig, macht er Guest Spots in ganz Deutschland.

Seit 2013 arbeitet Felix Ardsen (30) als Tätowierer. Von seiner Homebase aus, dem Hold Fast Tattoo in Leipzig, macht er Guest Spots in ganz Deutschland. Linien spielen seinen Arbeiten eine besondere Rolle. Ob gerade gezogen oder geschwungen, markiert er nicht nur die Outlines, sondern gestaltet damit auch die Flächen.

Tattoo von Felix Ardsen.

Nicht zu glauben, aber wahr, am Anfang seiner Tätowiererlaufbahn konzentrierte sich Felix Ardsen auf Aquarell-Tätowierungen. Vor circa drei Jahren besann er sich wieder auf seine Sprayer-Wurzeln und die Prämisse, dass bei einem Graffiti die Linien und Flächen funktionieren müssen, und der Rest unter Effekthascherei verbucht werden kann. Großen Einfluss auf seine Entwicklung hin zum Schwarz hatte Chris Benkert aus Nürnberg, der schon vor Jahren mit Tätowierungen im Stil von Holzdrucken experimentierte. »Man orientiert sich erst mal an einer Idee oder an einem Stil, und entwickelt dann weiter. Ich fand die Holzdruckgeschichteganz interessant, setze aber die Linien mittlerweile anders ein«, erklärt er seinen Schwerpunkt. Häufig nutzt er zwei Linienstärken, mit denen er nicht nur das Motivgerüst bildet, sondern die er auch im Motiv so einsetzt, dass sie einen stark dekorativen Charakter haben. Sein Interesse für Architektur und die Kunst des Jugendstils ist spürbar, Felix betont jedoch, dass er sich von vielen anderen Dingen ebenso inspirieren lässt.

Tattoo von Felix Ardsen.

Aus einer Kombination aus geraden und organisch geschwungenen Linien sowie bildlichen und geometrischen Elementen dekonstruiert er seine Bilder oft in zwei oder mehr Teile, um sie mit Brüchen wieder zu einem Bild zusammenzusetzen, ohne Scheu, größere Flächen und Details mit tiefem Schwarz zu füllen. Der in fast allen Tattoos als Hintergrund oder ins Motiv eingebaute Strahlenkranz wirkt wie eine Signatur. Einen hohen Wiedererkennungswert haben aber seine Linien, die er sehr homogen zieht und die eigentlich nie zackig sind. Der Anfang und das Ende sind aber klar definiert.

Tattoo von Felix Ardsen.

Viele seiner Tätowierungen sind Wanna-dos, meist darf er sie auf den Guestspots umsetzen, die er häufig in Berlin, Bielefeld, Würzburg und weiteren einlegt. »Der größte Teil meiner Tattoos sind aber Kundenwünsche, bei deren Umsetzung mir aber nicht nur wichtig ist, dass der Kunde mit dem Ergebnis zufrieden ist, sondern auch, dass ich hinter Motiv und Umsetzung stehe«, erklärt er den ständigen Kompromiss, den ein Tätowierer als Dienstleister eingehen muss.

Linien bilden bei Felix Ardsen nicht nur das äußere Gerüst, sondern auch innerhalb der Motive spielen sie bei der Gestaltung eine große Rolle. Eine besondere Spannung erzeugt das Nebeneinander von geraden und organischen Linien.

Kontakt

Felix Ardsen
Hold Fast Tattoos
Kochstraße 29B
04275 Leipzig
IG: felix_ardsen
FB: Felix  Ardsen Tattoo
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Stand:24 April 2018 20:15:34/t%C3%A4towierer/drei+zu+eins+blackwork-tattoos_171121.html